Medien erkennen Kraft des Bürgerjournalisten

Veröffentlicht am 16. Januar 2009 um 15:38 Uhr von Mark Pohlmann

Gestern, als der Airbus auf dem Hudson River notlandete, kam das erste Bild und die erste Botschaft von einem Passagier auf einer Fähre. Via dem Kurzmitteilungsdienst Twitter. Die Kraft - aber auch dessen Grenzen - sind von Spiegel-Autor Frank Patalong wunderbar erklärt. Medien und Social Media beginnen einander zu begreifen. Das wird ein gutes Jahr.


Relevanz entscheidet sich weder an der Selbstdefinition eines Mediums oder Dienstes, noch an der Grundhaltung seiner Teilnehmer und Nutzer: Relevanz entscheidet sich an den Ereignissen und Dingen, über die kommuniziert wird. In den professionellen Medien spricht man hier von Nachrichtenkriterien, an denen sich der Nachrichtenwert eines Themas bemisst. Die Kriterien eines ganz normalen Twitter-Nutzers sind da gemeinhin andere als die eines Wirtschaftsredakteurs, eines Krisengebiet-Reporters oder eines Feuilletonisten.

Niemand dürfte über die Tatsache, dass der vermeintliche Konkurrent Bürgerjournalist, dass also Janis Krums vor Ort war und sein Foto schoss, glücklicher gewesen sein als die professionellen Medien: Viele Zeitungen schmückten sich am Freitagmorgen mit dem von ihm geschossenen Motiv. Der Bürgerjournalismus kommt nicht, er ist längst da. Der viel beschworene Gegensatz zum kommerziellen Mediengeschäft dagegen nicht.

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Ist Twitter belanglos und mächtig zugleich?

Veröffentlicht am 10. Dezember 2008 um 22:05 Uhr von Anna Friedrich

Der Berliner PR-Berater Florian Siepert hat sich ein Experiment erlaubt. Mit einem falschen Twitter Account des Frankfurter Suhrkamp-Verlages hat er monatelang seine Follower im Glauben gelassen, dass die Nachrichten tatsächlich von der Kommunikationsfrau des Unternehmens stammen. Die Recherche eines Lesers ließ die Lüge dann gestern auffliegen. Prompt ließ der Verlag das Suhrkamp-Konto löschen. Harsche Kritik zum Mirco-Blogging-Wahn kommt Fake-Twitterer selbst. Er mokiert sich über die zahlreichen Belanglosigkeiten, die Nutzer von sich geben:

Es ist Unsinn, so zu tun, als wäre das Internet vom Beelzebub persönlich erfunden worden - aber es ist genauso albern zu denken, man müsse alle zehn Minuten ein Foto von dem Brot, das man gerade isst, ins Internet stellen, um modern zu sein.

Sascha Lobo, Twitter-Pionier und Aushängeschild der Web 2.0-Szene, dagegen sieht in der Zwitscherwelt einen mächtigen Kanal, um eine Masse an Menschen zu bewegen. Denn die, die einem zuhören, könne man von seiner Meinung überzeugen und sie mobilisieren, so Lobo gegenüber der Süddeutschen:

Mikro-Blogging hat einen ganz besonderen Charme. Es ist ein privater Nachrichtenticker und ein Privatnachrichten-Ticker, in den Mitteilungen vermischen sich persönliche und weltpolitische Nachrichten. Man hat das Gefühl, ein Teil des pulsierenden Lebens im Internet zu sein und nichts zu versäumen.

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Jeder ist sich selbst der Nächste

Veröffentlicht am 9. Dezember 2008 um 12:40 Uhr von Anna Friedrich

Narzissmus wird im Internet zur Medienregel. Wert legen die Nutzer alle nur auf eines: Ich, ich und nochmal ich. Je peinlicher der Auftritt online, desto sicherer die Aufmerksamkeit der anderen. Das Web ist ein Paradies zur Selbstinszenierung, zur (Neu-)Konstruktion des eigenen Ichs.

Über Klickraten, Bewertungen und Kommentare bekommen die Selbstdarsteller Feedback vom Zuschauer - das legitimiert alles. Von einer Hemmschwelle, wer welche Informationenvon Fotos über Filme hin zu Status-Updates sehen kann, keine Spur. Ironisch bezeichnet Welt-Redakteurin Silke Wichert diese "Lohnabrechnung" als gerecht. "Nie war Egopflege einfacher und transparenter", schreibt sie.

Menschen, die ohne erkennbare Begabung berühmt werden, sind ein Phänomen. Gerade sie nutzen das Internet perfekt. Vom Obama-Girl, einer US-Schauspielerin, die die Obamania erfolgreich als Karriereschub einsetzen konnte, haben wir bereits berichtet (--> Obama sammelt Wähler im Netz). Britney Spears versucht verzweifelt, durch ihre Aktivitäten online ihre alte Bekanntheit wieder zu beleben.

Auf MySpace "tourt" Tila Tequila. Die vorher unbekannte bi-sexuelle Asiatin hat es über MySpace geschafft, eine ganze MTV-Serie ins Leben zu rufen, die besser ankommt als die von Britney Spears. Hier hat sie jetzt schon die zweite Staffel namens "A Shot in Love II" gestartet: eine Reality Soap, in der Sie die Liebe ihres Lebens sucht. Ob Mann oder Frau? Das weiß sie natürlich noch nicht. Die kürzlich im deutschen Kanal ausgestrahlte achte Folge der Staffel zeigt einmal mehr die unglaubliche Exhibitionsbereitschaft der Mitwirkenden. Alle Serien sind selbstverständlich online.20narc-500.jpg

US-Psychologin Jean Twenge von der University of San Diego bezeichnet die heutige Generation amerikanischer Jugendlicher und Studenten als die selbstverliebteste überhaupt. Sie hat mit einem Fragebogen im Jahr 2006 den Grad des Narzissmus unter amerikanischen College-Studenten gemessen. Die Werte lagen um fast ein Drittel höher als vor 25 Jahren. Nach ihrem Buch "Generation Me" veröffentlicht sie bald das nächste, in dem sie das Phänomen der Selbstverherrlichung thematisiert: "The Narcissism Epidemic".

Georg Franck, der die Bücher "Ökonomie der Aufmerksamkeit" und "Mentaler Kapitalismus" geschrieben hat erklärt die Motivation der Online-Exhibitionisten so:

Aufmerksamkeit von anderen erhöht unsere eigene Wertschätzung, so sind wir von Natur aus Egoisten und soziale Wesen zugleich. (...) Aufmerksamkeit ist in einer Mediengesellschaft die kostbarste Währung. Jetzt aber hat theoretisch jeder die Möglichkeit, massenhaft davon einzusammeln und - siehe Paris Hilton - man muss nicht einmal besonders viel dafür können!

Damit sei, so Franck gegenüber der Welt, die Sozialdemokratie doch noch beim Volk angekommen. Ganz unrecht hat er damit nicht. Die Webwelt kann aber auch echte Talente zum Vorschein bringen: die Sängerin Ingrid Michaelson wurde ebenfalls über ihr MySpace-Profil berühmt. Ihre Entdeckerin hat ihre Musik für die beliebte Arztserie "Grey's Anatomy" lizenzieren lassen und machte sie damit über Nacht zum Star.

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Die Lehre des Zuviel: Wie Leser und Medien zurück zu mehr Qualität finden.

Veröffentlicht am 2. Dezember 2008 um 16:44 Uhr von Anna Friedrich

In Foren, Communities, auf Newsportalen und Blogs werden Unmengen an Informationen geboten. Wir alle nehmen immer mehr auf, verarbeiten aber immer weniger. Gibt es einen Ausweg aus dem Informationsüberfluss?

Die The Associated Press (AP) hat junge Konsumenten befragt, welche Rolle digitale Medien für sie spielen. Fast alle gaben an, dass sie sich zwar mehr detaillierte Nachrichten wünschen, jedoch nicht wissen, wie sie an sie heran kommen. Im Ergebnis waren die Jugendlichen überfordert von der Anzahl und Häufigkeit der Nachrichten. Die Masse an Informationen ermüde sie. Umso mehr werden die befragten Jugendlichen laut AP passiv und hilflos:

The irony in news fatigue is that these consumers felt helpless to change their news consumption at a time when they have more control and choice than ever before. When the news wore them down, participants in the study showed a tendency to passively receive versus actively seek news.

Heute gibt es gut 70 Millionen Blogs und 150 Millionen Webseiten. Täglich werden 210 Billionen Emails verschickt. Während 2006 noch 161 exabytes Daten im Netz versendet wurden ist, werden es bis 2010 vermutlich bereits 988 exabytes sein.

Gegen das "lost in translation"

Die unvorstellbaren Datenmengen haben drastische Auswirkungen darauf, wie Nachrichten erstellt und konsumiert werden. Dabei sind die Vorteile von Nachrichten im Internet - Transparenz, Zugänglichkeit und Demokratisierung nach den Prinzipien der "öffentlichen Meinung" - unbestritten.

Trotzdem ergab eine andere Befragung in den USA, dass Leser nicht besser informiert sind als vor der Internet-Ära. Unsere Aufmerksamkeit ist limitiert. Das wissen Kognitionspsychologen schon lange. Im Zeitalter der digitalen Information gilt es für Anbieter, um dieses selten gewordene Gut zu kämpfen - wenn sie nicht untergehen wollen.

Unsere Lösung im Informationsdschungel lautet Multitasking. Wir öffnen unzählig viele Tabs im Browserfenster, chatten nebenbei, schauen fern und schreiben gleichzeitig auch noch eine Email. Torkel Klingenberg vom Karolinska Institut in Schweden betont aber, dass wir nur durch gezielte Aufmerksamkeit Dinge lernen können:

If we do not focus our attention on something, we will not remember it.

Damit wir neue Informationen aufnehmen können, müssen wir es also schaffen, uns auf eine Sache zu fokussieren und "Störquellen" zu ignorieren. Ansonsten haben wir zwar von allem schonmal etwas gehört, aber verstanden haben wir es längst nicht. Effizient aufnehmen können wir nur das, was wir mit ganzer - und nicht wie beim Multitasking mit geteilter - Aufmerksamkeit beachten.

Die Qualität im Netz wahren

Für Medien heißt das, dass sie Inhalte liefern müssen, die so gut sind, dass wir sie im überladenen Internet überhaupt wahrnehmen.

Viele Nachrichtenkanäle bieten dagegen immer MEHR Informationen. Sie produzieren viel Inhalt auf immer mehr Unterseiten und Kategorien. Ein Teufelskreis, der es für den Konsumenten nur noch schlimmer macht, die Orientierung zu wahren.

Interessant ist, was Pablo Boczkowski, Kommunikationswissenschaftler der Northwestern University, herausgefunden hat. Seine Studien zeigen, dass wir sehr viel weniger Zeit für Nachrichten im Internet aufwenden als wir dies für gedruckte Inhalte tun. Ausserdem wird online mehr nutzergenerierter Content konsumiert. Noch komplizierter machen es die ganzen Werbebanner, so der Forscher. Und selbst, wenn wir es schaffen, diese auszublenden sind wir angesichts der zahlreichen Artikel, Schlagzeilen, Video- und Audio-Feeds überfordert. Wohin mit der Aufmerksamkeit, diese Frage stellt sich der Konsument.

Nachrichtenmedien kämpfen dagegen um genau diese. Sie konkurrieren nicht nur untereinander, sondern auch mit den Werbeanzeigen, ohne die sie ironischerweise nicht überleben können. Dass die Medienlandschaft sich im kompletten Wandel befindet, steht außer Frage.

Niklas Hofmann spricht heute in der Süddeutsche Zeitung am Beispiel der Berichterstattung zu den Anschlägen in Mumbai davon, dass durch den Microbloggingdienst Twitter eine völlig neue Nachrichtenkultur entsteht. Den Umbruch verdeutliche auch die Online-Berichterstattung zur Finanzkrise und natürlich die zur US-Präsidentschaftswahl.

Journalismusexperte und -dozent Stephen B. Shepard will mit seiner "Graduate School of Journalism" den Qualitätsjournalismus in Amerika fördern. Er propagiert den "interaktiven Journalisten" Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung macht er klar, dass ein mögliches Ende der gedruckten Zeitungsausgabe ja nicht bedeutet, dass Journalisten aufhören zu arbeiten - im Gegenteil:

Wir haben hunderte Möglichkeiten, einen zukunftsfähigen Journalismus zu betreiben - einen multimedialen Journalismus, einen interaktiven Journalismus, einen Journalismus, der das Publikum mit einbezieht. Dieser neue Journalismus wäre ein Prozess, nicht mehr nur ein Produkt, er würde zu einem Gespräch zwischen Produzenten und Nutzern.

Shepard lehnt Bürgerjournalismus und -beteiligung nicht ab. Trotzdem ist der digitale Konsum von Nachrichten anders. Hier ist kein Platz für qualitativ hochwertige, ausführlich recherchierte Features und Hintergrundgeschichten, so der Wissenschaftler.

Jeder, der denkt, Qualitätsjournalismus beschränke sich auf's Wörterzählen, hat nichts kapiert. (...) Journalismus mit Fließbandproduktion gleichzusetzen, ist eine fundamentale Verkennung dessen, was er sein kann und auch sein sollte.

Der Journalismusguru will seine Journalisten in einem Hybrid-Modell - Online- und Offline-Kompetenzen - ausbilden. Sie sind dann eine Art Allrounder und:

(...) müssen beides beherrschen: Das traditionelle Schreiben und die technische Seite, also Bilderstrecken, Interaktivität, Video. Wir akzeptieren keine Trennlinien.

Um den Qualitätsjournalismus zu finanzieren, dass die Preise für Werbung erhöht werden. Wer die Inhalte weiterverarbeitet, solle zudem dafür bezahlen - also auch Suchmaschinen. Am Ende des Tages ist er überzeugt davon, dass sich Finanzierungsmechanismen ergeben werden. Denn:

Das Bedürfnis nach Informationen, Verständnis und Selbstbestimmung wird nicht verschwinden. Und genau deshalb wird auch der Journalismus nicht verschwinden.

Anstatt sich in den Sog zu begeben, Nachrichten für den digitalen "Müllhaufen" zu produzieren, beginnen die Medien, die Digitalisierung ihrer Inhalte als Chance zu verstehen. "hybridfähig" ist das Zauberwort: Nachrichten verändern ihr Wesen je nach Trägermedium.

Ein schönes Beispiel für die Darstellung von News online ist die neue Website von BBC News. Geht man hier auf den Artikel Top Thai court ousts PM Somchai, fällt die Interaktivität ins Auge: BBC News liefert nicht nur einen Text, sondern gleichzeitig den dazugehörigen Video- und ein Audio-Cast. Am Ende des Artikels wird der Leser direkt nach seinen Erfahrungen zu den Protesten in Thailand gefragt. Sie können dann in der Kommentarfunktion berichtet werden. Bilder zur Lesergeschichte können dann an die angegebene Mail-Adresse geschickt oder direkt hochgeladen werden.

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Internet erzwingt Paradigmenwechsel

Veröffentlicht am 27. November 2008 um 11:48 Uhr von Anna Friedrich

Bis 2018 wird sich fast ein Drittel der Leser von den Tageszeitungen ab- und dem Internet hinwenden. Außerdem werden die Werbeeinnahmen im Internet höher als im Print sind. Dies behauptet die Trendstudie "Mediennutzungsverhalten in der Web-Gesellschaft 2018" initiiert von den Mainzer Forschern Prof. Dr. Lothar Rolke und Johanna Höhn.

Insgesamt nahmen bei der Zweituntersuchung bereits vorhandener Studien weitere 600 Probanden von 15 bis 19 Jahren, 20 bis 25 Jahren sowie 35 bis 50 Jahren teil. Rolke von der FH Mainz fasst das überraschende Ergebnis über die rasante Durchsetzung des Internets so zusammen:

Besonders erstaunt hat uns zum einen die Selbstverständlichkeit, mit der die jüngere Generation die verschiedenen Online-Angebote nutzt, und zum anderen die Geschwindigkeit, mit der die 35- bis 50-Jährigen gelernt haben, die neuen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten zu gebrauchen.

Die Studienteilnehmer gaben an, sich drei mal so häufig per Internet zu informieren als sie das über klassiche Medien wie Fernsehen, Tages- und Publikumszeitungen tun. Alle befragten Altersgruppen sehen das Internet als attraktives Informationsmedium an: die qualifizierten Informations-, Unterhaltungs- und Einkaufmöglichkeiten können einfach mit wenigen Klicks abgerufen werden.

Ganz besonders als Recherchetool bei Kaufentscheidungen wird viel gesurft. Mit mehr als 70 Prozent ist das World Wide Web klarer Spitzenreiter bei der Informationssuche zu Produkten. Damit ist das Netz eine sehr viel wichtigere Informationsquelle als Familie, Bekannte und Printmedien.


Zeitungsleser sollten mehr vom Web profitieren als Nicht-Zeitungsleser

Der Professor für Betriebswirtschaftslehre und Kommunikationswissenschaften Lothar Rolke betont jedoch, dass das Web die übrigen Medien braucht. Die traditionellen Medien seien also keinesfalls abgeschrieben. Nur sollten Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunk verstärkt Kooperationen eingehen und die Internetnutzer unterstützen. Rolke sagt:

Es mag paradox klingen, aber weil das Internet ein so großer gesellschaftlicher Veränderer ist und vorläufig bleiben wird, müssen die traditionellen Medien zu Begleitern für die Menschen werden: Ihnen Orientierung geben, Lernhilfen anbieten und ihnen zeigen, wie sie an die Benefits im Internet kommen können. (...)


