Kontinentaldrift

Veröffentlicht am 15. November 2007 um 9:11 Uhr von Mark Pohlmann

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Kommunikatoren wandeln zwischen den Welten. Sie vermitteln zwischen Interessengruppen, wecken Verständnis. Und Neugierde. Als ein solcher Mediator bin ich derzeit viel auf Kongressen und sehe anderen beim Ringen um den Sinn partizipativer Medien zu.

Doch die Diskussionen ändern sich. Während wir noch vor 12 Monaten alle vereint am Steg saßen und staunend die Möglichkeiten bewunderten, die sich da dunstig am Horizont bildeten, sind die einen längst in ihren kleinen Booten aufgebrochen. Die anderen blieben zurück und hadern seitdem damit, auf welcher Seite des Ozeans das Gras grüner ist.

Genauso spielen sich auch die Diskussionen auf den Konferenzen ab. Während auf Veranstaltungen wie den Medientagen München vor allem die Rechtfertigung im Vordergrund steht, warum es richtig ist, nicht jetzt schon aufzubrechen, dazu noch in so kleinen Booten und wahrscheinlich ohne Ahnung, in welche Richtung es zu paddeln gilt, beginnen die, die auf Kongressen wie der Sime in Stockholm (auf dem ich derzeit gerade weile) rumschippern, die Zurückgebliebenen zu vergessen. Die Tektonik der Kommunikation verändert sich. Nicht nur für die, die sich auf das Neue einlassen. Es findet ein Kontinentaldrift statt, den die nicht merken, die auf der wegtreibenden Platte stehen.

Die Auswirkungen sind verheerend. Denn wir hören in diesen Tagen auf, die selbe Sprache zu sprechen. Während in den wankenden Booten gestaunt wird, wie gut Wikipedia schon ist, wird an Land vor allem wahrgenommen, wie riskant es ist. Nicht nur die Wirtschaft selbst spaltet sich in digitale und analoge Apologeten. Auch die Kommunikationswirtschaft spaltet sich in zwei Lager: Die einen begreifen die durch die Digitalisierung entstandene Partizipation an der Ressource Aufmerksamkeit als Chance, die anderen als Krise. So einfach ist das. Wir haben Mutige und Ängstliche.

Die Angst führt zu absurden Verweigerungshaltungen, wie die von Agentur-Chef Lars Cords, der seine gesamte Agentur mit einem Denkverbot in Sachen Mitmach-Medien belegt hat ("99,99% des Inhalts im Web 2.0 ist das Ergebnis von egozentrischen Selbstreflektierern und hat das Niveau von Teenager-Tagebüchern" Quelle). Gut, Herr Cords äußert damit nur das, was seine Kunden denken. Die Kunden, die in Reichweite denken und Umsatz von der Kommunikation verlangen.

Diese Menschen übersehen, wie weit die Kunden ihrer Kunden schon sind. Das Mitmachen ist längst Teil des Alltages. Hier ist jeder Kunde Teil der Aufmerksamkeitsökonomie, jeder steht selbst im Mittelpunkt seines eigenen Interesses. Hier sind Menschen die Epizentren, nicht die Unternehmen.

Die Mutigen unter den Kommunikatoren fragen nicht mehr nach dem Nutzen von einzelnen Tools. Die Diskussion dreht sich schon längst nicht mehr um die Frage, ob ein Corporate Blog Sinn macht oder nicht. Wir Kommunikatoren haben heute eine weite Palette unterschiedlichster Technologien zur Verfügung. Jede hat ihre Stärken, ihre Grenzen. Es hängt von den Zielen ab, von der Kultur eines Unternehmens, was wo zum Einsatz kommt. Wir müssen den Kunden folgen, das ist alles. Ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, darf gerne bezweifelt werden. Nur die Alternative bietet sich nicht. Denn dort, wo die Unternehmen ihre Instant-Kommunikation plazieren, sind eben keine - oder nicht mehr ausreichend- Kunden.

Thomas Knüwer erzählte jüngst die Geschichte eines Franchise-Unternehmens, das ein internes Wiki einsetzt, in dem alles niedergeschrieben wird, was für die angeschlossenen Händler von Belang ist. Jeder kann alles ändern, auch die Formulierungen der Konditionen, ja, sogar die Konditionen selbst. Das tat die Auszubildende: Sie vereinfachte kurzerhand das Margensystem, und alle fanden es besser danach. Sicher, eine Geschichte, die sich anhört aus 1001 Nacht. Aber diese Geschichten gibt es tausendfach. Alles wird besser, wenn wir miteinander reden.

