Jeder ist sich selbst der Nächste

Veröffentlicht am 9. Dezember 2008 um 12:40 Uhr von Anna Friedrich

Narzissmus wird im Internet zur Medienregel. Wert legen die Nutzer alle nur auf eines: Ich, ich und nochmal ich. Je peinlicher der Auftritt online, desto sicherer die Aufmerksamkeit der anderen. Das Web ist ein Paradies zur Selbstinszenierung, zur (Neu-)Konstruktion des eigenen Ichs.

Über Klickraten, Bewertungen und Kommentare bekommen die Selbstdarsteller Feedback vom Zuschauer - das legitimiert alles. Von einer Hemmschwelle, wer welche Informationenvon Fotos über Filme hin zu Status-Updates sehen kann, keine Spur. Ironisch bezeichnet Welt-Redakteurin Silke Wichert diese "Lohnabrechnung" als gerecht. "Nie war Egopflege einfacher und transparenter", schreibt sie.

Menschen, die ohne erkennbare Begabung berühmt werden, sind ein Phänomen. Gerade sie nutzen das Internet perfekt. Vom Obama-Girl, einer US-Schauspielerin, die die Obamania erfolgreich als Karriereschub einsetzen konnte, haben wir bereits berichtet (--> Obama sammelt Wähler im Netz). Britney Spears versucht verzweifelt, durch ihre Aktivitäten online ihre alte Bekanntheit wieder zu beleben.

Auf MySpace "tourt" Tila Tequila. Die vorher unbekannte bi-sexuelle Asiatin hat es über MySpace geschafft, eine ganze MTV-Serie ins Leben zu rufen, die besser ankommt als die von Britney Spears. Hier hat sie jetzt schon die zweite Staffel namens "A Shot in Love II" gestartet: eine Reality Soap, in der Sie die Liebe ihres Lebens sucht. Ob Mann oder Frau? Das weiß sie natürlich noch nicht. Die kürzlich im deutschen Kanal ausgestrahlte achte Folge der Staffel zeigt einmal mehr die unglaubliche Exhibitionsbereitschaft der Mitwirkenden. Alle Serien sind selbstverständlich online.20narc-500.jpg

US-Psychologin Jean Twenge von der University of San Diego bezeichnet die heutige Generation amerikanischer Jugendlicher und Studenten als die selbstverliebteste überhaupt. Sie hat mit einem Fragebogen im Jahr 2006 den Grad des Narzissmus unter amerikanischen College-Studenten gemessen. Die Werte lagen um fast ein Drittel höher als vor 25 Jahren. Nach ihrem Buch "Generation Me" veröffentlicht sie bald das nächste, in dem sie das Phänomen der Selbstverherrlichung thematisiert: "The Narcissism Epidemic".

Georg Franck, der die Bücher "Ökonomie der Aufmerksamkeit" und "Mentaler Kapitalismus" geschrieben hat erklärt die Motivation der Online-Exhibitionisten so:

Aufmerksamkeit von anderen erhöht unsere eigene Wertschätzung, so sind wir von Natur aus Egoisten und soziale Wesen zugleich. (...) Aufmerksamkeit ist in einer Mediengesellschaft die kostbarste Währung. Jetzt aber hat theoretisch jeder die Möglichkeit, massenhaft davon einzusammeln und - siehe Paris Hilton - man muss nicht einmal besonders viel dafür können!

Damit sei, so Franck gegenüber der Welt, die Sozialdemokratie doch noch beim Volk angekommen. Ganz unrecht hat er damit nicht. Die Webwelt kann aber auch echte Talente zum Vorschein bringen: die Sängerin Ingrid Michaelson wurde ebenfalls über ihr MySpace-Profil berühmt. Ihre Entdeckerin hat ihre Musik für die beliebte Arztserie "Grey's Anatomy" lizenzieren lassen und machte sie damit über Nacht zum Star.

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Facebook-Zensur in Italiens Firmen

Veröffentlicht am 19. November 2008 um 18:25 Uhr von Anna Friedrich

Kein Zugang zu Facebook am Arbeitsplatz - das ist in Italien ab sofort eher die Regel als die Ausnahme. Von mehr Effizienz am Arbeitsplatz durch soziale Netzwerke wollen italienische Unternehmen anscheinend nichts wissen.

Wie die Poste Italiane verbieten viele Unternehmen ihren Mitarbeitern ab sofort, Facebook zu nutzen. Sie vergeuden, so die Begründung, nur ihre Arbeitszeit. Die Stadt Neapel erlaubt eine eingeschränkte Facebook-Benutzung von einer Stunde pro Tag - sechs "Rationen" à zehn Minuten. Da fragt man sich, ob die Stadtverwaltung auch die Toiletten-Pausen regelt?

Anders ist die Einstellung beim Automobilproduzenten Fiat. Hier wird der Netzwerk-Gigant für Online-Marketingzwecke eingesetzt - alle Fiat-Modelle sind auch auf Facebook.

Von den 120 Millionen registrierten Benutzern weltweit zählt Facebook allein in Italien 4,2 Millionen (Stand: September). Dabei ist das Wachstum gigantisch: Die Nutzerzahlen haben sich von Mai bis September 2008 mehr als vervierfacht!

Warum sind Verbote schlecht? Netwerke verbessern die interne Kommunikation, die Arbeitsorganisation und geben ein Gefühl der Zugehörigkeit. Warum darauf verzichten? (s. Blogeintrag Soziale Netzwerke machen das Arbeiten effizienter)

Und, was noch viel wichtiger ist: werden Web 2.0-Anwendungen wie Facebook intern verwehrt, dann können sie auch schlecht für die Kommunikation nach außen mit der Zielgruppe genutzt werden. Die Videobotschaft von Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner, in der er seinen Angestellten die Umstellung der Betriebs-IT auf Mac erklärt, ist doch ein schöner Anfang. Oder die Telekom-Kampagne "Die neue Telekom", in dem Vorstand René Obermann Stellung zum Umbau im Unternehmen nimmt. Wenngleich bei der Telekom-Seite die Kritik laut wurde, dass keine Kommentar-Funktionen vorhanden sind.

Glaubt man einer Studie der Sales-Firma Xenagos, dann verpassen Vertriebsfirmen große Verkaufschancen in sozialen Netzwerken. Denn im Internet stecke, "großes Potential für die Geschäftsanbahnung - hierzulande bleibt es jedoch weitgehend ungenutzt." Mehr dazu im Whitepaper „Social Networks im Vertrieb - Nutzung und Perspektiven". Darin rät Xing-Evangelist Joachim Rumohr jedoch davon ab, Konten auf sozialen Netzwerken ausschließlich für Firmenzwecke einzurichten:

Ein Soziales Netzwerk besteht aus einzelnen Personen mit persönlicher Geschichte, Erfahrungen und auch persönlichen Zielen. Privates und Berufliches ist kaum zu trennen. Persönliches und die Ansprüche des Unternehmens können im Widerspruch stehen. Corporate Accounts halte ich daher in der Ausgestaltung für schwierig.

Tatsächlich sind doch die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben im Web 2.0 fließend. Von Xing über Twitter bis hin zu Facebook - gibt es Accounts die wir tatsächlich nur für "das Eine" benutzen?

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Soziale Netzwerke machen das Arbeiten effizienter

Veröffentlicht am 14. November 2008 um 11:07 Uhr von Anna Friedrich

Die Begeisterungen um das Web 2.0 dreht sich immer um den B2C-Bereich, dabei liegt gerade im Einsatz von solchen Applikation innerhalb von Unternehmen großes Potential. Damit, ob und wie soziale Netzwerke in Firmen Einsatz finden, hat sich eine Studie von Dynamic Markets befasst. Die vom US-Telekommunikationsunternehmen AT&T in Auftrag gegebene Untersuchung beweist, dass Unternehmen mit dem Einsatz von sozialen Netzwerken ihre Effizienz steigern.

Dies ergab die Auswertung der Antworten von 2.500 teilnehmenden Angestellten aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Ähnliche Ergebnisse lieferten auch schon Studien von Psychonomics und Demos (s. Blogeintrag Online-Vernetzung macht Firmen produktiver).

Am häufigsten an europäischen Arbeitsplätzen eingesetzt werden demnach:

  • Firmeneigene Plattformen zur Zusammenarbeit im Intranet (39 Prozent)
  • Foren innerhalb des Unternehmens (20 Prozent)
  • Vom Unternehmen produziertes Videomaterial, das über Intranet zugänglich ist (16 Prozent)
  • Online-Netzwerke wie LinkedIn, Facebook etc. (15 Prozent)
  • Externe Kooperations-Tools wie Wikis und interne Blogs (jeweils 11 Prozent)

Laut Ergebnissen sehen rund zwei Drittel der teilnehmenden Angestellten soziale Netzwerke als Teil ihrer Arbeitskultur an. Außerdem zeigte die Studie, dass gerade in deutschen Unternehmen am häufigsten Web 2.0-Technologien im Arbeitsalltag eingesetzt werden - und zwar von 72 Prozent der Befragten. Von den Briten hingegen nutzen nur 59 Prozent die Plattformen am Arbeitsplatz. Insgesamt sehen 74 Prozent der befragten Europäer soziale Netzwerken und Online-Communities große Vorzüge für die Arbeit.

1CC8FF27DEFA382A4872C8DAB4D1E342_800x600.jpgAls besonders vorteilhaft nennen sie zu je 38 Prozent die Erweiterung des Wissenshorizonts und der Zugang zu Problemlösungen. 36 Prozent sehen Vorteile in der Nutzung des kollektiven Wissens von Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten und weitere 32 Prozent geben an, dass soziale Netzwerke die Teambildung und die interne Zusammenarbeit erleichtern.

Aber kein Trend hat nur gute Seiten: 79 Prozent der Befragten sehen auch die Nachteile der neuen Arbeitsweise mit sozialen Netzwerken. Knapp die Hälfte der europäischen Arbeitnehmer nennt hier die Punkte. 45 Prozent äußern zudem Bedenken zur Sicherheit, da über soziale Netzwerke vertrauliche Daten aus dem Unternehmen in die Öffentlichkeit gelangen können. 30 Prozent der befragten deutschen Angestellten geben an, negative Erfahrungen gemacht zu haben. Verglichen mit anderen europäischen Ländern ist die Gefahr damit in Deutschland am größten. Dabei muss berücksichtigt werden, dass in Deutschland soziale Netzwerke am stärksten genutzt werden (72 Prozent).

Der AT&T Vice President für Deutschland und Zentraleuropa, Joachim Kathmann, betont, dass in Europa ein klarer Trend vorherrscht, soziale Netzwerke im Arbeitsalltag einzusetzen. Sie fördern, so der Vice President, die Zusammenarbeit im Unternehmen und steigern die Leistungsfähigkeit und Produktivität der Arbeitnehmer:

Die Nutzung von sozialen Netzwerken und anderen Kollaborations-Tools verändert die Art und Weise, wie Unternehmen kommunizieren. Es ist wichtig, genau zu analysieren, für welche Bereiche diese Anwendungen in Unternehmen einen Nutzen bringen.

An welchen Kriterien kann man aber messen, ob die Arbeit mit den neuen Anwendungen wirklich einen Mehrwert bringt? Ein Viertel der Studienteilnehmer ist sich da nicht sicher. Kathmann sagt weiter:

Die Veränderung ist eher soziologisch als technologisch, deshalb ist es schwierig, die Kriterien traditioneller ROI-Berechnungen auf die Arbeit mit sozialen Netzwerken anzuwenden.

IT-Manager bezweifeln häufig, dass sich der Einsatz der Web-2.0-Techniken positiv auf das operative Geschäft auswirkt. Einer Forrester-Untersuchung zufolge, werden nicht nur soziale Netzwerke, sondern auch der Einsatz von Wikis für Unternehmen eine Rolle spielen. "Wikis haben mehr als alle anderen Web-2.0-Tools bewiesen, wie viel ihr Einsatz bewirken kann", so der Autor der Studie, Gil Yehuda.

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Gruppen für japanische Twitter-Fans

Veröffentlicht am 5. November 2008 um 11:10 Uhr von Anna Friedrich

Nachdem die berühmte Microblogging-Plattform erst im April diesen Jahres in Japan gestartet ist, launcht der japanische Twitter-Partner Digital Garage jetzt die Twitter-Community Twicco.

Endlich gibt es eine Seite, auf der Twitter-Maniacs Gruppen gründen bzw. ihnen beitreten können. Denn trotz der Millionen Nutzer auf Twitter sind die einzelnen Zwitscher-Communities vergleichsweise klein. Dies soll sich jetzt ändern - zumindest in Japan. Bisher ist Twicco nämlich nur auf japanisch verfügbar. Ein Launch in weiteren Sprachen ist in Planung.

Twicco JP klein.jpg

Zur Zeit nutzen einige Twitterer Tweetdeck, um sich gruppenähnlich zu organisieren. Trotzdem ist ein Gruppen-Feature von den meisten gewünscht. Stan Schröder von Mashable vermutet aber, dass die Twitter-Entwickler Angst haben, die Einfachheit von des 140-Zeichen-Wunders mit einer Gruppen-Community "kaputt" zu machen. Fraglich ist sowieso, warum die Anwendung nicht direkt auf Twitter integriert wird?

Loic Le Meur von seesmic hat zu Twicco ein Demo-Video veröffentlicht.

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Zieht bald die Online-Demokratie ins Weiße Haus?

Veröffentlicht am 4. November 2008 um 9:23 Uhr von Anna Friedrich

Der Paradigmenwechsel des Wahlkampfes wird folgen haben, wenn Obama der neue amerikanische Präsident wird. Davon ist auch Tobias Moorstedt überzeugt:

Traditionell ist Lobbyismus in den USA sehr einflussreich. Immer wieder wurde versucht, Interessen mit dem Hinweis durchzusetzen: Mr. President, wir haben Sie finanziert. Ich bin mir sicher, dass Barack Obama auch nach der Wahl weiter mit seinen Anhängern und Geldgebern über seine Website kommunizieren wird. Und seine Community wird ihm dort mitteilen: Wir haben dich ins Amt gehoben und damit bist du uns verpflichtet.

Insgesamt sieht der Buchautor, ist diese neue Art des Wahlkampfs im Cyberspace nicht nur als simples Tool an, um neue Wähler zu gewinnen. Moorstedt sieht diese Online-Demokratisierung eher als eine völlig neue Möglichkeit für Bürgerinnen und Büger, an der Politik und damit auch an der Wahl des Präsidenten teilzuhaben. Politik im Netz ist eine Revolution gegen die alteingefahrenen Strukturen. Deshalb heißt sein Buch auch "Jefferson's Erben": Thomas Jefferson ist der Prototyp des Freiheitspräsidenten. Und die Tatsache, dass er (vermutlich) sechs Kinder mit seiner Leibeigenen Sally Hemings hatte, stellt im weitesten Sinne eine weitere Verbindung zu Obama her.

Noch wichtiger aber ist, dass Jefferson von den Bürgern abverlangte, dass sie sich für eine funktionierende Demokratie beteiligen müssen anstatt einfach nur hinzunehmen, was der Staat vorschreibt. Er ist damit der Vorreiter der heutigen "E-Democracy". Moorstedt schreibt, dass Presse, Funk und Fernsehen in ihrer Berichterstattung in den Wahlkämpfen versagt haben und dass sich deshalb das Internet zur Kommunikations-Plattform für liberale US-Bürger entwickelt hat. Hier lassen sich die Wähler mobilisieren.

Damit lässt sich doch der Cyberspace-Wahlkampf vor allem auf eines zurückführen: den Wandel des Journalismus, den die USA nicht erkannt hat. Denn es geht nicht mehr um eine einseitige Kommunikation zum Medienkonsumenten über assymetrische Kanäle. Jeff Jarvis sagte kürzlich in einem Interview der Süddeutschen Zeitung:

Journalismus wurde ursprünglich als etwas definiert, und damit gleichzeitig eingegrenzt, was er die längste Zeit über war: ein täglich produziertes und vertriebenes, vom Sender zum Empfänger kommuniziertes, mono-mediales Produkt. Heute kann Journalismus so viel mehr sein: kollaborativ, wechselseitig, einfach zu korrigieren, kontinuierlich und aktualisierbar.

Jetzt müssen die Leser nicht mehr hinnehmen, was die Massenmedien ihnen "auftischen". Sie können selbst bestimmen, was diskutiert wird und partizpieren aktiv am Geschehen der Politik. Moorstedt sieht in der die Radiotheorie von Brecht realisiert sieht, dessen Vision es war "den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen."

In Amerika wurde diese Utopie auf das Internet übertragen: Blogs und Co. wurden für die digitale Interaktion mit der Politik instrumentalisiert und massentauglich gemacht. Einen Podcast über eine Rezession seines Buchs.

Gespannt bleibt abzuwarten, ob die neue Mitmach-Politik im Netz auch in der Wahl des "richtigen" Kandidaten bestätigt wird. Der Einzug von Obama ins Weiße Haus wäre vermutlich der Anfang einer Demokratie, in der alle miteinbezogen werden - bis hin zum Gesetzesentwurf nach dem Wikipedia-Prinzip...

Ob die deutsche Politik den Cyberspace auch so für sich nutzen könnte? Sicherlich werden sich die Konzeptioner der Wahlkampagnen einiges von Obama's Webpräsenz lernen können. Dennoch hat die Bloggerkultur in Deutschland bei politischen Themen einen sehr viel geringeren Stellenwert als in den USA. Darauf weiß auch Jeff Jarvis keine Antwort:

Manche erzählten mir, dass die Deutschen nicht so gerne mit ihrer Meinung herausrücken, sie schon gar nicht öffentlich kommunizieren. Aber ich glaube, dass sich daran etwas ändern wird, wenn sich unser Leben immer mehr ins Internet verlagert und sich unsere Sozialbeziehungen stärker im Virtuellen abspielen.

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Obama sammelt Wähler im Netz

Veröffentlicht am 3. November 2008 um 14:40 Uhr von Anna Friedrich

Es ist schon erstaunlich, dass Barack Obama über eine Internet-Community und -Präsenz verfügt, die viermal so groß ist wie die seines Konkurrenten McCain. Dazu hat der Webstratege Jeremiah Owyang hat folgende Statistik aufgestellt:
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Die Wahlkampf-Kampagne des demokratischen Präsidentschaftskandidaten hat das Mitmach-Web entdeckt und auch den amerikanischen Walhkampf revolutioniert. Eine Mitarbeiterin des Campaign Finance Institutes in Washington betont:

Der eigentliche Kern von Obamas Story ist, dass er das Internet als umfassende Wahlkampfstrategie einsetzt. Er wirbt nicht nur Wahlkampfspenden an, sondern organisiert eine Freiwilligen-Bewegung.

Massenmails von Obama sind ein Teil seines Schneeball-Prinzips. Über kleine Spenden im Web konnte der Kandidat mittlerweile rund 600 Millionen Dollar Spendengelder kassieren. Seine Netzbasis wird in Social Communities organisiert: auf seiner MySpace- und Facebook-Seite sind mittlerweile über 2,7 Millionen Fans registriert. Die eigene Social Community mybarackobama.com hat rund 2 Millionen Mitglieder. Diese Basis nutzt Obama, um seine Fans einzuspannen: für Obama-Partys zum Beispiel oder dafür, Nachbarn zur Stimmabgabe für ihn zu überzeugen.

Angeblich wurde für die Online-Kampagne eigens Facebook-Gründer Mark Zuckerberg als Berater eingestellt. Er unterstützte den Aufbau der Kampagnen-Website und stand mit seinem Know-how um den Boom der Social Networks zur Seite - von E-Mail-Benachrichtigungen über einen personalisierten Bereich auf mybarackobama.com bis zur Diskussion auf dem Blog.

Mit dem intensiven Kontakt zu seinen potentiellen Wählern im Netz schafft Obama einen direkten Weg - er umgeht die Presse und spricht seine Fans direkt an. Gerade junge Amerikaner, die weniger politikaffin sind, fühlen sich angesprochen.

Ein schönes Beispiel für den Online-Rummel um den potentiellen Präsidenten ist das selbst ernannte Obama Girl. Amber Lee Ettinger wurde bekannt durch ihr YouTube Video "I got a Crush... on Obama". Eine virale Kampagne, über die die Medien viel berichteten und die Symbol ist für das amerikanische Volk, das durch sein Engagement im Netz die Begeisterung für den Wunschkandidaten Obama zum Ausdruck bringt. YouTube kann sich vor Obama-Videos kaum noch retten. Auch die bekannte Komödiantin Sarah Silverman will in ihrer Video-Kampagne ihre jüdischen Mitbürger dazu bringen, für Obama zu stimmen.

Falls diese Bewegung aus dem Web Obama ins Weiße Haus bringt, wird das Internet das politische System verändern. Damit hat sich Tobias Moorstedt in seinem Buch "Jeffersons Erben" befasst. Er hat das Phänomen Obama als Demokratisierender im Netz unter die Lupe genommen. In einem Interview mit dem Tagesspiegel erklärt er, was den demokratischen Kandidaten so erfolgreich macht:

Es sind drei Dinge, die Obamas Online-Wahlkampf so erfolgreich machen: Erstens schafft er es, seinen Anhängern das Gefühl einer Gemeinschaft zu geben. Wer sich auf seiner Website registriert hat, erhält beispielsweise direkt nach den TV-Duellen Emails mit „persönlichen" Einschätzungen. Solche exklusiven Informationen verbinden den Präsidentschaftskandidaten mit seinen Anhängern.


Zweitens verbindet er über seine Seite mybarackobama.com Gleichgesinnte. Die technische Infrastruktur, die seine Website mybarackobama.com bietet, ermöglicht unbekannten Menschen zusammen Veranstaltungen, Treffen und Aktionen rund um die Wahl ihres Kandidaten zu organisieren.

Drittens nimmt die Kampagne den so genannten „voter generated content" von der Basis auf und integriert ihn. Das bekannteste Beispiel ist der Videoclip „Yes we can" des Sängers will.i.am von den Black Eyed Peas, der ohne Zutun der Obama-Kampagnen-Manager entstanden sein soll und schließlich vom Wahlkampfteam per Mail herumgeschickt wurde. Obama schafft es sehr gut, von der Kreativität und der Energie seiner Anhänger zu profitieren und sie zugleich auch ernst zu nehmen.

Dies zeugt vom politischen Wandel im Wahlkampf und Obama würde - wenn er gewählt wird - als US-Präsident mit seiner Internet-Datenbank auch ein Gegenelement zur altbewährten Parteipolitik in Washington liefern.

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Online-Vernetzung macht Firmen produktiver

Veröffentlicht am 30. Oktober 2008 um 18:03 Uhr von Anna Friedrich

60 Prozent der deutschen Internetnutzer sind in mindestens einer Netzwerk-Community aktiv. Dies vermeldet das Marktforschungsinstitut Psychonomics im heute veröffentlichten "Social Network Barometer". Besonders beliebt bei den Befragten sind dabei die Netzwerke StayFriends mit 37 Prozent, studiVZ mit 29 Prozent und MySpace mit 22 Prozent. Die drei Motive, die am häufigsten als Nutzungsgrund genannt werden sind: Unterhaltung, Meinungsaustausch und Arbeitsleben.

In Deutschland sind also fast zwei Drittel in Social Networks. Gleichzeitig verbringen wir aber in der Regel mindestens die Hälfte des Tages (im Wachzustand) auf der Arbeit. Damit, ob Social Networks auch am Arbeitsplatz Sinn machen, hat sich die Studie "Network Citizens" befasst.

Die britischen Marktforscher von Demos belegen darin, dass soziale Netzwerke die Kommunikation innerhalb einer Firma positiv beeinflusst. Außerdem stellen Facebook und Co. laut Studienergebnissen - entgegen der allgemein gültigen Haltung der meisten Arbeitgeber - keine Zeitverschwendung dar. Deshalb sei es mehr als kontraproduktiv, Verbote aufzustellen - dies könnte dem Unternehmen sogar schaden. Besser für die sei es, die Mitarbeiter zu motivieren, soziale Netzwerke stärker zu nutzen. Denn, so die Begründung der Forscher, sowohl im Privat- als auch im Berufsleben teilen sich Menschen bevorzugt über diese Online-Portale mit.

Viele Firmen nutzen die Möglichkeiten des Netzes bereits, z.B. zum Dokumentenaustausch. Dabei werden vor alle Business-Portale wie LinkedIn oder das deutschen Xing genutzt. Die Netzwerke Facebook, MySpace etc. werden meist vernachlässigt. Die Autoren Peter Bradwell und Richard Reeves von Demos glauben, dass hier viel Potenzial brach liegt:

These online platforms (...) promote new kinds of connection and exchange. They help encourage more collaboration, and open up new spaces for innovation. They help make our sense of personal identity and our relationship to others more pronounced. The technologies that help this happen have become embedded in everyday life. (...) As this has happened, it has exacerbated the need to look past the question of how networks interrupt or contradict an organisation's way of working. We should ask what the logic of networks, as it unfolds in everyday life, means for how an organisation can and should work.