Online die Energie des Kunden nutzen

Für Firmen heißt die "Internetisierung" vor allem eines: Sie müssen sich mit den Umgangsregeln und Werten der Web-Generation auseinandersetzen. Um in Dialog zu treten mit ihren Kunden müssen sie diese anerkennen:

Gleichwertigkeit der Kommunikationspartner, Transparenz des eigenen Tun aufgrund der archivierten, aber jedem zugänglichen Aktualität und dem stärkeren verlangen nach ungezwungener Partizipation.

Ähnlicher Meinung ist auch der Marketing-Guru Philip Kotler. Für ihn ist Online-Kommunikation eine kostengünstigere und effektivere Alternative, die gerade in Krisenzeiten genutzt werden sollte. Marketingstrategen sollten sich, so der Wirtschaftswissenschaftler, die Social Communities zu Nutzen machen.

Sein Schlagwort ist "Customer Empowerment": Anstelle der von Watzlawick geprägten einseitigen Sender-Empfänger-Kommunikation müssen Firmen die Energie der Kunden für sich nutzen, indem sie mit ihnen interagieren. Dazu gibt es im Web vielfältige Anwendungen, wie virale Marketingkampagnen, Produktcommunities, (Mitarbeiter-)Blogs, Twitter-Accounts, Podcasts oder Webseminare. Kotler erklärt gegenüber der FTD:

Wenn es eine Website gibt, auf der sich Experten für Verpackungstechnik austauschen, dann muss man als Hersteller dort präsent sein.

Beherrschen die Marketiers also erst einmal die Klaviatur der Web 2.0-Szene, haben Sie "Kontrolle" über ihre Kunden? Kotler empfiehlt Herstellern, über Mundpropaganda ihre Produkte testen zu lassen. Auch, wenn die Kunden sich im Internet kritisch dazu äußern, wirkt die Marke plausibel. "Kritik ist ein Geschenk!", so der Wissenschaftler.

Dazu müssen über einen Web Monitoring Service allerdings auch die Meinungen zu Produkten in Blogs und Foren überwacht werden. Laut Kotler nutzt in USA nur jedes zehnte Unternehmen Web Monitoring - in Deutschland ist es lediglich jedes fünfzigste!

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E-bama: Der erste ePräsident Amerikas

Veröffentlicht am 11. November 2008 um 17:54 Uhr von Anna Friedrich

Obama hat sich in seinem Wahlkampf als Marke etabliert und damit das Weiße Haus erobert. Sein digitales Marketingkonzept war es, das ihn dahin gebracht hat, wo er jetzt steht: an der Spitze Amerikas. Er ist zwar das 44. Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten, aber der erste ePräsident der Welt. Er hat sich die Macht der sozialen Medien zu Nutze gemacht. Obama erreichte über die Web 2.0 Anwendungen seine Nachricht und seine Spendenaufrufe an ein sehr viel bereiteres Publikum richten. Seine Facebook-Seite ist nur ein Beispiel hierfür.

Nun hat Obama die Wahl gewonnen. Doch die Direktkommunikation - vor allem über regelmäßige E-Mails und SMS - mit seiner riesigen Fandatenbank, kann jetzt nicht einfach gebrochen werden. Die Ära der politischen Online-Kommunikation, in der ein x-beliebiger Bürger eine E-Mail an Obama schicken kann, bricht gerade an. Wenngleich die Website des neuen US-Präsidenten dies aktuell noch nicht ermöglicht, so werden die Kampagnen-Manager nicht darum herumkommen, Dialogfunktionen einzubauen - ähnlich den sozialen Netzwerken.

Vorschaubild für Bild 5.pngÜber den Verlauf seiner Transitionsphase bis zum 20. Januar will Obama auf seiner neuen Regierungsseite Change.gov berichten. Diese Transition, wie die Amerikaner sie nennen, findet interaktiv statt. Unter der Rubrik "Open Government" fordert er die US-Bürgerinnen und Bürger auf, ihre persönliche Obama-Geschichte zu veröffentlichen: "An American Moment". Indem Obama seinen Wahlsieg zum Sieg der Bürger macht, gibt er jedem einzelnen das Gefühl, dass er direkt mit dem virtuellen Präsidenten verbunden ist.


Die Macht der Wähler ist gleich die Macht der Konsumenten

Vom Obama-Prinzip sollten auch Unternehmen lernen. Sie müssen ihre Kommunikation mit den Endkunden überdenken - Massenmarketing wird abgelöst von einem kontinuierlichen Dialog mit der Zielgruppe. Der Marketingerfolg Obamas unterscheidet sich nämlich nicht wesentlich von Marken wir Nike oder Apple. Diese dienten den Marketiers aus dem demokratischen Team vielleicht als Inspiration.

Rapp-Chef Paul Price sagt gegenüber der AdAge:

You saw mass-microtargeting discriminating on the basis of people's issues, concerns, geographies and demographics. It was a remarkably powerful demonstration of the power of database marketing and data-driven marketing.

Price betont jedoch, dass Obamas Erfolg nicht ganz so einfach auf Konsumentenwerbung übertragen werden kann:

It was for a very high purpose. The motivation of people to join and be part of that is at an extraordinary high level.

In Norwegen zeigt eine E-Mail-Kampagne gegen Shell (Video), wie stark der Einfluss von digitalem Direktmarketing auf Konsumenten wirklich ist. Und Konsumenten sind Wähler. Die E-Mail erreichte Millionen Autofahrer erreichte, führte dazu, dass keiner mehr bei dem Ölgiganten tanken wollte.

Von einem solchen Boykott, ausgelöst von einer kleinen E-Mail, ist heute kein Unternehmen mehr sicher. Dieses Machtpotential lässt sich auf die Politik übertragen. Obamas Datenbank unterstützt seine politischen Intentionen - schaden soziale Netzwerke auch. Gleichzeitig schlägt Begeisterung schnell ins Gegenteil. Oder ist die Marke Obama so stark, dass sie vor der Macht des Konsumenten geschützt ist?


Die Marke Obama muss ihre Versprechen nicht halten

Justin Kingsley stellt eine interessante These auf darüber, wie sich unser Verhältnis zu Marken verändert hat. Heute glauben Konsumenten der Werbung nicht mehr. Diese Generation bezeichnet Kingsley als "Obsoletisten". Gemeint ist mit den übersetzt "Unmodernen" eineneue Generation: sie sehnt sich immer nach dem neuesten Trend, während sie schon genau weiß, dass der gleich wieder "out" sein wird:

An obsoletist, therefore, is prepared to accept that a brand promise can differ from what a brand delivers. It's about the relationship a consumer has with a name, not a product. It's living on the cutting edge.

Übertragen auf die Obama-Marke bedeutet das, dass sich die Erwartungen an die Veränderungen auch wieder ändern werden. Das gute daran ist, dass es eine neue Ausgabe von Obama erst wieder in vier Jahren geben wird ;-). Aus Kingsleys Sicht überraschend dabei ist, dass der gleiche Markt zuvor zwei mal George W. Bush zum Präsidenten gemacht hat. Auch die anderen Länder haben Erwartungen an die neue Weltmacht: um diese Märkte für sich zu gewinnen, muss Obama aber andere Strategien beherzigen.

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"Selling Obama: A brand new man", so tituliert der Canwest Newsservice das Foto der "Wackeldackel"-Figur von Obama, die im Souvenirladen neben dem Weißen Haus verkauft wird. (Quelle: Getty Images)

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In a user generated world what role does a publisher have?

Veröffentlicht am 4. Oktober 2008 um 12:05 Uhr von Mark Pohlmann

"60% of my readers have their own blogs".
Mike Arrington (TechCrunch) at Web 2.0 Expo New York

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Google News verursacht Kurssturz bei United Airlines

Veröffentlicht am 19. September 2008 um 19:04 Uhr von Anna Friedrich

Die Macht des Internetgiganten Google wirkt sich sogar auf die Marktkapitalisierung von Unternehmen aus. Letzte Woche vermeldete der Newsservice "Google News" den Konkurs von United Airlines - dass die Meldung schon sechs Jahre alt war, wusste zu diesem Zeitpunkt Niemand, zumindest nicht der Chicago Tribune.

Als Reaktion auf diese Konkursmeldung veröffentlichte die Onlineausgabe der Tageszeitung Sun Sentinel einen Artikel - mit verheerenden Auswirkungen. Die Aktie der United Airlines fiel innerhalb von 12 Minuten um 75 Prozent von von 12 auf 4,05 US-Dollar, mehr als eine Milliarde Dollar (!) wurden vernichtet. Und das alles wegen einer Falschmeldung. Denn der Airlinebetreiber hatte keineswegs Konkurs angemeldet. Die Meldung von vor sechs Jahren wurde versehentlich von einem Google-Computerprogramm als neu ausgegeben.

Nachdem der Fehler aufgefallen war, entfernte der Chicago Tribune den Artikel sofort von seiner Seite und entschuldigte sich in einem Pressestatement:

A Chicago Tribune story written in December 2002 regarding the United Airlines bankruptcy filing that year was apparently picked up by an investment advisory and research firm and republished as though it was current, (...) The story was located in the archive section of the Web site of the Sun Sentinel in South Florida. The story contains information that would clearly lead a reader to the conclusion that it was related to events in 2002. In addition, the comments posted along with the story are dated 2002.

Bei der Schuldfrage geht es nicht darum, wer versagt hat. Klar war es ein Fehler, die Konkursmitteilung und darauf aufbauend den Kurssturz nicht näher zu analysieren. Zwischen der Tribune-Gruppe und Google ist ein Streit entfacht. Ein Sprecher von Tribune spricht von der "Unfähigkeit des automatischen Google-Systems" spricht und macht Google für das Auftauchen der Falsch-Nachricht verantwortlich. Google wiederum spielt den Ball zurück und behauptet gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass der Artikel eindeutig datiert gewesen sei, da er sonst nicht in das Nachrichtenangebot aufgenommen worden wäre.

Aber, das Problem ist doch ein ganz anderes. Nämlich, wer macht die News? Mensch oder Maschine? Thomas Schuler von der Süddeutschen Zeitung schreibt hierzu:


Niemand kontrollierte und hinterfragte die Aktualisierung. Die Aktie wurde für einige Stunden aus dem Handel genommen. Bis zum Abend war sie stabilisiert, die Börsenaufsicht SEC kündigte eine Untersuchung an. Damit schien das Problem an der Börse geregelt, nicht aber das Problem des Journalismus.

Woher also nehmen wir die News? Wem schenken wir größeres Vertrauen?

Google News ist nicht verlässlich, weil ein mathematischer Suchalgorithmus fehlbar ist. Ausserdem ist das, was Google uns präsentiert, Mainstream. Bloß, weil es die vielgelesenen Artikel zum Thema sind, kann man nicht darauf vertrauen, dass die Informationen richtig oder wahr sind. Oder sollen wir in diesem Fall der Schwarmintelligenz vertrauen?

Journalisten recherchieren häufig nicht gründlich genug. Das liegt sicherlich auch am Zeitdruck - denn Zeitungen müssen Kosten einsparen. Dass Irren menschlich ist, wissen wir bereits seit Homer. Und der Fall von United Airlines hat die Auswirkungen von "blinder" Akzeptanz der klassichen Nachrichtenberichterstattung einmal mehr unter Beweis gestellt.

In einem Interview mit der SZ nahm John Lloyd, Medienexperte und Direktor am Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford Universität Stellung zum Verhältnis von Journalisten zu Google News:

Google News" ist derzeit eher unser Feind als Verbündeter. Und zwar weil dort Nachrichten nicht selbst produziert, sondern einfach Anderen weggenommen werden. Dadurch wird die Anziehungskraft derer geschwächt, die fürs Nachrichtensammeln bezahlen müssen. Die stellen Google unfreiwillig ihre Ressourcen zur Verfügung und bekommen nichts zurück.

Immerhin scheint sogar Google selbst sich Sorgen zu machen - spätestens nach der provkanten Veröffentlichung von Nicolas Carr "Is Google making us Stupid?". Auf einer Konferenz äußerte sich Google-CEO Eric E. Schmidt kürzlich skeptisch gegenüber der Zukunft des Journalismus. Er befürchtet, dass investigativer Journalismus ausstirbt und zwar zusammen mit der Zeitungsindustrie, die einst ihr Verfechter war. Gegenüber der New York Times sagte er, dass Google von qualitativ hochwertigen Inhalten lebt - womit er ja auch recht hat.

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Einfach wunderschön: News Feeds

Veröffentlicht am 10. September 2008 um 15:28 Uhr von Anna Friedrich

Aus simplen Ideen entstehen meist die größten Dinge. Irgendwie erinnert die Geschichte von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die die NYT darstellt, an weltbewegende Erfindungen wie den Buchdruck, das Internet oder vielleicht noch treffender an die Erfolgsgeschichte von Google. Zum jüngsten Milliardär hat es aber nur Mark Zuckerberg geschafft.

"Sehr primitiv" sei das Netzwerk laut Zuckerberg gewesen. Ursprünglich mussten Nutzer seiner Seite jedes einzelne Freundesprofil besuchen, um zu erfahren, was der jeweilige Kumpane gerade zu berichten hat. Seine Idee, einen News Feed einzurichten, schlug ein wie eine Bombe: nicht nur die registrierten Nutzer waren begeistert. Massen von neuen Nutzern registrierten sich bei der Studentencommunity, die dann innerhalb von kurzer Zeit auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich war.

Ein viraler Effekt, der schier unglaublich erscheint. Heute, zwei Jahre später, zählt Facebook 100 Millionen Mitglieder. Die bahnbrechende Entwicklung ist dem amerikanischen Filmemacher Michael Moore sogar einen Blockbuster wert.

Der News Feed, darin ist sich Zuckerberg sicher, war das entscheidende Detail zum Erfolg. Er hat sich zum Freundesmedium entwickelt, das uns zu allen relevanten News aus unserem Netzwerk am Laufenden hält.

Trotzdem war es nicht so, dass sich die Nutzer diesen News Feed wünschten - im Gegenteil. Der junge Gründer glaubt, dass sie erst eine Hemmschwelle überwinden mussten, um sich für diese konstanten Mininachrichten darüber, was ihre Freunde gerade tun oder was sich verändert hat, zu interessieren. Dann aber wurden sie süchtig danach. Zuckerberg erklärt:

Facebook has always tried to push the envelope. And at times that means stretching people and getting them to be comfortable with things they aren't yet comfortable with. A lot of this is just social norms catching up with what technology is capable of.

Facebook ist mittlerweile längst nicht allein unter den sozialen Netzwerken. Im letzten Jahr hat sich ein Schwarm von neuen Applikationen entwickelt: Allen voran das Microblogging-Tool Twitter. Dann gibt es Dopplr und Tumblr, Loopt und viele mehr - viele sind in das Gigantennetz Facebook als Widgets eingebettet. Über die anderen großen Netzwerke haben wir hier schon ausführlich berichtet.

Allein in Deutschland sind laut eMarketer knapp 16 Prozent der Bevölkerung und damit 8,2 Millionen in sozialen Netzwerken aktiv. Die USA stellt im Vergleich dazu gute 23 Prozent und 43 Millionen Einwohner. Von den Holländern nutzen mehr als ein Drittel (36,4 Prozent und 3,7 Millionen) soziale Netzwerke.

Gar nicht so beeindruckend sind die Zahlen, wenn man sich allein den Hype um Facebook anschaut. Der Grund liegt auf der Hand: Social Networking und die damit verbundene digitale Offenheit und Vertrautheit sind auch eine Generationenfrage. Viele über 30-Jährige können sich mit den Tools nicht identifizieren. Viele sehen keinen Sinn darin, einfach so ihre Privatsphäre online zu publizieren und ihre Hemmschwelle ist entsprechend höher. Eine weltweite Studie von Synovative will herausgefunden haben, dass Web 2.0-Communities bei knapp 60 Prozent der Bevölkerung gar nicht bekannt sind.

Was interessiert es "die Anderen" also, wer was wann wo und mit wem...immer und überall? (s. Blogeintrag Hypervernetzte in der Welt des Micro-Blogging). NYT-Author Clive Thompson hat eine schöne Erklärung für dieses Paradoxon. Nicht die einzelne unbedeutende Nachricht ist es, die den Unterschied macht. Veränderung bringt der gesamte aggregierte Nachrichtenstrom:

This is the paradox of ambient awareness. Each little update -- each individual bit of social information -- is insignificant on its own, even supremely mundane. But taken together, over time, the little snippets coalesce into a surprisingly sophisticated portrait of your friends' and family members' lives, like thousands of dots making a pointillist painting.

Marc Davis, leitender Wissenschaftler bei Yahoo und ehemaliger Professor der Informationswissenschaften an der University of California at Berkeley erklärt weiter:

No message is the single-most-important message. It's sort of like when you're sitting with someone and you look over and they smile at you. You're sitting here reading the paper, and you're doing your side-by-side thing, and you just sort of let people know you're aware of them.

Deswegen, so Thompson weiter, kann man das Phänomen auch nur verstehen, wenn man es selbst erlebt hat. Interessant werden News Feeds und Twitter-Updates erst dann, wenn man ihnen kontinuierlich folgt. Nach einem Tag bereits ergeben sie eine Art Kurzgeschichte.

Unser Bedürfnis, ständig mit unseren Freunden online in Kontakt zu stehen, bezeichnen Sozialforscher als "Umgebungsbewusstsein". In der Offline-Welt nehmen wir aus dem Augenwinkel Stimmungen wahr, die Köpersprache, Seufzen etc. Online sind es eben die Kurznachrichten unserer Freunde darüber, was sie gerade tun oder wie sie sich fühlen.