Twitter ist so ein Ding, das auch niemand verstehen will, der es nicht kennt. Öffentliche Kurznachrichten in der Länge einer SMS, die jeder abonnieren kann. Seitdem ich Twitter nutze, halte ich einen kleinteiligen und alltäglichen Kontakt zu rund 80 Menschen aus meinem Bekanntenkreis. Jeder kann meine "Tweets" lesen und so mitverfolgen, wo ich bin, was ich mache und was ich denke. Derzeit lesen rund 1.500 Personen regelmäßig diesen Blog, knapp 80 verfolgen meine Twitter-Einträge. Sie alle, darunter Journalisten, Kunden und andere Multiplikatoren, interessieren sich aus eigenem Antrieb für meine Themen. Sie werden nicht gezwungen, sie werden nicht bezahlt. Diese Form der Kommunikation ist längst effizienter geworden als das Verfassen einer Mail oder Pressemitteilung. Nur verstehen das die Menschen auf der wunderbar langsam umherdriftenden Kontinentalplatte nicht mehr. Erst wollten sie es nicht verstehen. Nun können sie nicht mehr.

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PR: Meister der Verdrehung

Veröffentlicht am 2. August 2006 um 11:29 Uhr von Mark Pohlmann

... nennt der Spiegel seine aktuelle Reportage über die Welt der PR. 40 Prozent aller Medieninformationen basierten bereits auf PR.

"Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit" lautet ein bekanntes Bonmot. Und Krieg gibt es nicht nur im Krieg, sondern auch in der Wirtschaft. Auch hier geht es ums Gewinnen und Überleben, glücklicherweise fließt meist kein Blut. Aber so ist es nunmal: Information ist immer auch Desinformation. Für die PR ist beides alltägliches Handwerkszeug. Sie arbeitet mit Auslassungen, Verharmlosungen, Inszenierungen, was weiß ich. Das muß aber auch so sein. Schließlich ist sie bezahlte Auftragsarbeit und folgt einem dem Auftraggeber präzise zuordbarem Interesse. Wichtig bei PR ist lediglich, daß der Absender deutlich erkennbar ist. Dann ist PR ein ganz normales Kommunikationsinstrument. Nur eines sollten wir alle beharrlich verweigern: zu lügen.

Was mich stört an Artikeln wie dem des Spiegel ist nicht, PRlern ihre Verfehlungen vorzuhalten. Sondern die Annahme, daß nur die eine Seite, die PR, so funktioniert. Die Journalisten sitzen im gleichen Boot. Ohne sie funktioniert das Spiel der PR nicht. Auch hier geht es ums Geld, um Interessen, um Aufmerksamkeit und Meinungsmache. Manchmal haben Journalisten die gleichen Ziele wie die PR. Dann kommen Lobeshymnen dabei heraus, manchmal nicht. Dann ist die Wirtschaft / Politik / Gesellschaft das Kontrastmittel zum Guten, sprich: zur Auflagensteigerung. Noch kann kein Medium ohne Anzeigenkunden überleben. (Viel schlimmer: Die Öffentlich-Rechtlichen, die diese Unabhängigkeit wenigstens gegenüber der Wirtschaft haben könnten, werfen sich dieser mit der gleichen Vervé an den Hals wie die Privaten. Weil auch sie den Hals nicht vollbekommen können - siehe Tour de France)

Unabhängigkeit existiert in Medien einfach nicht. Das sollte man wissen und sich seine kritische Distanz erhalten. Dann ist die Enttäuschung auch nicht so groß.

Nachtrag 4.8.2006
Der Haltungsturner wies mich soeben darauf hin, daß in der Brand eins-Community von OpenBC eine hitzige Diskussion um den Spiegel-Artikel entbrannt ist. Ich zitiere hier mal Edelman-Deutschland Chefin Cornelia Kunze, die in dem Artikel mehrfach erwähnt worden ist:

Ich jedenfalls glaube weiter an wahrhaftige, offene und kritische Auseinandersetzung - und daran, dass Unternehmen ihre Meinung vertreten dürfen und sogar müssen, um ihre Aufgaben wahrzunehmen und um Mehrwert zu schaffen.

Wer mitdiskutieren möchte, ist dort also bestens aufgehoben.

