Wie Agenturen Erfolg steuern.

Veröffentlicht am 19. Juni 2008 um 11:24 Uhr von Mark Pohlmann

Leseempfehlung SZ Magazin Jetzt: "Falscher Ruhm im Netz. Die gekaufte Weisheit der Vielen: Wie Agenturen den Erfolg von YouTube-Videos steuern"

Nachtrag, 20.6.2006, 16:00

Björn Ognibeni, der in dem Artikel erwähnt wird, weist auf einige krasse und vom Autor anscheinend wissentlich in Kauf genommene Missverständlichkeiten im Text hin:

- Wenn man den Artikel liest, könnte man den Eindruck bekommen, dass man hierzulande für 300.000 Euro garantierte 1 Mio Views auf Youtube einkaufen könnte. In Wirklichkeit verhält es sicher aber anders: bei der in dem Text erwähnten Firma Goviral bekommt man für virale Videos tatsächlich eine Garantie für die Anzahl von Views, diese sind aber immer länderbezogen. Für Deutschland sind das z.B. nur 100.000 und keine 1 Mio. Und das eben nicht auf Youtube (s.u.). Es wird auch nicht eine fixe Anzahl von eingekauft, sondern Goviral verspricht nur das ein von ihnen angenommenes Video mindestens 100.000 mal gesehen wird. Klappt das nicht, bekommt der Kunde Geld zurück. Eine Garantie für 1 Mio kann man auch bekommen, aber dann z.B. über 10 grosse Länder verteilt.

- Den im Text erwähnten fixen Preis pro View von 30 Cent gibt es so nicht. In Wirklichkeit bekommt Goviral ein festes Projektbudget aus dem sich zusammen mit der garantierten View-Zahl bloss rein rechnerisch ein Preis von 30 Cent/View ergibt. Diesen zahlen die Kunden nur bis zu der garantierten Zahl von Views!!! Alles darüber ist für den Kunden kostenfrei. Wird ein Video also z.b. 500.000 mal gesehen, reduziert sich der tatsächliche Preis pro View auf nur noch 6 Cent. Falls aber die Garantie nicht erreicht wird, bekommen die Kunden entsprechend 30 Cent/View zurück. Das Risiko dafür liegt bei Goviral

- Es gibt auch keine, wie der Artikel suggeriert, geheimnisvolle Liste von 150 deutschen Bloggern, die für Geld Videos pushen. Stattdessen schreibt Goviral z.B. Blogger an, wenn diese über Videos von ihnen geschrieben haben. Sie werden dann gefragt, ob sie Interesse haben zukünftig über neue Kampagne vorab informiert zu werden. Manche mögen das als Spam sehen. Aber das geschieht persönlich, nicht als Massenmail und offen als Goviral und nicht verdeckt und konspirativ. Für Kampagnen werden dann gezielt die Personen über eine neue Kampagne informiert, die thematisch passen. Da die jeweils nur ein paar hundert Views bringen, fliesst hier auch kein Geld. Für Geld gebucht werden dagegen z.B. Plätze auf grösseren Fun- und Spassseiten, die aber im Vergleich zu Youtube & Co. relativ klein sind.

- Was der Artikel total unerwähnt lässt, ist die Tatsache, dass Goviral überall auf das Prinzip der Freiwilligkeit setzt: Inhalte werden nur vorgeschlagen, der jeweilige Blogger oder Seitenbetreiber entscheidet vollkommen frei, ob er ein Video annimmt oder nicht. Was nicht gefällt, wird abgelehnt und deshalb nimmt auch Goviral nicht jedes Video an.

- Interessant ist in dem Artikel auch der Fokus auf Youtube, der sich als roter Faden durch den gesamten Text zieht. Dem Autor scheint es vor allem darum zu gehen, aufzuzeigen, dass die Inhalte dort massiv manipuliert werden. Björn sagte mir aber, dass Goviral bei Youtube kaum aktiv ist, was einen einfachen Grund hat: da die ausgesprochenen Garantien immer bezogen auf bestimmte Länder sind, wird Goviral nur für Views bezahlt, die diesen Ländern zugeordnet werden können. Dies geht jedoch bei Youtube nicht, weil Youtube technisch nicht in das Tracking von Goviral eingebunden werden kann, mit der Folge, dass Goviral für Views auf Youtube kein Geld bekommt. Deshalb würden Manipulationen hier, selbst wenn sie möglich wären, für jemanden mit einem Geschäftskonzept wie Goviral überhaupt keinen Sinn machen. In dem Artikel bekommt man allerdings seltsamerweise einen komplett anderen Eindruck.

Ergänzend kann ich nur sagen, dass die SZ sich weiter mächtig schwer tut, das Internet so darzustellen wie es ist, dass aber in diesem Artikel dennoch das Mavens-Prinzip sehr schön vorgestellt wird. Vielleicht ein wenig zu simpel, aber trotzdem schön mythenumworben. Also: Lesen ;-)

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Selbstkritisierende Unternehmen

Veröffentlicht am 12. Juni 2006 um 15:25 Uhr von Mark Pohlmann

Im Orignal viel schöner getitelt mit "I Like companies That Say: We Suck", beschreibt Edelmans Edel-Blogger Steve Rubel, wie sehr er es schätzt, wenn Manager zu Selbstkritik in der Lage sind.

"Now that conversation is king it's critical that companies begin to have these honest discussions with their customers and do it out in the open."

In diesem Fall Yahoo360°-Manager Ernie Hsiung, der in seinem Blog über "Five things that bug me about Yahoo! 360t" schreibt. Der Schönste: Nicht einmal die eigenen Mitarbeiter nutzen die MySpace-Kopie von Yahoo.

So schön schonungslos geht es im ängstlichen Manager-Deutschland noch nicht zu. Aber es gibt Lichtblicke. Arena-Geschäftsführer Christoph Bellmer warnt bereits jetzt davon, daß der Senderstart nicht reibungslos laufen könnte (Quelle: FAS, hier zitiert aus heise.de). Bei 500.000 Neukunden in nicht ganz acht Wochen läßt sich natürlich auch gelassener mit Problemchen umgehen, die in der Zukunft liegen. Mal sehen, wie arena sich verhält, wenn beim Bundesliga-Anpfiff wirklich was schiefgehen sollte.

Vielleicht gibt das hiesige Wirtschaftsleben ja noch prägnantere Beispiele her?

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Guter Job

Veröffentlicht am 24. April 2006 um 12:21 Uhr von Martin Recke

Wer macht eigentlich PR für Tschernobyl? Das Thema läuft erstaunlich gut in diesen Tagen. Dabei sind 20 Jahre gar kein so richtig rundes Jubiläum. Und erst nach 25 Jahren ist tatsächlich eine ganze neue Generation herangewachsen, der das Thema von Grund auf neu erklärt werden müsste.

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