Diskussionen um die Sinnhafitgkeit sind also laut Demos-Forscher mehr als überflüssig. Im Gegenteil müssten Social Networks als Teil der internen Kommunikation in Unternehmen anerkannt werden. So können die Networks es erleichtern, mit ehemaligen Mitarbeitern oder Kollegen und auch mit Kunden in Kontakt zu bleiben und potenzielle Kunden auf sich aufmerksam zu machen. All das steigert die Produktivität eines jeden Unternehmens.

Werden Networking-Seiten eingesetzt, so raten die Autoren den Firmen aber, klare Regeln zu etablieren. Den Mitarbeitern muss klargemacht werden, dass soziale Netzwerke während der Arbeitszeit in erster Linie beruflich zu nutzen sind. Dennoch sollte auch ein gewisser Freiraum gegeben werden, sich online zu orientieren und zu entwickeln.

Sogar der alteingefahrene Branchenverband BITKOM beginnt, die Vorteile von sozialen Netzwerken für den Geschäftsbereich zu erkennen und lässt in einer Pressemitteilung kommunizieren:

Blogs, Wikis & Co. erhöhen die Produktivität der Unternehmen und haben ihren festen Platz in den Arbeitsabläufen gefunden. (...) Unternehmen können Informationen schneller und einfacher recherchieren und somit besser auf neue Markttrends reagieren.

Das Research-Unternehmen Gartner berichtete bereits im Juli von Studienergebnissen, die zeigen, dass das Potenzial von Social Networks im Geschäftsleben stark unterschätzt wird. Gartner-Projektmanagerin Julia Lin zufolge sind die sozialen Netzwerke Ausdruck des sich seit Jahren entwickelten menschlichen Verhaltens, immer mehr Kommunikationstechnologien zu schaffen:

Social networking is arguably as old as humanity, not something new that has been invented for so-called 'digital natives'. However, social networking has found new forms of expression on the Internet which has helped to reshape the purpose and protocols of social networking in the online world and beyond. How to apply this in a corporate environment will be the next major challenge.

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Direktmarketing: Nutzer wollen selbst entscheiden, wie sie beworben werden

Veröffentlicht am 27. Oktober 2008 um 18:43 Uhr von Anna Friedrich

ExtraTarget, ein Researchunternehmen für E-Mail Marketing, hat in Zusammenarbeit mit dem Media Design Center der US-Universität Ball State University untersucht, was bei den Amerikanern online zu Kaufentscheidungen führt. In einer Studie wurden über 1.500 US-Internetnutzer im Alter zwsichen 15 und 65 plus zu ihrer Einstellung und Nutzung von eins-zu-eins Kommunikationsmitteln befragt.

Dabei siegen in der - wohl für Onlinemarketing wichtigsten Gruppe der 18 bis 34-Jährigen - eindeutig Direktnachrichten und Email als mögliche Werbekanäle. Mike Bloxham von der Ball State University erklärt:


One of the key findings in this research is that 18- to 34-year-olds claim they are more likely to be influenced to make purchases based on e-mail marketing messages and direct mail than marketing messages on social networks. It is too easy to assume that the media consumers choose for their own news, information and entertainment are, by default, the best media to use for marketing messages. This is a dangerous assumption to make in a time when consumers are becoming increasingly aware of their level of control over their media experiences.

Was die Untersuchung der in sechs Personengruppen unterteilten Befragten außerdem noch ergab:

  • Von den Vernetzten, das sind in der Regel junge männliche Konsumenten zwischen 18 und 34, die keine Kinder haben, sind 20 Prozent für Sms-Marketingdienste angemeldet. Nachrichten sind jedoch nur dann erwünscht, wenn sie wirklch brisant sind, z.B. wichtige Finanznews oder Reiseupdates.

  • Über die Hälfte der jungen Hausfrauen zwischen 18 und 34 benutzen tagsüber soziale Netzwerke und Sms-Nachrichten, aber bevorzugen Direktnachrichten und Email als Werbekanäle.

  • Selbst bei den Konsumenten im Rentenalter, männliche und weibliche Rentner, haben mehr als 80 Prozent bereits Online-Käufe getätigt und 94 ließen sich dabei von Direktmarketing leiten.

  • Besonders spam-bewusst sind die College-Studenten: sie empfinden es als Tabu, private Kommunikationskanäle wie Sms und soziale Netzwerke für Werbezwecke zu missbrauchen.

  • Teenager von 15 bis 17 Teens nutzen im Verlgeich am meisten soziale Netzwerke. Aber sie lassen sich primär durch Direktnachrichten und Emails in ihrer Kaufentscheidung beeinflussen, gefolgt von den Kanälen Sms und sozialen Netzwerken.

  • Frauen kommunizieren bei den Berufstätigen eher über Medien, wie Instant-Messengers, Sms und soziale Netzwerke, als ihre männlichen Kollgen. 92 Prozent beider Geschlechter allerdings haben bereits im Internet eingekauft.

Insgesamt bietet die Studie Messaging Behaviors, Preferences and Personas Ergebnisse, die sich auch in den Köpfen der Marketiers einprägen sollten.

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Interessanterweise dreht sich bei den "Textnachrichten" die Beliebtheit der Kaufkanäle um. Bei den Kanälen Direktnachricht, Email und Telefon ließ sich jeweils die Altergruppe 25 bis 34 beeinflussen. Bei SMS sind es nun die Teenager, von denen 11 Prozent aufgrund von Produktwerbung kaufen. Social Networks werden bei Ihnen mit 10 bis 12 Prozent ähnlich als Werbekanal akzeptiert wie SMS.

Klar spielen alle Kanäle eine Rolle im Marketingmix - dennoch zeigt sich, dass gerade die Social Networks als Marketingtool zur Kaufentscheidung deutlich überschätzt wurden. Ausserdem sind die Ergebnisse auch leicht widersprüchlich zur aktuellen Bitkom-Prognose, nach der die Bedeutung mobiler Datendienste steil wachsen soll und der Industrie bis 2012 gar 0,7 Mrd. Euro umsatz einbringen soll. Und laut einer Studie von Forrester Research werden bis zum Jahr 2013 sogar 125 Millionen Europäer mobil im Netz surfen.

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Viel Wachstumspotenzial für Soziale Netzwerke

Veröffentlicht am 24. Oktober 2008 um 18:12 Uhr von Anna Friedrich

In den USA zählen Twitter.com, Tagged.com und ning zu den am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerken. Twitter konnte seine Besucherzahlen (unique audience) mit 343 Prozent innerhalb von einem Jahr mehr als verdreifachen. Tagged gewann beachtliche 330 Prozent hinzu und ning wuchs um 251 Prozent. Dies zeigt das aktuelle Ranking des Internetanalyse-Unternehmens Nielson Online vom September 2008.

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MySpace.com zählt bei der Datenerhebung vom September diesen Jahres 59,4 Billionen (!) Besucher und sichert sich damit die Spitzenposition in der Top 10 der Social Networks in den Vereinigten Staaten. Allerdings ist der Netzwerk-Gigant nur um ein Prozent gegenüber dem vorangegangenen Jahr gewachsen. Mit rund 39 Billionen Besuchern ist Facebook mit Abstand auf dem zweiten Platz - dafür stiegen die Besucherzahlen der Zuckerberg-Erfindung um 116 Prozent an. Classmates Online folgt mit 17 Billionen und einem Wachstum der Seitenaufrufe von 28 Prozent.

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Interessant ist, dass fast die Hälfte der führenden Sozialen Netzwerke auch zu den am schnellsten wachsenden gehören und sie gehören zu den beliebtesten bei der Altersgruppe über 25. Vor allem Facebook und LinkedIn zeigen einen starken Wachstumsschub. MySpace wächst vor allem bei Besuchern im Alter zwischen 12 und 17 und scheint sehr "jugendlich". Facebook und LinkedIn dagegen profitieren eher davon, dass Soziale Netzwerke ins Berufsleben integriert werden. Denn sie nehmen vor allem bei Altersgruppen zwischen 25 bis 34 bzw. 35 bis 49 Jahren zu. Reunion.com, eine im deutschsprachigen Raum wohl eher unbekannte Seite, vereint alte Freunde, Klassenkameraden und Kollegen und hat mit einem Alter von 55 bis 64 deutlich ältere Besucher. Tagged.com, das seine Besucherzahlen ja auch mehr als verdreifacht hat, zählt am den größten Zuwachs bei den 35- bis 49-Jährigen. Die ursprüngliche Zielgruppe von Tagged.com waren witzigerweise Teenies.

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Welche Social Networks dominieren in wo?

Veröffentlicht am 21. Oktober 2008 um 16:17 Uhr von Anna Friedrich

Diese Karte von der britischen Webagentur Oxyweb zeigt, welche Social Networks weltweit von Mitte September bis Mitte Oktober 2008 am meisten Traffic hatten - unabhängig von den Seitenaufrufen, Mitgliedszahlen oder sonstigen Kriterien.

In Deutschland verkehrt man offenbar am meisten auf StudiVZ, während in den USA MySpace und in Australien Facebook ganz oben stehen. Orange gefärbe Länder besuchen am häufigsten das Netzwerk Hi5, darunter große Teile Mittelamerikas, Angola und die Mongolei. In Frankreich und Algerien rockt Skyrock. Die Daten stammen von Alexa und sind somit einigermaßen representativ.

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Twittern oder nicht Twittern - ist das (noch) eine Frage?

Veröffentlicht am 17. Oktober 2008 um 14:54 Uhr von Anna Friedrich

Twitter, das Zwitscher-Tool, ist und bleibt ein Kommunikations-Phänomen. Zweieinhalb Jahre nach dem Launch des ersten Microblogging-Systems zählen Beobachter gut drei Millionen Nutzer auf Twitter - eine offizielle Zahl gibt es nicht. Mit der 140-Zeichen-Welt sollten sich PRler und Strategen intensiver befassen und sie für ihre Zwecke einsetzen. So zumindest die Meinung von APR-Autor und Medienanalyst Ryan Zuk.

Bei Twitter dreht sich alles um diese Kurznachrichten derer, die sie lesen ("Followers") und derer, denen man selbst folgt ("Following"). Neben der regulären Webseite www.twitter.com gibt es zahlreiche Drittapplikationen, darunter auch netvibes, Twitbin oder Twitteriffic. Natürlich kann man seinen Status auch per Sms oder Messenger aktualisieren. Twitter ist flexibel und ist über alle möglichen Kanäle erreichbar - immer und überall (s. Hyper, Hyper immer weiter???).

Nicht-Twitterer vom Zusatznutzen zu überzeugen, ist schwierig. Nach dem Motto "Barfuß oder Lackschuh" ist man entweder völlig verzaubert und süchtig nach "Gezwitschere" oder man kann diese mitteilungsbedürftigen Menschen, die sich online rumtreiben oder von unterwegs berichten, einfach nicht verstehen.

Zwitschernde präsentieren sich selbst, ihres Marke oder ihren Kunden - nicht umsonst wird Twitter die Plattform der Selbstdarsteller genannt. Nutzer setzten die kurze und prägnante Micro-Nachricht aus unterschiedlichsten Motivationen und für alle möglichen Ziele ein. Von einflussreichen Industriellen, über Journalisten, Analysten, Prominente, Autoren, Politiker, Unternehmen, Konsumenten bis hin zu Kommunikationsprofis sind alle Gruppierungen bei Twitter vertreten. Sie beschäftigen sich mit den Fragen, wie sie sich fühlen und was sie gerade tun oder bringen andere aktuelle Themen in den Newsstream, mit denen sie sich gerade beschäftigen.

Bendikt Köhler, Sozialwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr in München, packt den Twitter Mythos in schöne Worte:

Mikro-Blogging ist wie ein dauerhaftes Flurgespräch, bei dem es ständig etwas Neues zu erfahren gibt und in das man sich beliebig ein- und ausklinken kann.
Durch den dialogischen Charakter von Twitter verändert sich das Informationsverhalten. Nachrichten werden nicht mehr bloß rezipiert, sondern diskutiert und weitergegeben. Jeder ist ein Knoten in einem nahezu weltumspannenden Netz von Informationen.

Das wirklich spannende an Twitter ist, dass es zusätzlich zum ursprünglichen Kommunikationsradius weitere Reichweiten schafft. Und gerade das ist es, was dieses unscheinbare, aber phänomenale Tool so wichtig und interessant für PRler macht.

Social Media Experte Paul Greenberg, sieht es nicht mehr als Frage an, ob Twitter relevent ist. Nein, das Microblogging-Wunder ist aus seiner sicht unumgänglich für PRler:

PR professionals not using Twitter really need to get out there. The days of just putting out great press releases are long past, and the 'who you know' aspects of business are now amplified. Twitter emphasizes the 'how,' and much like other social media success stories can lift an individual or client to higher stature.

Die Goldenen Twitter-„Regeln"
- Auch bei Twitter gibt es eine Etiquette. Erst sollte man zuhören, bevor man schreibt. Wie auch bei anderen sozialen Medien der Fall, muss auch bei Twitter die gleiche Kommunikationsstrategie eingehalten werden: wissen, was andere über einen bereits kommuniziert haben - sei es die eigene Firma oder Kunden. Und die Zielgruppen kennen, die sich mit dem Unternehmen, der Marke o.ä. beschäftigen. So kann sich Twitter als wertvolles Kommunikationstool etablieren. Beziehungen im "Knoten" werden gepflegt und der Dialogprozess beschleunigt.

- Es ist ein Geben und Nehmen im Twitter-Netzwerk: die Community davon, dass man auf die geteilten An- und Einsichten das Feedback der anderen bekommt oder auch Nachrichten von anderen „retweetet", wenn man sie für wichtig hält. Richtig akzeptiert wird man erst, wenn an mit de Community in Dialog tritt, glaubt Greenberg. Mit Twitter etabliere ich mich als "Marke", mein Ratschlag wird wertvoll und ich mache eine Vielzahl von Nutzern auf meien Themen aufmerksam.

- Einige Nutzer halten es für sinnvoll, auch persönliche Nachrichten zu tweeten - damit kann auch der Business-Kontakt etwas privater werden. So auch Scott Nelson von Gartner:

So Twitter creates a middle ground where I can learn more about them on a personal level which nurtures our business along the way.

Natürlich sollten persönliche Nachrichten gewählt sein. Im Hinterkopf sollten Twitterer haben, wen oder was sie repräsentieren. Nelson berichtet, dass viele seiner Kontakte, CIOs und Unternehmen nun sehr viel häufiger mit ihm in Kontakt treten, da seine Tweets eine art Komfortlevel geschaffen haben.

Twitter als Netzwerkpflege
Mit Twitter kann man sich profilieren und dabei Kontakte pflegen und vorantreiben.
Diese Art des „Microsharing" macht es auch möglich, Neuigkeiten sehr viel früher anzukündigen und schneller in Kontakt mit der Zielgruppe zu treten. Dies bestätigt auch Laura Fitton von Pistachio Consulting:

Twitter became the quickest way to get the word out and direct people to more details.

Leiter von Ubiquity Public Relations Aly Saxe ist ebenfalls davon überzeugt, dass Twitter Beziehungen stärkt:

I've come to rely on Twitter to help form and strengthen relationships with the press and bloggers. It's much easier to start conversations with them based on what they tweet, as opposed to leading with my clients' products. When I do have a story to share with them, they already know who I am and are open to listening. This approach has helped me land briefings for my clients with some of the most influential technology bloggers.

Twitternachrichten schaffen unmittelbare Wahrnehmung
Mit Twitter ist es so einfach, die öffentliche Meinung einzuholen. Ein Tweet mit einer Frage ermöglicht es, sich mit anderen auszutauschen. Gerade in Krisensituationen, sei es das Erdbeben in China oder der Hurricane Gustav finden sich innerhalb von wenigen Sekunden Menschen, dir vor Ort sind und berichten. Daher auch die Kategorisierung mit den "Hashtags" (#).

Ähnlich ist das Microblog-Wunder auch für Marken und Unternehmen. So könnte es sein, dass eine Firma ihr Produkt zurückrufen muss. Oder ein Journalist schreibt, dass er mit dem Vorstand XY ein Interview führen wird und will von der Community wissen, was sie von ihm gerne wissen würden. Von der kurzen Meinungsumfrage profitiert der Journalist genauso wie die Community. Und mit Twitter erreicht er großen Radius an Menschen, für die diese Nachricht oder Frage relevant ist. Stowe Boyd hat auf der next08 sehr treffend gesagt: "The news will find you".

Manche schreiben ständig jeden Gedanken auf und nutzen Twitter, um mit bestimmten Menschen zu kommunizieren. Aus Fitton's Sicht ist Twitter das beste Tool für PRler, um mit Führungskräften aus dem Bereich der sozialen Medien in Kontakt zu treten:

You might have someone who isn't a great speaker or writer, yet Twitter's micro aspect may be just the thing for them. A short tweet a few times a week suits the executive lifestyle well.

Auch während Konferenzen können Teilnehmer über Twitter einfach kommunizieren und in Kontakt bleiben. Auf den Twitter-Walls der Konferenzen kann man die Online-Kommunikatin dann verfolgen, sofern die Autoren Hashtags benutzen. So auch auf dem BarCamp München letzten Samstag: ich hatte mein Ladegerät vergessen und erhielt über Twitter innerhalb von wenigen Minuten eine Antwort darauf, wer ein Sony Ericsson Ladekabel dabei hat.

Um erst einmal mit dem twittern anzufangen, macht es Sinn, so Ryan Zuk, den führenden PRlern der "Szene" auf Twitter zu folgen. So bekommen Twitterneulinge ein gutes Gefühl für die Anwendung. Vielleicht sollte man aber die Punkte betrachten, die laut Klaus Eck gegen Twitter sprechen.

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AktienCamp widmet sich ganz der Finanzkrise

Veröffentlicht am 9. Oktober 2008 um 13:12 Uhr von Mark Pohlmann

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Unter dem Eindruck der aktuellen Entwicklung ändern wir das Programmkonzept für das 1. AktienCamp am 18.10.08 in München. Alle Referenten werden ausführlich auf die Auswirkungen der Finanzkrise eingehen. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, die private und professionelle Investoren derzeit am meisten beschäftigen: "Was können wir tun?" und "Wie geht es weiter?

Prominente Vertreter aus Politik und Wirtschaft nehmen zur Finanzkrise Stellung
* Erich Sixt spricht über die Konsequenzen für Aktiengesellschaften
* Staatssekretär des bayrischen Finanzministeriums Georg Fahrenschon: Worauf Anleger sich verlassen können, was sie hoffen können und was sie fürchten sollten - inklusive Q&A-Session
* Rechtsanwalt Marc-Oliver Eckart erklärt die Einlagensicherung
* Holger Zechmann von der Börse München referiert über die Börsenpsychologie in Krisenzeiten

Über das AktienCamp

Das 1. AktienCamp findet am 18. Oktober von 10.00-16.00 Uhr im Münchner "Nero" statt und ist die erste Netzwerkveranstaltung für Börsenprofis und Privatanleger. Ziel des AktienCamps ist es, eine neue Kultur der Inspiration, Offenheit und Vernetzung in die Finanzszene zu tragen. Einen Tag lang präsentieren Experten und Privatanleger ihr Fachwissen. Anregung und Austausch stehen im Mittelpunkt. Das AktienCamp stellt die Gründungsveranstaltung der Aktien-Community Stockflock dar, die zur Sixt AG gehört und wird von der Börse München unterstützt.

Die Veranstaltung sieht sich in der Tradition von "Unkonferenzen" wie die BarCamps, bei denen die Teilnehmer mit zum Programm beitragen. Hauptreferent ist Erich Sixt. Er wird darüber reden, welche Konsequenzen die Kreditkrise für Unternehmer bringt. Die Referenten Christian Leybold, BV Capital, Christian Wietoska, BVH e.V. und Johann Schmalhofer suchen nach pragmatischen Lösungen und sinnvollen Chancen für private und institutionelle Investoren.

Über Stockflock
Mit Stockflock ruft der renommierte Autovermieter Erich Sixt eine Aktien-Community der neuen Generation ins Leben. Ziel der Webseite ist es, den Austausch zwischen Privatanlegern und Anlageprofis zu fördern. Jeder kann auf Stockflock eigene Aktienanalysen veröffentlichen, die nach ihrer Vorhersagepräzision und Wertentwicklung gewichtet werden. Stockflock.de wurde im Dezember 2007 durch Erich Sixt über die Sixt e-ventures GmbH gegründet und ist seit Mai 2008 öffentlich.

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Banker sind verzweifelt - Finanzkrise lässt Social Networks boomen

Veröffentlicht am 7. Oktober 2008 um 14:59 Uhr von Anna Friedrich

Fallende Firmenbewertungen und kein Ende in Sicht. Das ist aber nicht der einzige aktuelle Trend der Finanzszene. Er scheint den neuen Boom der Social Networks unter Bankern zu bewirken. So uninteressant die Web 2.0-Szene für Kapitalmarkt auch war - urplötzlich ist es "hipp", sich online mit Gleichgesinnten zu vernetzen.

Pure Verzweiflung? Einsamkeit? Angst um den Job oder die abrupte Entdeckung der Nächstenliebe? Fakt ist, dass sich die Anzahl neuer Nutzer aus der Finanzbranche innerhalb der vergangenen sieben Wochen um 100 Prozent gewachsen ist, zumindest beim Social Networking-Dienst LinkedIn. Dort gibt es rund 500 Gruppen, die sich rund um das Thema "Bank" austauschen.

Bereits Börsenaltmeister André Kostolany wusste, dass Aktienmärkte „zu 90 Prozent aus Psychologie bestehen". Dass Psychologie ein entscheidender Faktor am Kapitalmarkt ist, macht sich nicht nur bei den Anlegern bemerkbar, sondern - in Krisenzeiten wie diesen - gerade bei den sonst so kühlen Finanziers. In dieser ungewissen Phase suchen die panischen Finanzjongleure neue Kontakte - auch virtuell. Sicherlich spielt da die Hoffnung eine Rolle, über das Netzwerk notfalls einen neuen Finanzjob zu ergattern, der krisensicher(er) ist.

Angesichts der Bankencrashs weltweit ist klar, dass Millionen Menschen in der Bankenszene ihre Anstellung verlieren werden (müssen) bzw. bereits verloren haben. Laut Wirtschaftswoche entließen die Finanzinstitute bereits im letzten Jahr 140000 Leute. Wer noch vor eineinhalb Jahren eifrig dabei war, die steile Karriereleiter zu erklimmen, der steht heute häufig mit Leeren Händen vor einem Trümmerhaufen und bangt um seine Zukunft.

Eine Befragung von 28.000 LinkedIn Mitgliedern untermauert die Zukunftsängste, die sich aus der aktuellen wirtschaftlichen Lage ergeben. 42 Prozent der Studienteilnehmer fürchten angesichts der Kapitalmarktkrise um ihren Job. Unter den Führungspersonen sind es sogar mehr als 44 Prozent.

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Die aktuelle Finanzkrise ruft enorme Zukunftsängste hervor. (...) Die Studie macht aber auch deutlich, dass Online-Networking gerade in Krisenzeiten immer wichtiger wird.

Dies bestätigt Kevin Eyres, European Managing Director von LinkedIn. Ob die Finanzmanager tatsächlich über soziale Netzwerke ihre Karriere vorantreiben können, ist ungewiss. Sicherlich sind virtuelle Welten erst einmal eine gute Möglichkeit, um die Fühler auszustrecken. Immerhin sucht sogar der britische Geheimdienst MI6 neue Angestellte über Facebook.

Um von den Kontakten online zu profitieren, empfiehlt der LinkedIn-Manager eine langfristig ausgerichtete die Netzwerkpflege:

Um in Krisenzeiten über ein gut funktionierendes und belastbares Netzwerk zu verfügen, sollten Sie Ihr Netzwerk rechtzeitig aufbauen.

Gleichzeitig glaubt er aber auch, dass die zahlreichen Experten in den Social Netoworks kurzfristig spezielle Informationen für andere Nutzer bieten können - z.B. für die Recherche vor Bewerbungsgesprächen oder anderen geschäftlichen Treffen.

Aus Sicht des Headhunters Jan Bohlken ist es durchaus sinnvoll, in den Businessnetzwerken präsent zu sein. Allerdings betont er, wie wichtig persönliche Begegnungen und langfristige Beziehungen sind:

Richtig tragfähige Netzwerke entstehen nur, wenn man das durch Aktivitäten im echten Leben begleitet. (...) Niemand verschafft Menschen einen Job, die er nur über drei, vier Ecken und dann auch nur aus dem Internet kennt.