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Wortmüll

Veröffentlicht am 4. Mai 2006 um 15:59 Uhr von Mark Pohlmann

"Ohne Issues Management ist Themensetting undenkbar"

Quelle: Sprecherszene, der Newsletter des Pressesprecherverbandes

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Wenn Pannen Glaubwürdigkeit schaffen

Veröffentlicht am 31. März 2006 um 15:25 Uhr von Mark Pohlmann

Um die hohe Nachfrage zu verdeutlichen, erfand jüngst ein Kunde einen Serverzusammenbruch. Wir überlegen jetzt, die Funktion "Nichts geht mehr auf der Website kurz nach Ihrer Pressekonferenz" in den Regelkatalog unserer PR einzubauen.

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Vorsprung

Veröffentlicht am 10. März 2006 um 14:56 Uhr von

Moritz Hunzinger, einzige schillernde Figur im ansonsten aseptischen PR-Umfeld, findet eine klare Definition seiner Dienstleistung: Er sei ein "wandelnder Informationsvorsprung". Großartig!

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Warum PR einen so schlechten Ruf genießt II

Veröffentlicht am 1. Dezember 2005 um 10:03 Uhr von

Vodafone_life Wegen Antworten wie dieser. 

"Vodafone-Sprecherin Bettina Donges sagte SPIEGEL ONLINE, die sogenannte Vodafone-live-Taste sei auf Wunsch der Kunden eingeführt worden, "damit man nicht mehr so lange im Menü suchen muss". Versehentliches Einwählen könne schon mal passieren, am besten solle man immer die Tastensperre aktivieren, empfiehlt sie. "Oder besser noch einen Tarif mit Flatrate wählen, da kann nichts passieren."

Der Spiegel-Artikel beschäftigt sich mit dem Ärger von Handy-Besitzern, die sich ständig versehentlich in die Portale der Provider einwählen, weil diese den Einwahl-Knopf ebenso prominent plazieren wie die Taste für die Gesprächsannahme.

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Stellenabbau durch Umzug - "eine gute Entscheidung"

Veröffentlicht am 15. November 2005 um 15:33 Uhr von

Nun ist man ja gewohnt, daß vom Markt gestrafte Unternehmen das Sparen als eigentliche Daseinsberechtigung entdecken und fortan als Heilslehre propagieren. Aber wie Sony Deutschland seine Restrukturierung durch Umzug der Vertriebsmannschaft von Köln nach Berlin ins (bislang?) imageträchtige Sony-Center am Potsdamer Platz verkauft, das treibt einem dann doch die Tränen ins Gesicht: Man will den dortigen Leerstand minimieren. Und was passiert mit dem künftigen Leerstand in Köln? Daß die PDS das Ganze nun für eine "gute Entscheidung" hält, zeigt, wie viel man in Berliner Regionalpolitikerkreisen von Wirtschaft versteht hält.

Die Restrukturierung "ist erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit von Sony auf dem deutschen Markt zu verbessern und das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zu bringen." Hier fehlt wie immer an dieser Stelle die Begründung, warum nicht mehr Umsatz / Marktanteil oder  bessere Produkte das eigentliche Ziel sind und wie diese zu erreichen oder warum sie eben nicht zu erreichen sind.

Mit dem Besetzen freier Flächen durch eigene Mitarbeiter sei "zu erwarten, dass auf diese Weise die effizienteste Nutzung der verfügbaren Flächen im Sony Center in Berlin erlangt wird." Leistungsträger werden als finanzielle Belastung zur physischen Manövriermasse. Da kommt bestimmt Freude auf in Berlin und in Köln.

Der Wirtschaftssenator Berlins, Harald Wolf (PDS/Die Linke, vormals SED), jedenfalls ist angesichts des unverhofften Zustroms aus dem nichtsozialistischen Ausland ganz euphorisch: "Das ist eine gute Entscheidung - für Sony und für Berlin. Ich freue mich, dass mit diesem Schritt intensive Gespräche zwischen dem Senat und dem Unternehmen zum Erfolg geführt haben." (Zitate aus: de.internet.com)

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Die schönsten Geschichten schreibt das Leben?

Veröffentlicht am 14. November 2005 um 16:50 Uhr von

In der Welt der PR schon. Quelle: Stern.de

Stern_vanessaEs gibt Geschichten, die klingen zu gut, um wahr zu sein, und es gibt Geschichten, die klingen, als hätten unterbeschäftigte PR-Assistentinnen sie erfunden. Nehmen wir diese: Ein bildhübsches Mädchen, einsam und verzweifelt, jobbt in einer Plattenfirma. Dieses Mädchen ist voller Lieder, voller Ideen, aber weil es ein ehemaliger Popstar ist, ausgezehrt vom schnellen Ruhm, reist es nach Lateinamerika und sucht nach Sinn.