Dieses Bewusstsein unterstützt uns dabei, schwache Bindungen aufrecht zu erhalten. Ein großes Netzwerk mit schwachen Kontakten ist in der Regel nützlicher, als ein kleines mit starken Bindungen, so die Sozialwissenschaftler.

Many maintained that their circle of true intimates, their very close friends and family, had not become bigger. Constant online contact had made those ties immeasurably richer, but it hadn't actually increased the number of them; deep relationships are still predicated on face time, and there are only so many hours in the day for that.
But where their sociality had truly exploded was in their "weak ties" -- loose acquaintances, people they knew less well. It might be someone they met at a conference, or someone from high school who recently "friended" them on Facebook, or somebody from last year's holiday party. In their pre-Internet lives, these sorts of acquaintances would have quickly faded from their attention. But when one of these far-flung people suddenly posts a personal note to your feed, it is essentially a reminder that they exist.

Dieser Mix aus Microupdates, Umgebungsbewusstsein und schwachen Bindungen macht es - ganz nebenbei - fast unmöglich, sich neu zu erfinden. Die Vergangenheit ist immer "da" und wir definieren uns mit über unsere Online-Präsenzen. Tantek Çelik hat auf der dConstruct gesagt, dass nach der Frage "Wer bist du?" direkt die Frage "Was ist dein Twittername?" folgt.

Eigentlich ist die Vorstellung beängstigend, wie viel "Datenmüll" sich mit all den Updates ansammelt und was vielleicht andere damit anfangen bzw. anfangen könnten. Und, wenn wir aufhören, unsere sozialen Netzwerkprofile zu nutzen, sterben wir den digitalen Tod.

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Seinen eigenen Namen zu googlen...

Veröffentlicht am 8. September 2008 um 18:28 Uhr von Mark Pohlmann

.... macht bekanntlich blind. Und man bekommt krumme Gliedmaßen. Vielleicht wußte Patrick Bernau dies nicht, als er seinen Selbstversuch für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung startete. Naja, so schlimm kann es nicht gewesen sein, denn er konnte seine Ergebnisse noch in diesen Artikel zusammenfassen.

Über die Risiken und Nebenwirkungen besser bescheid weiß Erik Weiner.

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Drei richtungsweisende Zukunftstrends für PR und Marketing

Veröffentlicht am 2. September 2008 um 16:21 Uhr von Anna Friedrich

The trend is your friend - das gilt nicht nur am Kapitalmarkt. Wie sich Web 2.0-Medien zukünftig entwickeln werden, ist vor allem wichtig für Kommunikationsabteilungen- und agenturen.

Neue Medien kann man nur verstehen, indem man vorangegangene Trends beobachtet und daraus lernt. Steve Rubel glaubt, dadurch ihre zukünftige Entwicklung erahnen zu können und hat drei Megatrends identifiziert:

1.) Der Aufmerksamkeitscrash
Die täglich auf uns einströmende Informationsflut im Netz können wir nicht mehr verarbeiten. Aus der Überforderung heraus entsteht laut Rubel eine Art Antireaktion: je mehr Inhalte wir wahrnehmen sollen, desto mehr geht unsere Aufmerksamkeit verloren.

Zwar kann die heranwachsende Generation Y, die quasi mit der Maus in der Hand geboren wurde, schon besser mit dem Daten-Wirrwarr umgehen. Viel schwieriger ist es für die Medienmacher und Marketiers. Sie müssen im Irrgarten der Informationen
Etwas schaffen, was sich (trotzdem) einprägt. Dazu gilt die Regel: einfach, kurz und sichtbar.

Inhalte sollten digital so aufbereitet sein, dass sie sich von dem Datenmüll abheben und einfach zu verarbeiten sind. Nur dann können Marken, Medien und Individuen verhindern, dass die Aufmerksamkeit der Konsumenten komplett erlischt. Seiten wie Intel's News für IT-ler oder die Technology Newssite der NYT. Rubel nennt diese Übersichtsseiten "Digital Curators".

2.) Soziale Netzwerke Networks werden zum O2
Soziale Netzwerke befriedigen unser Bedürfnis, digital und global mit Anderen zu kommunizieren. Über die Technologien ist es ein Leichtes für Gleichgesinnte, sich zu vernetzen und zu ihren Interessen auszutauschen. Unabhängig davon, ob ihr Anliegen persönlich oder jobbezogen ist, steht meist das soziale Interesse im Vordergrund.

Zu den drei größten sozialen Netzwerken gehören laut Rubel Facebook, MySpace und LinkendIn. Daneben gibt es noch die kleineren, wie z.B. Twitter oder YouTube. In Deutschland liegen StudiVZ und Xing ganz vorne. Sie alle werden wohl auch weiter wachsen.

Bald aber machen Technologien, wie Open Social, es überflüssig, diese Seiten zu besuchen, um mit seinem Netzwerk zu kommunizieren. So müssen sich Konsumenten und Leute aus ihrem sozialen Umfeld nicht mehr für ein anderes Netzwerk anmelden, um Erfahrungen auf einer (neuen) Website auszutauschen.

Genau das müssen Marketiers auch berücksichtigen: dass Nutzer wenig bis gar nicht motiviert sein werden, sich bei mehr als ein bis zwei Netzwerken anzumelden. Wie verführerisch ein eigenes soziales Netzwerk auch sein mag - um ihre Zielgruppe zu erreichen, sollten die Marketiers vielmehr versuchen, den sozialen "Sauerstoff" aus den großen Netzwerken einzuatmen. So bleiben ihre Konsumenten innerhalb ihres Netzwerkes und die Hemmschwelle, sich irgendwo neu anzumelden, wird genommen.

3.) Google schafft einen guten Ruf
Exponential wächst auch die Wichtigkeit von Suchfunktionen, allem voran Google. Allein in Deutschland hat die Suchmaschine einen Marktanteil von 80 Prozent, in USA sind es mit 70 immer noch mehr als zwei Drittel.

Google is much more than a search engine. It's media.

Was Rubel damit sagen will, ist, dass Google's Macht nicht unterschätzt werden darf. Unsere Entscheidungen basieren häufig auf den Suchergebnissen des Giganten und deren Reihenfolge. Damit wird Google zum Meinungsmacher und Medium zugleich.

Sichtbarkeit auf Google ist zu einem Qualitätsmerkmal geworden, denn die Suchalgorithmen bevorzugen qualitativ hochwertiges Material, das von Medien, Marken und Individuen stammt. Wer nicht in der Hitlist auftaucht, ist also nicht nur gemäß Pagerank wenig wert.

Um nach oben zu kommen, müssen Kommunikatoren Inhalte schaffen, die gut sind. So gut, dass sie Google nicht einfach nur findet, sondern kontinuierlich sichtbar macht. Dann schaffen sie es vielleicht, Aufmerksamkeit zu schaffen.

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Wie Blogs und Co. den US-Wahlkampf verändern

Veröffentlicht am 29. August 2008 um 13:59 Uhr von Anna Friedrich

Always on und zwar auf dem gesamten Globus - das sind zur Zeit auch die US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain. Nie waren Diskussionen zu Politikern so präsent in Weblogs, Foren und Netzwerken wie in den aktuellen Wahlen in den Vereinigten Staaten.

Die Wahlkampfmanager setzen eifrigst Web 2.0-Anwendungen als Kommunikationsmöglichkeit mit den Wählern ein. Gleichzeitig sehen sie sich durch die nutzergenerierten Webinhalte konfrontiert mit einer vorher nie da gewesenen Macht von Wählern, die ihre Meinung online in Blogs und Co. kund tun. Digitale Mundpropaganda von Tagebuchschreibern beeinflusst die Stimmung sehr viel stärker als die Berichterstattung - vermeintlich neutraler - klassischer Journalisten. US-Wähler informieren sich bevorzugt über "inoffizielle" Quellen, die Meinung der Anderen im Web. Das ist bei den Wahlkampfstrategen angekommen.

Auf dem Parteitag in Denver beispielsweise wurde eigens für Blogger ein Zentrum errichtet. Ein Symbol für das Ausmaß der Macht der Blogschreiber, aber auch für die Legitimierung des Mediums "Blog" für die Berichterstattung. Einer der ersten und einflussreichsten Blogs in den USA ist POLITICAL WIRE. Weitere politische US-Blogger sind unter anderem Amanda Michel, Mayhill Fowler oder Adam Doster. Auch in Deutschland schenkt man den beiden US-Kandidaten reichlich Beachtung im Netz. Dass das ZDF für den amerikanischen Wahlkampf einen Blog eingerichtet hat, ist nur eines von vielen Beispielen.

Die Marktforscher von Ethority haben das Phänomen "US-Wahlkampf 2.0" in ihrer aktuellen Analyse genauer unter die Lupe genommen. Dazu haben sie etwa 90.000 Nutzermeinungen zu den beiden US-Kandidaten im Web untersucht. Sie wollten wissen, wie Wahlkampfthemen in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken wahrgenommen und reflektiert werden und wie hoch das Gesamtgesprächsaufkommen, der Buzz, je Kandidat ist. Auch analysierten sie, ob die Personen Barack und McCain sowie deren Inhalte in diversen Sprachräumen unterschiedlich wahrgenommen werden.

Demokrat Obama wird, so die Ergebnisse der Untersuchung, in Weblogs, Online-Foren und Newssites aus dem deutsch-, englisch- und spanischsprachigen Raum stärker diskutiert als sein Konkurrent, Republikaner John McCain. Was die Tonalität der Gespräche angeht, so liegt McCain unter den Deutsch- und Spanischsprachigen nur geringfügig hinter Obama. Anders bei den Angelsachsen: sie sehen beide potentielle US-Präsidenten positiver.

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Insgesamt finden die digitalen Kommunikationskanäle für politische Diskussionen zur US-Präsidentschaftswahl vor allem in den USA Anklang, doch auch der deutsch- und Spanischsprachige Raum setzt die Web 2.0 Tools intensiv ein. Sicherlich werden deutsche Wahlkampfstrategien sich zukünftig stärker an nutzergenerierten Kommunikationskanälen orientieren müssen, um ihre Zielgruppen zu erreichen. Mehr zu den Ergebnissen berichtet die FTD.

Die USA liefern ein gutes Exempel für den Anbruch einer neuen Ära: der Einsatz von Weblogs, Online-Foren und Newssites schafft neue, vorher nicht da gewesene Partizipationsmöglichkeiten. Neutrale Berichterstattung wird zum Beiwerk bei politischen Diskussionen. Die "neue" Art Wahlkampf und die Einstellung der Wähler wird getrieben von nutzergenierten Meinungenn und Inhalten im Netz. Ethority-Sprecher David Nelles erklärt weiter:

Internetnutzer bewegen sich heute jenseits der Reichweitengrenzen klassischer Medien wie Print oder TV. War es in der Zeit vor dieser digitalen Kommunikation nur sehr schwer außerhalb klassischen Medien, Familie und Freundeskreis seine politische Meinung zu bilden, erweitert sich das willensbildende Forum durch YouTube & Co. exponentiell.

Diese Verschiebung in der Medienlandschaft, das Wichtigerwerden von nutzergenerierten Inhalten, könnte einen Wandel in der Demokratie bewirken. Die Leiterin des Instituts für Politik, Demokratie und Internet an der George-Washington-Universität, Julie Germany unterstreicht gegenüber dem ZDF:


Viele Spezialisten glauben, dass das Internet den politischen Prozess weiter demokratisiert, indem es den Wählern erlaubt, mit den Kandidaten zu kommunizieren, sich selbst einzubinden und ohne Mittelsmänner an Informationen zu kommen.

An diese Veränderung müssen sich die Wahlkampfstrategien und die Kandidaten - auch in Deutschland - anpassen, um bei ihren Wählern anzukommen. Allem voran geht SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der im Namen seiner Partei für neue Standards im Online-Wahlkampf sorgen will. Deshalb ist er eigens zum Parteitag nach Denver angereist, um über Twitter seine ganz persönliche Berichterstattung abzuliefern. Innerhalb der letzten vier Tage stieg die Anzahl seiner Follower von 12 auf 927! Daran zeigt sich doch, dass wir sie auch höeren wollen, diese indiskreten Kommentare von den Großen der Politik.

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Web 2.0 als Erfolgsstrategie: Kleine Unternehmen folgen Technologietrends am schnellsten

Veröffentlicht am 18. August 2008 um 19:31 Uhr von Anna Friedrich

Das amerikanische Business-Magazin Inc. hat seine Inc. 500-Studie aus dem Jahr 2007 in diesem Jahr wiederholt. Die Untersuchung erforscht, wie sich die am schnellsten wachsenden US-Firmen, genannt Inc. 500, an digitale Kommunikationsmittel anpassen.

Wie bereits im Vorjahr wurden die Unternehmen nach ihrem Nutzerverhalten und ihrer Vertrautheit mit Sozialen Medien befragt. Dabei stellte Gartner Fragen zu den sechs wichtigsten Medien: Blogs, Podcasts, Online Videos, Soziale Netzwerke und Wikis. Die Ergebnisse sind eindeutig:

Vertrautheit mit sozialen Medien

Soziale Medien haben in der Tat bereits Teile der US-Wirtschaft erfasst - und das mit einer enormen Geschwindigkeit. Laut Studie hat sich die Bekanntheit von sozialen Medien in den Inc. 500 Unternehmen im Laufe der letzten 12 Monate fast verdoppelt. Noch 2007 lagen Wikis ganz hinten, was die Vertrautheit angeht - in diesem Jahr überholen sie die Podcasts.

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Strategische Rolle von Web 2.0-Technologien in Unternehmen

Je vertrauter Organisationen mit den Applikationen sind, desto häufiger setzen sie sie logischerweise ein. 44 Prozent der 209 der befragten Inc. 500 Firmen sehen die sozialen Medien als zentralen Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie und damit als entscheidenden Erfolgsfaktor. Das sind 25 Prozent mehr als im letzten Jahr. Soziale Netzwerkseiten wurden, wie bereits im vorangegangenen Jahr, als die am häufigsten genutzte Anwendung genannt.

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Von der Vertrautheit hin zur Anwendung
Rund 40 Prozent der teilnehmenden Unternehmen betreiben Blogs - wohingegen nur 10 Prozent der Fortune 500 Unternehmen dies tun. Insgesamt bloggen rund 20 Prozent mehr Inc. 500-Firmen als im Jahr 2007 (Quelle: NYT). Selbst Podcasts, die das am wenigsten vertraute Medium sind, werden von 21 Prozent der Befragten eingesetzt. Insgesamt werden alle sechs Formen der sozialen Medien sehr viel häufiger eingesetzt und zwar zu 77 Prozent verglichen mit den Ergebnissen aus 2007.

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Der Hype-Zyklus neuer Technologien

Eine Studie des Marktforschungsinstituts Gartner beschäftigt sich mit dem Hype-Zyklus neuer Technologien. Wenn die Ergebnisse die Geschäftsstimmung richtig widerspiegeln, dann ist die Einführung von Web 2.0-Anwendungen nicht gleichzustellen mit der Zufriedenheit.

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Die Gartner-Forscher sagen 27 Technolgietrends voraus, die sich in den nächsten zwei bis fünf Jahren in Organisationen etablieren werden. Acht davon sollen sich besonders stark auf Unternehmen auswirken. Dazu gehören unter anderem: Green IT, Web 2.0, Cloud Computing, Virtuelle Welten, Soziale Netzwerke, Videokonferenzen und Microblogging. Mehr dazu lesen Sie hier.

Viele der Technologien kommen allerdings erst bei den Endkonsumenten an, bevor sie im Unternehmen angewendet werden, dies prognostiziert Jackie Fenn. Die Vizepräsidentin des Marktforschungsinstitutes glaubt an das Platzen der Web 2.0-Blase. Trotzdem sieht sie, dass diese Technologien im Unternehmen einen immer höheren Stellenwert erlangen. Firmen sammeln Erfahrung im Einsatz der Technologien, spüren den Erfolg und die kulturellen Auswirkungen spüren werden. Sie kommentiert die weitere Entwicklung wie folgt:


Later -- in between two and five years -- cloud computing and service-oriented architecture (SOA), which is moving up the Slope of Enlightenment, will deliver transformation in terms of driving deep changes in the role and capabilities of IT. Finally, public virtual worlds, which are suffering from disillusionment after their peak of hype in 2007, will in the long term represent an important media channel to support and build broader communities of interest.

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Was bringen Online Communities wirklich und wie?

Veröffentlicht am 29. Juli 2008 um 19:29 Uhr von Anna Friedrich

Eine Umfrage von Deloitte, Beeline Labs und der New Communications Research The 2008 Tribalization of Business hat nach dem Mehrwert von Online Communities geforscht. Neben der Mundpropaganda (35%) steigt die Wahrnehmung der Marke (28%), fließen Ideen schneller in das Unternehmen ein (24%) und verstärkt sich auch die Kundentreue (24%).

Befragt wurden 140 Organisationen aus dem B2B, B2C und Non-Profit-Bereich, die Online Communities einsetzen. Deren Größe variiert zwischen 100 bis mehr als 10.000 Mitgliedern.

Was eine gut funktionierende Community im Ergebnis ausmacht, sind nicht technologischen oder finanzielle Probleme. Vielmehr müssen Menschen (51%) involviert werden, Zeit investiert werden, um die Community zu organisieren (45%) und Nutzer auf die Plattform zu kriegen (34%).