Unabhängig davon bieten die meisten Sozialen Netzwerke, darunter auch Xing, bieten Online-Jobbörsen an. Doch Bankenjobs gibt es da wohl kaum!

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Facebook hat mehr als 1 Mio. Nutzer in Deutschland

Veröffentlicht am 6. Oktober 2008 um 20:19 Uhr von Mark Pohlmann

"Facebook hat die Zahl seiner Nutzer in Deutschland seit dem Start im März auf 1,26 Millionen mehr als verdoppelt. In einigen Jahren werden wir das größte soziale Netzwerk in Deutschland sein", sagte Mark Zuckerberg, der Vorstandsvorsitzende des sozialen Netzwerkes, der FAZ. Facebook ist mit 110 Millionen Nutzern in aller Welt nicht nur das größte, sondern auch das am schnellsten wachsende soziale Netzwerk der Welt.
Quelle: FAZ. Weiterlesen.

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Marken profitieren, wenn sie zuhören.

Veröffentlicht am 6. Oktober 2008 um 10:48 Uhr von Mark Pohlmann

Eine neue Studie über das Verhalten von Marken in Social Networks stellt BrandRepublik vor.

- Werbung funktioniert nicht. Die Kommunikation mit anderen Nutzern ist der mit Abstand wirkungsvollste Motor, um eine Marke in Networks bekannt zu machen.
- Fast 75 Prozent aller Nutzer haben ein vertrauteres Verhältnis zu Marken, die sich in ihren Networks aufhalten.
- Allerdings haben erst 12 Prozent auf Facebook und 23 Prozent auf MySpace eine oder mehrere Marken als Freunde.
Die Ratschläge.
- Die Kommunikation sollte den Nutzern interessieren und involvieren. Es reicht nicht, einfach nach Feedback zu fragen.
- Negative Kommentare sollten direkt beantwortet werden.
- Je konstruktiver der Umgang mit den Nutzern ist, umso höher ist auch die Loyalität.

Zusammenfassend kann man sagen: Zuhören. Antworten. Dann funktionierts.

Hier geht's zur Studie

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AktienCamp bereits mit 100 Teilnehmern

Veröffentlicht am 4. Oktober 2008 um 12:16 Uhr von Mark Pohlmann

Exakt zwei Wochen vor dem 1. AktienCamp in München haben sich schon 100. Teilnehmer registriert - eine schöne Bestätigung für unsere These, dass Börsianer einen hohen Bedarf persönlichem Austausch und Netzwerken haben. Noch sind 35 Plätze frei. Wer seine Anlagestrategie oder sträflich vernachlässigte Aktien vorstellen mag, kann sich zudem gerne um einen Referentenplatz bewerben.

Das 1. AktienCamp ist die erste Netzwerkveranstaltung für Börsenprofis und Privatanleger. Ziel des AktienCamps ist es, eine neue Kultur der Inspiration, Offenheit und Vernetzung in die Finanzszene zu tragen: Einen Tag lang präsentieren Experten und Hobbyanleger ihr Fachwissen. Anregung und Austausch stehen im Mittelpunkt. Die Veranstaltung sieht sich in der Tradition von "Unkonferenzen" wie die BarCamps und ist für die Teilnehmer kostenlos. Organisiert wird das AktienCamp von der Aktiencommunity Stockflock, die auf Initiative der Sixt AG gegründet wurde.

Disclaimer: Stockflock ist Kunde von Mavens Dialog.

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Brand Communities - Brands best Friends?

Veröffentlicht am 30. September 2008 um 11:28 Uhr von Mark Pohlmann

Diesen Vortrag habe ich gestern als Eröffnung des Brand Community Forums gehalten und möchte ihn selbstverständlich der Restöffentlichkeit nicht vorenthalten.

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Japanerinnen daten Avatare

Veröffentlicht am 24. September 2008 um 10:21 Uhr von Anna Friedrich

Skurril ist der neueste Hype: auf Webkare erobern Japannerinnen digitale Herzen. Das Internetportal kombiniert eine Dating-Simulation mit einem sozialen Netzwerk. Übersetzt heißt Webkare soviel wie "Internetfreund". Sensationell sind die Userzahlen - bereits fünf Tage, nachdem die Site live ging, nutzen 10.000 Mädchen und junge Frauen das kostenlose Netzwerk. Im gleichen Zeitraum werden 3,5 Millionen Page Views gezählt. Die Hälfte der Nutzerinnen ist zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Ziel des Dating-"Spiels" ist es, bei den digitalen Partnern so gut anzukommen, dass sie eine Beziehung mit ihnen eingehen. Virtuell. Hierzu reden sie mit den vier zur Auswahl stehenden Charakteren. Sie versuchen, einen der vier Typen, den Sportlichen, Intellektuellen, Frauenschwarm oder den Softie zu treffen. Dabei arbeiten sie auch mit anderen Mitgliedern zusammen, um dann optimalerweise das Herz des Schwarms zu erobern. Die Erfinder von Webkare haben eine Highschool zum Ort der Geschehnisse gemacht. Dort findet der erste Kontakt statt.

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Allerdings sind die Möglichkeiten, mit den Wunschdates zu interagieren, beschränkt. Die jungen Damen können keinen Text eingeben oder tatsächlich mit den Comicfiguren sprechen. Webkare spielt einen kurzen Cartoon ab, sobald man auf den Jungen klickt, den man mag. Von da an nimmt die prätentiöse Liebesgeschichte ihren Lauf. Wichtige Erlebnisse in der Entwicklung der "Beziehung" kann man dann in einer Art Poesiealbum speichern. Insgesamt ist die Plattform einfach gestrickt.

Ähnlich einem regulären Netzwerk haben die Webkare-Fans ein eigenes Profil. Dort können sie Nachrichten verschicken, in Foren diskutieren und Kurznachrichten veröffentlichen (à la Twitter). Selbstverständlich wird auf der Profilseite der jeweilige digitale Freund angezeigt.

TechCrunch lobt die Geschäftsidee von Webkare:

It's pretty weird but clever. Dating simulations have been popular in Japan for quite a while now, but Webkare marks the first time the concept has been brought online and combined with social networking functionality.

Clever deshalb, weil Webcare sich mit Online-Werbung finanziert. Und je mehr Klicks die Nutzerinnen produzieren, desto mehr Geld lässt sich mit der - bisher - für Frauen kostenlosen Plattform machen. Webkare bietet nach Einschätzung von TechCrunch vielfältige Möglichkeiten: etwa durch virales Merchandising oder den Verkauf virtueller Ware (z.B: Klamotten, um den Schwarm zu beeindrucken). Ausserdem könnte bald eine gebührenpflichtige mobile Version mit mehr Funktionen angeboten werden.

Dass Webkare auch in Amerika, Europa oder Deutschland einschlagen könnte, wie eine Bombe, wage ich zu bezweifeln. Eine Seite für simuliertes Dating würde hierzulande sicherlich sehr viel mehr moralische Kritik erzeugen.

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Soziale Netzwerke sind sexy

Veröffentlicht am 19. September 2008 um 9:26 Uhr von Anna Friedrich

Sex sells? Im Internet stimmt das wohl nicht mehr so ganz. Anstatt auf Pornoseiten zu surfen, sind Internetnutzer viel lieber in sozialen Netzwerken unterwegs. Dies will Bill Tancer, Manager beim Researchunternehmen Hitwise und selbsternannter Datenfreak herausgefunden haben. Er analysierte über 10 Millionen Internetnutzer mit dem Fazit, dass das Online-Nutzerverhalten widerspiegelt, wie wir (auch offline) kommunizieren und wie sich die Gesellschaft verändert. Anhand seiner Ergebnisse betrachtet er daher in seiner neuesten Veröffentlichung "Click: What Millions of People are Doing Online and Why It Matters" die Veränderung des gesellschaftlichen Verhaltens.

Auffällig bei der Datenanalyse ist laut Tancer vor allem das gesunkene Interesse an pornographischen oder sonstigen Unterhaltungsseiten für Erwachsende. Insbesondere die Altersgruppe zwischen 18 und 24 sucht weniger nach Pornos. Insgesamt fallen nur rund 10 Prozent auf Suchen nach Pornos. Vor 10 Jahren ging es noch bei jeder fünften Internetrecherche um "das Eine". Dagegen surfen Nutzer heute nun stark nach sozialen Netzwerkseiten. Diesen Wandel führt Tancer auf die steigenden Userzahlen zurück:

As social networking traffic has increased, visits to porn sites have decreased. (...) My theory is that young users spend so much time on social networks that they don't have time to look at adult sites.
Interessant ist, dass Tancer hierin ein Zeichen für den Wandel der Gesellschaft in den letzten fünf Jahren sieht. Vor allem Marketiers sollten dem Beachtung schenken...

Die Daten ergaben auch, womit sich Menschen beschäftigen - je nach aktuellen Ereignissen. So stieg die Suchanzahl nach tropischen Stürmen seit Katrina rasant in die Höhe. Ausserdem scheinen sich viele Internetnutzer für Hollywood-Berühmtheiten und deren Lebensstil zu interessieren. Diese "Celebrity-Mentalität" habe sich auch im aktuellen Wahlkampf stark gezeigt - die Suchen nach den Präsidentschaftskandidaten und VizepräsedentschaftskandidatInnen haben stark zugenommen. In der Regel ginge es den Suchenden vor allem um bildliche Darstellungen, optische Aspekte und familiäre Hintergründe der Kandidaten.

Wichtig aus meiner Sicht ist Tancer's Feststellung, dass vor allem die Nutzer es sind, die innerhalb von kurzer Zeit Informationen im Netz verbreiten. Die Rolle der Medien ist es dann, diese - bereits zirkulierten - News zu dokumentieren und Fakten zu liefern. Eine Art offizielle Berichterstattung zu dem, was wir bereits erfahren haben? Oder eher eine Richtigstellung dessen?

Tancer warnt vor der Verbreitung von Falschinformationen im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten:

With the explosion of this type of false information on the Internet I think we will see someone come forward and develop a new type of software that can filter for the most accurate information. (...) Maybe accuracy is the next thing we will all search for.

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Einfach wunderschön: News Feeds

Veröffentlicht am 10. September 2008 um 15:28 Uhr von Anna Friedrich

Aus simplen Ideen entstehen meist die größten Dinge. Irgendwie erinnert die Geschichte von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die die NYT darstellt, an weltbewegende Erfindungen wie den Buchdruck, das Internet oder vielleicht noch treffender an die Erfolgsgeschichte von Google. Zum jüngsten Milliardär hat es aber nur Mark Zuckerberg geschafft.

"Sehr primitiv" sei das Netzwerk laut Zuckerberg gewesen. Ursprünglich mussten Nutzer seiner Seite jedes einzelne Freundesprofil besuchen, um zu erfahren, was der jeweilige Kumpane gerade zu berichten hat. Seine Idee, einen News Feed einzurichten, schlug ein wie eine Bombe: nicht nur die registrierten Nutzer waren begeistert. Massen von neuen Nutzern registrierten sich bei der Studentencommunity, die dann innerhalb von kurzer Zeit auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich war.

Ein viraler Effekt, der schier unglaublich erscheint. Heute, zwei Jahre später, zählt Facebook 100 Millionen Mitglieder. Die bahnbrechende Entwicklung ist dem amerikanischen Filmemacher Michael Moore sogar einen Blockbuster wert.

Der News Feed, darin ist sich Zuckerberg sicher, war das entscheidende Detail zum Erfolg. Er hat sich zum Freundesmedium entwickelt, das uns zu allen relevanten News aus unserem Netzwerk am Laufenden hält.

Trotzdem war es nicht so, dass sich die Nutzer diesen News Feed wünschten - im Gegenteil. Der junge Gründer glaubt, dass sie erst eine Hemmschwelle überwinden mussten, um sich für diese konstanten Mininachrichten darüber, was ihre Freunde gerade tun oder was sich verändert hat, zu interessieren. Dann aber wurden sie süchtig danach. Zuckerberg erklärt:

Facebook has always tried to push the envelope. And at times that means stretching people and getting them to be comfortable with things they aren't yet comfortable with. A lot of this is just social norms catching up with what technology is capable of.

Facebook ist mittlerweile längst nicht allein unter den sozialen Netzwerken. Im letzten Jahr hat sich ein Schwarm von neuen Applikationen entwickelt: Allen voran das Microblogging-Tool Twitter. Dann gibt es Dopplr und Tumblr, Loopt und viele mehr - viele sind in das Gigantennetz Facebook als Widgets eingebettet. Über die anderen großen Netzwerke haben wir hier schon ausführlich berichtet.

Allein in Deutschland sind laut eMarketer knapp 16 Prozent der Bevölkerung und damit 8,2 Millionen in sozialen Netzwerken aktiv. Die USA stellt im Vergleich dazu gute 23 Prozent und 43 Millionen Einwohner. Von den Holländern nutzen mehr als ein Drittel (36,4 Prozent und 3,7 Millionen) soziale Netzwerke.

Gar nicht so beeindruckend sind die Zahlen, wenn man sich allein den Hype um Facebook anschaut. Der Grund liegt auf der Hand: Social Networking und die damit verbundene digitale Offenheit und Vertrautheit sind auch eine Generationenfrage. Viele über 30-Jährige können sich mit den Tools nicht identifizieren. Viele sehen keinen Sinn darin, einfach so ihre Privatsphäre online zu publizieren und ihre Hemmschwelle ist entsprechend höher. Eine weltweite Studie von Synovative will herausgefunden haben, dass Web 2.0-Communities bei knapp 60 Prozent der Bevölkerung gar nicht bekannt sind.

Was interessiert es "die Anderen" also, wer was wann wo und mit wem...immer und überall? (s. Blogeintrag Hypervernetzte in der Welt des Micro-Blogging). NYT-Author Clive Thompson hat eine schöne Erklärung für dieses Paradoxon. Nicht die einzelne unbedeutende Nachricht ist es, die den Unterschied macht. Veränderung bringt der gesamte aggregierte Nachrichtenstrom:

This is the paradox of ambient awareness. Each little update -- each individual bit of social information -- is insignificant on its own, even supremely mundane. But taken together, over time, the little snippets coalesce into a surprisingly sophisticated portrait of your friends' and family members' lives, like thousands of dots making a pointillist painting.

Marc Davis, leitender Wissenschaftler bei Yahoo und ehemaliger Professor der Informationswissenschaften an der University of California at Berkeley erklärt weiter:

No message is the single-most-important message. It's sort of like when you're sitting with someone and you look over and they smile at you. You're sitting here reading the paper, and you're doing your side-by-side thing, and you just sort of let people know you're aware of them.

Deswegen, so Thompson weiter, kann man das Phänomen auch nur verstehen, wenn man es selbst erlebt hat. Interessant werden News Feeds und Twitter-Updates erst dann, wenn man ihnen kontinuierlich folgt. Nach einem Tag bereits ergeben sie eine Art Kurzgeschichte.

Unser Bedürfnis, ständig mit unseren Freunden online in Kontakt zu stehen, bezeichnen Sozialforscher als "Umgebungsbewusstsein". In der Offline-Welt nehmen wir aus dem Augenwinkel Stimmungen wahr, die Köpersprache, Seufzen etc. Online sind es eben die Kurznachrichten unserer Freunde darüber, was sie gerade tun oder wie sie sich fühlen.

Dieses Bewusstsein unterstützt uns dabei, schwache Bindungen aufrecht zu erhalten. Ein großes Netzwerk mit schwachen Kontakten ist in der Regel nützlicher, als ein kleines mit starken Bindungen, so die Sozialwissenschaftler.

Many maintained that their circle of true intimates, their very close friends and family, had not become bigger. Constant online contact had made those ties immeasurably richer, but it hadn't actually increased the number of them; deep relationships are still predicated on face time, and there are only so many hours in the day for that.
But where their sociality had truly exploded was in their "weak ties" -- loose acquaintances, people they knew less well. It might be someone they met at a conference, or someone from high school who recently "friended" them on Facebook, or somebody from last year's holiday party. In their pre-Internet lives, these sorts of acquaintances would have quickly faded from their attention. But when one of these far-flung people suddenly posts a personal note to your feed, it is essentially a reminder that they exist.

Dieser Mix aus Microupdates, Umgebungsbewusstsein und schwachen Bindungen macht es - ganz nebenbei - fast unmöglich, sich neu zu erfinden. Die Vergangenheit ist immer "da" und wir definieren uns mit über unsere Online-Präsenzen. Tantek Çelik hat auf der dConstruct gesagt, dass nach der Frage "Wer bist du?" direkt die Frage "Was ist dein Twittername?" folgt.

Eigentlich ist die Vorstellung beängstigend, wie viel "Datenmüll" sich mit all den Updates ansammelt und was vielleicht andere damit anfangen bzw. anfangen könnten. Und, wenn wir aufhören, unsere sozialen Netzwerkprofile zu nutzen, sterben wir den digitalen Tod.

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Drei richtungsweisende Zukunftstrends für PR und Marketing

Veröffentlicht am 2. September 2008 um 16:21 Uhr von Anna Friedrich

The trend is your friend - das gilt nicht nur am Kapitalmarkt. Wie sich Web 2.0-Medien zukünftig entwickeln werden, ist vor allem wichtig für Kommunikationsabteilungen- und agenturen.

Neue Medien kann man nur verstehen, indem man vorangegangene Trends beobachtet und daraus lernt. Steve Rubel glaubt, dadurch ihre zukünftige Entwicklung erahnen zu können und hat drei Megatrends identifiziert:

1.) Der Aufmerksamkeitscrash
Die täglich auf uns einströmende Informationsflut im Netz können wir nicht mehr verarbeiten. Aus der Überforderung heraus entsteht laut Rubel eine Art Antireaktion: je mehr Inhalte wir wahrnehmen sollen, desto mehr geht unsere Aufmerksamkeit verloren.

Zwar kann die heranwachsende Generation Y, die quasi mit der Maus in der Hand geboren wurde, schon besser mit dem Daten-Wirrwarr umgehen. Viel schwieriger ist es für die Medienmacher und Marketiers. Sie müssen im Irrgarten der Informationen
Etwas schaffen, was sich (trotzdem) einprägt. Dazu gilt die Regel: einfach, kurz und sichtbar.

Inhalte sollten digital so aufbereitet sein, dass sie sich von dem Datenmüll abheben und einfach zu verarbeiten sind. Nur dann können Marken, Medien und Individuen verhindern, dass die Aufmerksamkeit der Konsumenten komplett erlischt. Seiten wie Intel's News für IT-ler oder die Technology Newssite der NYT. Rubel nennt diese Übersichtsseiten "Digital Curators".

2.) Soziale Netzwerke Networks werden zum O2
Soziale Netzwerke befriedigen unser Bedürfnis, digital und global mit Anderen zu kommunizieren. Über die Technologien ist es ein Leichtes für Gleichgesinnte, sich zu vernetzen und zu ihren Interessen auszutauschen. Unabhängig davon, ob ihr Anliegen persönlich oder jobbezogen ist, steht meist das soziale Interesse im Vordergrund.

Zu den drei größten sozialen Netzwerken gehören laut Rubel Facebook, MySpace und LinkendIn. Daneben gibt es noch die kleineren, wie z.B. Twitter oder YouTube. In Deutschland liegen StudiVZ und Xing ganz vorne. Sie alle werden wohl auch weiter wachsen.

Bald aber machen Technologien, wie Open Social, es überflüssig, diese Seiten zu besuchen, um mit seinem Netzwerk zu kommunizieren. So müssen sich Konsumenten und Leute aus ihrem sozialen Umfeld nicht mehr für ein anderes Netzwerk anmelden, um Erfahrungen auf einer (neuen) Website auszutauschen.

Genau das müssen Marketiers auch berücksichtigen: dass Nutzer wenig bis gar nicht motiviert sein werden, sich bei mehr als ein bis zwei Netzwerken anzumelden. Wie verführerisch ein eigenes soziales Netzwerk auch sein mag - um ihre Zielgruppe zu erreichen, sollten die Marketiers vielmehr versuchen, den sozialen "Sauerstoff" aus den großen Netzwerken einzuatmen. So bleiben ihre Konsumenten innerhalb ihres Netzwerkes und die Hemmschwelle, sich irgendwo neu anzumelden, wird genommen.

3.) Google schafft einen guten Ruf
Exponential wächst auch die Wichtigkeit von Suchfunktionen, allem voran Google. Allein in Deutschland hat die Suchmaschine einen Marktanteil von 80 Prozent, in USA sind es mit 70 immer noch mehr als zwei Drittel.

Google is much more than a search engine. It's media.

Was Rubel damit sagen will, ist, dass Google's Macht nicht unterschätzt werden darf. Unsere Entscheidungen basieren häufig auf den Suchergebnissen des Giganten und deren Reihenfolge. Damit wird Google zum Meinungsmacher und Medium zugleich.

Sichtbarkeit auf Google ist zu einem Qualitätsmerkmal geworden, denn die Suchalgorithmen bevorzugen qualitativ hochwertiges Material, das von Medien, Marken und Individuen stammt. Wer nicht in der Hitlist auftaucht, ist also nicht nur gemäß Pagerank wenig wert.

Um nach oben zu kommen, müssen Kommunikatoren Inhalte schaffen, die gut sind. So gut, dass sie Google nicht einfach nur findet, sondern kontinuierlich sichtbar macht. Dann schaffen sie es vielleicht, Aufmerksamkeit zu schaffen.

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Wie Blogs und Co. den US-Wahlkampf verändern

Veröffentlicht am 29. August 2008 um 13:59 Uhr von Anna Friedrich

Always on und zwar auf dem gesamten Globus - das sind zur Zeit auch die US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain. Nie waren Diskussionen zu Politikern so präsent in Weblogs, Foren und Netzwerken wie in den aktuellen Wahlen in den Vereinigten Staaten.

Die Wahlkampfmanager setzen eifrigst Web 2.0-Anwendungen als Kommunikationsmöglichkeit mit den Wählern ein. Gleichzeitig sehen sie sich durch die nutzergenerierten Webinhalte konfrontiert mit einer vorher nie da gewesenen Macht von Wählern, die ihre Meinung online in Blogs und Co. kund tun. Digitale Mundpropaganda von Tagebuchschreibern beeinflusst die Stimmung sehr viel stärker als die Berichterstattung - vermeintlich neutraler - klassischer Journalisten. US-Wähler informieren sich bevorzugt über "inoffizielle" Quellen, die Meinung der Anderen im Web. Das ist bei den Wahlkampfstrategen angekommen.

Auf dem Parteitag in Denver beispielsweise wurde eigens für Blogger ein Zentrum errichtet. Ein Symbol für das Ausmaß der Macht der Blogschreiber, aber auch für die Legitimierung des Mediums "Blog" für die Berichterstattung. Einer der ersten und einflussreichsten Blogs in den USA ist POLITICAL WIRE. Weitere politische US-Blogger sind unter anderem Amanda Michel, Mayhill Fowler oder Adam Doster. Auch in Deutschland schenkt man den beiden US-Kandidaten reichlich Beachtung im Netz. Dass das ZDF für den amerikanischen Wahlkampf einen Blog eingerichtet hat, ist nur eines von vielen Beispielen.

Die Marktforscher von Ethority haben das Phänomen "US-Wahlkampf 2.0" in ihrer aktuellen Analyse genauer unter die Lupe genommen. Dazu haben sie etwa 90.000 Nutzermeinungen zu den beiden US-Kandidaten im Web untersucht. Sie wollten wissen, wie Wahlkampfthemen in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken wahrgenommen und reflektiert werden und wie hoch das Gesamtgesprächsaufkommen, der Buzz, je Kandidat ist. Auch analysierten sie, ob die Personen Barack und McCain sowie deren Inhalte in diversen Sprachräumen unterschiedlich wahrgenommen werden.

Demokrat Obama wird, so die Ergebnisse der Untersuchung, in Weblogs, Online-Foren und Newssites aus dem deutsch-, englisch- und spanischsprachigen Raum stärker diskutiert als sein Konkurrent, Republikaner John McCain. Was die Tonalität der Gespräche angeht, so liegt McCain unter den Deutsch- und Spanischsprachigen nur geringfügig hinter Obama. Anders bei den Angelsachsen: sie sehen beide potentielle US-Präsidenten positiver.

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Insgesamt finden die digitalen Kommunikationskanäle für politische Diskussionen zur US-Präsidentschaftswahl vor allem in den USA Anklang, doch auch der deutsch- und Spanischsprachige Raum setzt die Web 2.0 Tools intensiv ein. Sicherlich werden deutsche Wahlkampfstrategien sich zukünftig stärker an nutzergenerierten Kommunikationskanälen orientieren müssen, um ihre Zielgruppen zu erreichen. Mehr zu den Ergebnissen berichtet die FTD.