In Peru besucht es seine Großmutter, eine weise Frau von 87 Jahren. Das Mädchen kann seinen alten Traum nicht vergessen, von der Bühne und von der Musik, und fragt um Rat: "Mama Lilla, soll ich es noch einmal wagen?" Die alte Dame, klein von Wuchs und entschlossen, zögert nicht lange: "Mama Lilla Would!"

Ein Jahr später steht dieses Mädchen in einem Hamburger Hotel, posiert für ein Fotoshooting und gibt Interviews zu ihrer neuen Platte mit dem Titel "Mama Lilla would". Zugegeben, das klingt verdächtig. Erst recht, wenn das Mädchen Vanessa Petruo heißt und zu den No Angels gehört hat, der ersten öffentlich gecasteten Girlgroup Deutschlands. Vany, Sandy, Lucy, Jess und Nadja - wir kannten ihre Ti-Äitsch-Schwächen, ihre Lieblingspullis und ihre Problemzonen. Wir durften dabei zuschauen, wie das Fernsehen aus ihnen Popstars fertigte, wie sie fünf Millionen Platten verkauft und nach drei Jahren Fließbandarbeit wegen kollektiven Burnouts aufgegeben haben. Weiterlesen...

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Warum eigentlich?

Veröffentlicht am 1. November 2005 um 17:40 Uhr von

Ich hätte gern ein Podium (...) zur Frage, wieso PR eigentlich so einen beschissenen Ruf hat.

Eine gute Frage. Warum eigentlich?

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Burger King kämpft mit offenem Visier

Veröffentlicht am 13. Oktober 2005 um 16:52 Uhr von

Nicht immer muß man bei den Guten stehen, um glaubwürdige Kommunikation zu betreiben.

Burger King hat Debatte um gesundes Essen satt

Im Streit mit Politikern und Verbänden um politisch korrekte Werbung und gesunde Ernährung zeigt sich Burger King jetzt als letzte aufrechte Marke. Die Fastfoodkette hat sich aus der Debatte verabschiedet.In Großbritannien zeigte die Kette jetzt der Food Standards Agency (FSA) eine lange Nase. Während FSA, Industrie und Regierung über die Reduzierung von Salz, Zucker und Fett in Lebensmitteln debattieren, um sie gesünder zu machen, vermeldete Burger King, es wolle die Burger stattdessen so geschmackvoll wie möglich machen. Auf Salz, Zucker und Fett will das Unternehmen daher nicht verzichten.

Zudem kündigte das Unternehmen an, es plane ein "Enormous Omelette Sandwich". In den USA bereits auf der Speisekarte enthält das Omelett 740 Kalorien mit zwei Scheiben Käse, zwei Eiern, Schinkenstreifen und Würstchen sowie knapp 5 Gramm Salz. Das Rezept klingt wie eine Kriegserklärung an die FSA, die in diesen Tagen eine Aufklärungskampagne gegen einen übermäßigen Einsatz von Salz beim Essen startet.
Quelle: Horizont.net

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Internetportal beteiligt sich an Demonstration

Veröffentlicht am 2. September 2005 um 10:10 Uhr von

Rentner demonstrieren vor dem ARD-Studio in Berlin gegen das Ende der Talkshow "Fliege", mit dabei die Initiative Internetportal „Generation 50plus“, schreibt heute die SZ. Mein erster Gedanke: Hut ab, das ist Engagement. Schnell mal gegoogelt und diese Seite gefunden: www.50plus-ans-netz.de. Dann die Ernüchterung: Das Internetportal ist eine vom Staat geförderte Initiative. Nun frage ich mich wirklich, ob es dessen Aufgabe ist, Bundesbürger zu mobilisieren, gegen die wirtschaftlich nicht ganz unbegründeten Entscheidungen einer anderen öffentlichen Einrichtung zu demonstrieren, oder ob man sich nicht eher wieder um das eigentliche Ziel kümmern sollte: Senioren ans Netz zu bekommen. Was das mit der Rettung der Fernsehehre von Ex-Pastor Fliege zu tun hat, erschließt sich mir nicht.