Einige Führungskräfte allerdings weigern sich aus Angst, sich in der Community transparent zu zeigen. Allerdings geben nur 9% an, dass sie mit dieser Herausforderung zu kämpfen haben. Ein Partner von Beeline Labels betont:

Ganz klar liegt die größere Herausforderung darin, die Community zu einem Zweck zu positionieren, an dem sich die Leute beteiligen wollen und involviert werden wollen - und darin, die richtigen Ressourcen zu investieren, um die Community zu vermarkten und zu unterstützen.

Insgesamt deutet Alles darauf hin, dass Firmen angefangen haben, Soziale Medien effektiv für sich einzusetzen, um mit Kunden, Angestellten zu interagieren und zu diskutieren. Trotzdem zeigt die Umfrage, dass Marketiers ihre gesetzten Ziele mit den Online Communities nicht erreichen. Das wahre Potential der Portale haben sie noch nicht ausgeschöpft.

Aus den Ergebnissen ergeben sich acht Ratschläge, wie man eine Online Community aufbaut:

1. Fangen Sie von hinten an: Zuerst muss eine Geschäftsstrategie genau definieren, was mit der Community erreicht werden soll. Das Portal braucht eine klare Zielsetzung, die zum Geschäftsziel passt.

2. Fokus auf der Wertschätzung der Mitglieder: Sie sollten der anvisierten Zielgruppe mit der Community einen klaren Mehrwert liefern. Neue Mitglieder müssen den bereits existierenden ähnlich sein. Im Kern müssen Sie die Motiviationsgründe verstehen, warum Menschen mitmachen wollen.

3. Die Technologie kommt zum Schluß: Gedanken zur Web 2.0-Technologien sollten nicht den Blick auf das Wesentliche versperren. Mit der falschen Anwednung können die Ziele unter Umständen nie erreicht werden.

4. Einfache und intuitive Bedienung: Eine einfache Naviation und leicht beidenbare Anwendungen sollen den Nutzern eine komfortable Community bieten. Sie haben keine Zeit, um sich die Funktionen erst zu erschließen - diese müssen selbsterklärend sein.

5. Frisch und aktiv: Die Community darf nicht still stehen: es muss konstant etwas passieren auf der Plattform. Das A und O sind die Inhalte! Um den Mitgliedern mehr Anreiz zu bieten, kann man Events ins Leben rufen, die mit der Plattform in Verbindung stehen.

6. Holen Sie sich dynamische Community-Manager: Um die Community zu verwalten, muss man genug Zeit investieren. Sie darf nicht "vor sich hin brodeln" - dann ist es besser, keine Community zu gründen. Dennoch muss die Gemeinschaft den Mitgliedern gehören. Der Community Manager soll teilnehmen, aber nicht den Ton angeben.

7. Wer soll involviert werden, wer nicht: Die Führungsebene muss eingebunden werden in eine Regelkommunikation. Rechtsthemen, Öffentlichkeitsarbeit und Design sollten an Externe gegeben werden.

8. Vor dem Launch eine Hand voll Enthusiasten gewinnen: Ein Kern von leidenschaftlichen Nutzern sollte bereits im Vorfeld des Launchs vorhanden sein. Wichtig sind Mitglieder, die gute Beiträge liefern - sie sind Maßstab für die Community, die daraus entsteht.

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Im Informationsdschungel des Netzes geht die Aufmerksamkeit verloren

Veröffentlicht am 23. Juli 2008 um 14:40 Uhr von Anna Friedrich

Das Internet hat ein Aufmerksamkeitsproblem, so Norbert Bolz gestern in einem Interview mit dem Branchenfernsehen turi2.tv. Deshalb glaubt der Professor der Medienwirtschaft auch nicht daran, dass das Web Printmedien ersetzen wird. Im Gegenteil werden Zeitungen & Co. die Nische für seriöse, anspruchsvolle Medien weiterhin für sich beanspruchen können:

Es wird zu einem Zusammenspiel zwischen internetbasierten Medien und klassischen Printmedien kommen. (...) Der Genuss, den die morgendliche Zeitung bereitet, ist einer, den man nicht gegen Online-Angebote aufrechnen sollte.

Steve Rubel stellt Überlegungen an, die eher gegen rosige Aussichten der Printbranche sprechen: v.a. aus ökologischen Gründen glaubt er, dass sich immer mehr Nutzer sich für Online-Medien entscheiden werden. Nicht umsonst bemühen sich die großen Blätter verstärkt darum, Web 2.0-fähig zu sein.

Trotzdem liefert das Netz zu viele Informationen, die den Nutzer überfordern können. Und sie können die Produktivität senken, wenn man sich als Süchtiger nur noch in Sozialen Netzwerken und Co. "herumtreibt". Das Filtern von relevanten Informationen im Datenjungel ist für die Meisten ein Ding der Unmöglichkeit.

Versucht man, sich auf die Informationsflut voll und ganz einzulassen, so kann man unter Umständen unnötig seine Zeit verbummeln. Nina Simon illustriert treffend, was in einer Web 2.0-Woche realisierbar ist - abhängig davon, wie viel Zeit Einem zur Verfügung steht. Um im Netz "verrückt" zu werden, braucht man demnach lange:

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Aus Norbert Bolz' Sicht stehen Printmedien nicht in Konkurrenz mit dem Internet: aufgrund der unterschiedlichen Formate finde kein Kanibalismus statt. Denn Massenmedien, so der Medienwissenschaftler, können keine Aufmerksamkeit produzieren. Er fordert deshalb:

Online muss ein Appetizer für die Zeitung sein. (...) Die Bequemlichkeit der Lektüre einer gedruckten Zeitung ist durch nichts zu ersetzen.

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Twitter-Verbot im Kapitol?

Veröffentlicht am 14. Juli 2008 um 18:38 Uhr von Anna Friedrich

Michael E. Capuano, Demokrat und US-Abgeordneter, verlangt, dass US-Kongressmitglieder, die in sozialen Netzwerken wie Twitter aktiv sind, vor jeder Veröffentlichung die Erlaubnis des Kongresses einholen müssen. Das berichtet die New York Times.

Genau das will der US-Kongressabgeordnete John Culberson aus der Opposition verhindern. Der durch seine Online-Aktivitäten auf Twitter und Qik bekannte Politiker lässt sich seine Meinung nicht verbieten. Mit seinem Lieblingstool Twitter moblisiert er die Community, gegen den Entwurf der Demokraten vorzugehen. Seine Micronachricht zum Thema löst eine (Macro)Lavine los:

They are trying to ban my Twitters & every [web communication] from all Congressmen unless each communication has been preapproved/edited/censored.

Culberson und seine Follower starten die virale Gegenkampagne "Let Our Congress Tweet" initiiert von ihrer sog. Sunlight Foundation, die sich als "Transparency Movement" versteht. Der Claim "Tweet on Dear Friends tweet on" bringt es auf den Punkt.

Auf seiner Website und im Brief an den Kongress ruft Culberson zu Transparenz und Offenheit gegenüber den neuen sozialen Medien auf:

The new media on the Internet is instantaneous and transparent, and it is a truly distributed network of free people using their own judgment to make decisions and to communicate. New media can open up our government to public scrutiny and participation in ways we cannot yet fathom. I am committed to using these new media outlets to communicate and to bring my constituents into the room with me as I represent them in Congress. I want to be a real time representative, and I want to shine sunlight into every corner of Congress. It is very hard for someone to steal money in broad daylight, and unfortunately, there are too many people in Congress today that want to put their hand in your pocket. If We the People can see and hear what our representatives and senators are doing, and communicate with them in a wide variety of ways in real time, the people of America will have tremendous new power over our elected officials.

Zahlreiche Blogger, darunter Samuel Liles, unterstützen, wo sie können. Culberson's Twitterfeed hierzu:

Awesome - social media users can stop this but we need to move fast - the House leadership can do this w a simple Committee vote.

Seine Meinung frei äußern zu können und dazu einen beliebigen Kanal zu wählen - das ist Grundrecht eines jeden Menschen, auch eines Politikers. Eine Grundsatzdiskussion, die nicht nur unverständlich ist. Es geht doch um vielmehr, als "nur" politische Rechthaberei zwischen Demokraten und Republikanern. Haben die Amerikaner schlichtweg Angst vor der Macht der Sozialen Medien, wie sie Culbersons Kampagne einmal mehr unterstreicht?

Fragt sich, wann deutsche Abgeordnete (endlich?) Twitter für sich entdecken. Zwar haben deutsche Parteien größten Teils ein Account. Aber einer Kurzstudie einer Berliner Agentur zufolge sind die meisten Twitter-Konten, wie das der Grünen und der SPD NRW "eingeschlafen". Leider ist die Twitter-Seite von Angela Merkel ein Fake mit nur 15 Abonnenten. Barack Obama erreicht mit seinen regelmäßigen Tweets und fast 47.000 Followern deutlich mehr Zuhörer.

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Auf der Suche nach dem heiligen Gral

Veröffentlicht am 8. Juli 2008 um 12:30 Uhr von Anna Friedrich

Konsumenten wollen sich einbringen. Nur wie sollten sie das tun? Martin Lindstrom, der sich selbst als "Brand Futurist" bezeichnet, sucht noch nach dem Patentrezept für Marken.

"There is no golden rule for captivating online audiences, no magic spell for harnessing user loyalty, making them like you, and persuading them to act as enthusastic brand advocates."

LaSandra Brill, Managerin in für Web & Social Media Marketing bei Cisco, hat sich ebenfalls auf die Suche gemacht und die wichtigsten Jobs zusammengefasst.

Zunächst brauchen Marke einen Strategen für soziale Medien, der eine eigenständige Community-Strategie erstellt und mit dem vorhandenen Kampagnenmix abstimmt.

Dann braucht es einen Community Manager, der die Kommunikation unter den Nutzern unterstützt und neue Diskussionsthemen initiiert.

Als Drittes ruft die Cisco-Managerin nach einem Social Site Manager, der eine Kernbotschaft konzipiert und in die bestehenden Communities hineinträgt. Ob Facebook, Twitter oder StudiVZ - die Kommunikationskanäle werden vom ihm festgelegt und zentral gemanagt.

Eine Art (Micro)Blog Manager schreibt und publiziert nicht nur Blogbeiträge und Twitterfeeds. Sondern - was mindestens genauso wichtig ist - er platziert seine Nachrichten auch ausserhalb der Seite. Ein spannender Blogpost braucht Multiplikatoren. Und die besorgt er.

Der PR-Manager begleitet die Community von Außen. Ob Kritik, Konversationen, Coverage in den On- und Offline-Medien - dem Feedback sollte mit einem aktiven Dialog begegnet werden.

Last but not least sollte ein Technologie-Experte mit im Boot sitzen. Jemand, der Trends verfolgt und die Seite auf den technologisch neuesten Stand bringt. Er integriert Web 2.0 Innovationen wie Widgets, Lightboxes etc.

Viele neue Aufgaben, viele neue Jobs. Mark Zuckerberg von Facebook sieht dennoch keine Alternative:

"People influcence people. Nothing influences people more than a recommendation from a trusted friend. A trusted referral influences poeple more than the best broadcast message. A trusted referral is the Holy Grail of advertising."

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Frauen networken mehr als Männer

Veröffentlicht am 2. Juli 2008 um 9:35 Uhr von Anna Friedrich

"Frauen sind. Und Männer auch. Überleg das mal...!" (Loriot) Allerdings sind Frauen in deutschen Social Networks in der Überzahl. Bei den Lokalisten sind 55 Prozent weiblichen Ursprungs, bei schülerVZ kommen sie auf 54 Prozent. Nur bei MySpace dominieren Männer mit 52 Prozent. Das ergaben die neuesten Internet Facts der AGOF (Arbeitsgemeinschaft Online Forschung).

Anders sieht die Geschlechteraufteilung bei der allgemeinen Internetnutzung aus: Männer sind mit 55 Prozent insgesamt deutlich aktiver als Frauen. In der Gesamtbevölkerung gibt es übrigens wieder ein knappes Plus für Frauen: Da sind es 51 Prozent.

Offenbar sind wir Frauen es also, die ein besonderes Bedürfnis nach Kommunikation und Austausch haben. Heißt das, wir sind die besseren Networker? Oder wollen wir einfach nur Klatschen und Tratschen?

Wo wir gerade bei Zahlen sind: mySpace weist mittlerweile 4,61 Millionen Unique User pro Monat auf. Die Plattform übertrifft damit sogar leicht den "Quotenkönig" studiVZ, der 5,54 Millionen Einzelnutzer hat. Die Nutzungsdifferenzierung der letzten drei Monate ergab, dass 70 Prozent der User das Internet hauptsächlich aus privaten Gründen nutzen. Bei weiteren 9 Prozent ist der Grund der Nutzung sowohl privat als auch beruflich.

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Werbung in Communities ist schlicht langweilig

Veröffentlicht am 30. Juni 2008 um 19:01 Uhr von Anna Friedrich

Gut gedacht, schlecht gemacht - oder völlig überbewertet? Marken nutzen Communitys alá Facebook und MySpace noch immer falsch, denn nur 15 Prozent aller viralen Werbekampagnen führen dort zum Erfolg, fand Jupiter Research heraus (FAZ von heute).

Auf mySpace beispielsweise haben gut die Hälfte aller Kampagnenseiten weniger als 1.000 "Freunde". Daher hält Jupiter-Berater Nate Elliott Virales Marketing für "völlig überbewertet". Jedenfalls, wenn sie so bleiben wie sie jetzt sind.

Er vermisste bei seiner Untersuchtung vor allem den wichtigen Dialog zwischen Nutzer und Unternehmen. Community-Mitglieder wollen involviert werden und die prinzipiellen Möglichkeiten dazu sind vielfältig. Nur wenn sie in Gespräche hineingezogen werden, kann überhaupt ein viraler Effekt entstehen. Spiele, Wettbewerbe, selbst erstellte Fotos oder eine Abstimmung helfen hierbei.

Joel Berger, CEO von MySpace Deutschland, gibt Elliot recht.

"In Online-Kampagnen in sozialen Netzwerken entsteht immer ein Dialog zwischen dem Werbetreibenden und seiner Zielgruppe. Es geht darum, eine Interaktion, eine Einbindung oder eine Begegnung mit der Marke herzustellen".

Als positives Beispiel nennt Elliott die O2-Kampagne in Großbritannien: hier machten bei einer Abstimmung über die beste Universität mehr als 100.000 Studenten mit. Richtig lag auch der Shampoo-Produzent Brylcreem.

MySpace-Chef Berger weist allerdings darauf hin, dass Werbung auch in sozialen Netzwerken prinzipiell nicht sonderlich beliebt ist. Die Wahrnehmung von Werbung sinkt mit der steigenden Häufigkeit der Nutzung von sozialen Netzwerken. Gleichzeitig sagt Jupiter Research, dass lediglich ein Viertel der User diese Marketingseiten überhaupt wahrnehmen.

Als Lösung wünschen sich auch die Plattformbetreiber mehr Interaktion von ihren Werbekunden. Sonst wird es, so Yahoo-Chef Terry von Bibra, schlicht "langweilig".

Eine der zur Zeit "angeteaserten" Marketingseiten auf MySpace ist die Fanta-Webpage:

Fanta MySpace.jpg

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Endert verlässt Handelsblatt

Veröffentlicht am 27. Juni 2008 um 12:43 Uhr von Mark Pohlmann

Gestern hat Julius Endert als Online-Chefredakteur handelsblatt.de relauncht und heute nun in seinem Blog seinen Weggang verkündet. Das Spannende an der Personalie ist das Wohin: Er entwickelt Formate für Videojournalismus.

Ich habe quasi einen persönlichen Relaunch vor mir, jedenfalls aus beruflicher Sicht. Ab dem 1. August werde ich für das meiner Meinung nach erfolgversprechendste Startup in diesem Universum als freier Journalist, Formatentwickler und Projektmanager arbeiten. Es ist die von Mario Sixtus alias Elektrischer Reporter gegründete Videoproduktionsfirma Blinkenlichten, die sich nicht weniger vorgenommen hat, „als die deutsche Medienbranche durcheinanderzuwirbeln, den Weltfrieden zu erfinden und die Klimaerwärmung auf den Mars zu verbannen." Das halte ich für eine sehr reizvolle und spannende Aufgabe und gemeinsam mit Mario für durchhaus machbar. Also, bleiben Sie dran! Oder auch: Yes, we can!

Von dieser Stelle allen Mitarbeitern von Blinkenlichten viel Erfolg! (Gründen ist das letzte Abenteuer dieser Zeit!)

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Online-Empfehlungen führen zur Kaufentscheidung

Veröffentlicht am 18. Juni 2008 um 12:25 Uhr von Anna Friedrich

Harris Interactive und Fleishman-Hillard liefern neues Datenfutter für die Rolle des Internets für Kaufentscheidungen.

5.000 Internetnutzer in Deutschland, Frankreich und Großbritannien wurden zu ihrem Verhalten und ihrer Entscheidungsprozessen befragt. Ergebnis: das Internet wird für immer mehr Branchen zur wichtigste Informations und Beratungsquelle. Das Web wird als Entscheidungsfaktor doppelt so häufig genannt wie das Fernsehen.

Interneteinfluss.png

Noch interessanter ist, wovon wir uns online beeinflussen lassen. Am wichtigsten sind die Empfehlungen anderer Nutzer. Danach folgen Suchmaschinen, Produkt- und Preisvergleichsseiten sowie die Firmen-Websites. Die Rolle von klassischem Bannermarketing fällt dagegen deutlich ab. David Senay, Vorstandsvorsitzender von Fleishman Hillard, sagte gegenüber der FAZ:

"Werbung ist das Modell von gestern. Online-Konversationen, Suchmaschinenoptimierung und eine starke Internetseite werden immer wichtiger."