Die USA liefern ein gutes Exempel für den Anbruch einer neuen Ära: der Einsatz von Weblogs, Online-Foren und Newssites schafft neue, vorher nicht da gewesene Partizipationsmöglichkeiten. Neutrale Berichterstattung wird zum Beiwerk bei politischen Diskussionen. Die "neue" Art Wahlkampf und die Einstellung der Wähler wird getrieben von nutzergenierten Meinungenn und Inhalten im Netz. Ethority-Sprecher David Nelles erklärt weiter:

Internetnutzer bewegen sich heute jenseits der Reichweitengrenzen klassischer Medien wie Print oder TV. War es in der Zeit vor dieser digitalen Kommunikation nur sehr schwer außerhalb klassischen Medien, Familie und Freundeskreis seine politische Meinung zu bilden, erweitert sich das willensbildende Forum durch YouTube & Co. exponentiell.

Diese Verschiebung in der Medienlandschaft, das Wichtigerwerden von nutzergenerierten Inhalten, könnte einen Wandel in der Demokratie bewirken. Die Leiterin des Instituts für Politik, Demokratie und Internet an der George-Washington-Universität, Julie Germany unterstreicht gegenüber dem ZDF:


Viele Spezialisten glauben, dass das Internet den politischen Prozess weiter demokratisiert, indem es den Wählern erlaubt, mit den Kandidaten zu kommunizieren, sich selbst einzubinden und ohne Mittelsmänner an Informationen zu kommen.

An diese Veränderung müssen sich die Wahlkampfstrategien und die Kandidaten - auch in Deutschland - anpassen, um bei ihren Wählern anzukommen. Allem voran geht SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der im Namen seiner Partei für neue Standards im Online-Wahlkampf sorgen will. Deshalb ist er eigens zum Parteitag nach Denver angereist, um über Twitter seine ganz persönliche Berichterstattung abzuliefern. Innerhalb der letzten vier Tage stieg die Anzahl seiner Follower von 12 auf 927! Daran zeigt sich doch, dass wir sie auch höeren wollen, diese indiskreten Kommentare von den Großen der Politik.

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Web 2.0 als Erfolgsstrategie: Kleine Unternehmen folgen Technologietrends am schnellsten

Veröffentlicht am 18. August 2008 um 19:31 Uhr von Anna Friedrich

Das amerikanische Business-Magazin Inc. hat seine Inc. 500-Studie aus dem Jahr 2007 in diesem Jahr wiederholt. Die Untersuchung erforscht, wie sich die am schnellsten wachsenden US-Firmen, genannt Inc. 500, an digitale Kommunikationsmittel anpassen.

Wie bereits im Vorjahr wurden die Unternehmen nach ihrem Nutzerverhalten und ihrer Vertrautheit mit Sozialen Medien befragt. Dabei stellte Gartner Fragen zu den sechs wichtigsten Medien: Blogs, Podcasts, Online Videos, Soziale Netzwerke und Wikis. Die Ergebnisse sind eindeutig:

Vertrautheit mit sozialen Medien

Soziale Medien haben in der Tat bereits Teile der US-Wirtschaft erfasst - und das mit einer enormen Geschwindigkeit. Laut Studie hat sich die Bekanntheit von sozialen Medien in den Inc. 500 Unternehmen im Laufe der letzten 12 Monate fast verdoppelt. Noch 2007 lagen Wikis ganz hinten, was die Vertrautheit angeht - in diesem Jahr überholen sie die Podcasts.

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Strategische Rolle von Web 2.0-Technologien in Unternehmen

Je vertrauter Organisationen mit den Applikationen sind, desto häufiger setzen sie sie logischerweise ein. 44 Prozent der 209 der befragten Inc. 500 Firmen sehen die sozialen Medien als zentralen Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie und damit als entscheidenden Erfolgsfaktor. Das sind 25 Prozent mehr als im letzten Jahr. Soziale Netzwerkseiten wurden, wie bereits im vorangegangenen Jahr, als die am häufigsten genutzte Anwendung genannt.

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Von der Vertrautheit hin zur Anwendung
Rund 40 Prozent der teilnehmenden Unternehmen betreiben Blogs - wohingegen nur 10 Prozent der Fortune 500 Unternehmen dies tun. Insgesamt bloggen rund 20 Prozent mehr Inc. 500-Firmen als im Jahr 2007 (Quelle: NYT). Selbst Podcasts, die das am wenigsten vertraute Medium sind, werden von 21 Prozent der Befragten eingesetzt. Insgesamt werden alle sechs Formen der sozialen Medien sehr viel häufiger eingesetzt und zwar zu 77 Prozent verglichen mit den Ergebnissen aus 2007.

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Der Hype-Zyklus neuer Technologien

Eine Studie des Marktforschungsinstituts Gartner beschäftigt sich mit dem Hype-Zyklus neuer Technologien. Wenn die Ergebnisse die Geschäftsstimmung richtig widerspiegeln, dann ist die Einführung von Web 2.0-Anwendungen nicht gleichzustellen mit der Zufriedenheit.

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Die Gartner-Forscher sagen 27 Technolgietrends voraus, die sich in den nächsten zwei bis fünf Jahren in Organisationen etablieren werden. Acht davon sollen sich besonders stark auf Unternehmen auswirken. Dazu gehören unter anderem: Green IT, Web 2.0, Cloud Computing, Virtuelle Welten, Soziale Netzwerke, Videokonferenzen und Microblogging. Mehr dazu lesen Sie hier.

Viele der Technologien kommen allerdings erst bei den Endkonsumenten an, bevor sie im Unternehmen angewendet werden, dies prognostiziert Jackie Fenn. Die Vizepräsidentin des Marktforschungsinstitutes glaubt an das Platzen der Web 2.0-Blase. Trotzdem sieht sie, dass diese Technologien im Unternehmen einen immer höheren Stellenwert erlangen. Firmen sammeln Erfahrung im Einsatz der Technologien, spüren den Erfolg und die kulturellen Auswirkungen spüren werden. Sie kommentiert die weitere Entwicklung wie folgt:


Later -- in between two and five years -- cloud computing and service-oriented architecture (SOA), which is moving up the Slope of Enlightenment, will deliver transformation in terms of driving deep changes in the role and capabilities of IT. Finally, public virtual worlds, which are suffering from disillusionment after their peak of hype in 2007, will in the long term represent an important media channel to support and build broader communities of interest.

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Selbst große Netzwerke bleiben regional

Veröffentlicht am 15. August 2008 um 12:26 Uhr von Mark Pohlmann

Sehr interessant ist, welche Informationen über die Nutzung von Social Networks Martin Weigert auf dem Blog Netzwertig aus dem neuen Google-Tool "Search Insights" herausgepresst hat: Die durchaus eklatanten regionalen Schwerpunkte selbst großer und reichweitenstarker Communities wie Lokalisten oder Xing. Nicht auszudenken also, wie groß beispielsweise Wer-kennt-Wen werden könnte, wenn sie aus ihrer südwestdeutschen Ecke herauskämen. Andererseits ist genau das das Geheimnis der vieler Communities: Dass eben eine tatsächliche Bekanntschaft der Nutzer untereinander aus dem nichtdigitalen Leben vorliegt. Und die sind eben regional beschränkt.

Hier die Zusammenfassung. Der Originalbeitrag weist für jedes Netzwerk noch eine sehr übersichtliche Verteilungsgrafik aus.

- studiVZ, schülerVZ, MySpace, spin.de, Xing: deutschlandweit
- wer-kennt-wen.de, Piczo: Schwerpunkt Südwestdeutschland
- KWICK!: Schwerpunkt Baden-Württemberg
- lokalisten: Schwerpunkt Bayern
- Facebook: Schwerpunkt Hessen
- joinR: Schwerpunkt Hamburg und Norddeutschland
- JUX.de: Schwerpunkt Ostdeutschland
- Jappy: Schwerpunkt Berlin

Danke noch einmal an Martin für diese sehr aufschlussreiche Übersicht.

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Die Welt ist klein und Netzwerke sind mächtig

Veröffentlicht am 7. August 2008 um 17:33 Uhr von Anna Friedrich

Spätestens mit dem Boom der Sozialen Netzwerke sind die "Six degrees of seperation" bekannt. Geprägt hat sie bereits Ende der 60er Jahre der Sozialforscher Stanley Milgram mit einem Experiment zum Kleine-Welt-Phänomen. Er versandte Briefe, die keine genaue Anschrift hatten und daher über Bekannte weitergeleitet werden mussten. Im Ergebnis lag die durchschnittliche Verbindungskette bis zum tatsächlichen Adressaten bei 6,2 Personen - das heißt, dass jeder jeden über sechs Ecken kennt.

Applikationen wie MySpace, Facebook, Friendster, Xing und Co. helfen, die eigenen Verbindungen sichtbar zu machen. Facebook bietet die Ansicht der "6 Degrees of Seperation" Applikation gegen Bezahlung. Bei Xing sieht man kostenlos, über wieviele Ecken man wen kennt.

Dieser Sechs-Grad-These sind Eric Horvitz und Jure Leskovec, Wissenschaftler bei Microsoft, in einer umfangreichen Studie auf den Grund gegangen. Ihre Ergebnisse aus der erstmaligen Untersuchung eines sozialen Netzwerkes weltweit bestätigen im Kern, dass die Milgram-Theorie auch im Web 2.0 Gültigkeit hat.

Sie analysierten 30 Milliarden (!) anonymisierte Nachrichten, die 240 Millionen Nutzer im Juni 2006 über den Microsoft Messenger verschickt haben. Dies sei ungefähr 50 Prozent der Instant-Messenger-Kommunikation weltweit. Insgesamt sei das größte soziale Netzwerk erstellt worden, das in diesem Umfang jemals empirisch untersucht worden ist. Durchschnittlich sind es 6,6 Schritte, die zwischen zwei beliebigen Nutzern liegen. Bei knapp der Hälfte der Personen ergibt sich eine Verbindung in 6 Schritten, bei rund 80 Prozent in sieben - allerdings lagen manchmal auch 29 Schritte zwischen einer Verbindung. Deshalb schlagen die Wissenschaftler Horvitz und Leskovec als Fazit "Seven degrees of separation" vor.

Im Vordergrund der Analyse standen demografische Faktoren wie Alter, Geschlecht und Herkunft/Ort, Sprache und IP-Adresse. Die Studie fand heraus, dass Menschen mehr miteinander kommunizieren, wenn sie einander in vielen Punkten ähnlich sind. Geschlechterübergreifende Unterhaltungen kommen sehr viel häufiger vor und sind länger, als mit dem gleichen Geschlecht.

Deshalb korrigieren die Wissenschaftler die These von der kleinen Welt dahingehend, dass die räumliche Distanz nicht egal ist. Je größer sie ist, desto niedriger die Kommunikationsdichte. Interessant ist, dass bei größere Entfernung häufiger und länger gechattet wird. Weitere Details gibt es in der vollständigen Studie selbst.

Zurecht fragt sich die Washington Post, warum überhaupt wichtig sein soll, dass Menschen auf dem Globus so eng miteinander verbunden sind. Die Wissenschaftler geben an, dass das Wissen z.B. für politische Organisationen, Caritas-Aktionen, Naturkatastrophen und für die Suche nach vermisste Personen angewendet werden kann. Eric Horvitz erklärt, warum die Macht der "Seven degrees of seperations" nicht unterschätzt werden sollte:

They could create large meshes of people who could be mobilized with the touch of a return key.

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Was bringen Online Communities wirklich und wie?

Veröffentlicht am 29. Juli 2008 um 19:29 Uhr von Anna Friedrich

Eine Umfrage von Deloitte, Beeline Labs und der New Communications Research The 2008 Tribalization of Business hat nach dem Mehrwert von Online Communities geforscht. Neben der Mundpropaganda (35%) steigt die Wahrnehmung der Marke (28%), fließen Ideen schneller in das Unternehmen ein (24%) und verstärkt sich auch die Kundentreue (24%).

Befragt wurden 140 Organisationen aus dem B2B, B2C und Non-Profit-Bereich, die Online Communities einsetzen. Deren Größe variiert zwischen 100 bis mehr als 10.000 Mitgliedern.

Was eine gut funktionierende Community im Ergebnis ausmacht, sind nicht technologischen oder finanzielle Probleme. Vielmehr müssen Menschen (51%) involviert werden, Zeit investiert werden, um die Community zu organisieren (45%) und Nutzer auf die Plattform zu kriegen (34%).

Einige Führungskräfte allerdings weigern sich aus Angst, sich in der Community transparent zu zeigen. Allerdings geben nur 9% an, dass sie mit dieser Herausforderung zu kämpfen haben. Ein Partner von Beeline Labels betont:

Ganz klar liegt die größere Herausforderung darin, die Community zu einem Zweck zu positionieren, an dem sich die Leute beteiligen wollen und involviert werden wollen - und darin, die richtigen Ressourcen zu investieren, um die Community zu vermarkten und zu unterstützen.

Insgesamt deutet Alles darauf hin, dass Firmen angefangen haben, Soziale Medien effektiv für sich einzusetzen, um mit Kunden, Angestellten zu interagieren und zu diskutieren. Trotzdem zeigt die Umfrage, dass Marketiers ihre gesetzten Ziele mit den Online Communities nicht erreichen. Das wahre Potential der Portale haben sie noch nicht ausgeschöpft.

Aus den Ergebnissen ergeben sich acht Ratschläge, wie man eine Online Community aufbaut:

1. Fangen Sie von hinten an: Zuerst muss eine Geschäftsstrategie genau definieren, was mit der Community erreicht werden soll. Das Portal braucht eine klare Zielsetzung, die zum Geschäftsziel passt.

2. Fokus auf der Wertschätzung der Mitglieder: Sie sollten der anvisierten Zielgruppe mit der Community einen klaren Mehrwert liefern. Neue Mitglieder müssen den bereits existierenden ähnlich sein. Im Kern müssen Sie die Motiviationsgründe verstehen, warum Menschen mitmachen wollen.

3. Die Technologie kommt zum Schluß: Gedanken zur Web 2.0-Technologien sollten nicht den Blick auf das Wesentliche versperren. Mit der falschen Anwednung können die Ziele unter Umständen nie erreicht werden.

4. Einfache und intuitive Bedienung: Eine einfache Naviation und leicht beidenbare Anwendungen sollen den Nutzern eine komfortable Community bieten. Sie haben keine Zeit, um sich die Funktionen erst zu erschließen - diese müssen selbsterklärend sein.

5. Frisch und aktiv: Die Community darf nicht still stehen: es muss konstant etwas passieren auf der Plattform. Das A und O sind die Inhalte! Um den Mitgliedern mehr Anreiz zu bieten, kann man Events ins Leben rufen, die mit der Plattform in Verbindung stehen.

6. Holen Sie sich dynamische Community-Manager: Um die Community zu verwalten, muss man genug Zeit investieren. Sie darf nicht "vor sich hin brodeln" - dann ist es besser, keine Community zu gründen. Dennoch muss die Gemeinschaft den Mitgliedern gehören. Der Community Manager soll teilnehmen, aber nicht den Ton angeben.

7. Wer soll involviert werden, wer nicht: Die Führungsebene muss eingebunden werden in eine Regelkommunikation. Rechtsthemen, Öffentlichkeitsarbeit und Design sollten an Externe gegeben werden.

8. Vor dem Launch eine Hand voll Enthusiasten gewinnen: Ein Kern von leidenschaftlichen Nutzern sollte bereits im Vorfeld des Launchs vorhanden sein. Wichtig sind Mitglieder, die gute Beiträge liefern - sie sind Maßstab für die Community, die daraus entsteht.

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Twitter-Verbot im Kapitol?

Veröffentlicht am 14. Juli 2008 um 18:38 Uhr von Anna Friedrich

Michael E. Capuano, Demokrat und US-Abgeordneter, verlangt, dass US-Kongressmitglieder, die in sozialen Netzwerken wie Twitter aktiv sind, vor jeder Veröffentlichung die Erlaubnis des Kongresses einholen müssen. Das berichtet die New York Times.

Genau das will der US-Kongressabgeordnete John Culberson aus der Opposition verhindern. Der durch seine Online-Aktivitäten auf Twitter und Qik bekannte Politiker lässt sich seine Meinung nicht verbieten. Mit seinem Lieblingstool Twitter moblisiert er die Community, gegen den Entwurf der Demokraten vorzugehen. Seine Micronachricht zum Thema löst eine (Macro)Lavine los:

They are trying to ban my Twitters & every [web communication] from all Congressmen unless each communication has been preapproved/edited/censored.

Culberson und seine Follower starten die virale Gegenkampagne "Let Our Congress Tweet" initiiert von ihrer sog. Sunlight Foundation, die sich als "Transparency Movement" versteht. Der Claim "Tweet on Dear Friends tweet on" bringt es auf den Punkt.

Auf seiner Website und im Brief an den Kongress ruft Culberson zu Transparenz und Offenheit gegenüber den neuen sozialen Medien auf:

The new media on the Internet is instantaneous and transparent, and it is a truly distributed network of free people using their own judgment to make decisions and to communicate. New media can open up our government to public scrutiny and participation in ways we cannot yet fathom. I am committed to using these new media outlets to communicate and to bring my constituents into the room with me as I represent them in Congress. I want to be a real time representative, and I want to shine sunlight into every corner of Congress. It is very hard for someone to steal money in broad daylight, and unfortunately, there are too many people in Congress today that want to put their hand in your pocket. If We the People can see and hear what our representatives and senators are doing, and communicate with them in a wide variety of ways in real time, the people of America will have tremendous new power over our elected officials.

Zahlreiche Blogger, darunter Samuel Liles, unterstützen, wo sie können. Culberson's Twitterfeed hierzu:

Awesome - social media users can stop this but we need to move fast - the House leadership can do this w a simple Committee vote.

Seine Meinung frei äußern zu können und dazu einen beliebigen Kanal zu wählen - das ist Grundrecht eines jeden Menschen, auch eines Politikers. Eine Grundsatzdiskussion, die nicht nur unverständlich ist. Es geht doch um vielmehr, als "nur" politische Rechthaberei zwischen Demokraten und Republikanern. Haben die Amerikaner schlichtweg Angst vor der Macht der Sozialen Medien, wie sie Culbersons Kampagne einmal mehr unterstreicht?

Fragt sich, wann deutsche Abgeordnete (endlich?) Twitter für sich entdecken. Zwar haben deutsche Parteien größten Teils ein Account. Aber einer Kurzstudie einer Berliner Agentur zufolge sind die meisten Twitter-Konten, wie das der Grünen und der SPD NRW "eingeschlafen". Leider ist die Twitter-Seite von Angela Merkel ein Fake mit nur 15 Abonnenten. Barack Obama erreicht mit seinen regelmäßigen Tweets und fast 47.000 Followern deutlich mehr Zuhörer.

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Auf der Suche nach dem heiligen Gral

Veröffentlicht am 8. Juli 2008 um 12:30 Uhr von Anna Friedrich

Konsumenten wollen sich einbringen. Nur wie sollten sie das tun? Martin Lindstrom, der sich selbst als "Brand Futurist" bezeichnet, sucht noch nach dem Patentrezept für Marken.

"There is no golden rule for captivating online audiences, no magic spell for harnessing user loyalty, making them like you, and persuading them to act as enthusastic brand advocates."

LaSandra Brill, Managerin in für Web & Social Media Marketing bei Cisco, hat sich ebenfalls auf die Suche gemacht und die wichtigsten Jobs zusammengefasst.

Zunächst brauchen Marke einen Strategen für soziale Medien, der eine eigenständige Community-Strategie erstellt und mit dem vorhandenen Kampagnenmix abstimmt.

Dann braucht es einen Community Manager, der die Kommunikation unter den Nutzern unterstützt und neue Diskussionsthemen initiiert.

Als Drittes ruft die Cisco-Managerin nach einem Social Site Manager, der eine Kernbotschaft konzipiert und in die bestehenden Communities hineinträgt. Ob Facebook, Twitter oder StudiVZ - die Kommunikationskanäle werden vom ihm festgelegt und zentral gemanagt.

Eine Art (Micro)Blog Manager schreibt und publiziert nicht nur Blogbeiträge und Twitterfeeds. Sondern - was mindestens genauso wichtig ist - er platziert seine Nachrichten auch ausserhalb der Seite. Ein spannender Blogpost braucht Multiplikatoren. Und die besorgt er.

Der PR-Manager begleitet die Community von Außen. Ob Kritik, Konversationen, Coverage in den On- und Offline-Medien - dem Feedback sollte mit einem aktiven Dialog begegnet werden.

Last but not least sollte ein Technologie-Experte mit im Boot sitzen. Jemand, der Trends verfolgt und die Seite auf den technologisch neuesten Stand bringt. Er integriert Web 2.0 Innovationen wie Widgets, Lightboxes etc.

Viele neue Aufgaben, viele neue Jobs. Mark Zuckerberg von Facebook sieht dennoch keine Alternative:

"People influcence people. Nothing influences people more than a recommendation from a trusted friend. A trusted referral influences poeple more than the best broadcast message. A trusted referral is the Holy Grail of advertising."

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Frauen networken mehr als Männer

Veröffentlicht am 2. Juli 2008 um 9:35 Uhr von Anna Friedrich

"Frauen sind. Und Männer auch. Überleg das mal...!" (Loriot) Allerdings sind Frauen in deutschen Social Networks in der Überzahl. Bei den Lokalisten sind 55 Prozent weiblichen Ursprungs, bei schülerVZ kommen sie auf 54 Prozent. Nur bei MySpace dominieren Männer mit 52 Prozent. Das ergaben die neuesten Internet Facts der AGOF (Arbeitsgemeinschaft Online Forschung).

Anders sieht die Geschlechteraufteilung bei der allgemeinen Internetnutzung aus: Männer sind mit 55 Prozent insgesamt deutlich aktiver als Frauen. In der Gesamtbevölkerung gibt es übrigens wieder ein knappes Plus für Frauen: Da sind es 51 Prozent.

Offenbar sind wir Frauen es also, die ein besonderes Bedürfnis nach Kommunikation und Austausch haben. Heißt das, wir sind die besseren Networker? Oder wollen wir einfach nur Klatschen und Tratschen?

Wo wir gerade bei Zahlen sind: mySpace weist mittlerweile 4,61 Millionen Unique User pro Monat auf. Die Plattform übertrifft damit sogar leicht den "Quotenkönig" studiVZ, der 5,54 Millionen Einzelnutzer hat. Die Nutzungsdifferenzierung der letzten drei Monate ergab, dass 70 Prozent der User das Internet hauptsächlich aus privaten Gründen nutzen. Bei weiteren 9 Prozent ist der Grund der Nutzung sowohl privat als auch beruflich.

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Werbung in Communities ist schlicht langweilig

Veröffentlicht am 30. Juni 2008 um 19:01 Uhr von Anna Friedrich

Gut gedacht, schlecht gemacht - oder völlig überbewertet? Marken nutzen Communitys alá Facebook und MySpace noch immer falsch, denn nur 15 Prozent aller viralen Werbekampagnen führen dort zum Erfolg, fand Jupiter Research heraus (FAZ von heute).

Auf mySpace beispielsweise haben gut die Hälfte aller Kampagnenseiten weniger als 1.000 "Freunde". Daher hält Jupiter-Berater Nate Elliott Virales Marketing für "völlig überbewertet". Jedenfalls, wenn sie so bleiben wie sie jetzt sind.

Er vermisste bei seiner Untersuchtung vor allem den wichtigen Dialog zwischen Nutzer und Unternehmen. Community-Mitglieder wollen involviert werden und die prinzipiellen Möglichkeiten dazu sind vielfältig. Nur wenn sie in Gespräche hineingezogen werden, kann überhaupt ein viraler Effekt entstehen. Spiele, Wettbewerbe, selbst erstellte Fotos oder eine Abstimmung helfen hierbei.

Joel Berger, CEO von MySpace Deutschland, gibt Elliot recht.

"In Online-Kampagnen in sozialen Netzwerken entsteht immer ein Dialog zwischen dem Werbetreibenden und seiner Zielgruppe. Es geht darum, eine Interaktion, eine Einbindung oder eine Begegnung mit der Marke herzustellen".

Als positives Beispiel nennt Elliott die O2-Kampagne in Großbritannien: hier machten bei einer Abstimmung über die beste Universität mehr als 100.000 Studenten mit. Richtig lag auch der Shampoo-Produzent Brylcreem.