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Hochmut kommt vor dem Fall

Veröffentlicht am 26. August 2005 um 10:49 Uhr von

"Das Gewitter ist bei Google nicht mehr fern", schreibt Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer in seinem Weblog. Seine These: Die Arroganz gegenüber Medien im Allgemeinen und kritischen im Besonderen läßt ein Kippen der öffentlich positiven Meinung immer wahrscheinlicher werden. Mein Kommentar dazu: Google folgt der Kultur aller Monopolisten. Sie lassen in der Öffentlichkeitsarbeit nur die von ihnen gesteuerte Selbstinszenierung zu. Es wird Zeit, daß Google Konkurrenz bekommt.

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Flugverbot bei Sony

Veröffentlicht am 25. August 2005 um 14:11 Uhr von

Was ist bloß aus Sony geworden? Das FTD-Interview mit Deutschlandchef Manfred Gerdes von heute spricht Bände. Man habe den MP3-Zug verpaßt, sei hier von Apple abgehängt worden, leide unter Preisdruck und könne für das nächste Geschäftsjahr nichts als Verluste verkünden. Als kreative Idee brachte der Chef den Vorschlag, daß seine Mitarbeiter einen Monat geschäftlich per Bahn statt Flugzeug reisen könnten. Ja, ist der Mann - und seine Pressestelle gleich mit - von allen guten Geistern verlassen? Während Apple mehr darunter leidet, von seinen Fans chronisch überschätzt zu werden, tut Sony alles, um jede Erwartung im Keim zu ersticken. Wo ist sind die Innovationen, wo die Themen, die Sony besetzen möchte? Eigentlich verbietet sich für einen Chef eine derart öffentlich zur Schau getragene Perspektivlosikeit. Wenn schon das Unternehmen keine Hoffnung mehr hat, sollte sich der Kunde Sorgen machen.

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Begriffsinflation

Veröffentlicht am 9. August 2005 um 14:05 Uhr von

Neu auf meiner schwarzen Liste: Kopfkino

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Bündnispartner Öffentlichkeit

Veröffentlicht am 1. August 2005 um 10:39 Uhr von

Hut ab, Madame Licci. Die Privatkunden-Vorständin der HypoVereinsbank trägt einen internen Machtkampf öffentlich aus - per E-Mail an Mitarbeiter, wie die FTD berichtet. Interne Mails sind nebenbei bemerkt ein hervorragendes Instrument, um inoffizielle Informationen schnell und gezielt an die Öffentlichkeit dringen zu lassen.

Das Privatkundengeschäft habe die Kehrtwende geschafft, schreibt Christine Licci in dieser Mail, doch sei "leider die Öffentlichkeit nicht korrekt und transparent informiert worden". Weiter führt sie aus: "Es tut mir sehr leid, dass durch diese mangelhafte Kommunikation Medienberichte ausgelöst wurden, die nicht die von Ihnen wirklich erbrachten Leistungen widerspiegeln."

Im Alleingang, vorbei an der unternehmenseigenen PR, setzt Licci ihre Bekanntheit aus Citibank-Zeiten ein, um auf ihre neuen Erfolge aufmerksam zu machen und damit den Finanzvorstand Wolfgang Sprißler zu düpieren. Das kann durchaus nach hinten losgehen, andererseits gewinnt sie durch Aktionen wie diese weiter an Statur. Im kollektiven Gedachtnis bleibt, daß sie erfolgreicher ist als ihr Arbeitgeber es zugesteht. Personenmarketing in eigener Sache heißt, Risiken einzugehen - nur dann gewinnt ein persönliches Thema auch öffentliche Relevanz. Gibt es deswegen so wenige charismatische UND öffentliche Frontfiguren in der Wirtschaft?

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Wer keine Probleme hat, macht sich welche

Veröffentlicht am 30. Juli 2005 um 12:29 Uhr von

Hilmer_kopperDer vorzeitige Abschied des DaimlerChrysler-Chefs Jürgen Schrempp war viel länger geplant als bislang bekannt. Dass der Konzern dem Spitzenmanager keinen Dank aussprach, sei einer Kommunikationspanne zuzuschreiben, erklärte Aufsichtsratschef Hilmar Kopper dem SPIEGEL.

Schrempp selbst hatte die Erklärung mitformuliert und wollte den Dank nicht selbst reinschreiben. Dadurch wurde der Eindruck erweckt, Schrempp sei rausgeschmissen worden. "Ich bin todunglücklich", sagt Kopper. "Das hat Schrempp nicht verdient."