Kaum zu glauben, dass das Internet weltweit weiter nur einen Anteil von 11,6 Prozent am gesamten Werbemarkt hat (Quelle: International Advertisement Bureau, 2007, via Netzökonom). Dies zeigt, wie sehr das Internet von Marketing-Managern unterschätzt wird. Und wohl immer noch lieber vorm Fernseher sitzen und dort auf Kunden hoffen.

Für Jugendliche ist das Internet längst das meistgenutzte Medium. Dies belegen Studien der Universität Leipzig und des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Accenture fand heraus, dass heute fast die Hälfte der 16- bis 24-Jährigen TV übers Internet auf dem PC oder mobilen Endgeräten schaut.

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Hyper, Hyper immer weiter???

Veröffentlicht am 5. Juni 2008 um 11:02 Uhr von Anna Friedrich

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Sie aktualisieren ihr Facebook-Profil während eines Skype-Telefonats, schreiben Twitter-Updates auf dem Weg zum Flughafen und lesen Emails auf dem Blackberry im Badezimmer. Sie zählen in ihren Social Networks über 1.000 Kontakte (und können wahrscheinlich mit 85 Prozent dieser nichts anfangen). Alltäglich benutzen sie mindestens sieben vernetzte Endgeräte - vom iPod über das MacbookAir bis hin zum GPS-System im Auto - sowie mindestens neun Kommunikations-Anwendungen.

Sie zählen zu den Hyperkonnektiven - denjenigen die die neue Kultur der Konnektivität vorantreiben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis weitere Extremvernetzte ihnen folgen. Wo geht die Reise in Zeiten der Hyperkonnektivität hin?

Laut Internetworldstats haben 21 Prozent der Weltbevölkerung Zugang zum Internet. 16 Prozent dieser globalen Informationsgesellschaft ist bereits "über"vernetzt und gehört damit zu den Extremnutzern. Weitere 36 Prozent sind bereits stark vernetzt und werden in naher Zukunft auch zu den Hyperkonnektiven zählen. Dies zumindest behauptet eine vom US-amerikanischen Nortel in Auftrag gegebene Studie von IDC, die mit 2.400 Arbeitnehmern aus 17 Ländern als repräsentativ bezeichnet werden kann.

Schlau unter den Übervernetzten ist, wer die Informationen vorselektiert und nur relevante verarbeitet; wer sich auf die wichtigen Kontakte konzentriert und sich nicht vom vernetzten Nirwana verführen lässt.

Was aber bedeutet dieser unaufhaltsame Trend für Organisationen und Unternehmen? Und, wie können sie die Massenverlinkungen produktiv nutzen?

Auch wenn der Trend zur Massenverlinkung noch lange nicht alle Teile der Bevölkerung erreicht hat, so ist klar, dass immer mehr Menschen den Hyperkonnektiven folgen werden. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Unternehmen müssen also ihre Kommunikationstrategie verstärkt an Internet-Medien orientieren. Sowohl in der externen, als auch der internen Kommunikation müssen sie sich gut auf die Ankunft der Hyperkonnetivitäts-Welle vorbereiten. Sie sind die zukünftigen Arbeitnehmer: so nimmt gleichzeitig die Wichtigkeit zu, Angestellten ein hyperkonnektives Arbeitsumfeld zu bieten. Sie sind aber auch die Konsumenten von morgen bzw. beeinflussen diese.

Damit Unternehmen auch vor einem Tsunami der Extremvernetzten gewappnet sind, müssen sie jetzt ihre Frühwarnsysteme anschalten und reagieren. Die Studie empfiehlt, das CIOs eine Strategie entwickeln, die die Hyperkonnetivität mit der Effektivität ihres Unternehmens verbindet. Systeme und Applikationen müssen eingeführt werden, die die Arbeitsabläufe regeln und beschleunigen. Dabei braucht es auch solche, die diese Systeme bedienen: Hyperkonnektive Talente für die zukünftige Arbeiterschaft. Und dabei darf die Sicherheit unter den neuen Tools nicht leiden, die die Produktivität steigern.

Trotzdem dürfen die vielen nicht Vernetzten von Unternehmen nicht vernachlässigt werden. Ihre Kommunikationsstrategie darf sich also nicht allein auf das Internet stützen. Ihre Zielgruppen erreichen sie durch einen Kommunikations-Mix. Denn daran, dass Printmedien, Radio und TV überflüssig werden, ist momentan nicht zu denken.

Was nach der Massenvernetzung kommt, wenn wir die Nase voll haben und die Web 2.0-Blase zerplatzt? Auf kurz oder lang wird eine Vereinheitlichung der Tools für ein Muss sein für die, die nicht in dem Überangebot untergehen wollen. Google arbeitet fleißig an OpenSocial und auch Facebook zieht mit.

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Netzwerke bestehen aus Kontakten

Veröffentlicht am 30. Mai 2008 um 12:30 Uhr von Mark Pohlmann

Manchmal sind die Sachen so einfach, dass man sie auch sofort aus den Augen verliert. Beim Nachdenken, Angsthaben und zaghaftem Herauszögern darüber, wie sich Werbung in Gesprächsumfeldern entwickelt (andere nennen das Web 2.0, Communities oder sonstwie), gerät ein Punkt immer sofort aus dem Fokus: Hier stellen sich Menschen dar, hier werden sie sichtbar. Unternehmen können versuchen, ihre Produkte wie Personen aussehen zu lassen, es bleiben doch stumme Dinge. Aber Menschen können für Produkte stehen: Mitarbeiter genauso wie Kunden.

Warum eigentlich versteht sich niemand in den Markenhochburgen auf die ganz simple Vernetzung? Es ist ganz einfach, ja, nicht nur das, es ist schlichtweg trivial: Ich erzähle, was mich interessiert und höre zu, was andere zu sagen haben. Die, denen ich zuhöre, nehme ich zu meinen Kontakten auf. Wer das bei ein paar hundert Menschen macht, ist plötzlich selbst zu Hunderten verdrahtet, weil eben nichts interessanter ist als ein anderer Mensch, der mir zuhört.

Es gibt Menschen, die fast ausschließlich über dieses Verfahren ganze Unternehmen am Markt einführen. Das Lustige ist aber: Das kann wirklich jeder, und: es funktioniert, wie Loic Le Meur beweist. Sein Vertriebskanal für den Videodienst Seesmic sind seine Online-Kontakte, die über jeden seiner Schritte informiert sind und ihm einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil einbringen. Wer Seesmic schlagen will, muss vernetzer als Loic sein. So einfach ist das Leben manchmal.
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Sind Autofahrer die besseren Tester? carmondo will es wissen

Veröffentlicht am 23. Mai 2008 um 9:09 Uhr von Mark Pohlmann

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"Alle, die neben dem Testen und Erfahrungsberichte-Schreiben auch Interesse an einer "richtigen" redaktionellen Zusammenarbeit haben, steht ab Samstag die neue Testredaktion von carmondo offen.

Kernidee der carmondo Testredaktion ist, gemeinsam einen einzigen Bericht zu jedem Auto zu schreiben. Nicht nur jeder für sich, sondern alle zusammen. Was ist die Summe unserer Eindrücke? Und dabei weniger die Zahlen als die ganz eigene Alltagstauglichkeit im Blick haben. Subjektivität ist also nicht nur ausdrücklich erwünscht, sondern Pflicht!"

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"The News Will Find Me"

Veröffentlicht am 3. April 2008 um 15:01 Uhr von Mark Pohlmann

Ein Zitat aus einem Artikel der New York Times über das Informationsverhalten junger Menschen erreicht derzeit Popularität in der digitalen Welt:

"If the news is that important, it will find me."

Hiermit ist der erste Informationsgesetz der digitalen Generation erstellt: Was wichtig ist und was nicht, entscheidet meine Leitgruppe und kein offizielles Organ mehr wie die Tagesschau. Informationen werden nicht mehr konsumiert, sondern erlebt. Das Erlebnis wiederum ist gruppenbildend: Du gehörst dazu, wenn dich das gleiche interessiert.

Im ersten Moment hört sich dies an wie ein Horrorszenario: So wird man den Zugang zu den meisten Themen, die zwar wichtig sind, aber nicht attraktiv genug, wahrscheinlich in Zukunft verlieren. Auf der anderen Seite werden Modethemen aufgebläht, weil sie unterhaltsam sind und die Gemüter erregen. Auch darf befürchtet werden, dass ein irgendwie annähernd gleicher Wissensstand zu einigen Grundthemen der Gesellschaft fortan nicht mehr ansatzweise bestehen wird. Denn relevant ist ja nur, was zu mir in Bezug steht. Da jeder woanders steht, verliert sich das Gemeinsame rasant und zerfällt in Kleinstgruppen, oder man könnte auch sagen: Sippschaften.

In dem NYT-Artikel ist dieser Trend allerdings nicht ganz so negativ wie befürchtet. Festgemacht wird dies an einem fünfminütigen Obama-Video, das als Antwort auf eine Grundsatzrede von Bush von den klassischen Medien nur dürre Beachtung fand, sich aber über Youtube, Blogs und Networks schnell verbreitete und letztlich Millionen erreichte.

Das ist es, worauf die digitale Generation wartet: Dass eine Information, eine Botschaft nach oben gespült wird, so dass man nur noch auf die großen Plattformen wie Facebook, Digg oder YouTube geht und sich die Sahne abschöpfen kann. "Bevor ich mir etwas ansehe, was ich nicht kenne, schaue ich nur das, was viele Menschen schon für gut befunden haben".

Das ist die darwinistische Seite der Schwarmintelligenz: Gut ist, was einen Selektionsprozess übersteht, an dem nicht mehr einige wenige, sondern Hunderte oder besser, Tausende, involviert sind.

Doch diese immer wieder eruptiv auftauchenden Massenphänomene sind nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist das Phänomen, sich inspirieren zu lassen von Bekannten. In der digitalen Welt ist jeder nur eine Schnittstelle, Filter und Katalysator zugleich. Je vernetzter jemand ist, umso häufiger wird er auf Nachrichten hingewiesen und umso besser leitet er diese an Dritte weiter.

"There are lots of times where I'll read an interesting story online and send the U.R.L. to 10 friends," said Lauren Wolfe, 25, the president of College Democrats of America. "I'd rather read an e-mail from a friend with an attached story than search through a newspaper to find the story."

Es ist wie immer, wenn es um Netzwerke geht. Es ist der Link, der den Unterschied macht, der eine Qualität schafft, die es vor dem Internet nicht gab. Intelligente Netzwerke sind nach außen offen und holen sich ständig relevante Informationen ein. Eine Person hat zehn Quellen, hundert haben tausende. Diese wirklich vernetzten Netzwerke sind intelligenter als jeder, der es alleine versucht. Wer sich einmal derart inspirieren lassen möchte, sollte sich einfach die sog. "Tweets" (also: Kurzbeiträge") viel gelesener Autoren auf Twitter.com abonnieren. Er wird staunen, wie oft er auf interessante Beiträge stößt, die, nur wenige Stunden alt, schnell die Runde machen. Auch den Hinweis auf den NYT-Artikel habe ich über Twitter erhalten, von Steve Rubel, der übrigens auch auf der Next08 am 15. Mai über dieses Thema referieren wird.

Auf der Verliererseite stehen Menschen in schwachen und kleinen, oder vielleicht ganz ohne Netzwerke. Sie werden in Zukunft noch stärker von Informationsflüssen ausgegrenzt sein, als sie das heute schon sind - entweder, weil sie über das Stadium von Gewalt- und Sexvideos als Stimulanz nicht hinauskommen, oder weil sie zu einseitigen, zu deterministischen Gruppen angehören.

Massenmedien jedenfalls, so die NYT, profitieren von dem Trend, dass Reichweite vor allem dann entsteht, wenn Leser darüber bloggen oder anderweitig berichten. Viele Beiträge erreichen erst im Web ungeahnte Abrufzahlen. CNN-Videos aus dem US-Wahlkampf, auf Youtube und Facebook plaziert, erreichen Millionen Zuschauer, wobei die Zugriffszahlen über Wochen konstant, manchmal sogar erst spät stark steigend sind. Ein anderes Obama-Video von CNN wurde auf diese Weise 3,4 Mio. mal angesehen - von einer ausschließlich junge Zielgruppe wohlgemerkt. Hunderttausende suchen nach dem Ansehen des Videos die Website von CNN auf, um mehr zu erfahren.

Und: jedes gute Video ist Rohmaterial für neue Impulse, da ständig Nutzer kreative Bearbeitungen oder sonstige Weiterentwicklungen damit anstellen. So ist aus den Reden von Obama ein ganzes Musical entstanden: "Yes, we Can". Angesehen wurde es seit seinem Launch am 5. Februar 2008 17 Mio. mal. Wer weiß, wessen dröge Politiker- und Wirtschaftskarriere auf derartige Weiste noch zu spätem Ruhm auf fremder Bühne führen wird. Der Ex-Poliker Ronald Schill zeigt, wie man auf YouTube nach oben kommt. Jedes Land hat wohl seine YouTube-Stars, die es verdient.

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Wie sag ich's meinem Randalierer?

Veröffentlicht am 17. März 2008 um 12:55 Uhr von Mark Pohlmann

Wunderbarerweise behandelt Stefan Niggemeier für die FAS in seinem Stück "Wie sag ich's meinem Randalierer?" das Problem der mangelnden Qualität von Kommentaren.

Das Problem ausufernder und nicht zu kontrollierender Anteilnahme seitens der Leser haben aber nicht nur Redaktionen. Auch Unternehmen, die sich eigene Communities anschaffen oder in Portalen wie Youtube oder Myspace selbst aktiv sind, müssen sich mit einer zentralen Frage auseinandersetzen: Wie sichert man die Qualität im eigenen redaktionellen Umfeld? Wie hält man Störenfriede außen vor, ohne gleich alle Nutzer in Aufruhr zu versetzen?

Klar, es gibt Spielregen für jede Community. Erlaubt ist nur, was nicht beleidigt oder strafbar ist. Aber selbst wenn eine Diskussion auszuufern droht - was ist schlimmer? Einen wenig akzeptablen Kommentur zu dulden oder ihn zu löschen und dann eine Diskussion über "Zensur" anzuzetteln? Zudem jede Community andere Schmerzgrenzen hat, was noch innerhalb des Erlaubten ist und was nicht

Wie immer heißt die Losung: Qualität kostet. Auch bei der Betreuung einer Community sind Zeit und damit Geld die qualitätssichernden Faktoren. Und beides ist wie immer knapp, gerade im Internet, wo die Redaktionen rund 3 Cent pro Klick verdienen, ein Nutzer also gerade einmal einen 6-10 Cent an Werbeeinnahmen bringt.

Klar wird bei der kleinen Umfrage von Stefan Niggemeier unter Deutschlands Online-Chefredakteuren: In den eigenen Kommentarspalten geht nichts ohne Aussieben. In jeder Online-Redaktion wird gelöscht, korrigiert, ermahnt, erzogen. In der Hoffnung, diese Form der Kanalisierung könne langfristig so etwas wie Qualität erzeugen.

Das eigentliche Problem ist aber ein anderes: Das Verhältnis zwischen Autor und Leser hängt noch irgendwo zwischen der neuen und alten Welt. Die Kanzel steht nicht mehr im leeren Raum, sondern dort unten, am Fuße des Predigers, hat sich ein Eigenleben entwickelt. Wie gerne die Redaktionen Diskussionen um ihre Artikel mögen, kann man schon daran erkennen, wie schwer sie es ihren Lesern machen, überhaupt einen Kommentar abzugeben. Meist muss man sich weit vom ursprünglichen Text entfernen, in die Tiefen der Community, um einen Kommentar loszuwerden. Je mehr Energie notwendig ist, um wahrgenommen zu werden, um so energiegeladener wird auch derjenige sein, der diesen Weg auch wirklich gehen mag.

Niggemeier schreibt hierzu:

Es ist ein höchst fragiles Verhältnis zwischen Lesern und Journalisten, das durch die plötzliche öffentliche und unmittelbare Auseinandersetzung entsteht, mit beiderseitigem Erstaunen über die Impertinenz der jeweils anderen Seite. Und während sich viele Online-Chefs wünschen, dass die Autoren sich häufiger in eine Diskussion einschalten, hat Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur von sueddeutsche.de, schlechte Erfahrungen gemacht: Das sei nicht empfehlenswert, weil die User dann erst recht auf den Redakteur einschlügen.

Aber auch auf anderen großen Medienseiten im Internet scheint es eher die Ausnahme zu sein, dass Nutzer überhaupt eine Reaktion auf Kritik und berechtigte Anmerkungen bekommen. Dabei profitieren die Medien von der Beteiligung der Leser, wenn sie sie nur wahrnehmen. Beim „WAZ"-Ableger „Der Westen" und neuerdings auch bei Focus Online berichten die Community-Leute in den Redaktionskonferenzen, welche Themen auf welches Echo stoßen. Das Wissen der Leser ist ein Schatz, der nur gehoben werden will:

Und genau hier liegt auch der Hinweis versteckt, was Unternehmen mit des Kunden Meinung machen sollten: Inhalt. So einfach ist das.

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FAZ und Spiegel streiten um das Internet

Veröffentlicht am 31. Oktober 2007 um 19:07 Uhr von Mark Pohlmann

Dass ich das noch erleben darf: Frank Schirrmacher, seines Zeichens Mitherausgeber der FAZ, hält eine Rede, in der er sich als Zeitungsmacher, nunja, sagen wir, kritisch, mit dem Digitalen im allgemeinen, und dem Internet im besonderen auseinandersetzt.