MySpace-Chef Berger weist allerdings darauf hin, dass Werbung auch in sozialen Netzwerken prinzipiell nicht sonderlich beliebt ist. Die Wahrnehmung von Werbung sinkt mit der steigenden Häufigkeit der Nutzung von sozialen Netzwerken. Gleichzeitig sagt Jupiter Research, dass lediglich ein Viertel der User diese Marketingseiten überhaupt wahrnehmen.

Als Lösung wünschen sich auch die Plattformbetreiber mehr Interaktion von ihren Werbekunden. Sonst wird es, so Yahoo-Chef Terry von Bibra, schlicht "langweilig".

Eine der zur Zeit "angeteaserten" Marketingseiten auf MySpace ist die Fanta-Webpage:

Fanta MySpace.jpg

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Hypervernetzte in der Welt des Micro-Blogging

Veröffentlicht am 23. Juni 2008 um 17:14 Uhr von Anna Friedrich

1,2 Millionen einmalige Besucher allein im Monat Mai. Twitter ist die Innovation unter den Social Networks und offenbar das Lieblingstool der Hypervernetzten. Der banale Micro-Bloggingdienst mit seinen 140 Zeichen sei "eine Steigerung vom Telegrafen über das Telefon über Emails über Instant Messaging", so Jack Dorsey. Der Twitter-Mitbegründer und Geschäftsführer ist überzeugt davon, dass Twitter den Informationsfluss verändert. Es erspart den Nutzern die Konversation untereinander, indem es sich auf simple Status-Updates fokussiert.

Die Grenze zwischen Sinn und Unsinn ist fließend. Kritiker glauben, dass nur Freaks Lust auf diese Art von Interessensgruppen und -austausch haben. Twitterer berichten vom Suchtfaktor und dem Mehrwert, den ihnen das Tool liefert. Ein Jetzt.de-Autor schreibt hierzu passenderweise:

"Menschen suchen nach Zugehörigkeit. Wir möchten von Menschen, die wir mögen und schätzen auch gemocht und geschätzt werden. Wir suchen Gefühle der Zugehörigkeit und möchten sie aufrechterhalten. Wir wollen positive Beziehungen mit anderen."

Längst sind Twitter-Walls auf Konferenzen üblich, über die sich Teilnehmer dann wortlos austauschen können. So auch beim Internetkongress next08 im Mai.

Seinen Ruf verteidigt hat Twitter aber auch bei der Berichterstattung während des Erdbebens in der chinesischen Provinz Sichuan. Schneller als jeder Nachrichtendienst übermittelten Twitter-Nutzer die Erbebenwarnungen durch die (Netz-)Welt. Die Twitter-Feeds können, wie in China geschehen, wichtige Botschaften übermitteln und die Schwarmintelligenz wirkt.

Trotzdem ist nicht alles, was getwittert wird, für jeden gleich interessant. Aber wir kaufen uns auch keine Tageszeitung, um jeden einzelnen Artikel zu lesen - sondern wir schenken unsere Aufmerksamkeit wenigen spannenden Ressorts bzw. Artikeln.

Was interessiert es beispielsweise, wer was wann und wo (vielleicht auch noch mit wem) zu Mittag isst? Hierfür gibt es sogar FoodFeed auf Twitter: mit diesem Service kann Jeder seine Essgewohnheiten mitteilen. Und das immer und von überall. Wozu? Diese Fragen kann auch FoodFeed selbst nicht beantworten:

It's not really useful. It's just fun. And if you can make something useful out of it, we would be happy ;)

Ahhhja.

Laut einem Heise-Artikel sind die "Informationshäppchen" allerdings alles andere als nur eine Modeerscheinung. Vor allem, weil Twitter sich in Unternehmen und sogar Nachrichtendiensten als Tool zum täglichen Kommunikationsfluss etabliert hat. Und, weil Twitter in andere Softwaredienste leicht integrierbar ist. Facebook ist hier nur ein Beispiel. Alles in Allem ist Twitter also ein wichtiger Bestandteil der hypervernetzten Generation, die immer weiter wächst (siehe auch Hyper, Hyper immer weiter???).

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9 Millionen in Social Networks

Veröffentlicht am 20. Juni 2008 um 16:21 Uhr von Anna Friedrich

Eine Forsa-Studie des BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien) gibt neue Zahlen zur Beliebtheit von Online-Communities in Deutschland bekannt: neun Millionen Deutsche haben ein Profil in einem sozialen Netzwerk wie StudiVZ oder Xing. Immerhin zwölf Prozent der Deutschen Bevölkerung über 14 Jahren und damit jeder sechste Bundesbürger präsentiert sich mit einem Online-Profil.

Die Netzgemeinschaften sind zudem beliebter als Weblogs. Vor allem themenspezifische Plattformen werden häufig genutzt: um Gleichgesinnte zu treffen und neue Kontakte zu knüpfen. Gefragt sind Plattformen, die reale soziale Beziehungen im Netz abbilden, also Job- oder Freundschaftsnetzwerke sowie Communites für einzelne Interessensgruppen wie Autofahrer, Hobbyfotografen und Heimwerker.

Wichtiges Qualitätskriterium sind laut Bitkom die Datenschutzmaßnahmen. User sollten prinzipiell mit persönlichen Daten vorsichtig umgehen und zu viel Offenheit der Privatsphäre vermeiden.

Ähnliches fand Anfang Mai bereits die MaFo Datamonitor heraus. Darüber haben wir im Beitrag 8,6 Mio. Deutsche in sozialen Netzwerken berichtet.

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Fischmarkt über Weinberger-Keynote

Veröffentlicht am 18. Juni 2008 um 13:52 Uhr von Mark Pohlmann

Sehr schöne Zusammenfassung von Martin Recke auf Fischmarkt über die heutige Keynote von David Weinberger auf dem DMMK in Berlin.

Das Zeitalter der Information ist vorbei. Heute wissen Konsumenten mehr über das Produkt als die Hersteller. Und sie reden miteinander.

Im Web dreht sich alles um Links. Links fügen Kontext hinzu, statt ihn zu entfernen. Sie erhöhen die Komplexität und entziehen sich der Kontrolle.

Sein plakatives Beispiel: Wenn ich wissen will, ob der Mini Cooper ein brauchbares Auto bei Schnee in Boston ist, dann frage ich nicht den Verkäufer, sondern Google, und finde die Antwort. Den ganzen Beitrag lesen.

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Vernetzung als Lebensgefühl

Veröffentlicht am 17. Juni 2008 um 10:48 Uhr von Mark Pohlmann

Gestern noch war "Networken" ein halbseidenes, zeitintensives und schwer zu erlernendes Geschäft mit ungewissem Mehrwert. Dann doch lieber Biologie studieren! Dass mittlerweile eine ganze Generation hochvernetzter Studenten in die Unternehmen strömt, hat zwei Gründe: Im Internet ist es sehr einfach und kostenlos, sich Gruppen anzuschließen. Und es macht Spaß, denn Gruppenzugehörigkeit ist immer auch Bestätigung. Daraus erwächst ein ganzes Lebensgefühl, wie Jaiku-Gründer Jyri Engestrom in einem BBC-Artikel erklärt.

"This new generation is much more comfortable with openness and honesty. The young generation are happy to share their lives publicly."

"We are surprised that we haven't yet had a single complaint from someone relating to a breach of privacy."

"Being-hyper connected will become a precondition for citizenship."

"In the same way mobiles are a necessity, in five years time being hyper-connected will become a necessity to be an active participant in the social world."

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Hyperconnected III

Veröffentlicht am 9. Juni 2008 um 12:30 Uhr von Mark Pohlmann

Achtung, Ankündigung. Das Phänomen der Hochvernetzten wird zu meinem ganz privaten Sommerlochdauerthema hier auf dem Themenblog, und ich werde in den nächsten Wochen Stück für Stück weitere Informationen zusammenzutragen. Nur jetzt halt nicht, denn ich sitze ich in diesem Moment zwischen drei angefangen und zwei unvollendeten Konzepten / Angeboten / Kundenprojekten und meinem Hirn fehlt die rechte Konzentration für ein weiteres Thema. Deswegen nur mal so ein paar wirre, unsortierte aber umso passendere Gedanken.

- Ein Ex-Kollege sagte bei dem Blick auf meine Kontaktquote bei Xing: "500? Ich dachte du hättest mehr." Brauche ich jetzt mehr sichtbare Kontakte, weil die externen Erwartungen von mehr ausgehen?
- Es gibt Menschen, die bei ihrer persönlichen Vorstellung in einem direkten, analogen Gespräch ihren Rang in den Twittercharts nennen. (Sprich, die Zahl der Menschen als sinnstiftend betrachten, die ihre Beiträgen lesen)
- Im Prinzip geht es mir genauso: Die Zahl der Feed-Abonnenten dieses Blogs ist für mich eine fundamentale Motivation, in diesem Blog Texte wie diesen zu schreiben.
- Das lässt mich zu der Vermutung kommen, dass die meisten erfolgreichen Blogger und Twitterer nach einer Weile mehr von von ihrem Erfolg als von ihrem Mitteilungsdrang getrieben sind.
- Öffentlich hochvernetzte Menschen sind nur ganz selten Mitarbeiter größerer Unternehmen. Im Umkehrschluß heißt das: Konzerntätigkeit behindert Vernetzung. Dies wird für Konzerne zum Problem. Die Frage wird wichtiger, wie ob ein Arbeitgeber Eigenmarketing erlaubt. Und die Abwesenheit von Hochvernetzten in Konzernen ist ein Beweis dafür (Achtung, These!), dass hier die Energie in die Innenpolitik wandert. Nur wer intern den Rücken frei hat, kann sich nach außen wirkungsvoll darstellen.
- Deswegen beschäftigen Konzerne - wenn überhaupt- hauptberuflich Hochvernetzte als Repräsentanten. Microsoft demonstriert diesen Ansatz mit Robert Scoble oder Kris Hoet.
- Der Vorteil hochvernetzter Botschafter: Sie schaffen Sichtbarkeit und Reputation. Der Nachteil: Wenn sie gehen, nehmen sie ihren Ruhm mit. Die Lösung: Ist noch nicht gefunden.

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Hyperconnected II

Veröffentlicht am 6. Juni 2008 um 9:30 Uhr von Mark Pohlmann

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via: Paul Jozefak

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Hyper, Hyper immer weiter???

Veröffentlicht am 5. Juni 2008 um 11:02 Uhr von Anna Friedrich

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Sie aktualisieren ihr Facebook-Profil während eines Skype-Telefonats, schreiben Twitter-Updates auf dem Weg zum Flughafen und lesen Emails auf dem Blackberry im Badezimmer. Sie zählen in ihren Social Networks über 1.000 Kontakte (und können wahrscheinlich mit 85 Prozent dieser nichts anfangen). Alltäglich benutzen sie mindestens sieben vernetzte Endgeräte - vom iPod über das MacbookAir bis hin zum GPS-System im Auto - sowie mindestens neun Kommunikations-Anwendungen.

Sie zählen zu den Hyperkonnektiven - denjenigen die die neue Kultur der Konnektivität vorantreiben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis weitere Extremvernetzte ihnen folgen. Wo geht die Reise in Zeiten der Hyperkonnektivität hin?

Laut Internetworldstats haben 21 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zum Internet. 16 Prozent dieser globalen Informationsgesellschaft ist bereits "über"vernetzt und gehört damit zu den Extremnutzern. Weitere 36 Prozent sind bereits stark vernetzt und werden in naher Zukunft auch zu den Hyperkonnektiven zählen. Dies zumindest behauptet eine vom US-amerikanischen Nortel in Auftrag gegebene Studie von IDC, die mit 2.400 Arbeitnehmern aus 17 Ländern als repräsentativ bezeichnet werden kann.

Schlau unter den Übervernetzten ist, wer die Informationen vorselektiert und nur relevante verarbeitet; wer sich auf die wichtigen Kontakte konzentriert und sich nicht vom vernetzten Nirwana verführen lässt.

Was aber bedeutet dieser unaufhaltsame Trend für Organisationen und Unternehmen? Und, wie können sie die Massenverlinkungen produktiv nutzen?

Auch wenn der Trend zur Massenverlinkung noch lange nicht alle Teile der Bevölkerung erreicht hat, so ist klar, dass immer mehr Menschen den Hyperkonnektiven folgen werden. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Unternehmen müssen also ihre Kommunikationstrategie verstärkt an Internet-Medien orientieren. Sowohl in der externen, als auch der internen Kommunikation müssen sie sich gut auf die Ankunft der Hyperkonnetivitäts-Welle vorbereiten. Sie sind die zukünftigen Arbeitnehmer: so nimmt gleichzeitig die Wichtigkeit zu, Angestellten ein hyperkonnektives Arbeitsumfeld zu bieten. Sie sind aber auch die Konsumenten von morgen bzw. beeinflussen diese.

Damit Unternehmen auch vor einem Tsunami der Extremvernetzten gewappnet sind, müssen sie jetzt ihre Frühwarnsysteme anschalten und reagieren. Die Studie empfiehlt, das CIOs eine Strategie entwickeln, die die Hyperkonnetivität mit der Effektivität ihres Unternehmens verbindet. Systeme und Applikationen müssen eingeführt werden, die die Arbeitsabläufe regeln und beschleunigen. Dabei braucht es auch solche, die diese Systeme bedienen: Hyperkonnektive Talente für die zukünftige Arbeiterschaft. Und dabei darf die Sicherheit unter den neuen Tools nicht leiden, die die Produktivität steigern.

Trotzdem dürfen die vielen nicht Vernetzten von Unternehmen nicht vernachlässigt werden. Ihre Kommunikationsstrategie darf sich also nicht allein auf das Internet stützen. Ihre Zielgruppen erreichen sie durch einen Kommunikations-Mix. Denn daran, dass Printmedien, Radio und TV überflüssig werden, ist momentan nicht zu denken.

Was nach der Massenvernetzung kommt, wenn wir die Nase voll haben und die Web 2.0-Blase zerplatzt? Auf kurz oder lang wird eine Vereinheitlichung der Tools für ein Muss sein für die, die nicht in dem Überangebot untergehen wollen. Google arbeitet fleißig an OpenSocial und auch Facebook zieht mit.

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Netzwerke bestehen aus Kontakten

Veröffentlicht am 30. Mai 2008 um 12:30 Uhr von Mark Pohlmann

Manchmal sind die Sachen so einfach, dass man sie auch sofort aus den Augen verliert. Beim Nachdenken, Angsthaben und zaghaftem Herauszögern darüber, wie sich Werbung in Gesprächsumfeldern entwickelt (andere nennen das Web 2.0, Communities oder sonstwie), gerät ein Punkt immer sofort aus dem Fokus: Hier stellen sich Menschen dar, hier werden sie sichtbar. Unternehmen können versuchen, ihre Produkte wie Personen aussehen zu lassen, es bleiben doch stumme Dinge. Aber Menschen können für Produkte stehen: Mitarbeiter genauso wie Kunden.

Warum eigentlich versteht sich niemand in den Markenhochburgen auf die ganz simple Vernetzung? Es ist ganz einfach, ja, nicht nur das, es ist schlichtweg trivial: Ich erzähle, was mich interessiert und höre zu, was andere zu sagen haben. Die, denen ich zuhöre, nehme ich zu meinen Kontakten auf. Wer das bei ein paar hundert Menschen macht, ist plötzlich selbst zu Hunderten verdrahtet, weil eben nichts interessanter ist als ein anderer Mensch, der mir zuhört.

Es gibt Menschen, die fast ausschließlich über dieses Verfahren ganze Unternehmen am Markt einführen. Das Lustige ist aber: Das kann wirklich jeder, und: es funktioniert, wie Loic Le Meur beweist. Sein Vertriebskanal für den Videodienst Seesmic sind seine Online-Kontakte, die über jeden seiner Schritte informiert sind und ihm einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil einbringen. Wer Seesmic schlagen will, muss vernetzer als Loic sein. So einfach ist das Leben manchmal.
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8,6 Mio. Deutsche in sozialen Netzwerken

Veröffentlicht am 6. Mai 2008 um 10:51 Uhr von Mark Pohlmann

8,6 Mio Deutsche sind mittlerweile Mitglieder in einem Social Network á la MySpace, StudiVZ und Co, sagt die MaFo Datamonitor. Deutschland liegt in Europa damit hinter Großbritannien (9,6 Mio) und Frankreich (8,9 Mio). Insgesamt existieren 41,7 Mio Accounts in Web-Netzwerken. Bis 2012 wird die Mitgliederzahl der Online-Communitys in Deutschland auf 21,7 Mio geschätzt, in Europa auf 107 Mio. Derzeit nutzen Netzwerke noch eher die Jungen, aber der Anteil der Älteren nimmt laut Datamonitor zu.

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Zahlenfutter Social Networks

Veröffentlicht am 29. April 2008 um 9:28 Uhr von Mark Pohlmann

Weltweit lesen 73 Prozent der Internet-Nutzer Blogs (66 Prozent waren es im Juni 2007) und für 48 Prozent gehören sie zum regelmäßigen wöchentlichen Medienkonsum. 83 Prozent haben sich bereits Video-Clips im Netz angesehen. 59 Prozent schauen sich wenigstens jede Woche einen Clip an. Auch die Nutzung von RSS steigt: von 15 Prozent auf 39 Prozent. Über 57 Prozent gehören weltweit bereits einer Community an. Hierzulande haben 55,4 Prozent schon Blogs gelesen (USA: 60, 3 Prozent, Frankreich 78 Prozent).
Die komplette Studie von Universal McCann gibt es hier als 80seitiges PDF.
(Quelle: offtherecord)

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Zu spät für Facebook?

Veröffentlicht am 28. April 2008 um 14:33 Uhr von Mark Pohlmann

Die ganze Welt im Facebook-Wahn. Die ganze Welt? Nein, ein kleines Ländchen widesetzt sich konsequent. Und dieses Zitat macht die ganze Bandbreite des Versäumnisses, rechtzeitig für nationale Präsenz zu sorgen, deutlich:

Für den Monat März gibt Nielsen keine konkreten Zahlen heraus, da die Nutzerzahlen (Anm.: von Facebook) zu gering sind, um statistisch saubere Hochrechnungen zu ermöglichen.
Denn auch wenn weltweit eine Viertel Milliarde Menschen bei Facebook registriert ist: Wer innerhalb seiner Landesgrenzen bleiben möchte, braucht keine Weltmarktführer.

Matt Cohler, VP von Facbook, hält übrigens eine von drei Keynotes auf der diesjährigen Next am 15. Mai 2008.

Mehr lesen beim Netzökonom Holger Schmidt.

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Die Macht der Vielen

Veröffentlicht am 22. April 2008 um 10:18 Uhr von Mark Pohlmann

Zur freundlichen Kenntnisnahme ein heute erschienener Artikel von Philip Faigle auf Zeit online über Empfehlungsmarketing, in dem auch das Mavens-Prinzip vorgestellt wird.

Täglich bewerten Millionen Menschen die Produkte von Unternehmen im Netz. Noch reagieren viele Firmen darauf mit Angst - langfristig könnten die Internetforen das Marketing revolutionieren. Mehr...

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Finanzcommunity Stockflock kommt

Veröffentlicht am 19. März 2008 um 14:21 Uhr von Mark Pohlmann

Eines unserer neuen Kundenprojekte kommt wie carmondo.de auch von Sixt: Stockflock. Stockflock ist eine Finanzcommunity, auf der Profis und Privatanleger Strategien, Tipps und Portfolios publizieren und vergleichen können. Mavens Dialog hilft Stockflock, die 1. Generation Nutzer zu finden. Weil das Projektteam mit der Entwicklung beschäftigt ist, werde ich in den nächsten Wochen auch den Blog betreuen und hier den Launch kommunizieren. Heute ging's los. Alles weitere hinter diesem Link.

Stockflock wird sich übrigens auch auf der Next08 am 15. Mai 2008 in Hamburg präsentieren. Wer als Start-up ebenfalls der Meinung ist, auf dem wunderbarsten Internet-Event des Jahres sich kurz vorstellen zu wollen, hat die Wahl: Entweder er bewirbt sich für den Elevator-Pitch, oder er schreibt mir eine Mail mit einer Kurzinformation (nicht mehr als 50 Worte) für den Start-up Track (10 min): mark bei mavens punkt de.

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Netzwerke: Es wird nicht nur eines geben

Veröffentlicht am 10. März 2008 um 15:31 Uhr von Mark Pohlmann

Die Nutzungsdauer nimmt in den großen Netzwerken weltweit ab. Das berichtet Holger Schmidt heute in der FAZ unter Berufung auf die neuesten Nielsen-Zahlen. In Deutschland liegt die monatliche Nutzung bei SchülerVZ bei 111 Minuten, dann folgen StudiVZ (100 Minuten), Lokalisten (63 Minuten), Xing (40 Minuten) und MySpace (31 Minuten). In Amerika ist die durchschnittliche Verweildauer beispielsweise auf MySpace im vergangenen Jahr ebenfalls kräftig von 230 auf 180 Minuten im Monat gefallen. Das, mit Verlaub, ist eine gute Nachricht.

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um Netzwerk-Müdigikeit, sondern um Diversifizierung. Endlich, kann ich nur sagen. Nicht, dass es sich endlich diversifziert, sondern dass dieses Phänomen endlich wahrgenommen wird. Denn vor lauter Fan-Hysterie um die großen Player und den Kampf um die Weltherrschaft der Mega-Netzwerke ging in den letzten 24 Monaten ein ganz fundamentaler Aspekt vollkommen verloren: Netzwerke sind keine Schicksalsgemeinschaften, sondern Aufenthaltsräume. Und ihre Nutzung ist keine Lebensentscheidung, sondern eine tagtägliche. Und die Attraktivität eines Netzwerkes hängt nicht von seinen Features ab, sondern Anwesenden.

Es ist eben so, dass immer die Gruppen am interessantesten sind, die die coolsten Typen beherbergen. Das war schon immer so. Aber in den Millionen-Molochen Facebook & Co. kann man schlecht besonders sein. Das ist wie mit dem Robbie Williams Konzert oder am Samstagabend bei Wetten dass: Was alle machen, ist langweilig. Deswegen beginnen diejenigen, die die aktuellen Netzwerke groß gemacht haben, weiterzuziehen. Dorthin, wo sie wieder das sein können, was sie sein wollen: Erster. Avantgarde.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jemand seinen Facebook-Account löscht. Es kommen halt nur neue dazu, die Verweildauer und Aufmerksamkeit wandert. Seien wir doch froh. Im Erfolg liegt eben immer auch der Keim für den Misserfolg: Masse ist nur für die Nachzügler wichtig. Die, die vorgehen, schreckt es ab.

Und so wird es kommen: Nachdem wir die Phase der kritiklosen Begeisterung für Netzwerke bereits hinter uns haben und uns mitten in die Epoche der Monokulturen befinden, taucht am Ende des Tunnels bereits das Licht der (Achtung, jetzt kommt eines meiner Lieblingsworte!!) MIKROMARKTSEGMENTIERUNG auf.

Oder auf Web-2.0-ish: Der Long Tail. Wir alle werden über kurz oder lang in dutzenden großer und kleiner Communities leben, je nachdem, was uns gerade bewegt. Open Social wird uns dabei helfen.

Facebook als zentrales Betriebssystem für jedes und alles? Pfff. Denkste.

Es lebe die Vielfalt.

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Krisenkommunikation

Veröffentlicht am 28. Februar 2008 um 11:00 Uhr von Mark Pohlmann

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Oder doch nicht? StudiVZ schafft es jedenfalls, seine Nutzerschaft ständig neu zu verunsichern. Heuer geht es um Kifferbilder, die angeblich der Polizei gemeldet werden. Oder eben doch nicht. Hier eine von StudiVZ auf der eigenen Website publizierte Antwort auf ein Spiegel-Interview des Geschäftsführers Markus Riecke. Interessant ist nicht nur die hausinterne Sicht, was denn jetzt alles so meldepflichtig ist oder nicht, sondern auch, wie sich StudiVZ in die Opferrolle konstruiert. Von einer offensichtlichen Verhamlosung von Drogen ganz zu schweigen.

Liebe Community,

einige von Euch haben es sicher mitbekommen und waren – wie auch wir - geschockt. In der Online-Ausgabe eines Nachrichtenmagazins mit professionellem Image wurde unser Geschäftsführer Marcus Riecke falsch zitiert.
Auf der beständigen Jagd nach einem neuen Skandal im Hause studiVZ wurden mal wieder Zusammenhänge aus unserer Sicht mutwillig falsch dargestellt.

In diesem Artikel hieß es zum Beispiel, dass wir Euch - salopp formuliert - an die Polizei verpetzen wenn wir Bilder von Euch beim Konsum von Cannabis sehen.
Diese Schlagzeile wurde eine halbe Stunde nach Veröffentlichung und einer Aufforderung zur Richtigstellung durch uns zwar abgemildert, was die Weiterverbreitung über andere Medien aber nicht verhindert hat.

Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sauer wir über diese Art der Berichterstattung sind.

An dieser Stelle möchten wir Klarheit schaffen:

Fakt ist: Ihr möchtet Sicherheit.
Niemand möchte nationalsozialistische Parolen im studiVZ sehen oder der rechten Szene einen Nährboden bieten. Niemand will belästigt, bloßgestellt, bedroht oder verleumdet werden.
Um Euch eine sichere Plattform zu garantieren, haben sich alle Beteiligten an einige wichtige Regeln zu halten. Diese stammen nicht von uns, sondern sind für alle gültige und bindende Paragraphen der deutschen Gesetzgebung, wie zum Beispiel der Jugendschutz und das Strafrecht.

Dass wir Daten an Strafverfolgungsbehörden - also Polizei und Staatsanwaltschaft - herausgeben müssen, wenn diese uns ein schriftliches Auskunftsersuchen zukommen lassen, ist weder neu noch unseriös, sondern dient letztlich Eurem Schutz.
Es geht hier um Morddrohungen, radikales Gedankengut, Verleumdungen, schwere Beleidigungen und weitere heftige Dinge, welche in unserem Land genauso wie im studiVZ eine klare und zu ahndende Straftat darstellen.
Ein Auskunftsersuchen ist immer mit einer Anzeige verbunden, die von den Geschädigten erstattet wurde, zum Beispiel einem Nutzer aus Euren Reihen.
Das wird überall genauso gehandhabt und hat nichts mit Spionage zu tun!

Dass wir Bilder und Daten an die Polizei geben, weil Ihr Euch darauf ein gemütliches Tütchen ansteckt, ist komplett erfunden und gelogen.
So etwas tun wir nicht!
Das betrifft nicht nur das von der Presse bewusst gewählte und wunderbar plakative Beispiel Cannabis. Nebenbei gesagt gab es noch nie eine Anfrage zu Cannabiskonsum.

Wir bitten Euch, solchem Journalismus keinen Nährboden zu geben - er schadet nicht nur uns, sondern ist eine gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch Veröffentlichung falscher Informationen.

Euer
Samir

Samir veröffentlicht diesen Klartext stellvertretend für die gesamte studiVZ-Belegschaft.
Wir lassen uns so etwas nicht mehr gefallen!

Quelle: StudiVZ

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Die Welt ist bunt

Veröffentlicht am 28. Februar 2008 um 9:39 Uhr von Mark Pohlmann

Myspace und Facebook dominieren die Welt. Ja, aber nur die westliche. Andere Länder, andere Sitten. Das gilt auch für Social Networks, wie Le Monde eindrucksvoll herausarbeitet.

worldmap_socialnetworks.jpg

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Communities verstehen Nutzer nicht

Veröffentlicht am 14. Februar 2008 um 9:27 Uhr von Mark Pohlmann

So ungefähr kann man eine Studie der FH Bonn-Rhein-Sieg zusammenfassen, die zusammen mit Freundliche Netzwerke, Beitreiber der Ranking-Community woobby, erstellt wurde. Befragt wurden 46 Community-Betreiber und 172 Community-Nutzer, 14 Netzwerke à la MySpace analysiert. Keine große Datenbasis, ehrlich gesagt, aber immerhin. Der Spiegel stellt die Ergebnisse vor.

Thomas Goette bringt schön auf den Punkt, worum es geht.

"Alles, was den Nutzer unmittelbar betrifft, erregt seine Aufmerksamkeit"

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Der Kunde ist ein Produktvorteil

Veröffentlicht am 11. Januar 2008 um 21:13 Uhr von Mark Pohlmann

Gerade über einen Beitrag in einem sehr großen Digitalkameraforum gestolpert, der zeigt, wie gerade gutsituierte Käufer sich vom Niveau der Diskussionen um ein Produkt in ihrer Entscheidung lenken lassen. Der Kunde wird zum Produktvorteil. Was nichts anderes bedeutet, als dass wir in naher Zukunft den Kampf um die interessantesten und aktivsten Kunden erleben werden.
Why did you decide to buy Olympus ?
Not getting easier making a decision, for budget was not a real problem I eventually decided for Olympus because of the attitude of the users. Initially I though a Canon 40D would suit my needs nicely, but after reading post after post after post of the so called Canon Fan-Boys I wouldn’t want to be seen dead with such a contraption hanging over my shoulder, similar but slightly less goes for Nikon... owners that defend their sanity over 4 mp more or less, arguing about every feature their camera does-, or doesn’t have... absolute insanity. I never noticed this attitude amongst Olympus users, they all seemed to like their cameras, admitting that it certainly isn’t the best since sliced bread but all happily making use of their equipment... this is the sort of “team” I wanted to be part of.

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Gruppendynamik

Veröffentlicht am 22. November 2007 um 10:03 Uhr von Mark Pohlmann

Wußten Sie schon, dass...

- an amerikanischen Unis ein Paar erst dann offiziell zusammen ist, wenn beide auf Facebook sich als "in einer festen Beziehung" markieren?
- ich den Abgang von Müntefering zuerst in meinem Twitter-Feed gelesen habe?
- US-Jugendliche, wenn sie 15 min. Zeit haben, mehrheitlich ihren Myspace-Account kontrollieren?
- heutzutage schon Fünfjährige eigene Communities haben (beispiel: Stardoll)?
- und auf Stardoll Mädchen ihre digitalen Identitäten besonders gerne mit Tatoos verzieren - sich aber für abziehbare und keine "echten" entscheiden?
- von 9 Mio. Schweden 2 Mio. beim Dating-Service Match.com angemeldet sind, was die Wahrscheinlichkeit, ein Blind-Date mit einem Bekannten oder Verwandten zu haben, drastisch erhöht?
- das mal als Studentennetzwerk gestartete Facebook 45 Mio. Nutzer hat, davon 18 Mio. in Amerika, 7 Mio. in UK, 7 Mio. in Kanada, 2 Mio. in Australien - und 1,6 Mio. in der Türkei, davon fast die Hälfte Frauen /(46 Prozent) und der Altersdurchschnitt bei Ende 30 liegt?
- das deutsche Studentenportal StudiVZ die mit deutlichem Abstand meistgeklickte, ivw überprüfte Website ist (was bspw. Google und Yahoo nicht sind). Und danach SchuelerVZ kommt? Und auf Platz 5 das Freundenetzwerk Lokalisten?
- Internetnutzer in nur dreieinhalb Jahren 2 Mrd. Photos auf Flickr.com veröffentlicht haben und dies damit das größte öffentliche und kostenlose Bildarchiv der Erde ist?
- der Gruppenzwang im Internet so dynamisch ist, dass der Aufstieg & Fall einer marktführenden Community wie SixDegrees und Friendster jeweils nur rund 12 Monate dauert?
regionale Communities viel wichtiger als globale sind? Dass QQ (China), Orkut (Brasilien und Indien), and Hi5 (Zentralamerika) gleich groß oder größer als Myspace sind, aber eben nicht in angloamerikanischen Ländern - und deswegen kaum wahrgenommen werden?

... und dass es für all das keine adäquaten Werbemodelle gibt?

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Xing oder Marge versus Wachstum

Veröffentlicht am 21. November 2007 um 15:12 Uhr von Mark Pohlmann

Schöne Geschäftszahlen liefert heute Xing, ehemals OpenBC. Knapp 5 Mio. Euro Umsatz im letzten Quartel, gut 13 Mio. Euro für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahrens. Derzeit nutzen 4,25 Mio. Nutzer Xing, davon 325.000 zahlende mit Pro-Account, also jeder 13. oder sieben Prozent. Die sieben Prozent sorgen für ein dickes Plus auf dem Konto. Das operative Ergebnis EBITDA (böse formuliert: Gewinn vor Kosten, also vor Steuern und Abschreibungen) beträgt 2 Mio. Euro im 3. Quartal 2007 oder 40 Prozent vom Umsatz. Das ist ... phantastisch.

Gleichzeitig reicht das dem Gründer Lars Hinrichs nicht, denn er bietet ab sofort auch Werbung an. Hört sich ein bisschen an wie die Öffentlich-Rechtlichen, die ja viel Geld von ihren Nutzern bekommen und dennoch auf Werbung pochen. (kleiner Scherz, Xing ist zwar auch Monopolist in Deutschland, aber eben einer aus eigener Kraft und kein staatlich geförderter. Ein großer Unterschied.)

Es wird wohl eher so sein, dass Xing seinem eigenen Geschäftsmodell nicht mehr so recht traut auf lange Sicht. Das finde ich sehr weise. Denn die Konkurrenz ist leistungsstärker, hipper und, vor allem: billiger. Aber Xing hat ein großes Plus: Vor allem in Deutschland sind sie alle auf Xing. Und nicht auf Facebook. Xing wird auch von außen als DAS europäische Netzwerk gesehen. Wer in Asien oder Amerika Kontakte nach Zentraleuropa sucht, gründet einen Xing-Account.

Umgekehrt verläßt niemand sein Heimatnetzwerk, um sich auf Facebook oder anderen neu zu formieren. Vielfalt ist der Faktor. Erst wird der Pro-Account in einen kostenlosen umgewandelt, dann die Nutzung langsam verlagert. Ich beispielsweise bekomme in der Woche etwa fünf Anfragen auf Facebook von Kontakten, die bereits über Xing bestehen. Das eine tun und das andere nicht lassen lautet die Devise. Die Kündigungen der Pro-Accouns wird Xing heute schon spüren, nur sind sie in den Wachstumszahlen nicht so leicht zu sehen, oder besser: leichter zu verstecken.

Es ist gut für Xing, dass sie sich um ihre Vermarktungsfähigkeit kümmern. Dies sichert ihre Wettbewerbsfähigkeit mittelfristig stärker als eine Marge von 40 Prozent. Geld ist schön. Die Währung für Xing sind aber lebendige Kontakte. Wenn jetzt noch die Kostenpflicht für Trivialitäten wie eine vernünftige Suche fällt, hat Xing das Zeug, gegen Facebook und alle anderen zu bestehen.

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Menschen beeinflussen Menschen. Und Werbung.

Veröffentlicht am 20. November 2007 um 10:30 Uhr von Mark Pohlmann

"People influence People".

Das so schlichte wie schöne Zitat steht im Economist und stammt von Mark Zuckerberg, der 23-jährige Gründer und Vorstand von Facebook als derzeit angesagteste Community. Was er damit meint, ist, dass Werbung nicht von selbst wirkt. Menschen müssen Werbebotschaften aufnehmen und weitertragen. Werbung ohne sozialen Kontext ist irrelevant. Von wegen "Eyeballs" (denglisch für "Sichtkontakte").

Dieser Aspekt ist zwar nicht neu, aber insofern erwähnenswert, als dass er zwei wichtige Konsequenzen für das Marketing andeutet, deren Bedeutung immer noch nicht ausreichend wahrgenommen wird.

1. Wir hören auf Menschen. Nicht auf Werbung.

Es gibt keinen "Massenmarkt". Es gibt keine "Zielgruppe". Gab es noch nie. Jeder Markt ist die Summe von Individuen. Schon immer. Nur weil man bislang nicht nachverfolgen konnte, dass eine Marke erst im Gespräch sein muß, um sich überhaupt zu bilden, nur weil man die Wechselwirkungen aus Begehrlichkeit, Angebot und Botschaften nicht sieht, die sich durch Millionen Kleinst-Konversationen mäandern, heißt es nicht, dass es nicht schon immer so gelaufen ist. Ist es aber. Erst, wenn sich die richtigen Multiplikatoren auf die richtigen Marken und Produkte einlassen, entsteht das, was wir "Markenimage" nennen. Erst wenn eine Marke auch ein Image hat, ein Profil, ist es eine Marke. Vorher sind Logos Pixelhaufen. Menschen sind die Projektionsflächen. Markets are Conversations. Und das Internet macht diese jetzt transparent.

2. Das Web 2.0 ist das Ende der Reichweite.

In der Transparenz des Mediums liegt die eigentliche Revolution für das Marketing. Endlich werden die Gespräche sichtbar, für jeden nachvollziehbar, integrierbar, beeinflussbar. Das alte Kräfteverhältnis der Werbung ("ich sende, du hörst zu") hört auf zu wirken, und das neue ("wer mir zuhört, dem höre ich auch zu") ist erst dabei, sich zu bilden.

Die Konsequenzen: Marken unterhalten sich.

“For the last hundred years media has been pushed out to people,” he said, “but now marketers are going to be a part of the conversation.”

Zuckerbergs These (und die vieler anderer) lautet jetzt also, daß die Marke Teil der Gespräche werden muss. Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Und mit den alten Werbeformaten schon gar nicht zu machen. Mit den alten Werbekonzepten auch nicht. Niemand will ja mit den Konsumenten reden, das kostet Zeit und Geld und führt zu Erkenntnissen, die bestenfalls unbequem sind.

Was also tun? Zuckerberg (und viele andere) wollen auf die vielen heute schon real existierenden Werbemilliarden nicht ganz verzichten, bevor die neuen sich etabliert haben - die heute noch niemand richtig kennt. Denn ein ein beliebig skalierbarer Mechanismus hat sich noch nicht herausgebildet. Wichtig ist vor allem aber erstmal zu erkennen, dass es zwei Dinge für das braucht, was ich "Empfehlungsmarketing" nenne: 1. einen Ort, an dem die Gespräche stattfinden, und 2. Menschen, die die Botschaften glaubwürdig verbreiten.

Für Zuckerberg, der den Ort ja schon hat, ist der nächste Schritt die Personalisierung der werbenden Marke. Er gibt ihnen eine digitale Identität. Vorreiter war Myspace. In dem Netzwerk haben viele hundert Marken wie eine Person eine eigene Profilseite. Hier können andere dann Freundschaften mit der Marke schließen und sich mit anderen Fans unterhalten. Das funktioniert so leidlich.

Das kann man auf Facebook jetzt auch. Und ein bisschen mehr. Der Economist nennt Sprite als Beispiel, deren Avatar man sich auf seine eigene Profilseite holen und ein bisschen damit rumspielen kann. Mmmh. Das hört sich für mich ehrlich gesagt ziemlich gequält und infantil an.

Viel interessenter ist eine andere Funktion: Die eigene Portraitseite soll mittelfristig die eigenen Einkaufsaktivitäten abbilden, so dass die Shoppingtouren quasi Teil der eigenen Identität sind - die Liste würde all diejenigen Produkte abbilden, mit denen sich der einzelne identifiziert. Aber auch hier: Die Idee ist gut, ob sie tatsächlich zu einem Multiplikationseffekt führt, ist unsicher. Wir erinnern uns: der Wert der Gespräche ist der unmittelbare Nutzen für den einzelnen. Werden Gespräche skaliert, sollen sie massentauglich werden, verlieren sie ihre Einzigartigkeit. Und damit ihren Nutzen.

Das Problem ist auch die mangelnde Qualität der großen Netzwerke. Die wenigen guten Inhalte verlieren sich auf Facebook und Myspace in einem Heer von Irrelevanz. "Signal versus Noise" lautet das im "Wörterbuch der schönsten Web-2.0-Metaphern". Es braucht Mechanismen, Qualität zu fördern, hervorzuheben. In der Entwicklung dieser Mechanismen liegt die Verantwortung der Netzwerke selbst.

Ich persönlich glaube auch nicht an die Zukunft großer Netzwerkmoloche wie Facebook. Für mich liegt die Zukunft im genauen Gegenteil: In der noch viel weiter fortschreitenden Atomisierung von Zielgruppen. Die Zukunft gehört der Nische. Die überlebenswichtige Frage für die Werbewirtschaft ist, wie sich die Millionen Nischen sinnvoll zu wirtschaftlich ansprechbaren Zielgruppen aggregieren lassen.

Das ist das Spannende am Hier und Jetzt: Es muß sich alles ändern, damit es bleibt wie es ist. In diesem Sinne: Entdecker gesucht.

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Kontinentaldrift

Veröffentlicht am 15. November 2007 um 9:11 Uhr von Mark Pohlmann

kontinentaldrift.jpg

Kommunikatoren wandeln zwischen den Welten. Sie vermitteln zwischen Interessengruppen, wecken Verständnis. Und Neugierde. Als ein solcher Mediator bin ich derzeit viel auf Kongressen und sehe anderen beim Ringen um den Sinn partizipativer Medien zu.

Doch die Diskussionen ändern sich. Während wir noch vor 12 Monaten alle vereint am Steg saßen und staunend die Möglichkeiten bewunderten, die sich da dunstig am Horizont bildeten, sind die einen längst in ihren kleinen Booten aufgebrochen. Die anderen blieben zurück und hadern seitdem damit, auf welcher Seite des Ozeans das Gras grüner ist.

Genauso spielen sich auch die Diskussionen auf den Konferenzen ab. Während auf Veranstaltungen wie den Medientagen München vor allem die Rechtfertigung im Vordergrund steht, warum es richtig ist, nicht jetzt schon aufzubrechen, dazu noch in so kleinen Booten und wahrscheinlich ohne Ahnung, in welche Richtung es zu paddeln gilt, beginnen die, die auf Kongressen wie der Sime in Stockholm (auf dem ich derzeit gerade weile) rumschippern, die Zurückgebliebenen zu vergessen. Die Tektonik der Kommunikation verändert sich. Nicht nur für die, die sich auf das Neue einlassen. Es findet ein Kontinentaldrift statt, den die nicht merken, die auf der wegtreibenden Platte stehen.

Die Auswirkungen sind verheerend. Denn wir hören in diesen Tagen auf, die selbe Sprache zu sprechen. Während in den wankenden Booten gestaunt wird, wie gut Wikipedia schon ist, wird an Land vor allem wahrgenommen, wie riskant es ist. Nicht nur die Wirtschaft selbst spaltet sich in digitale und analoge Apologeten. Auch die Kommunikationswirtschaft spaltet sich in zwei Lager: Die einen begreifen die durch die Digitalisierung entstandene Partizipation an der Ressource Aufmerksamkeit als Chance, die anderen als Krise. So einfach ist das. Wir haben Mutige und Ängstliche.

Die Angst führt zu absurden Verweigerungshaltungen, wie die von Agentur-Chef Lars Cords, der seine gesamte Agentur mit einem Denkverbot in Sachen Mitmach-Medien belegt hat ("99,99% des Inhalts im Web 2.0 ist das Ergebnis von egozentrischen Selbstreflektierern und hat das Niveau von Teenager-Tagebüchern" Quelle). Gut, Herr Cords äußert damit nur das, was seine Kunden denken. Die Kunden, die in Reichweite denken und Umsatz von der Kommunikation verlangen.

Diese Menschen übersehen, wie weit die Kunden ihrer Kunden schon sind. Das Mitmachen ist längst Teil des Alltages. Hier ist jeder Kunde Teil der Aufmerksamkeitsökonomie, jeder steht selbst im Mittelpunkt seines eigenen Interesses. Hier sind Menschen die Epizentren, nicht die Unternehmen.

Die Mutigen unter den Kommunikatoren fragen nicht mehr nach dem Nutzen von einzelnen Tools. Die Diskussion dreht sich schon längst nicht mehr um die Frage, ob ein Corporate Blog Sinn macht oder nicht. Wir Kommunikatoren haben heute eine weite Palette unterschiedlichster Technologien zur Verfügung. Jede hat ihre Stärken, ihre Grenzen. Es hängt von den Zielen ab, von der Kultur eines Unternehmens, was wo zum Einsatz kommt. Wir müssen den Kunden folgen, das ist alles. Ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, darf gerne bezweifelt werden. Nur die Alternative bietet sich nicht. Denn dort, wo die Unternehmen ihre Instant-Kommunikation plazieren, sind eben keine - oder nicht mehr ausreichend- Kunden.

Thomas Knüwer erzählte jüngst die Geschichte eines Franchise-Unternehmens, das ein internes Wiki einsetzt, in dem alles niedergeschrieben wird, was für die angeschlossenen Händler von Belang ist. Jeder kann alles ändern, auch die Formulierungen der Konditionen, ja, sogar die Konditionen selbst. Das tat die Auszubildende: Sie vereinfachte kurzerhand das Margensystem, und alle fanden es besser danach. Sicher, eine Geschichte, die sich anhört aus 1001 Nacht. Aber diese Geschichten gibt es tausendfach. Alles wird besser, wenn wir miteinander reden.

Twitter ist so ein Ding, das auch niemand verstehen will, der es nicht kennt. Öffentliche Kurznachrichten in der Länge einer SMS, die jeder abonnieren kann. Seitdem ich Twitter nutze, halte ich einen kleinteiligen und alltäglichen Kontakt zu rund 80 Menschen aus meinem Bekanntenkreis. Jeder kann meine "Tweets" lesen und so mitverfolgen, wo ich bin, was ich mache und was ich denke. Derzeit lesen rund 1.500 Personen regelmäßig diesen Blog, knapp 80 verfolgen meine Twitter-Einträge. Sie alle, darunter Journalisten, Kunden und andere Multiplikatoren, interessieren sich aus eigenem Antrieb für meine Themen. Sie werden nicht gezwungen, sie werden nicht bezahlt. Diese Form der Kommunikation ist längst effizienter geworden als das Verfassen einer Mail oder Pressemitteilung. Nur verstehen das die Menschen auf der wunderbar langsam umherdriftenden Kontinentalplatte nicht mehr. Erst wollten sie es nicht verstehen. Nun können sie nicht mehr.

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Körperkontakt

Veröffentlicht am 7. November 2007 um 13:18 Uhr von Mark Pohlmann

Es passiert soviel, es gäbe soviel zu schreiben... Facebook, Open Social, gPhone, Qype, Docinsider, DerWesten, Dawanda, Carmondo - überall geht es voran, werden Pläne geschmiedet, Erfahrungen in Produkte gegossen. Es ist eine schöne Zeit und eine gute Sache, mit dabei zu sein.

Gleichzeitig leidet dieser Blog, fehlt nach wie vor eine neue Website und vieles mehr, das Reflexion erfordert, kommt zu kurz. Verführerischerwise hat die Welt stattdessen beschlossen, ihr Leben auf dem Konferenzkarussel zu verbringen, das sich immer weiterdreht: Nach dem IWK / München, Versandhandelskongres / Wiesbaden diese Woche die Web-2.0-Konferenz in Berlin, Münchner Medientage und nächste Woche SIME in Stockholm. Und immer wieder vertraute Gesichter, vertraute Themen, aber eben auch: neue Kontakte, neue Gedanken, neuer Tatendrang. Jeder kennt jeden aus dem Internet: Der eine bloggt, die da hat einen Online-Shop, hier ist die Start-up Fraktion. Dennoch ist das physische Treffen in digitalen Zeiten so wichtig wie nie. Erst im Angesicht entscheidet sich, ob aus einem losen Umeinander Wissen ein fester Knotenpunkt im eigenen Netzwerk wird. Ob aus Interesse Vertrauen wird.

Wie stark die Netzwerke durch das Internet beschleunigt werden, wie gut Offline und Online harmonieren, beweist mir eine seit langen Jahren vertraute Person, die sich für eine lange Zeit aus dem Internetgeschäft verabschiedet hat, geschrieben hat, sich im Theater verdingt hat und erst zaghaft und recht lustlos über kleinere Projekt den Weg zurück in die Internetwirtschaft gefunden hat.

Diese Person kennt innerhalb der Internetwirtschaft heute jeder, der sich mit der Dynamik von Netzwerken auskennt. Denn diese Person publiziert in einem Blog und über Twitter. Sie ist innerhalb von rund vier Monaten zu einer festen Komponente dieser Szene geworden, sie spricht auf Konferenzen, erhält Aufträge und lebt ihre Lust an der Vernetzung für alle Beteiligten gewinnbringend aus. Vier Monate reichen heute, um ein Netzwerk von rund 200 Personen zu errichten, die alle wissen, wer diese Person ist, was sie denkt, was sie kann, wen sie schätzt und: wo sie gerade ist. Nur wenige werden sagen, dass sie mit dieser Person befreundet sind, aber sie alle freuen sich, sie zu sehen.

Deswegen ist das Internet so faszinierend: Weil es heute Kontakte knüpft, wo gestern keine waren und weil es die realen Aufeinandertreffen intensiviert. Weil man über digitale, halböffentliche Systeme Teil einer Gruppe ist, in der der einzelne als Individuum wahrgenommen, wertgeschätzt wird. Weil man immer dabei ist, auch wenn man nicht da ist. Und weil man sich kennt, wenn man sich sieht.