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Die Geschichte vom ersten BMW-Kombi

Veröffentlicht am 5. Juli 2005 um 9:38 Uhr von

Auch BMW nutzt Storytelling:

So wirklich geplant war der Touring in der 3er-Reihe nicht. Denn als 1984 schon die zweite Generation der Limousine am Markt war, konnte sich mit einem Kombi in München noch keiner anfreunden. Keiner? Nicht ganz. Ein junger Ingenieur, so lautet die von BMW verbreitete Legende, machte sich angesichts seines bevorstehenden Familienzuwachses intensiv Gedanken über eine neue Kombination von Fahrspaß und praktischem Nutzwert. Und weil er in der Entwicklung niemanden überzeugen konnte, hat er nach Feierabend daheim in der Garage zu Schweißbrenner und Trennscheibe gegriffen.

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Wie ist Leicas Vision?

Veröffentlicht am 1. Juni 2005 um 9:42 Uhr von

Die Leica Camera AG solle vor allem mit Neuheiten in Sportoptik und Digitalfotografie wachsen. „Die Leica Camera AG soll keine kleine Boutique für Nostalgiker werden, sondern Tradition und Innovation sinnvoll verbinden, um so auch wieder zu wachsen”, hob Spichtig hervor.
aus: FAZ

Leica ist eine stolze Marke, der ganz unbedingt zu wünschen ist, daß sie als Referenz vollendeter Ingenieurskunst erhalten bleibt. Leider ist mir in der aktuellen Berichterstattung um die drohende Insolvenz nicht viel Perspektive vermittelt worden. Die in der Kommunikation gewählten Schlüsselworte scheinen Nichteingeweihten geradezu zwangsläufig. Aber wo sind die Produkte und Dienste, mit denen Leica wieder begeistern will? Für welche fotograrische Sicht auf die Welt steht die Marke? Wo sind die ungelösten Aufgaben, die nach einer Lösung von Leica schreien? Wofür brauche ich eine Leica überhaupt heute noch? Diese oder ähnliche Fragen stellen sich wohl nicht nur Investoren, sondern alle, die sich der Marke mit heißer Verehrung verbunden fühlen, ganz gleich, ob Kunde oder nicht.

Leica sollte sich nicht mit dem Wort Nostalgie quälen, sondern sich ein Beispiel an Porsche nehmen. Ich vermute, daß beide Unternehmen von Menschen leben, die einen Jugendtraum haben und irgendwann tatsächlich in der Lage sind, ihn sich erfüllen zu können. Und die wichtigsten Vertriebler von Porsche sind Kunden, die nicht müde werden, das Außergewöhnliche des Produktes derart intensiv und überzeugend zu schildern, daß der Preis für sie zur nickligen Nebensächlichkeit wird. Und das bevorzugt gegenüber Leuten, die nicht im Traum daran denken dürfen, jemals eines der Produkte besitzen zu können. (Ich weiß wovon ich rede. Ich hatte gerade letzte Woche so eine Konfrontation.) Wenn Leica das wieder schafft, haben sie es geschafft. Bestimmt.

P.S. Nicht einmal auf der Leica-Website werden die Produkte ausreichend zelebriert. Die Darstellungen sind alle viel zu klein und die Ausführungen zu knapp. Ich vermisse den Fetisch ums Produkt: Großansichten, Details, Erklärungen zu Einzellösungen, Zahlenhuberei, Statements großer Fotografen. Wo sind die Emotionen? Das macht ja dpreview.com besser.

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Kapitalismusdebatte & Wirtschaft

Veröffentlicht am 1. Juni 2005 um 9:30 Uhr von

Pischetsrieder sagte zur laufenden Kapitalismusdebatte, dass die Unternehmen ein Kommunikationsdefizit hätten. Sie müssten ihre Rolle in Volkwirtschaft und Gesellschaft viel deutlicher artikulieren.
aus: heise.de

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"Tausende stehen bei Lidl umsonst Schlange"

Veröffentlicht am 19. Mai 2005 um 10:25 Uhr von

Ob das die Überschrift ist, für die Lidl und die Bahn ihren Billigticketzinnober entfaltet haben?

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Wer wirklich etwas zu sagen hat, braucht keine Werbung

Veröffentlicht am 18. Mai 2005 um 9:56 Uhr von

Frage F.A.Z.

"Werden Sie den Logan auch wie in einer Renault-Werbekampagne einführen?"

Renault-Deutschland-Chef Jacques Rivoal

"Nein. Eine nationale Kampagne wird es nicht geben. Der Logan ist ja auch schon bekannt, weil die Presse so umfangreich über ihn berichtet hat."