Wer sich mit Fragen des Schreibens und Lesens befasst, redet auch von Abc-Schützen, die möglicherweise einmal die Welt aus den Angeln heben könnten. Das Problem ist nur: Es gibt kaum noch Abc-Schützen und das, was die Stifte einst leisteten, tun nun die Laptops. Beide Parameter zusammen beschreiben exakt, was wir die Krise der Medien nennen. Weiterlesen.

Christian Stöcker, seines Zeichens Netzwelt- und Wissenschafts-Redakteur von Spiegel Online, antwortet mit einer gezielten Geraden: "Das Internet ist an allem Schuld" .

Ob online oder gedruckt: Eine starke Medienmarke kann auf Dauer eben nur bestehen, wenn sie Qualitätsstandards setzt und hält. Die Vorstellung, dass Online-Journalisten zwangsläufig schlechter arbeiten, nur weil sie sehen können, was den Leser interessiert und was weniger, ist absurd. Was nicht heißt, dass sie nicht gelegentlich schneller schreiben, als der Sache gut tut. Weiterlesen.

Was Schirrmacher glücklicherweise nicht unbeantwortet lassen möchte. Das Ergebnis: Eine brillante Diskussion, toller Lesestoff - und das zur Primetime, live & kostenlos (und noch nicht mal gebührenfinanziert). Komme ich etwa meinem Wunschtraum näher, dass das Internet sich zur milieuübergreifenden Schaubühne für gesellschaftlich relevante Diskurse entwickelt?

Wie auch immer: Lesen! Hier der erste Absatz der Schirrmacherschen Replik-Replik:

Das nenne ich Eskalation: Aus einer Rede, die für die Koexistenz von Tageszeitung und Internet plädiert, macht der Internetredakteur kurzerhand eine Kriegserklärung (mehr...). Nur indem er Formeln reaktionärer Kulturkritik bemüht, geht seine Rechnung auf: "Das Internet ist an allem schuld". Das ist eine Formel der Moral, es folgt eine der Zeit und des Ortes: "Nur Druckerpressen können das Abendland noch retten". Das sind zwei Überschriften, die nichts mit der Rede zu tun haben. Sie stammen aus dem Kopf des Internetredakteurs, nicht aus dem Mund des Redners. Weiterlesen.

p.s. Das FAZ-Print-Abo habe ich zu 31.10. gekündigt, ich werde es mal für 3 Monate mit der SZ probieren. Schirrmacher vermisse ich jetzt schon!

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Zwei Geburten an einem Tag: DerWesten

Veröffentlicht am 29. Oktober 2007 um 11:13 Uhr von Mark Pohlmann

Die zweite Geburt bedarf nicht mehr allzu vieler Worte: DerWesten, das neue Regionalportal für Nordrhein-Westfalen, ist gestern Abend kurz vor Mitternacht online gegangen. Ich unterstütze die WAZ bei der Projektkommunikation und freue mich über das rege und vor allem: verständige Feedback. Das revolutionäre Potential, das hier noch in einer frühen Version zu bestaunen ist, wird eine neue Ära im Lokaljournalismus einläuten, soviel ist schonmal sicher. Und wir alle können sagen: Wir sind dabei gewesen!

Und eine tolle Einstiegsgeschichte für alle Fans des Westens ist natürlich das Exklusiv-Interview mit Rudi Aussuer, das gleich noch die neuen interaktiven Qualitäten des Portals verdeutlicht: Wo kann man Rudi verorten, was sagen die Leser zu dem Artikel und was haben diese noch gelesen? Wenn der ICE vor 20 Jahren Bahnfahren wieder spannend gemacht hat, dann hat DerWesten das heuet mit dem Lokaljournalismus geschafft.

derwesten_assauer.png

Wer mehr wissen will, lese bitte vor allem den Artikel auf Spiegel Online.

Viele Gerüchte, viel Quatsch: Als die "WAZ"-Gruppe den Aufbau ihres neuen Portals an eine Bloggerin übergab, wähnten manche den Untergang des Lokaljournalismus gekommen. Tatsächlich zeigt "DerWesten", wie Regionalzeitungen im Web bestehen können - ohne ihre Seele zu verlieren. Weiterlesen

Oder das heutige Interview in der FAZ:

Ach was, keiner hier glaubt, auch nur einen Journalisten durch Blogger & Co. ersetzen zu können. Aber wir hoffen auf wertvolle zusätzliche Informationen, einen anderen Blickwinkel und spannende Diskussionen gerade im Lokalen. Wir wollen Leser gewinnen und an uns binden, die ohnehin nicht Zeitung lesen. Entweder diese Leser kommen zu uns und lernen damit auch die redaktionelle Sorgfalt zu schätzen. Oder sie suchen sich ihre Nachrichtenquelle andernorts. Weiterlesen

Ich wünsche Katharina Borchert und ihrem tollen Team, dass sie trotz Erschöpfung und Erleichterung dieses revolutionäre Gefühl schon spüren und auch genießen können.

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Einestages: Viel Interesse, wenig Inhalt

Veröffentlicht am 16. Oktober 2007 um 15:42 Uhr von Mark Pohlmann

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Das Kapitel "Geschichte zum Mitschreiben", das Spiegel vor wenigen Tagen eröffnet hat, hat in der ersten Woche 8,2 Millionen Klicks erhalten und über 2.000 neu registrierte Community-Mitglieder, die 60 Zeitzeugenberichte geschrieben haben. Das sind wirklich viele Klicks. Aber sechzig Beiträge bei so vielen Registrierungen? Ist das wirklich viel? "Na, jedefalls ist es ein Anfang.", schreibt Peter Turi zu recht. Hieran kann man erkennen, wie schwer es ist, selbst mit einer so starken Marke Leser zu Autoren zu konvertieren.

Wahrscheinlich werden sich die Zahlen schnell bessern, das Interesse für Geschichte von unten ist da. Wichtiger aber für den Erfolg wäre es, sich als Bühne / Promoter / Dienstleister seiner freiwilligen Autoren zu sehen. Das schaffen etablierte Redaktionen aber kulturell nicht richtig, auch Spiegel Online nicht. Wer sich durch einestages.de klickt, findet viele Bilder, viele Themen. Leser als Zeitzeugen findet er nicht. Wie soll man da Lust aufs Mitmachen bekommen? So ist einestages einfach eine Variante des "Low"-Prinzips: Let others work. Wir geben das Thema vor, du ergänzt es. Und da hält sich die Begeisterung, jedenfalls in Woche 1, noch in Grenzen.

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The Secret To Productivity

Veröffentlicht am 27. August 2007 um 10:30 Uhr von Mark Pohlmann

"Don't watch TV. Especially college sports.
That is all."
Chris Anderson (The Long Tail)

Fernsehen war gestern. Ich sach's ja.

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Deutsche Start-ups auf internationaler Bühne

Veröffentlicht am 13. Juli 2007 um 11:28 Uhr von Mark Pohlmann

Das war lange schon überfällig: Nicole Simon schreibt auf Blognation in englisch über die deutsche Internetszene. Viel Erfolg!

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Holger Schmidt bloggt für FAZ

Veröffentlicht am 25. Juni 2007 um 16:06 Uhr von Mark Pohlmann

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Wenn ein Thema polarisiert, dann das, "ob Blogger Journalisten" sind. Die Antwort lautet: Ja, sie sind es immer häufiger. Besonders freue ich mich auf den allerneuesten Zugang, Holger Schmidt, Ressortleiter FAZ Netzwirtschaft. In seiner Freizeit (vermutlich) entwickelt er Dinge wie FAZ.net oder FAZjob.net, hält sich also an der digitalen Strategie seines Mutterhauses schadlos. Sein Blog ist noch ziemlich versteckt auf der dritten Ebene, und seine ersten drei Blogeinträge lassen noch das zaghaft Herantastetende an dieses doch so harmlose Werkzeug spüren. Wie auch immer, die Abrufzahlen einzelner Artikel sind ohne jede Werbung schon vierstellig. Das zeigt, dass das Interesse vorhanden ist und jetzt systematisch entwickelt werden muss.

Wenn Holger Schmidt bislang der einzige ist, der für die FAZ in die Blogtasten haut, so darf man vermuten, dass er nicht lange alleine bleiben wird. Ich hoffe sehr, daß es (mindestens) der FAZ gelingen wird, eine neue Riege aufmerksamkeits- und meinungsstarker Alpha-Tiere zum Bloggen zu bewegen, um dieses wunderbare Werkzeug endlich einmal richtig in die Öffentlichkeit zu rücken. Wenn ich mir so überlege, wen ich gerne mal bloggend lesen würde... fällt mir zum Beispiel den Schriftsteller Ralph Giordano ein, der derzeit sehr prominent von der FAZ in den Kölner Moscheenstreit eingebunden wird.

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Wir Werber... gründen einen Verlag

Veröffentlicht am 12. Juni 2007 um 16:49 Uhr von Mark Pohlmann

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Noch ein spannendes Online-Projekt, das ein innovatives Format zu werden verspricht: Die Werber-Plattform "Wir Werber", die sich zwar noch im Ankündigungsstadium befindet, aber schon weiß, was es alles besser machen will:

1. Entwicklung einer alternative Werbeform. Konträr zu den blinkenden, mittlerweile von der großen Mehrzahl der Usern ignorierten Werbebannern, die Informationszugang und -fluss größtenteils behindern.
2. Eine Werbeform, die dialogorientiert ist. Märkte sind Gespräche.
3. Errichtung eines Marktes, der für unser Klientel interessant ist. Wir bleiben thematisch branchenrelevant.
4. Content is king. Ohne relevante Inhalte geht nichts.
5. Kombination aus Branchennetzwerk, Dialogplattform und Textlinkwerbung mit direkter Schnittstelle zu werbeblogger.de, einer der reichweitenstärksten Mediendienste der Kommunikationsbranche.
6. Mediengerechte Umsetzung. Wir sind im Web aufgewachsen und müssen nicht erst den Graben zwischen Print und Online überwinden und wissen was Internetnutzer wollen: Schnelle und relevante Informationen im Dialog. Daher setzen wir größten Wert auf Benutzerfreundlichkeit und Anmut.
7. Schnelle und günstige Produktion von “Adcasts”, also Audio-/Video-Werbeformate für das Internet.
8. Plattform zur übersichtlichen, aber ausführlichen Darstellung der Werbe- und Kommunikationsbranche. WirWerber will die Branche transparent und symphatisch darstellen.
9. Zentrale Anlaufstelle für den Werbernachwuchs.
10. Unser Entwicklungsziel: Der digitale Fachverlag.
Na denn, viel Erfolg von dieser Seite!

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New Blog on the Web: Social Computing Magazine

Veröffentlicht am 12. Juni 2007 um 16:26 Uhr von Mark Pohlmann

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“To find something comparable," said Rupert Murdoch to Wired Online in July 2006, "you have to go back 500 years to the printing press, the birth of mass media – which, incidentally, is what really destroyed he old world of kings and aristocracies. Technology is shifting power away from the editors the publishers, the establishment, the media elite. Now it’s the people who are taking control.”

Für alle, die solche Sätze gerne lesen, oder jene, die die Innovations- und Buzzword-Geschwindigkeit des Digital Lifestyle überfordern: es naht Rettung. Das Social Computing Magazin erklärt die Welt, und das online und kostenlos. Sein Versprechen lautet: Nicht nur nie wieder einen Trend verpassen - sondern ihn auch verstehen. Leider hält die Optik nicht ganz Schritt mit den - auf den ersten Blick - sehr ansprechenden Texten.

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Relaunch Tagesspiegel.de

Veröffentlicht am 6. Juni 2007 um 11:49 Uhr von Mark Pohlmann

tagesspiegel.png

Kleiner Hinweis auf den frisch gelaunchten digitalen Tagesspiegel. Mein erster Kurzeindruck (sozusagen beta): Das Layout ist sehr nach dem Geschmack eines News-Junkies wie mir. Schön viel Text und gut strukturiert. Ziemlich viel ziemlich häßliche Werbung. Der untere Teil gefällt mir besser als der obere (tabellarischer Überblick aller Ressorts). Noch kein Bürgerjournalismus-Zeug entdeckt. Lädt sehr langsam.

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Das Versagen der AGOF

Veröffentlicht am 29. Mai 2007 um 11:41 Uhr von Mark Pohlmann

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Mit jeder Erhebung der "Arbeitsgemeinschaft Online Forschung" (AGOF) wird das Problem mit dem Reichweitenmeßinstrument der AGOF deutlicher. Gemessen werden nur die Seiten, die auch von Vermarktern betreut werden. Websites, auf denen keine Werbung der großen Vermarkternetzwerke geschaltet werden kann, existieren nicht. Google? Web 2.0? Shopping, Reisen, Netzwerke? Nichts gesehen, nichts gemessen, nichts erwähnt. Nur zu einem taugen sie: Zu erklären, wie wenig die von Werbenetzwerken betreuten Websites am Internetboom teilhaben. Denn rund um die bekannten Werberiesen explodiert die Nutzung. Was bringt es mir da zu wissen, ob T-Online Nutzer verliert, wenn ich nicht gleichzeitig erfahre, wo außerhalb dieses Zirkels die Millionen neuen Nutzer entstanden sind? Da muß man schon so etwas wie Nielsen Netratings hinzuziehen, um das wahre Dilemma zu sehen. Wie dies heute die FAZ tut.

Die großen Internetunternehmen T-Online, Yahoo, MSN und AOL haben im vergangenen Jahr an Reichweite im Internet verloren, vor allem gegen Web-2.0-Anbieter wie Wikipedia, Myvideo oder StudiVZ. Nach der jüngsten Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung (Agof) sank die Reichweite von T-Online zwischen Ende 2005 und Ende 2006 um 500.000 Nutzer,. (...) Der Aufschwung der Web-2.0-Seiten lässt sich inzwischen gut messen. 54 Prozent der deutschen Internetnutzer besuchten im Februar 2007 Web-2.0-Seiten, hat das Marktforschungsinstitut NielsenNetratings ermittelt. Damit sind diese Seiten fast so beliebt wie Finanzangebote (57 Prozent Reichweite) und die Reiseseiten (53 Prozent). Die Zahl der Nutzer auf diesen Seiten kletterte zwischen Februar 2006 und Februar 2007 um 32 Prozent auf 19,7 Millionen.

Es ist nichts dagegen zu sagen, daß die Vermarkterlandschaft sich ein eigenes Vermarktungsinstrument baut. Aber sie soll bitte nicht so tun, als würde sie damit den Markt repräsentieren. Hier mal die sechs offensichtlichsten Probleme der AGOF:

1. Die AGOF vertritt rund 85 Prozent des ivw-geprüften Werbemarktes. Portale und Verlagsangebote sind aber nur ein Bruchteil der tatsächlich genutzten Internets. Was wir brauchen, ist eine Totalerhebung aller von deutschen Haushalten genutzten Internetseiten. Hier ist der BVDW als Mitträger des AGOF gefordert. Nielsen unternimmt dies bereits in Ansätzen, publiziert die Daten aber nur in homöopathischen Dosen (Beispielsweise in Kooperation mit der Lebensmittelzeitung zu den reichweitenstärksten E-Commerce-Anbietern).

2. Die von der AGOF für diese Websites deklarierten Werbeumsätze werden ausschließlich in Brutto-Beträgen ausgewiesen. Diese Summen existieren nur in der Phantasie der Vermarkter, da sie Mengenrabatte, Restplatzvermarktung, Barter-Deals (Tauschgeschäfte) oder CPC-Deals (bezahlt wird nur, wenn der Nutzer die Werbung auch klickt) nicht berücksichtigen.

3. Das Verhältnis zwischen dem Markt für Textanzeigen in Suchmaschinen (SEM) und auf nichtvermarkteten Websites zu der AGOF-Welt wird systematisch schöngerechnet. Wenn man die Umsätze von Google in Deutschland als Basis nimmt, ist der SEM-Markt in Deutschland (an dem Google über 90 Prozent Anteil hält) deutlich größer als der für reichweitenbasierte Werbung. Es ist keine übertriebene Schätzung, daß in diesem Jahr weit über 1 Mrd. Euro für Textlinks ausgegeben werden. Klassisch vermarktete Werbung profitiert nicht annähernd so stark vom Internetboom wie selbstvermarktete.

4. Die Qualität der AGOF-Zahlen darf man ebenfalls hinterfragen, da sie nicht auf unabhängigen Messungen oder Markterhebungen basiert, wie die Selbstbenamsumg der Studie ("Erhebung") suggeriert, sondern auf den freiwilligen Meldungen der angeschlossenen Netzwerke. Technisch liefert jeder Vermarkter ein von ihm kontrolliertes Abbild seines Nutzungsverhaltens an die AGOF. Das ist ein bißchen wie bei Robert Lemke "Wieviel Umsatz hätten´s denn gern?".

5. Selbst wenn T-Online, Web.de und 1&1 soviele Klicks haben wie sie angeben: Ein hoher Anteil kann man als "unfreiwilligen Traffic" bezeichnen: Millionen Menschen surfen mit vorkonfigurierten Browsern, die feste Startseiten haben. Ein T-Online-Kunde, der immer erst auf die rosarote Website muß, bevor er mit seiner Recherche starten darf, ist zwar technisch gesehen ein Nutzer, mit Werbung aber kaum ansprechbar. Genauso verhält es sich mit den den Millionen E-Mail-Accounts bei den großen Providern, die selbstverständlich dem Portalverkehr zugeschustert werden. Ins Auge fallen die Zahlen von Prosieben.de und RTL. Glaubt jemand wirklich, daß sich jeden Monat halb Deutschland auf die Websites der TV-Sender macht, um Hintergründe zu Sendungen wie Frauentausch oder Raab Total zu recherchieren? Die Anbieter verwischen die wahren Reichweiten der angeschlossenen Websites, um ihre Kernmarken besser zu verkaufen. Dabei gehen ein Gutteil der deklarierten Klicks auf formell untergeordnete Seiten, die aber faktisch eigenständig sind.