Eigentlich ist es so wie immer: Die Gruppe ist die wohl mächtigste Institution der Menschheit. Wir werden hier noch viel erleben, auch online. Und nicht alles wird so harmlos und heiter bleiben, wie es derzeit ist. Genießen wir den digitalen "Summer of Love", wie Tim O'Reilly es in Berlin nannte, aber nicht verstanden wissen will. Für ihn ist das Web 2.0 eine riesige Effizienzmaschine. Aber die meiste Effizienz wird wohl wirklich auf der emotionalen Ebene geschaffen. Wer hätte das diesen häßlich-beigen Kisten jemals zugetraut?

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Zwei Geburten an einem Tag: DocInsider

Veröffentlicht am 29. Oktober 2007 um 11:24 Uhr von Mark Pohlmann

Es ist selten der Fall, dass gleich zwei Kunden an einem Tag launchen. Aber heute ist es soweit. Beide haben viele Gemeinsamkeiten, könnten aber unterschiedlicher nicht sein.

Fangen wir mit dem kleineren der beiden Babies an: DocInsider ist ein neues Patientenpartal, das mit dem Ziel antritt, jedem den besten Arzt zu vermitteln. Denn Fakt ist doch, dass bis jetzt nur persönliche Empfehlungen zu guten Ergebnissen führen. Ähnlich wie Qype Transparenz bei Anbietern und Dienstleistern jeglicher Art schafft, will DocInsider fortan die Ärzteschaft von denen durchleuchten lassen, die es wissen müssen: Den Kunden, sprich: Patienten.

Für eine qualitative Bestimmung von Ärzten und anderen Pflege- und Heilberufen hat DocInsider sich für den Start drei Faktoren vorgenommen: Zum einen gibt es hier eine vollständige Liste aller Anbieter, samt detaillierter Suche in rund 300.000 Einträgen. Beispieslweise kann man sich bei Spezialisten die Ausstattung ansehen. Und die Anbieter selbst können ihre Einträge vertiefen. Hinzu kommt ein großes Synonymwörterbuch, der einem hilft, auch für volkssprachliche Krankeiten den richtigen Helfer zu finden.

Wenn ich also einen "Scheuermann" habe und nach Linderung rufe, findet DocInsider dieses Ergebnis:
docinsider01.png

Die zweit Säule ist die Vermittlung zwischen Arzt und Patient. Jeder Arzt bekommt jede direkte Bewertung weitervermittelt und kann darauf reagieren. Entweder öffentlich auf dem Portal, direkt per Mail oder mit dem Griff zum Telefon. Und wie schon bei Fachanwälten gang und gäbe können sich hier auch Fachärzte zum Zweck der Eigenwerbung profilieren und direkt auf Anfragen reagieren. Ferndiagnosen bleiben allerdings weiter verboten und Beiträge schreiben auf DocInsider kann man mit keiner Krankenkasse abrechnen, deswegen ist hier die Gefahr eines Missbrauches sehr gering.

Drittens: Jetzt kommen die persönlichen Bewertungen ins Spiel. Jeder Patient kann - und soll - seinen Arzt bewerten. Und zwar vor allem durch einen Fragebogen, der mit Fachleuten entwickelt wurde. Weil DocInsider auf alle Kriterien eingeht - Behandlung, Fachgespräche, Wartezeit, Betreuung und weitere - sind Bewertungen bei DocInsider viel aussagekräftiger für Patienten mit gleichen Leiden als alles, was bislang existiert.

Mal sehen, ob DocInsider genau solche Sprengwirkung entfaltet, wie das bereits Napster und Myspace in der Musikindustrie gemacht haben, DocMorris bei den Ärzten oder Holidaycheck im Tourismus. Schon heute sehen sich Hoteliers gezwungen, ihren Namen zu ändern, wenn sie bei den Internetbewertungen durchfallen. Ob das bei Ärzten auch bald der Fall ist?

Ich jedenfalls wünsche DocInsider-Gründer Ingo Horak und dem Team viel Erfolg!

P.S. Heise.de hat schon berichtet!

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Jedem Schnitzel seine Community

Veröffentlicht am 16. Oktober 2007 um 15:16 Uhr von Mark Pohlmann

Was TRND davon hält, dass jetzt jeder meint, eine eigene Community als Mash-up alles bislang Gängigen gründen zu müssen, verraten sie uns auf subtil-ironische Art.

schnitzlr.png

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Qype wirkt... jetzt auch mobil

Veröffentlicht am 8. Oktober 2007 um 15:47 Uhr von Mark Pohlmann

Zum Beispiel am Wochenende in Hannover. Auf der Suche nach den Schuhen eines bestimmten Herstellers. Nach dem Namen in Verbindung mit dem aktuellen Standort gesucht - und fünf Minuten später war ich da. Klasse. Und, wie es sich für jede gute mobile Applikation gehört, ist die Anwendung so bestechend einfach, dass sie für die schnelle Suche auch am Notebook besser taugt als die Originalanwendung. Erst mit dem Internet drin macht das Handy richtig Spaß.

Jetzt warte ich noch auf die Möglichkeit, auch kurze "Vor-Ort-Bewertungen" durchzuführen. Was wäre wenn...das genauso einfach wäre, wie kurz bei Twitter zu verkünden, was man gerade macht?
qypemobil.png

Interessant übrigens für den Insider ist, dass Qype im Web auf Google-Maps setzt, mobil aber auf Yahoo. Wer kennt den Grund?

Disclaimer: Qype ist Kunde!

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Mach doch mit!

Veröffentlicht am 28. September 2007 um 9:19 Uhr von Mark Pohlmann

Ich habe eine Anzeigensuche bei Immobilienscout (wir suchen 4 bis 6 Zimmer im Westen von Hamburg) laufen und bekam gestern folgende Ankündigung:

immo.png

Nun haben also auch Kleinanzeigendistributoren die Segnungen einer Community entdeckt. Und in der Tat gibt es mit ein bisschen Nachdenken einige Anknüpfungspunkte. Jeder, der neu in der Stadt ist, sucht Anschluss. Der erste Kontakt ist vielleicht wirklich der zum Makler (oje....), warum also nicht einen Zusammenschluss all derjenigen, die niemanden anderen als diesen kennen?

Gute Idee. Doch der Markt ist schon in voller Konkurrenz erblüht. Das regionale Internet ist bereits jetzt, wo viele noch gar nicht wissen, dass hier einer der zentralen Zukunftsmärkte steckt, sehr gut erschlossen. Es gibt die Lokalisten, es gibt Qype. Es gibt die Städteportale, es gibt Stadtmagazine. Es gibt bald Dienste wie DerWesten. Sie alle haben eine Menge Content und vor allem: hier tobt bereits das Leben. Wer das nicht glauben mag: hier ist ein Screenshot meiner Seite auf Qype. Ich schreibe derzeit nicht besonders viel in Qype hinein, einfach, weil die Zeit dazu fehlt. Aber Qype hat es geschafft, dass ich mich trotzdem als Teil einer lebendigen Community fühlen darf. So hoch liegt die Latte mittlerweile. Da müssen die anderen erstmal drüberspringen.

qype_meinprofil.png

Was passiert hier? Ich bekomme zuerst einmal angezeigt, wer meine Profilseite und meine Bewertungen in den letzten Tagen angesehen hat. Ich sehe, worüber meine Freunde schreiben, welche Kontakte sie knüpfen und in welchen Gruppen sie aktiv sind. In viele werde ich selbst eingeladen. "Mach doch mit!" - diese Botschaft dringt bei Qype aus allen Pixeln, und es ist schwer, sich dem zu entziehen. So sieht gelebte Nachbarschaft aus, heute.

Übrigens: Qype gibt es jetzt auch fürs Handy. Funktioniert auch am PC-Browser. Wer auf das ganze Community-Geraffel verzichten will und einfach nur wissen will, wie gut ein Anbieter ist, bekommt hier ein wunderbar reduziertes Tool.

Ergänzung:
mmmhhhh, ich sollte meine Bildbearbeitungssoftware doch mal registrieren....

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Never Ending Friending

Veröffentlicht am 20. September 2007 um 10:46 Uhr von Mark Pohlmann

Was ist man ohne sein Netzwerk? Zumindest in Amerika wird die Frage zunehmend so beantwortet: Nichts. Eine neue, 68-seitige TNS-Studie für Fox Interactive Media mit dem klingenden Namen "Never Ending Friending" zeigt, wie stark der Affekt ist, sich in freien Momenten seiner eigenen Gruppenzugehörigkeit zu bestätigen. Die Frage lautete:

Wenn du 15 Minuten Zeit hättest - was würdest du tun?

socialnetworking.jpg

Die weiteren Erkenntnisse der Studie:

01 Making over life & media
Soziale Netzwerke sind kein (reiner) Spaß mehr, sondern werden als Bereicherung des realen Lebens wahrgenommen.

02 Stretching across hours and needs
70 Prozent aller Befragten sind ständig in Kontakt mit ihrem Netzwerk. Nicht permanent, aber kontinuierlich.

03 Enriching existing relationships
Die Kernfunktion der Netzwerke ist eine Intensivierung der Beziehung.

04 Making meaningful brand connections
Soziale Netzwerke werden für Marken immer wichtiger, in Kontakt mit Kunden und Mutltiplikatoren zu treten.

Quelle: Social Media.

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Mavens für Carmondo

Veröffentlicht am 12. September 2007 um 10:18 Uhr von Mark Pohlmann

carmondo_websitelogo.png

Das von Sixt vor wenigen Wochen neu gestartete Autoforum Carmondo arbeitet für seinen Community-Aufbau mit Mavens (Enthusiasten). Hierzu haben wir in anderen Foren 60 Autoenthusiasten identifiziert und angesprochen, von denen gut 20 bei einem ersten Treffen am letzten Sonntag dabei waren - um darüber zu sprechen, was Carmondo noch verbessern kann und wie sie sich als Autofans ihr Wunschforum vorstellen. Und natürlich, um ein Erlebnis zu schaffen, das für die Mavens Anlass ist, sich nicht nur mit Carmondo zu beschäftigen, sondern auch in ihrem Umfeld darüber zu reden.

Um den Spaß nicht ganz aus den Augen zu verlieren, hat Sixt den Mavens für diesen Tag jedem einen waschechten Sportwagen zur Verfügung gestellt (Audi TT / BMW Z4 Coupe / Mercedes SLK / Ford Focus ST), mit denen die Gruppe an einem Fahrertraining auf dem Boxberg teilnehmen konnte. Zwischen die beiden Trainingsblöcke haben wir zwei einstündige Gesprächseinheiten gesetzt, in denen wir uns über Internetforen unterhalten haben.

carmondo_steilwandII.jpg

Das Ergebnis läßt sich in diesen Diskussionen verfolgen. Es ist sehr schön anzusehen, wie die Identifikation mit Carmondo beginnt, obwohl (oder gerade weil) die Verbesserungswünsche, sagen wir... umfangreich sind.

Sehr spannend war der Einstieg in die Kommunikation. Interessanterweise haben ein Gutteil der Angesprochenen die Einladung selbst als Spam eingeschätzt. Das hat vor allem den Grund, dass das Event bereits wenige Tage nach dem Launch angekündigt wurde und die Plattform schlicht unbekannt war. Die anfängliche Skepsis aufzufangen, hat dann auch rund 10 Tage gedauert. Besser wäre gewesen, wenn sich die Zusammenarbeit mit den Mavens hätte in Ruhe entwickeln können, dann wäre der Argwohn gegen ein so üppiges Angebot (professionelles Training und die Mietgebühr für die Autos hatten einen Wert von mehreren hundert Euro) nicht so groß gewesen.

Dennoch ist das Konzept, mit Mavens zu arbeiten, für Carmondo bereits in der ersten Runde aufgegangen. Die Mavens, die auf dem Workshop das Carmondo-Team um Konstantin Sixt kennengelernt haben, verstehen durch das Event, was wir von ihnen wollen, und wie interessant diese Form der Kollaboration für sie sein kann. Und - der Respekt vor der Aufgabe für Sixt, eine Community aufzubauen, ist deutlich gestiegen, so dass das Portal und das Event auch rege in den Mutterforen unserer Mavens diskutiert wird.

Im nächsten Schritt geht es jetzt darum, aus den Gesprächen eine konstruktive Zusammenarbeit zu formen, das heißt, immer wieder einzelne Anregungen aufzunehmen, präzise durchzudeklinieren und diese auch tatsächlich in die Website einfließen zu lassen - und die Leistung, die der Maven für das System erbracht hat, gebührend zu würdigen. Events wie das auf dem Boxberg sind Initialzündungen, keine in sich abgeschlossenen Aktionen. Das gilt erst recht für Anbieter wie Carmondo, wo das Produkt selbst eigentlich ja auch nichts anderes als das Gespräch ist.

Die Zusammenarbeit mit Mavens ist ein nach vorne offener Prozess. Das hat das Sixt-Team nicht nur verstanden, sondern auch als Chance begriffen - es macht eben viel mehr Spaß, eine Website aufzubauen, wenn man aus berufenen wie engagiertem Munde ein konkretes Feedback bekommt. Beide Seiten haben an diesem Tag viel gelernt, und wir sind gespannt, wie die Dynamik in der Kommunikation weitergeht. Wer Carmondo kennenlernen möchte, kann dies bis zum 23. September in Frankfurt auf der IAA tun.

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ToDo der Woche

Veröffentlicht am 29. August 2007 um 11:38 Uhr von Mark Pohlmann

Facebook verstehen. Habe ich mir aber auch seit Wochen schon vorgenommen.

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Das Ding mit der Glaubwürdigkeit

Veröffentlicht am 29. August 2007 um 11:28 Uhr von Mark Pohlmann

Als Berater für Communities berate ich Unternehmen beim Community-Aufbau. Die Themen, die Bedingungen und die Erwartungen sind selbstverständlich jedesmal anders, aber die Hoffnung, dass ein Thema "anschlägt", woraufhin sich eine begeisterte Schar hochmotivierter Schreiberlinge zum angeregten Austausch niedersetzt und ihr Tagewerk vollbringt, ist natürlich jedesmal gleich.

Eines der Lieblingsworte von Kommunikateuren ist "Glaubwürdigkeit". Immer soll bitteschön alles authentisch, halt "echt" wirken. Ist ja auch klar, Fakes, gleich welcher Art, fliegen früher oder später auf, außerdem machen solche Jobs viel weniger Spaß, und die eigene Glaubwürdigkeit ist ja auch gleich mit auf dem Spiel.

Interessanterweise wird einem die eigene Glaubwürdigkeit, die man in seiner eigenen Tätigkeit erst einmal mit "Wahrheit" versucht gleichzusetzen, überhaupt nicht abgenommen. Jedenfalls, wenn der Absender nicht bekannt ist.

Mein Learning dieser Tage ist: Glaubwürdigkeit ist ein Ergebnis, keine Voraussetzung. Wer noch nicht auf der Spielfläche gesehen wurde, ist erst einmal gar nichts. Egal wie klingend sein Name ist. Entscheidend ist auf dem Platz. Hier muß man sich mühsam seinen Status erspielen, und wenn man das eine zeitlang macht, wird einem irgendwann auch mal das geglaubt, was man die ganze Zeit da vorturnt. Vorher herrscht ersteinmal Misstrauen, Vorsicht, Zurückhaltung.

In diesem Sinne sind Communities eben auch nicht beliebig hochfahrbar. Sie sollten einen kulturinternen Prozess widerspiegeln. Den des Dialoges. Je mehr Mitarbeiter geübt sind im angeregten Binnen- und Außenaustausch, je reger es summt im Bienenhaus, umso leichter springt der Funke auch über. Reden Sie also. Mit ihren Mitarbeitern. Mit ihren Kunden. Fangen Sie heute damit an. Dann werden Sie es morgen leichter haben. Egal, was Sie dann vorhaben.

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Jeder fünfte befüllt das Internet

Veröffentlicht am 14. August 2007 um 10:27 Uhr von Mark Pohlmann

"Wer soll das alles lesen?" Diese Frage beginnt sich zu erübrigen, denn endlich passiert etwas, für das die Werbewirtschaft schon lange einen flutschig klingenden Namen gefunden hat: Long Tail, der lange Schwanz der Berichterstattung, die kleine Nische, die sich millionenfach auftut, weil einfach jeder über das schreibt, was ihn interessiert - und so auf Menschen trifft, denen es genauso geht. Es geht also nicht um eine übergeordnete Relevanz, sondern die Relevanz für einige wenige Personen. Diese Nischen interessiert nicht, wie interessant sie für andere sind.

Jeder fünfte Deutsche also, bei einer Mediendurchdringung von rund 60 Prozent also jeder dritte Internetnutzer. Da kann man so langsam von einem Kulturphänomen sprechen, das immer schwerer zu ignorieren ist. Das Problem für die Werbewirtschaft mit dem Long Tail ist, dass die Menschen in ihren selbstgeschaffenen Nischen nicht nur immer schwerer zu erreichen sind, sondern die Aufmerksamkeit für Werbung dramatisch abnimmt - einfach weil die Qualität der Werbeaussagen gegen die selbsterstellten Inhalte nicht ankommen kann.

Interessanterweise tun sich in dieser Welt der Vielfalt große Portale auf, die fast unbemerkt von der Medienöffentlichkeit bleiben. Damit läßt sich wunderschön aufzeigen, dass das Problem der Werbeindustrie das Problem der Medienwirtschaft insgesamt ist. Oder kannte jemand das Portal Gesicherterparty.de, das heuer zu den meistbesuchten Websites im Internet zählt?

Das Mitmachinternet ist allerdings erst am Beginn, noch ist alles unsortiert. Wahrscheinlich werden sich für jede Bezugsgruppe eigene Netzwerke herausbilden, die in sich einen sehr weiten Bereich aller Kommunikationsanforderungen abdecken. Das heißt im Klartext, dass sich immer mehr Leben in diesen Communities abspielt, und diese erste verlassen wird, wenn das eigene Umfeld nicht mehr weiterhilft. Googles Vormacht ist Gefahr. Marktanteile von 93 Prozent werden wir in Zukunft nie wieder sehen. Es lebe die Vielfalt!

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Quelle: Bitkom. via: Holger Schmidt / Turi2

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Myspace: Werbung ersetzt Werbung

Veröffentlicht am 24. Juli 2007 um 9:45 Uhr von Mark Pohlmann

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Travis Katz, Manager von Myspace, ist auf Werbetour in Deutschland und erklärt in der FAZ den Unterschied zwischen Bannerwerbung und Community-Building:

Markenkampagnen statt Bannerwerbung

"Die Möglichkeit, auf MySpace zu werben, ist fundamental neu. Das gab es vorher im Internet nicht. Wir erlauben Unternehmen, soziale Gemeinschaften um ihre Marken herum zu bilden, so dass die Nutzer die Marken bekannt machen und mit ihnen verbunden sind. Viele Werber sind inzwischen der Meinung, MySpace sei eine der effektivsten Werbeplattformen im Internet, da der direkte Kontakt mit Kunden möglich sei. Es hat uns allerdings einige Zeit gekostet, den Werbern zu erklären, was sie auf MySpace tun können. In Deutschland müssen wir diese Aufklärungsarbeit erst noch leisten, da sich unsere Werbung doch stark von klassischer Bannerwerbung unterscheidet", sagte Katz. Für eintausend Kontakte müssen Werbekunden zwischen 5 und 25 Euro zahlen.

Wenn wir davon ausgehen, daß Netzwerke die Basisinfrastruktur im Internet werden, ich also nicht mehr nach Informationen suche, sondern mich erst in meinem Bezugssystem informiere, dann müssen die Marken dorthin, wo die Gespräche sind. Und das tun sie auch. Auf Myspace beispielsweise unterhalten hunderte Marken, wie der Toyota Yaris, eigene Portraitseiten. Über 70.000 Myspace-Mitglieder bekennen sich in ihrer Freundschaft zu diesem Auto. Das ist für die Marke aller Ehren wert. Der Grad der Interaktion kennt allerdings klar umrissene Grenzen: "Add to Friend. Add to Group. Add to Favorites." Direkter Dialog sieht anders aus. Das hier ist eine Microsite mit angeschlossenem Gästebuch.

Der Tausenderkontaktpreis von 5 bis 25 Euro ist daher teuer und billig zugleich. Teuer im Vergleich zur klassischen Instant-Bannerwerbung. Die ist eher halb so teuer oder noch weniger. Billig, wenn man bedenkt, daß für 25 Euro tausend Kontakte vornehmlich Jugendliche durch eine standardisierte Massenkommunikation geführt werden, die wenig mehr als ein kurzes "Hallo, ich finde das hier auch alles toll" erlaubt.

Echter Dialog ist nicht für 25 Euro zu haben. Instant-Werbemodelle werden, auch wenn sie im Mäntelchen der Networks kommen, nie die Relevanz bekommen, die Marken in diesen Räumen zukünftig benötigen. Dazu müssen Marken an den Gesprächen teilnehmen. Und dazu braucht es echte Kommunikation in Echtzeit. Solange Myspace - und die Werbetreibenden gleich mit - auf Fakes setzen, ist die (unternehmerische) Zukunft von Myspace unsicher. Denn statische Werbung funktioniert nur als billiger Ablasshandel, in diesem Falle: Sichtbarkeit gegen Geld. Doch die Wertigkeit der Werbung fällt gegenüber den Echtzeitdialogen der Mitglieder derart stark ab, dass sie nicht nur nicht wirkt, sondern in ihrer Anmutung schlichtweg kontraproduktiv ist.

Und so steht´s auch in der FAZ:

Allerdings ist MySpace kein Selbstläufer. Murdoch sagte in einem Interview auf die Frage, ob alle Zeitungsleser zu MySpace abwanderten, die Leser gingen leider alle zu Facebook.

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Upcoming Jobs

Veröffentlicht am 10. Juli 2007 um 18:28 Uhr von Mark Pohlmann

"Du hast viele, viele Freunde bei Facebook, Myspace usw.. Und du bist verdammt lustig."

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Auch große Gärten sind verschlossen

Veröffentlicht am 3. Juli 2007 um 9:54 Uhr von Mark Pohlmann

Der Garten namens Facebook zum Beispiel, sagt Steve Rubel, und verweist darauf, dass sehr viele Informationen in das System fließen, aber kaum etwas heraus - beispielsweise zu Google. Interessanter Text zu den Vor- und Nachteilen geschlosser Systeme am Beispiel des Gramercy Parks in New York. Wer schon mal dort war und vor der verschlossenen Tür stand, sollte den ganzen Text lesen ;-)

Despite the age of openness we live in, Facebook is becoming the world's largest, and perhaps most successful, walled garden that exists today. The problem, however, lies in this fact - Facebook gives nothing back to the broader web. A lot of stuff goes in, but nothing comes out. What happens in Facebook, stays in Facebook. As Robert Scoble noted, it's almost completely invisible to Google. You can share only a limited amount of data on your public page - as he has here. That's fine for many users, but not all.

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Ist Apple asozial?

Veröffentlicht am 29. Juni 2007 um 20:26 Uhr von Mark Pohlmann

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Achtung. Wer auf der Suche nach iPhone-News ist: Bitte gehen Sie weiter. Es gibt hier nichts zu sehen. Auch sonst geht es hier um keinen Glaubenskrieg. Ganz und gar nicht, ich bin gerade auf Mac umgestiegen. Alles ist gut. Es geht um einen Aspekt, den Christian Jung ins Spiel brachte und der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. Seine Aussage ist, dass Apple alles richtig macht, was für ihn als Designer seit Bauhaus als Wertekodex gilt. Dass die Produkte allen gestalterischen Ansprüchen genügen - bis auf den einen, den wichtigsten: Gesellschaftliche Relevanz. Ich zitiere mal kurz die Bauhaus-Stiftung in Dessau:

Wie kaum eine andere Institution hat sich das Bauhaus innerhalb einer krisenhaften Situation der Industriegesellschaft der Frage nach der Beherrschbarkeit des Modernisierungsprozesses mit den Mitteln der Gestaltung gestellt. Die Gründer des Bauhaus wollten die Trennung von Kunst und Produktion aufheben durch eine Rückbesinnung auf handwerkliche Traditionen als Grundlage allen künstlerischen Schaffens. Sie wollten vorbildliche Gegenstände und Räume für eine künftige humanere Gesellschaft schaffen.