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Wofür der Papst alles gut ist

Veröffentlicht am 20. April 2005 um 18:09 Uhr von

Scholz & Friends Berlin wirbt für den Besuch beim neuen Papst mit den günstigen Flügen von HLX

Berlin, 20. April 2005 - Wieder reagiert HLX unglaublich schnell auf ein gesellschaftspolitisches Ereignis und greift dieses in der Kommunikation auf. HLX gratuliert dem ersten deutschen Papst seit 482 Jahren in bekannt pointierter Manier.

In der neuen Anzeige, gestaltet von Scholz & Friends Berlin, fordert der Billigflieger aus Hannover die Deutschen auf, den neuen Papst zu den günstigen Taxipreisen in seiner Wirkungsstätte zu besuchen.

Die Anzeige erscheint am 21. April in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

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Politik in der Unternehmens-PR

Veröffentlicht am 13. April 2005 um 18:04 Uhr von

Bundestag_plenarsaalUnternehmerische Naturtalente nutzen selbstverständlich auch politische Meinungsprozesse zur Selbstdarstellung. Mir fallen da spontan ein der ex-Mobilcom-Chef Gerhard Schmidt oder der Grandseigneur des thementreibenden Wirtschaftslenkers, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Nur wird nicht jeder medial so erhört, wenn er seine Ansichten über Lohndumping vertritt. Jedes Unternehmen kann aber viel mehr machen, als es denkt.

Gerhard Schröder hat heute in einer Grundsatzrede die Bedeutung der Familie und ihre Vereinbarkeit mit dem Beruf betont. Die Tagesthemen zeigen heute Abend am Beispiel von SinnerSchrader, wie sowas in der Praxis aussieht. Der Grundtenor wird (hoffentlich) sein, daß mit einem flexiblem Arbeitgeber mehr möglich ist, als manch Arbeitnehmer gemeinhin glaubt.

Nicht, dass ich das Thema auf dem Zettel hatte und aktiv die Tagesschau-Redaktion angegangen wäre. Wir wurden durch einen bestehenden Kontakt beim NDR angefragt. Mich gemahnt das, politische Themen für die unternehmerische Kommunikation ernster zu nehmen.

Solche Grundsatzreden gibt es viele, und sie werden von allen Medien aufgegriffen. Hätte ich das Thema früher erkannt, hätte ich uns als Exempel bei allen relevanten Medien ins Spiel gebracht. Das Schöne ist: Anlässe gibt es genug. Die des Bundestages finden sich hier, die Bundesregierung treibt diese, und das bewegt die Opposition.

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Managergehälter oder: Die Unfähigkeit der Wirtschaft zum Politischen

Veröffentlicht am 14. März 2005 um 7:01 Uhr von

Boerse_5_2Getrennt marschieren, vereint schlagen? Jedenfallls die DAX30-Unternehmen haben hiervon noch nie etwas gehört. Auch in der Diskussion um die Offenlegung von Managergehältern verliert sich die Betroffenenseite im Klein-klein. Die Unfähigkeit, konzertiert politisch verfehlte Forderungen an die Wirtschaft zu kontern, hat System. Ob es das Diskriminierungsgesetz ist, Unternehmensbesteuerung, Sozialabgaben, Ausbildungspakt, Bündnis für Arbeit oder das Bankgeheimnis: Interessenarbeit ist Lobbyarbeit ist unsichtbar, basta. Bloß nichts öffentlich diskutieren, bloß kein Versuch, die Öffentlichkeit mit Argumenten zu überzeugen. Mit Sympathien für ihre entschlossen mutlose Haltung können die Unternehmen jedenfalls nicht rechnen.

Mich verwundert, warum die Konzerne den Spieß nicht umdrehen. Statt schmollend im Verdacht persönlicher Bereichung stehenzubleiben, wäre jetzt genau die richtige Zeit für eine Initiative gegen die Einmischung der Politik in Privatunternehmen. Denn das ist sehr wohl im Interesse der Aktionäre und Mitarbeiter: dass Parteien nicht auf ihre Kosten einen zentralistischen Gleichheitsfanatismus entfalten. Wenn hier jemand über die Offenlegung der Gehälter entscheidet, dann die Aktionäre, nicht Berlin. Es wäre ein leichtes für die DAX-Unternehmen, sich darüber abzustimmen, dieses auf die Agenda ihrer kommenden Hauptversammlungen zu stellen. Allein, es fehlt der Mut zur kollektiven Selbstbefreiung.