6. Klicks sind keine zuverlässige Währung mehr im Internet. Die Technologien moderner Websites funktionieren nicht mehr nach dem altvertrauten Seitenabrufsystem. Im Web 2.0 erneueren sich immer nur einzelne Inhalte-Container, keine ganzen Websites. Das alles ignoriert die AGOF tapfer.

Zusammenfassung: Wir brauchen dringend Transparanz am Werbemarkt (laut Selbstbeschreibung die Aufgabe der AGOF) und damit eine eine funktionierende Reichweitenmessung. Und keine Werbebroschüre, die nicht mit den aktuellen Entwicklungen Schritt halten kann. Wenn die Werbewirtschaft das selbst nicht schafft, weiß ich jemand, der gerne hilft: Google.

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Digitale Strategien

Veröffentlicht am 28. Mai 2007 um 9:02 Uhr von Mark Pohlmann

Und dann hört man noch von einem Vorstand eines großen deutschen Verlagshauses, der jüngst auf einer Mitarbeiterversammlung ankündigte, keine Printtitel mehr entwickeln zu wollen, sondern bei neuen Formaten nur noch auf Online zu setzen. Zudem riet er all jenen unter der versammelten Redakteursmannschaft, die das 60. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, zukünftig auch online zu schreiben.

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Menschel Media

Veröffentlicht am 25. Mai 2007 um 10:05 Uhr von Mark Pohlmann

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Seit zwei Tagen ist das Redesign von Qype online. Qype veröffentlicht von Nutzern geschriebene Empfehlungen für die besten Adressen einer Stadt. Dessen Gründer Stephan Uhrenbacher selbst schwärmt vor allem von den Verbesserungen in der Optik und Nutzerführung, die den Relaunch nötig machten. In der Tat ist die Seite viel aufgeräumter und funktionaler als die alte. Für mich (Disclaimer: Qype ist Kunde der SinnerSchrader Online Conversations) findet die Revolution aber an ganz anderer Stelle statt. Qype ist auf dem besten Wege, neben den besten Adressen auch die interessanten Menschen der Stadt zu einen. Denn mit dem Relaunch ist es endlich genauso einfach, Personen wie Plätze zu finden. Jeder sieht sofort, wer hinter einer positiven oder negativen Bewertung steht. Und wer kann interessanter sein für mich selbst, als derjenige, der die gleichen Interessen und Ansichten hegt und idealerweise gleich um die Ecke wohnt? Hier ist viel Phantasie für weitere Evolutionsschritte enthalten. Zu wissen, wer eine Bewertung schreibt, ist im übrigen auch der einzige wirksame Weg zu erkennen, wie aussagekräftig diese für mich persönlich ist.

Qype hat im ersten Jahr seines Bestehens ein wahrhaft erstaunliches Wachstum hingelegt: Im März 2006 gestartet, bietet es derzeit Zugang zu 50.000 von Nutzern geschriebene lokale Emfpehlungen und 35.000 registrierte Mitglieder. Damit ist Qype jetzt schon das größte Empfehlungsnetzwerk in Europa.

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Medien: Das Ende der Bonner Republik

Veröffentlicht am 11. April 2007 um 9:45 Uhr von Mark Pohlmann

Warum brauchen wie analoge Medien? Ganz einfach: Für die Reichweite. Kriegt man in der Form und in der Auswahl eben doch nur offline. Der Preis ist Streuverlust, aber was soll's, manchmal muß es eben groß sein. Im Internet dagegen gibt es keine gebündelte Reichweite, weil schon hinter der Homepage von Spiegel Online und heise.de, also in den einzelnen Rubriken, der Long Tail anfängt. Und nicht alle können auf der Home von Spiegel stehen, aber in das Heft passen schon wieder ganz schön viele rein. Verlage werden sich sehr schwer tun, wenn sie weiter versuchen, ihr altes Modell den digitalen Medien überzustülpen. Denn hier ist der Kontakt nur ein Zehntel so viel wert wie in Print oder TV. Aus 50 Euro TKP im Print (Tausenderkontaktpreis, eine über alle Kanäle gültige Maßeinheit für Werbung) werden 5 Euro im Web. Wer soll davon leben, der auf 60 dolle Jahre zurückblicken kann, in denen verdient wurde wie verrückt. Diesen Wettbewerb wollen die großen Traditionsverlage wahrscheinlich gar nicht gewinnen, weil es ihre Identität kosten würde.

Gleichzeitig haben Medienhäuser das Problem der sinkenden Margen auch in ihrer vertrauten Welt. Ist jemandem schon einmal aufgefallen, wie dünn auch Qualitätsmedien geworden sind? Eingedenk der Tatsache, daß die Werbewirtschaft derzeit brummt?

Der Grund ist ganz einfach: Die Werbedollars werden seltener in klassische Kanäle investiert. Trotz garantierter Reichweite verweigert die Werbeindustrie sich zunehmend vor allem dem Printjournalismus. Weil hinten, bei der Werbeeffizienz, eben nicht die Reichweite sondern Zielgruppengenauigkeit zählt.

Diese Erkenntnis kann man bei Microsoft schön beobachten. Der Software-Hersteller verlegt seine Werbeausgaben für den Vista-Launch zu 90 Prozent in das Internet. Vor fünf Jahren wären Focus und Stern noch voller wunderbarer Microsoft-Botschaften gewesen. Heute erleben wir die Marke digital.

Wenn in einer Hausse die Werbedollars nicht mehr zurückkommen, ist es keine konjunkturelle Krise mehr, sondern eine strukturelle. Für die Verlage heißt dies, sich anzupassen, wenn sie sich schon nicht verändern wollen, weil sie auf die Margen nicht verzichten können. Das bedeutet wiederum das Ende der Bonner Republik, die in den Vorstandetagen in Hamburg, Berlin und München weiter regiert. Journalismus ist nicht länger eine Frage der Gesinnung, sondern der Effizienz. Wir stehen vor einem neuen Massenmarkt für freie Autoren, die nach Reichweite bezahlt werden, und einen Personenkult um wenige Star-Autoren.

Auf die Medienwirtschaft wartet eben noch eine riesige Effizienzwelle, die durch viele andere Branchen schon längst hindurchgeschwappt ist. Und mit jedem Jahr, das die Verlage weiter auf die Selbstauflösung des Digitalen warten, damit sie weitermachen können wie bisher, werden die Konsequenzen härter. Man darf gespannt sein.

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Paradigmenwechsel im Journalismus

Veröffentlicht am 3. April 2007 um 9:35 Uhr von Mark Pohlmann

Dan Gillmor, ehemaliger Zeitungsjournalist und jetziger Leiter des Zentrums für Bürgerjournalismus der Universitäten Harvard und Berkeley verficht in der FAZ einen Paradigmenwechsel im Journalismus:

Von den Nutzern erzeugte Inhalte wie Blogs oder Videos seien in kurzer Zeit ein fester Bestandteil der Medienwelt mit einer ähnlichen Breitenwirkung geworden. "Als Apple-Chef Steve Jobs seine Idee zur Abschaffung des digitalen Rechtemanagements in die Welt tragen wollte, hat er die Geschichte keinem Journalisten erzählt. Er hat sie in einem Blog veröffentlicht. Das reichte, um in die traditionellen Medien zu gelangen. Er hat auf diesem Weg sogar mehr Leser bekommen", sagte Gillmor.

Steve Jobs' Weg über das Internet war erfolgreich, weil für seine Zielgruppe der jungen Entscheidungsträger das Internet inzwischen die wichtigste Quelle für Wirtschaftsinformationen ist - knapp vor der Tageszeitung, hat eine Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger ergeben. Magazine, Fernsehen und Radio spielen in dieser Zielgruppe nur eine untergeordnete Rolle. Unter den Medienmachern selber liege die Tageszeitung noch klar vor dem Internet, dicht gefolgt von Magazinen, sagte Roland-Berger-Partner Karl Ulrich in Köln.
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In der Nische gibt es keine Gewinner

Veröffentlicht am 14. März 2007 um 20:08 Uhr von Mark Pohlmann

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Must read: Frank Patalong auf Spiegel Online über die Zukunft des Journalismus im Zeichen des Internets.

In einem immer weiter zersplitterten Markt verlieren fast alle Konkurrenten an Reichweite, Einfluss und Umsatzmöglichkeiten. Zumindest in den USA scheint die Zeit vorbei, über einzelne mediale Kanäle noch Massen erreichen zu können. Wo die Hörer-/Nutzer-/Leser-/Zuschauerzahlen nicht sinken, stagnieren sie zumindest - Online eingeschlossen.

Für die Medienhäuser ergeben sich aus all dem weit reichende Konsequenzen. Die Verwerfung des Medienmarktes ist - zumindest in den USA - vor allem eine Umverteilung, bei der es keine Gewinner gibt. Nische ersetzt Masse, und tatsächlich sind die einzigen Medien, die in jeder Hinsicht boomen, echte Nischenangebote: Spanische Zeitungen zum Beispiel. Den Traum, durch massive Investments neue Märkte okkupieren zu können, geben die großen Medienhäuser offenbar auf. Statt große Megamarken aufzubauen, basteln sie an kleinen Lösungen für ein vielfältig zersplittertes Publikum.

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Auf dem Weg

Veröffentlicht am 14. März 2007 um 10:03 Uhr von Mark Pohlmann

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Bei den Verlagsangeboten im Internet kristallisiert sich der Paradigmenwechsel zwischen alter und neuer Wirtschaft zuerst - kaum ein anderes Produkt ist so gut digitalisierbar wie eine Nachricht. Und die Medienwelt nimmt den Fehdehandschuh des "Mitmach-Webs" derzeit entschlossen auf. Indem sie selbst ausführlichst darüber berichtet, über die Konsequenzen von Blogs & Co. öffentlich nachdenkt und die partizipativen Möglichkeiten des Mediuems Stück für Stück selbst integriert. Wie auch im TAZ-Interview mit Katharina Borchert und Stefan Niggemeier deutlich geworden ist: Nicht einmal Blogger selbst sehen sich als Alternative zum Medienbetrieb, sondern als eine komplementäre Erweiterung.

In den letzten Wochen haben u.a. Die Welt, Süddeutsche und Focus ihre Online-Ableger aktualisiert. Bei allen stand im Mittelpunkt, den hauseigenen Journalismus zu stärken und gleichzeitig das veränderte Medienverhalten zu integrieren. Leser wollen mehr Mitmachen, so die vorherrschende Einsicht. Von partizipativen Medien ist man bei allen Dreien aber noch ein Stück entfernt.

Ein kurzer Blick auf den meiner Ansicht nach gelungensten Relaunch, der von Focus, zeigt, was Verlage sich derzeit trauen - oder eben auch nicht. (hier werden alle Änderungen vorgestellt.) Die Optik und Struktur wurde schon an anderer Stelle gelobt, dem schließe ich mich gerne an. Vielleicht doch eine kleine Mäkelei: Wie oben auf dem Screenshot zu sehen, wirkt die Werbefläche bei Rundum-Anzeigen (sogenannte "Wallpaper" oder "Hockey-Sticks") zu dominant. Aber was hilft´s, hier wird das Geld verdient, das Lesen ist für den Leser eben kostenlos.

Bleibt das Thema Mitmachen. Allem voran: Ja, zu jedem Artikel sind Kommentare zugelassen, und ihre Anzahl prangt direkt neben der Überschrift. Doch ist immer nur ein Kommentar je Artikel sichtbar. Sind es mehr, werden sie per Link weit aus dem journalistischen Bereich ausgelagert. "Über unsere Themen sprechen, immer gerne, auch gerne bei uns im System, aber bitte nicht direkt bei unseren Texten", schallt es einem entgegen. Das finde ich sehr schade, weil es die Dynamik einer Meldung bremst, und gerade die Diskursqualitäten bei Verlagen eigentlich gut aufgehängt sein sollten. Mehr Mut an dieser Stelle bitte.

Blogs sind bei Focus Ehrensache, derzeit sind es 11 Blogs von Politikern wie Oswald Metzger, Silvana Koch-Mehrin und einigen Focus-Redakteuren. Bei einigen wird durchaus rege kommentiert, die Schlagzahl der Publikationen kann als regelmäßig bezeichnet werden.

Wichtigste inhaltliche Änderung an dieser Stelle ist, daß das Schlagwort "Community" durch den Relaunch jetzt in jeder der 12 (!) Rubriken auftaucht, der Klick darauf aber nicht zu einer zentralen Hauptgemeinschaft führt, sondern zu einem Kommentarbereich innerhalb des vorab gewählten Ressorts. Hier werden auch die Promi-Blogs einsortiert. Ebenso findet sich zu jedem Thema (meist werberelevantes wie Gesundheit, Finanzen oder Auto) ein eigenes Forum, in dem die Leserschar wieder unter sich ist und über Handy-Tarife oder Autotuning spricht, je nachdem, wo man sich gerade inhaltlich aufhält. Diese Segmentierung ist durchaus gelungen, macht das Angebot selbst aber auch wieder unübersichtlich, weil ein und derselbe Inhalt mehrfach auftaucht. Das war's auch schon in Sachen Partizipation, oder habe ich etwas übersehen?

Zusammenfassend bleibt für mich der Eindruck, daß die großen Print-Verlage wie SZ, Burda und Springer durchaus verstehen, worauf es für sie in Zukunft ankommt, sie sich aber Zeit lassen, bis sie sich voll auf partizipative Medien einlassen. Diese Vorsicht mag man aus Gründen des Unternhaltungswertes bedauern, sie nährt sich aber aus dem verständlichen Mißtrauen gegenüber der chaotischen Welt da draußen.

An dieser Stelle endet dann aber auch mein Verständnis. Neben der Lust am eigenen Inhalt beginnt im Zeitalter des Web 2.0 eben auch die Sorge um den von außen beigesteuerten. Zum eigenen Wohl. In einer Welt millionenfacher Informationsquellen ist nicht mehr der Content, sondern der Context der große Differenziator. Hier können die richtigen Nutzer Verlagen einen entscheidenden Mehrwert schaffen, der schon aus ressourcegründen intern nicht zu bewältigen ist. Und wir werde es erleben: Schon bald geht es nicht mehr nur darum, die spannendsten Köpfe des Landes zu portraitieren, sondern diese gleich sinnvoll in das eigene Ökosystem einzubauen. Der Kampf um die besten Talente ist auch einer für die Verlage. Und nicht nur bei den Mitarbeitern, sondern auch bei den Lesern und damit bei potentiellen Co-Autoren.

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Verlage als Diskursmaschine

Veröffentlicht am 6. März 2007 um 9:50 Uhr von Mark Pohlmann

Verlage, die ihre Nutzer nicht in die Erstellung, Einordnung und Bewertung ihrer digitalen Angebote einbinden, verlieren auf Dauer an Reichweite im Internet (...) Inzwischen hätte Web 2.0 gravierende Auswirkungen auf die Wertschöpfung der Medienunternehmen, da sich Softwarelösungen für die Erstellung der Inhalte (Wikis, Foto- und Video-Plattformen oder Blogs), die Einordnung der Inhalte (Tagging) und die Bewertung etabliert hätten. Damit sei es immer einfacher, größere Teile ursprünglich redaktioneller Aufgaben von den Nutzern erledigen zu lassen.

So zitiert Holger Schmidt eine Studie der Unternehmensberatung Timelabs in der FAZ von gestern.

"Wenige Medienunternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und sich an Web-2.0-Unternehmen beteiligt, zum Beispiel Holtzbrinck an StudiVZ oder Pro Sieben Sat.1 an MyVideo. Doch die strategisch gesündere - wenn auch unbequemere - Variante besteht in der Einbindung der Nutzer in die eigene Wertschöpfung", sagt Marc Ziegler, einer der Autoren der Studie.

In diesem kurzen Artikel steckt viel Sprengstoff für die Verlage. Die ersten Versuche, den Nutzer in das eigene Portal einzubinden, wirken noch sehr halbherzig. Keiner kann als Erfolg bezeichnet werden. Mir fallen da "diskutieren-Sie-mit-Formate" wie im Spiegel-Forum, Blogs alá Focus, Stern und Freundin ein und, schon besser, die Foto-Communitiy Stern View sowie die Readers-Edition, ehemals ein Projekt der Netzeitung.

Was noch überhaupt nicht stattfindet, ist die Einbeziehung der Leser in die Nachrichtenlage, man könnte auch neudeutsch von einem fehlenden Verständnis für Schwarmintelligenz reden. Noch immer sind die Formate fein säuberlich getrennt: Hier die Beiträge der Journalisten, dort die Meinungselemente via Blogs, ein Klick weiter das Graswurzelangebot für Jedermann. Mal eine zaghafte Integration von Lesers Meinung in der Kommentarfunktion der FAZ.net. Dabei sind Leser ein unendlicher Pool an Wissen und Vernetzung, die aus jeder trivialen Agenturtickermeldung einen Einstieg in eine Wissenswelt machen könnten - wenn man sie nur ließe. Amerikanischen Zeitungen beginnen wenigstens, Artikel direkt sichtbar kommentierbar zu halten, wie die Washington Post (Registrierung notwendig).