Bauhaus ist also bis heute Leitmotiv für die Verbindung von Ästhetik, Technologie und Nutzen. Zurück zu Apple. Ganz sicher ist das Unternehmen seit Jahrzehnten wegweisend in Sachen Form, Handhabbarkeit, Haptik und Bedienbarkeit von Computern. Nur in einem Punkt hapert es: Apple produziert Ein-Personen-Produkte. Wenn man darüber nachdenkt, ist es eigentlich noch schlimmer: Apples Produkte isolieren den Nutzer. Besonders deutlich wird dies beim iPod, der sogar von autistisch versunkenen Tänzern beworben wird. Wer den Kopfhörer aufsetzt, ist von seiner Umwelt isoliert. Soziale Relevanz sieht anders aus. Klar kann man einwenden, dass es am Kopfhörer liegt und nicht an Apple. Oder man kann man sagen, dass internetfähige Computer, zu denen alle Macs nunmal gehören, schon alleine dadurch sozial sind, dass sie Menschen digital verbinden. Aber das Gerät selbst bleibt in seiner realen Umgebung immer einem einzelnen vorbehalten. Alle Geräte von Apple sind Einzelanwendergeräte. Es geht auch anders. Beispielsweise Computerspiele, allen voran die Wii von Nintendo, mit der man zusammen vor dem Monitor steht, spielt und schwitzt.

Was für Apple gilt, gilt natürlich auch für jeden anderen PC, jeden anderen Mp3-Player. Aber gerade von Apple möchte man eigentlich mehr sehen als das nächste Hedonistengerät, so wie es das iPhone ist. Wann endlich werden die Netzwerke, die der Computer schafft, physisch sichtbar? So wie das Bauhaus es geschafft hat, die Industrialisierung für den Menschen, nicht nur für Produkte, sinnstiftend anzuwenden, indem es beispielsweise billigen und dennoch anspruchsvollen Wohnraum schuf (die Wohnsilos aus den 60er und 70ern darf man an dieser Stelle ruhig als Vergewaltigung der Idee ansehen).

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Flickr doch zu was nutze: Mindmaps

Veröffentlicht am 18. Juni 2007 um 17:33 Uhr von Mark Pohlmann

Tja, das hat sich Flickr anders vorgestellt. Anstelle wohlwollender Anteilnahme für die deutschsprachige Adaption schüttet die hiesige Öffentlichkeit Spott und Häme über die Yahoo-Tochter aus. Der Grund: Bilder, die mit weniger als "vollkommen unbedenklich" gekennzeichnet sind, werden in einem deutschen Account gar nicht erst angezeigt. Die deutschen Gesetze verlangten einen härteren Jugendschutz, so die Erklärung der Yahoo-Pressestelle aus München. Andere nennen das Zensur. Schließlich ist mit einem US-Account auch über deutsche Rechner wieder alles sichtbar. Die FAZ schrieb, "der Schwung ist dahin". Nicht nur das. Die Blogosphere erhält die notwendige Energie, sich nach Alternativen umzusehen. Zwar ist Flickr eine der zentralen Anlaufstellen für das, was das "Web 2.0" ausmacht, aber es steht seit dem Aufkauf von Yahoo eigentlich nicht mehr unter Protektion - was man jetzt beim ewigen Google-Konkurrenten wenigstens im lokalen Maßstab schmerzvoll erfährt. Wir werden sehen, auf was die Blogosphere in Zukunft verweisen wird.

Noch ist es aber Flickr, und nicht etwa 23hq.com, das Fotosharing-Projekt des Reboot-Mitinitiators Thomas Madsen-Mygdal. Beispielsweise, wenn es um Mindmaps, also Visualisierungen von Vorträgen, geht. Ich hatte übrigens nach dem Vortrag auf der Reboot über Microblogging von Jyri Engeström, dem Gründer des Twitter-Konkurennten Jaiku gefahndet. Und bin schließlich glücklich bei Flickr gelandet.

Wer sich für das Thema "wann und warum entstehen eigentlich Netzwerke" interessiert, sollte sich zumindest die Grafik einmal ansehen.

mindmapreboot09.gif

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StudiVZ hat mehr Seitenabrufe als T-Online

Veröffentlicht am 13. Juni 2007 um 10:51 Uhr von Mark Pohlmann

Man sollte mit dem Wörtchen Sensation sehr vorsichtig sein, aber jetzt ist es angebracht: Web 2.0 schlägt Web 1.0 auf dem wichtigsten aller Schlachtfelder: Das der Reichweite (stimmt noch nicht ganz. Noch sind es erst die Klicks. Nach Reichweite, also einzelnen Besuchern, ist die alte Hierarchie noch hergestellt). Und zwar deutlichst. StudiVZ kommt auf 2,6 Mrd. Seitenabrufe (PI), der jahrelange Primus T-Online auf 2,1 Mrd. Was für ein Massenspektakel. Hier einfach mal die wuv-Meldung:

IVW-Sensation: Das größte Studentennetzwerk Europas hat die meisten PIs aller deutschen Webseiten. Insgesamt zählt StudiVZ 2,4 Millionen Nutzer, die im Mai 2,6 Milliarden Page-Impressions produziert haben. Damit liegt StudiVZ vor T-Online mit 2,1 Milliarden PIs, Yahoo (1 Milliarde), Mobile.de (1 Milliarde) und ProSieben Online (713 Millionen). Die meisten Visits verzeichnet nach wie vor T-Online mit 263 Millionen, StudiVZ meldet 80 Millionen Besuche und rangiert damit auf Platz sechs. Die für Mai erstmals ausgewiesenen IVW-Zahlen rechtfertigen damit den teuren Kauf von StudiVZ. Holtzbrick hatte im Januar 55 Millionen Euro plus eine erfolgsabhängige Variable gezahlt.

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Google: Soziale Netzwerke bleiben "heiß"

Veröffentlicht am 5. Februar 2007 um 14:07 Uhr von Mark Pohlmann

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Marissa Mayer, fotografiert von HBM Marcom auf dem DLD07

Wohl der Branche, die eine Marissa Mayer hat. Klug, ehrgeizig, eloquent, visionär. Und jung. Und hübsch. Und gut, daß sie bei Google ist. Und daß sie so kluge Sachen wie folgende der FAZ erzählt.

Soziale Netzwerke bleiben beste Idee im Netz

Google orientiere sich daher auch an der Arbeitsweise der Start-ups. "Die Mehrheit der guten Ideen kommt zurzeit von den Start-ups. Wir haben darauf reagiert. Unsere Entwicklerteams sind sehr klein und sollen wie ein Start-up arbeiten. Sie fühlen sich auch so. Und wir haben viel mehr Teams als früher. Meine Arbeit ist aber etwa gleich geblieben - Produkte früh und oft zu launchen", sagt Mayer.

Die heißeste Idee im Internet sind für sie weiterhin die sozialen Netzwerke. Von mobilen Anwendungen ist die dagegen enttäuscht. "Welche wirkliche Innovation gab es in den vergangenen Jahren auf dem Mobiltelefon? Im Internet gab es MySpace oder Youtube, ein Dutzend großer Ideen. Große Geschichten auf dem Handy gab es nur wenige. Erst die Satellitennavigation GPS wird einen Innovationsschub bringen. Oder das Apple iPhone", erwartet Mayer.

Mein Reden: Das Internet ist ein Massenmedium, das funktioniert. Und zwar am besten dann, wenn man dessen Möglichkeiten im besten Sinne seiner Kunden einsetzt. Hierfür sind große Teams weniger nötig als kompromißloses Dienstleisterdenken. Wie gut, daß Marissa Mayer den richtigen Ton für diese Wahrheit findet. Und natürlich sehr interessant zu sehen, daß Google dort seine Zukunft sieht, wo es selbst die größten Schwächen hat: Bei der Abbildung sozialer Beziehungen. Goolge kann vielleicht Suche, Anzeigen, Mails, Bilder und jetzt auch Videos ganz toll ausliefern. Aber der Human Touch, der fehlt noch.

Das ganze Portrait lesen

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Mavens in der Praxis

Veröffentlicht am 5. Januar 2007 um 16:03 Uhr von Mark Pohlmann

Es gibt sie, und man kann ganz normal mit ihnen arbeiten - jedenfalls drüben. Und sicher bald auch hier. (Beispielsweise in der Richtung, wie TRND es bereits macht.) Hier ein sehr lesenswerter Artikel aus der Businessweek (Link hier gefunden)

Selling clothing dreamt up by customers is just one facet of a business model that brings customers so far into Karmaloop's DNA that they have become, in effect, extensions of the company's sales, marketing, and product development teams. Karmaloop has an 8,000-strong army of customers who proselytize the brand and get discounts or cash when they, or someone they've referred, make a purchase. Members of this "street team," called reps, also upload images, photos, or artwork to Karmaloop's site to make company stickers or banners other reps can download. "The reps are evangelists for our site," says Selkoe. And they're doing their job: Fewer than 1% of Karmaloop's customers are reps, but their purchases and those they inspire account for 15% of sales. Weiterlesen

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StudiVZ und die Konsequenzen für uns alle

Veröffentlicht am 28. November 2006 um 10:17 Uhr von Mark Pohlmann

Man kann mit Sicherheit sagen, dass StudiVZ [...] beitragen [wird], dass Social Networks in Deutschland wesentlich stärker auf Datenschutz und besseren Support achten.

Robert Basic beleuchtet in seiner Liste der größten durch Blogger verursachten Skandale leider nur die Positivseite bei StudiVZ. Sicher, das ein oder andere Start-up wird sensibilisiert sein. Schlimmer jedoch ist, daß die nicht enden wollende Liste der Peinlichkeiten die Trumpfkarte der Haderer und Zauderer ist, sich eben nicht mit Social Software zu beschäftigen. Und dieser Flurschaden geht weit über das Wirkungsfeld von StudiVZ hinaus.

StudiVZ beweist, daß ein unkontrolliertes Ausnutzen der technischen Möglichkeiten des Internets schnell zu Mißbrauch führt. Nicht nur die paar hundert Studenten brauchen Kontrolle, wenn sie sich zwecks Anmache zusammenrotten. Auch die Gründer brauchen Kontrolle, wenn sie selbst um Aufnahme in den Stalker-Klub bitten. Jedenfalls bei einem kommerziell ambitionierten und nach außen mit weißer Weste auftretenden Unternehmen wie StudiVZ.

Funktionieren Communities nicht ohne Kontrolle? Die Crux ist: Kontrolle ist Gift für die Entfaltung einer Community, die weder von drei Gründer-Naseweisen gegängelt werden will, noch von der Wirtschaft, der GEZ oder sonstigen selbsternannten Erziehungsberechtigten. Communities sind auch Fluchträume aus der gesellschaftlichen Kontrolle und ohne Wildwuchs nur noch die Hälfte wert.

An dieser Stelle übt sich StudiVZ übrigens plötzlich im Schulterschluß mit Napster, Youtube und Myspace. Ihrer aller Faszination nährt sich aus der Regel- und Zügellosigkeit. Sind erstmal die Hauptstraßen planiert, macht sich Langeweile breit.

Die Konsequenz für uns alle ist, daß jedes Unternehmen - ganz gleich, ob Start-up oder nicht - mit seiner eigenen Community immer auch beweisen muß, daß es anders ist als StudiVZ. Das ist eine große Bürde, die dazu verführen könnte, es gar nicht erst zu versuchen. Denn das Risiko, trotz bester Absichten Müll in welcher Form auch immer bei sich zu sammeln, bleibt natürlich bestehen.

Für mich besteht jedoch kein Zweifel: Die Leichtfertigkeit der Gründer im Umgang mit ihrem eigenen System hat das Entstehen von Stalker-Gruppen erleichtert. Die jetzt am Pranger stehenden 800 Studenten haben gewußt, daß StudiVZ ein geeigneter Ort für ihre Ambtionen ist. Es ist kein Wunder, daß vergleichbares bei OpenBC noch nicht zu vermelden gewesen ist. Hier kümmert sich ein professionelles Team rund um die Uhr um die soziale Hygiene des Systems. Das Ergebnis ist zwar weniger Rock´n Roll, aber mehr Nachhaltigkeit.

Und das ist die vielleicht wichtigste Botschaft aus den StudiVZ-Stories für alle, die sich mit dem Aufbau von Community-Systemen beschäftigen: Die Qualität eines Netzwerkes bezieht sich einzig aus der Qualität ihrer Mitglieder. Nutzerzahlen, so schön sie auch im wöchentlichen Mitteilungen zu instrumentalisieren sind, sind allenfalls ein Kriterium für Investoren, nicht für die Mitglieder selbst. Communities leben davon, Gleichgesinnte zusammenzubringen, nicht alle mit allen irgendwie zu vernetzen. Der wirkliche Erfolgsfaktor einer Community ist, wie gut die neuen Mitglieder sind, die von den Bestandsmitgliedern angezogen werden. Hier ist weniger Wachstum immer besseres Wachstum. An dieser Stelle ein letzter Rat an Start-ups: Träumt vom Quick-Flip, aber redet nicht darüber.

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Blogs beeinflussen Kaufentscheidungen

Veröffentlicht am 23. November 2006 um 17:59 Uhr von Mark Pohlmann

Ein paar Zahlen aus einem Artikel von Robert Basic, auch der Rest ist sehr lesenswert.

- 55% der deutschen Webuser haben bereits von Weblogs gehört (ca. 19 Mio!)
- 15% haben Weblogs bereits gelesen (ca. 5 Mio)
- 1% haben ein Weblog (ca. 0,35 Mio)
- 2% haben kommentiert (ca. 0.7 Mio)
- 44% vertrauen der Presse
- 23% der Weblog-Leser vertrauen Produktmeinungen auf Weblogs
- 11% vertrauen den Aussagen des Firmenchefs zu irgendwelchen Diensten/Produkten
- 48% haben schon mal im Web was gekauft
- ca. 50% kaufen eher etwas, wenn sie was Nettes zum Produkt im Web lesen
- ca. 40% kaufen eher nicht, wenn sie was Negatives zum Produkt im Web lesen
- ca. 25% ändern ihre Meinung, wenn sie was zum Unternehmen via Weblogs lesen
- ca. 25% denken schlechter vom Unternehmen, wenn sie was dazu in Weblogs gelesen haben
(Quelle: IPSOS 2006)

Dazu passend noch eine ähnliche, vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie aus Deutschland.

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Kreative Kaste

Veröffentlicht am 10. November 2006 um 16:45 Uhr von Mark Pohlmann

Eine Community wollen viele, doch kaum einer wird sie bekommen. Warum eigentlich nicht?

Aufmerksamkeitsökonomie
Aufmerksamkeit gibt es nur bei Konzentration von Ressourcen. Communities bilden sich dort, wo mehr Wissen, Leben, "Content" oder sonstwas vorhanden ist als sonst auf der Welt. Das zu erschaffen ist die Voraussetzung, ohne gibt es keine Community.

Das ganze Bild
Hersteller sind eigentlich prädestiniert für eigene Communities. Hier können sie einen umfassendsten wie lebendigen Einblick in ihr Sortiment anbieten. Kulturell ist die Überwindung jedoch groß, geht es doch um nichts weniger als zu den eigenen Ansichten auch die komplementären bereitzuhalten. Und die Angst vor dem agilen Mob ist groß. Meist spielt es keine Rolle, wie begründet diese ist.

Entdeckergeist
Die meisten Communities entstehen auf der grünen Wiese. Sie erschaffen sich quasi selbst, indem man sie einfach zuläßt, ihnen einen Platz zum entfalten gibt. Das Zauberwort heißt "entdecken". Menschen wollen Orte, an denen sie sich austauschen können, selbst entdecken und nicht zugeordnet bekommen. Communities bilden sich um engagierte, kompetente und meinungsführende Menschen, die Themen und Meinungen organisieren und so eine Sogwirkung aufbauen. Sie sind der Nukleus, ohne den keine Zellbildung stattfindet. Ein schönes aktuelles Beispiel sind die Lokalisten, die viel Traffic haben ohne große Öffentlichkeit zu erlangen, weil sie vorerst auf den Münchnerraum konzentriert sind. Auch hier hat eine kleine Gruppe angefangen, sich online zu organisieren, aus der nach und nach eine echte Bewegung wurde, die davon zehrt, daß sie eine Gegenbewegung zu kommerziellen Angeboten ist. Auch Myspace lebt vom Status der Gegenöffentlichkeit. Hier ist mit der Größe gleich das Scheitern angelegt: wenn zu weite Teile der Öffentlichkeit organisiert sind, gibt es nichts mehr zu entdecken und die Community verliert ihre sinnstiftenden Zellkerne, weil diese an neue Orte abwandern.

Gegenseitigkeit
Selbst Communities, die als solche bezeichnet werden, sind oft keine. So sind YouTube und Xing keine Communities sondern eher Datenbanken - die eine für Personen, die andere für Filmchen, beide schöpfen ihren Wert aus der Quantität, weniger aus der Qualität - hauptsache, alles ist an einem Ort. Kommunikation ist Nebensache.

Communities leben aber von Vernetzung und Gegenseitigkeit. Aber wer hat schon feste Bezugspunkte unter den Content-Aggregatoren bei YouTube, wer hält sich in den Xing-Foren auf oder ist ein Networker, der ständig Menschen miteinander in Kontakt bringt?

Kreativität
Das ist der Punkt, auf den ich eigentlich hinauswill: Communities brauchen Schaffende, kreative Menschen, die etwas entstehen lassen, sei es Information, Gespräche oder Kontext.

Kreativität meint Aggregation. Schon das Hochladen eines Artikels für Digg.com ist ein hochkreativer und wertschöpfender Akt, zu dem nur einer von hundert in der Lage UND willens ist. Von einem eigenen Meinungsartikel bei Qype, einen Fachbeitrag auf Wikipedia oder dem Foto auf Flickr ganz zu schweigen. Es gibt diese Menschen, aber diese Ressource ist endlich.

Nur, wer diese Kreativität bei seinen Nutzern entfaltet, schafft eine Community, die einen Wert darstellt. Die Aufgabe lautet deswegen, diese kreative Klasse in seinem Umfeld zu finden und zu aktivieren. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Und hier liegt auch der Schlüssel für den Mißerfolg der meisten: Es gibt schlicht nur eine begrenzte Anzahl von Menschen, die für diese Rolle taugen. Der Kampf um diese kreative Kaste hat schon längst begonnen, wir werden ihn erleben, den Veitstanz um diejenigen, durch die diese Communities leben - und ohne untergehen.

In diesem Sinne, wird Andy Warhol nicht recht behalten. Es geht nicht um "15 Minutes of Fame", sondern um "Famous for 15 People“.

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Wer schreibt das Internet voll?

Veröffentlicht am 28. September 2006 um 18:13 Uhr von Mark Pohlmann

In der Internetwirtschaft kursiert ein schönes Wunschbild vom Schwarm als der Summe aller Nutzer. Der dann auch noch intelligent ist. Wenn wir alle es anpacken, jeder sein Scherflein beiträgt, dann schaffen wir etwas, das größer ist als wir selbst. Soweit der Mythos.

Nun. Des schaffenden Schwarm beeindruckendstes Werk stammt gerade einmal "von ein paar hundert Leuten". Die überraschende These: Wikipedia, das sind nicht viele. Das sind einige wenige. Sagt Wikipedia-Gründer Jimbo Wales.

Wales decided to run a simple study to find out: he counted who made the most edits to the site. "I expected to find something like an 80-20 rule: 80% of the work being done by 20% of the users, just because that seems to come up a lot. But it's actually much, much tighter than that: it turns out over 50% of all the edits are done by just .7% of the users ... 524 people. ... And in fact the most active 2%, which is 1400 people, have done 73.4% of all the edits." The remaining 25% of edits, he said, were from "people who [are] contributing ... a minor change of a fact or a minor spelling fix ... or something like that."
(Quelle via Martin Röll)

Ob diese Aussage stimmt oder nicht, damit setzt sich Aaron Schwarz, nach eigener Aussage einer der "Top 1.500-Wikipedia-Autoren" auseinander. Sein Gegenargument: Einige wenige machten zwar den Hauptteil der Aktivitäten auf der Plattform aus, aber das meiste davon sind kleine bis kleinste Korrekturen. Die Grundeinträge werden von einer viel breiteren Basis angelegt.

Wie auch immer. Wikipedia zeigt ein Bild aus wahrscheinlich fast allen Social-Software-Projekten: Die Initialbewegung kommt nicht aus der Masse heraus, sondern wird von einigen wenigen erzeugt. Diese Leute zu finden und zu motivieren, ist der entscheidende Erfolgsfaktor. Konzentration und Exzellenz lauten die Gebote. Wikipedia macht es vor.

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My personal Qype-Ad

Veröffentlicht am 24. Mai 2006 um 16:57 Uhr von Mark Pohlmann

Mark Pohlmann auf Qype

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Millionenfache Verkehrsunfälle

Veröffentlicht am 24. April 2006 um 10:44 Uhr von Mark Pohlmann

Die FAZ (mal wieder) über das Geheimnis von myspace: „Man muß einfach hinschauen - es ist ähnlich wie bei einem Autounfall.“

Aber das, was man sieht, ist nicht immer schön.

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Von Hamburg nach München

Veröffentlicht am 13. April 2006 um 11:32 Uhr von Mark Pohlmann

München ist für uns Nordlichter weit weg - weniger in Kilometern, als kulturell, personell und thematisch. Einen ganz wunderbaren Kontakt für alle Nicht-Münchner in die dortige Medienszene ist Peter Jordan, der sich nicht nur gerade mit der PR-Agentur Jordan & Kollegen frisch selbständig gemacht hat, sondern auch Mitinitiator des Mediennetzwerkes München ist. Er vertritt übrigens Klaus Eck in den nächsten Tagen als PR-Blogger.

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Funktioniert Werbung auf Web 2.0-Sites?

Veröffentlicht am 22. März 2006 um 12:55 Uhr von Mark Pohlmann

Bei aller Begeisterung für Web 2.0 ringen die meisten Unternehmen doch mit der Frage, wie das Geld zu verdienen ist. Bei den meisten heißt die (stille) Hoffnung: An Google, Amazon oder Rupert Murdoch verkaufen.

Doch es gibt löbliche Ausnahmen. OpenBC vergibt Premium-Mitgliedschaften für 6 Euro im Monat, die nach den Aussagen des Unternehmens jeder Dritte der mittlerweile 1 Mio. Kunden wählt - das ist doch schonmal was. Und auch für Flickr werden zahlende Kundenstämme von rund 20 Prozent genannt.

Doch die meisten New Player fangen mit dem Modell von Myspace, Yahoo & Co. an: Werbung. Dies ist nicht grundsätzlich verkehrt, können die Plattformbetreiber doch eine sehr differenzierte Zielgruppensegmentiertung einbringen.

Der CEO von Weblogs Inc., Jason Calaconis, weist jetzt auf ein neues Problem hin: Werbungtreibende tun sich schwer mit Sozialen Netzen. Ihre Nutzer hätten zwei Alternativen: Sich mit anderen zu treffen, flirten, chatten - oder auf einen Banner zu klicken. Das heißt, Werbung leidet unter einem zu großem Attraktivitätsunterschied zum Inhalt. In klassischen Magazinen sei dies anders, dort hielten die Anzeigen teilweise spannendere und reichhaltigere Informationen als der redaktionelle Teil vor.

Sein Urteil: Werbung auf Web 2.0-Anwendungen sei kein Selbstläufer, sondern eine Herausforderung, neue, integrierte Werbeformen zu erfinden.
Mehr dazu auf calacanis.com

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Kids are the Web

Veröffentlicht am 16. März 2006 um 10:36 Uhr von Mark Pohlmann

Zwei aktuelle Quellen, die zeigen, wie stark das Internet bei Jugendlichen bereits heute den Medien- und Kommunikationsalltag dominiert.

Nur in 33 Prozent der Familien mit Kindern unter zehn Jahren wird heute noch vorgelesen. In zwei Drittel der Familien gibt es keine Geschichten, Träume oder Phantasien mehr, die auf einem Printmedium fußen. Kinder werden heute geprägt von Babyphon, PC und Ipod. Über diese Medien bekommen sie Antworten und Kontakt, obwohl körperlich niemand da ist. Sollen die Jungen das später bei gedruckten Medien suchen? Die „Multi-Tasker”, wie man die jetzt heranwachsenden Generationen nennt, haben mehrere Kanäle auf einmal - alle elektronisch.

Markus Peichl, Journalist und Erfinder des Magazins Tempo, im FAZ-Interview

Die andere Quelle besagt, daß das Selbstdarstellungsportal myspace.com zu den 10 reichweitenstärksten Internetadressen der Welt gehört - also in unmittelbarem Umfeld der wichtigsten Suchmaschinen wie Google, Yahoo oder die chinesische Nummer 1, Baido.

myspace_graph.png


So, how did MySpace get so popular? Kids. MySpace has tapped into a previously ignored market -- a market much more active than previously assumed.

I think the lesson here is not to discount the kids. They will become the prime Internet demographic in the years to come and they will determine what's hot and what's not. Just like with soda, music and movies, the marketing dollars are more interested in my kids than me... and judging from MySpace, the marketers may be right. The kids are a major force on the Web.

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