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Metamorphosen eines Hypes

Veröffentlicht am 6. März 2005 um 21:32 Uhr von

Amerika_feier_1Ein Hype durchläuft Stadien. Nach dem (1) Startschuss, in dem die Innovation erstmals das Licht der Öffentlichkeit erblickt, wächst (2) die Erwartung durch die massive Medienpräsenz so stark, dass es (3) zwangsläufig zu einer Desillusionierung kommt. Das Thema bleibt präsent, ist aber problembehaftet. Dieses Stadium wird erst (4) durchbrochen, wenn eine Versachlichung die Verbesserung der Innovation zuläßt. Jetzt ist (5) der Weg frei zur Produktivität. (Quelle: Daniel Sieb, Das nächste große Ding im Handel, GDI_Impuls 4.04).

Mir sind die Phasen bestens aus dem E-Business-Hype bekannt. Eine Wiederholung, wenn auch im kleineren Rahmen, steht bei den Blogs bevor. Sind wir noch in 1 oder schon in 2?

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Zweitverwertung einer Kündigung

Veröffentlicht am 4. März 2005 um 17:58 Uhr von

Kann Software die Verbreitung von Meinungen verhindern? Clearswift ist genau dieser Meinung und schmeißt sich mit Wucht in die Bloggerwelle, um ihre Security-Lösungen zu verkaufen. Der öffentlich stark beachtete Rausschmiß eines über Firmeninterna bloggenden Google-Mitarbeiters (ver)führt die Firma zu folgender Erkenntnis:

"Unzufriedene, nachlässige oder sogar feindlich gesinnte Mitarbeiter können ihre Meinungen sowie vertrauliche Unternehmensinformationen über diesen neuen Kommunikationsweg (Anm.: Weblogs) nahezu unkontrolliert verbreiten.

Die Lösung
Mit MIMEsweeper for Web, der Web-Content Security-Lösung von Clearswift, kann ein Unternehmen den Zugang zu unerwünschten Websites wie den Weblogs blockieren oder die Posting-Funktionalität sperren.

Liebe Clearswift-PR!
Für das Themenmanagement bekommt Ihr von mir ein Plus. Blogs sind ein Hype, und Hypes soll man nutzen. Für den sachlichen Aufhänger und die Umsetzung bekommt Ihr ein Minus. Die Software verhindert vielleicht einen Aufruf von Internetseiten über ein Firmennetz. Sie verhindert keinesfalls, daß ein Mitarbeiter einen Blog betreibt. Genau dies suggeriert Ihr. Die Fadenscheinigkeit der Argumentation ist so offensichtlich, daß ich Euch folgendes prophezeie: Die Meldung versandet ungedruckt, stattdessen dürft Ihr Euch wochenlang mit aufgebrachten Bloggern rumplagen. Ich bin nur der Anfang ;-)

Noch ein konstruktiver Tipp: Holt euch den geschaßten und von euch namentlich genannten Google-Mitarbeiter (habt Ihr für seine Verwendung eine Freigabe?) und diskutiert mit ihm, wie man bloggende Mitarbieter unterbindet. Das wäre PR!

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CeBIT-Timing

Veröffentlicht am 26. Februar 2005 um 10:00 Uhr von

Interessant ist immer nur die erste Woche. Im Falle der CeBIT (10.-16. März) bleiben der Donnerstag und der Freitag als "echte" Tage. Das Wochenende ist den Kiddies und die zweite Woche der zweiten Garde vorbehalten. Das nennt man wohl künstliche Verknappung. 

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Am Pranger der DSW

Veröffentlicht am 25. Februar 2005 um 19:36 Uhr von

Was tun, wenn die "Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz" einen fälschlicherweise als Kapitalvernichter anprangert, dies in einer Pressekonferenz der Welt offenbart und Sie hiervon gegen 16.00 Uhr aus dem Google News Alert erfahren?

1. Fakten sammeln. Verschriftlichen. Veröffentlichen.
2. Sofort hinterhertelefonieren. Nicht allen Medien, sondern den wichtigen. Das sind höchstens fünf.
3. Nicht ihren Lieblinkskontakt malträtieren. Den Redakteur finden, der auf der PK war.
4. Offensiv argumentieren, die Krise als Chance nutzen.
5. Als letztes: Die Quelle der Falschaussage zur Gegendarstellung zwingen.

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