Aber eigentlich geht es auch gar nicht ums Kommentieren, sondern um sinnvolle Kollaboration. Mißverständlicherweise fürchtet man wohl vorrangig den besserwisserischen und beckmesserischen Studienrat, der die Redaktion in seiner Freizeit als Hobbyjournalist und militanter Leserbriefschreiber traktiert.

Vielleicht sollte man einfach mal in der Zusammenarbeit mit dem Leser ein wenig mehr Professionalität anstreben: Es gibt in jedem Themengebiet seriöse Stimmen, nennen wir sie Experten, die vielleicht sogar selbst publizistisch tätig sind. Sie gilt es an das eigene Angebot zu binden. Nicht unbedingt als regelmäßige Kolumnenschreiber, sondern eben nur dann, wenn es was zu sagen gibt. Das geht aber nur, wenn echte Partizipation herrscht: Inhalt gegen Aufmerksamkeit, vielleicht auch gegen Bezahlung.

Inhaltlich geht es bei der Partizipation darum, die Webangebote von Verlagen als Diskursmaschine zu etablieren, in der jeder eigene Artikel den Weg zu anderen Meinungen und Informationen eröffnet. Keine starren Pamphlete, sondern lebendige Dokumente in Arbeit, wie ein Wiki-Eintrag geschrieben und ergänzt von vielen. Eigentlich müßten sich Redaktionen mit dieser Rolle des Thementreibers doch anfreunden können. Wo ist das Problem?

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Blogger sind keine Journalisten?

Veröffentlicht am 14. Februar 2007 um 10:27 Uhr von Mark Pohlmann

Pah.

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Neu entdeckt

Veröffentlicht am 16. Januar 2007 um 16:30 Uhr von Mark Pohlmann

Wem ist das noch aufgefallen? Rainer Meyer, vulgo Don Alphonso, einst militanter Hasser auf alles, was beruflich erfolgreicher als er ist - und das sind viele - ist seit der Jahreswende so handzahm, ja fast journalistisch geworden. Ob´s einen Grund gibt?

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Ökonomie der Inhaltsobsession

Veröffentlicht am 15. Januar 2007 um 11:41 Uhr von Mark Pohlmann

Inhaltsobsession. Ein schönes Wort aus der Tastatur eines mir bis Dato vollkommen unbekannten Medientheoretikers, der von der Netzzeitung interviewt wurde (oder besser: Mit ihm gemailt wurde. Heute schreibt man Interviews per E-Mail. Wahrscheinlich wegen der Spontaneität.)

Inhaltsobssession. Gute Inhalte gibt es vielerorts, erst der von Autoren und Nutzern geschaffenen Kontext macht ihn im Internet einzigartig. Ohne Content kein Kontext. Der Wortschöpfer Geert Lovink hält nur gar nichts von Inhalten oder Obsession.

"Wenn Sie etwas von der Internetökonomie verstehen wollen, müssen Sie erstmal von Ihrer Inhaltsobsession wegkommen. Die Herstellung von Inhalten kostet gar nichts mehr"

Es geht also um die Ökonomie des Kostenlosen. Klar steckt in kollektiv gesammeltem Wissen ein Riesenpotential - doch kostenfrei erstelltes Wissen ist eben vor allem eines: Interessengelenkt. Die qualitativen Positivbeispiele lassen sich mit einer Hand abzählen. Wikipedia zeigt wie es geht, und an vielen anderen Stellen klappt es auch. Bei den Buchrezensionen von Amazon. Bei den Anbieterbewertungen von Qype. Diese Anbieter bekommen zwar kostenlosen Content von den Gastautoren, für die Aggregation und Distribution sind sie aber weiter auf Erlösströme angewiesen. Aus dem Marketing beispielsweise. Oder dem harten Abverkauf von Produkten. Oder durch Spenden wie bei Wikipedia.

Meine Gegenfrage wäre an dieser Stelle: Was ist denn wichtiger als der Inhalt? Aber weiter im Text.

"Das heißt, die Kosten sind privatisiert und unsichtbar gemacht, jetzt im Moment kommuniziere auch ich kostenfrei."

Ja klar, ist ja auch Eigenwerbung. Für die eigene Person, für das demnächst erscheinende Buch. Ich bin beeindruckt von dieser altruistischen Gesinnung, vor allem, wenn sie so zelebriert wird.

Tatsache ist: Niemand arbeitet gerne kostenlos, wobei es nicht automatisch darum geht, Geld zu verdienen. Oft viel wichtigere Motivationen sind Anerkennung, Öffentlichkeit oder einfach gegeinseitiges lernen oder Austausch. Das alles ist schon oft beschrieben, aber schon lange nicht mehr so platt ignoriert worden wie von Herrn Lovink.

"Inhalte werden zum großen Teil entweder von den alten Medien erzeugt – nehmen Sie «Spiegel»-Online - oder von einzelnen Benutzern produziert und umsonst ins Netz gestellt."
Ist ja im Prinzip richtig, nur sind Blogger keine Journalisten - ich gehe jetzt mal davon aus, daß Herr Lovink diese im Visier hatte, als er den Satz so formulierte. Was Blogger bloggen, ersetzt nie und nimmer die Medienöffentlichkeit, und soll dies meist auch nicht - mir ist auf jeden Fall kein so größenwahnisinniger Blogger bekannt, der es als unbezahlter Schreiberling mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Funktion der Spiegel-Redaktion aufnehmen möchte. Aber Blogger - und andere - definieren sich sehr wohl als Gegenöffentlichkeit, und als solche haben sie eine wichtige Funktion. Hier werden also ganz verschiedene Formen von Inhalt fröhlich auf eine Stufe gestellt, damit die restliche Argumentation flutschiger wird.
"Eine kollektive und vernetzte Herstellung von Inhalten ist Ausdruck eines sozialen Wandels, den wir Alteuropäer nun mal nicht kapieren wollen."

Einspruch, Euer Ehren. Ich kapiere das. Und Millionen andere auch. Wenn Sie meinen, daß wir's nicht kapieren, weil wir noch keine Ökonomie geschaffen haben, wäre ich bei Ihnen. Aber die interessiert sie ja sowieso nicht besonders.

Der Großteil des Wissens ist schlicht und einfach da, er kann in digitaler Form problemlos reproduziert werden.

Wie und warum jetzt, wo die Reproduktionsmittel da sind, das Wissen problemlos der Weltöffentlichkeit zugänglich wird, verrät er nicht. Irgendwie auch egal, wer wo wieviel Aufwand hatte, Wissen zu produzieren, jetzt, wo alles, selbst seine Meinung, kostenlos wird.

Ich würde an dieser Stelle mal kühn behaupten: Problemlos reproduziert werden kann nur eines: Das Allgemeinwissen der Copy & Paste-Gesellschaft. Und schon das ist dringend nötig und revolutionär, und hierfür sind Wikipedia und andere wichtige Botschafter. Wie aber nun gelangt originäres und einzigartiges Wissen durch alleinige Anwendung von Kollaboration an die Öffentlichkeit? Und wie ist dieses Phänomen dann als Internetökonomie zu verstehen? Ich bitte um Aufklärung.

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Chatten ist nicht bloggen

Veröffentlicht am 12. Januar 2007 um 12:46 Uhr von Mark Pohlmann

Katharina Borchert sucht für ihr Projekt Westeins Blogger mit Blogerfahrung und beherrscht, ganz wie in ihrem früheren Leben, auch unter der WAZ-Flagge die Kunst der Diplomatie

Und weil wir schon dazu gelernt haben: Ein Hinweis auf Ihre bisherigen Internetaktivitäten wäre natürlich hilfreich (und nein, ein schlichtes "habe meine Frau beim Chatten kennengelernt" reicht noch nicht ganz aus).

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Was StudiVZ teuer macht

Veröffentlicht am 9. Januar 2007 um 9:14 Uhr von Mark Pohlmann

Nochmal FAZ. Heute ist StudiVZ der Aufmacher des Feuilletons. Wer hätte das noch vor vier Wochen gedacht? Der Titel: Was StudiVZ teuer macht.

Nicht nur, daß der Titel online anders ausfällt. Der Artikel erklärt alles, nur nicht, warum Holtzbrinck die kolportierten 85 Mio. Euro bezahlt. Denn, so denkt sich der Feuilletonschreiber, Werbung funktioniert (noch) nicht auf StudiVZ, an Gebühren ist bei Studenten gar nicht zu denken. Sind es also vielleicht doch die Kundendaten, sprich, die Abermillionen privaten Daten über Konsum- und Freizeitinteressen?

Wohl eher nicht. Nach allem, was ich über Webmining bislang im wahren Leben gelernt habe, sind weltweit nur eine Handvoll Unternehmen in der Lage, Datenströme so intelligent zu nutzen, daß sie deswegen tatsächlich mehr Geld verdienen als mit einem schnöden TKP-Modell.

Was also dann? Der Autor Jürgen Kaube gibt seine Ratlosigkeit offen zu, wenn er behauptet: "Es klingt ein bisschen wie Erzählungen vom Neuen Markt um das Jahr 2000 herum: Wir wissen nicht, was das Produkt ist, aber die Preise steigen."

Ganz so schlimm ist es dann wohl doch nicht. Hier mal ein paar Erklärungsversuche, die sich alle auf einen Nenner bringen lassen: Investition. Und die ist immer in die Zukunft gerichtet. Und muß sich nicht immer dem erschließen, der nicht investiert. Sondern am Ende aufgehen. Und das kalkulierte Ende werden wohl eher 5 Jahre als 1 Jahr sein.

1. StudiVZ hat heute schon das Netzwerkmonopol bei den 20-25-Jährigen. Dies läßt sich in alle Richtungen ausbauen - wer sagt, daß aus StudiVZ nicht das OpenBC der nächsten Generation wird? Schließlich sinkt mit jedem neuen Kontakt die Lust, sein Netzwerk woanders nochmal neu aufzubauen. Jetzt, wo den Gründern das Ruder aus der Hand genommen ist, ist auch wieder Platz für fundierte Visionen.

2. Es ist genug Platz für gigantische Zusatzgeschäfte, von StudiVZ-Kreditkarten, StudiVZ-Handykarten bis zur StudiVZ-Berufsunfähigkeitsversicherung. Studenten haben nichts und brauchen alles.

3. Aus der einen Million Studenten rekrutiert sich schlicht die nächste Lesergeneration des Verlages.

4. Auch wenn es noch nicht läuft: Mit der klassischen Bannerwerbung kann es nur besser werden. Schließlich lebt Holtzbrinck heute schon vom Werbemarkt, die verstehen etwas davon - jedenfalls mehr als die Gründer.

5. Neue Werbeformen, sogenannte "Me-Shops" machen schon bald die Nutzer von StudiVZ u.ä. nicht mehr zu den Zielen von Werbung, sondern selbst zu Werbetreibenden. Dann sind es die StudiVZler, die selbst dafür sorgen, daß die Werbeumsätze in die Plattform spülen. Die Studenten werden geldhungrig genug sein.

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Blogs überholen Intel

Veröffentlicht am 15. Dezember 2006 um 9:36 Uhr von Mark Pohlmann

Anonyme Reichweitenabhängige versammeln sich nachts, wenn es draußen schummrig wird, bei Alexaholic. Sehr hilfreich auch für große Marken, um die eigene Attraktivität mal gegen den Rock´n Roll desInternets antreten zu lassen. Das Beispiel unten zeigt ZDnet.com, Amerikas größtes IT-Medienhaus, und die Homepage von Intel im Vergleich zu engadget, einem Tekkie-Blog, und Techcrunch, dem offiziellen Organ aller Start-ups und Wagnisfinanzierer. Letzteres hat einen Mitarbeiter, engadget rund 10.

alexaholic_inteltechcrunch.gif

Web 2.0 berührt traditionelle Branchen also bereits heute schon, zuerst und am stärksten in ihrem Marketing. Bei einigen schlagen die Konsequenzen allerdings schon auf den Umsatz durch - wie bei Medien oder Tourismus. So ist Holidaycheck zuallerst eine offene Bewertungsplattform für Hotels, bietet aber eben auch gleich die Buchung an.

Zum Chart unten: Daß tui.de im Jahr 2006 nicht mehr geklickt worden sein soll, kann ich allerdings nicht ganz glauben. Hier zeigen sich auch gleich die Grenzen dieses Tools - jedenfalls für den deutschen Markt. Mehr zu diesem Thema in einem früheren Beitrag vom Fischmarkt.

alexaholic_tuiholidaycheck.gif

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Fernsehzeit klauen

Veröffentlicht am 23. August 2006 um 11:23 Uhr von Mark Pohlmann

Ibo Evsan von Sevenload bringt es auf den Punkt:

Wenn man bedenkt, dass bei sevenload innerhalb von nur 4 Wochen über 5 Millionen Videos ausgestrahlt wurden… Bei einer Durchschnittsdauer von ca. 2 Minuten pro Video macht das zusammen knapp 10 Millionen Minuten, die wir effektiv den herkömmlichen TV-Sendern weggenommen haben. 10.000.000 Minuten. Eine interessante Vorstellung, nicht wahr?

sevenload_mindshow.gif

Web 2.0, das ist eben auch ein Kampf um die Vorherrschaft der Mediennutzung. Derzeit liegt sie bei 10 Stunden am Tag. Sie wird allerdings induziert durch eine Parallelnutzung klassischer und interaktiver Medien. Doch vergessen wir nicht: Der Konsum von Medieninhalten über das Internet verlangt eine ganz andere Aufmerksamkeit, weil ständig neue Interaktionen erforderlich sind - schließlich sind in asynchronen Medien Konsumenten mindestens auch Programmchefs, wenn nicht gleich Mit-Akteure. Das heißt: Ganz gleich, was in der Glotze nebenan läuft: Sie wird nur sporadisch wahrgenommen. Und wer starrt noch auf sieben Minuten lange Werbeblöcke, wenn man in der Zeit ein paar Kurzvideos anschauen kann? Aus einer Auswahl bei Google, YouTube, Myvideo oder Sevenload, die wahrscheinlich jetzt schon die Sendeleistung aller TV-Stationen für ein Jahr übersteigt.

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Wir brechen heute eine Lanze für turi2

Veröffentlicht am 24. Juli 2006 um 18:35 Uhr von Mark Pohlmann

Es ist an der Zeit...

.... eine Lanze für turi2 zu brechen. Denn Peter Turi und sein schon im Titel selbstreferentieller Branchendienst sind besser als anfangs gedacht.

turi2.gif

Wer oder was ist turi2?

1. Peter Turi war mal Verleger des Mediendienstes Kress Report und versuchte sich kurz nach der Jahrtausendwende daran, das Internetmagazin Net-Business zu reanimieren, nachdem die Milchstraße das Projekt genauso gegen die Wand gefahren hatte, wie die anvisierte Zielgruppe ihre Start-ups. Nach drei Ausgaben war dann glaube ich Schluß.

2. Turi2 startete offiziell am 1. April 2006 als digitale Wiedergeburt dessen, was sich Peter Turi als zeitgemäßen 1-Mann-Branchendienst vorstellt. Zur Verwirrung kam es bei mir, weil der Dienst die Unterzeile "Branchendienst für die digitale Welt" enthielt, aber anfangs selten bis gar nicht über die digitale Welt schrieb, sondern stattdessen Tittenbilder aus dem Playboy brachte, über die Attraktivität der Pressechefin von Bertelsmann Jasmine Bohan philosophierte und sogar SAP für spannender als das hielt, was online passiert.

Aber, erstens versteht Turi etwas von dem, worüber er schreibt. (Vom Fauxpas zu Burdas Bloggerambitionen einmal abgesehen. Und bei seinen Zotenthemen will ich es gar nicht wissen). Und zweitens kann er Dinge auf den Punkt bringen. Und drittens entwickelt er sich tatsächlich mit Riesenschritten auf die Online-Welt zu.

Denn trotz dem "Ich-schreib-hier-mal-hinter-jeden-Begriff-eine-2"-Wahn (dem auch der Themenblog stellenweise erliegt) - turi2 ist heute erstaunlicherweise die tatsächlich einzige Site, die zuverlässig jeden Tag wieder alles Wichtige aus der Schnittstelle zwischen Print und Online zusammenstellt, dabei kleinteilig genug ist und hie und da interessante Namen vorstellt und insgesamt nicht langweilig wird.

Da nimmt einer seinen Job ernst und geht den harten Weg. Was soll ich sagen? Ich lese Turi mittlerweile richtig gerne.

Wer sollte ihn sonst noch lesen?

Im Prinzip ist Turi immer noch ein Ex-Printer, der vor allem für Noch-Printer schreibt.

Ursprünglich mal am liebsten über die große Welt von Burda oder Bertelsmann, über Herren in grauen Anzügen und klangvollen Namen wie Döpfner, Keese, Thielen oder Mohn. Aber wie gesagt, er bessert sich.

Was nervt an Turi2. Wirklich nervt.

So billig kommt er mir natürlich nicht davon. Lieber Herr Turi, was Sie dringend ändern sollten:

- Ihre Nibelungentreue zu Playboy aufgeben.
- Kochrezepte bitte im Kochblog belassen.
- So unverhohlen für Ihren Hoster werben. Das riecht gewaltig nach Provision oder Affiliate.
- Sie werden kein zweiter Myspace - Ihre Blog-Leiste mit "Freunden" finde ich unpassend.
- dieses ständige Verweise auf die Kress-Köpfe-Datenbank. Ich weiß, die eigenen Projekte kann man schwer loslassen. Aber was Kress-Köpfe gestern waren, ist heute OpenBC!
- Und herrje, ja, "Chiara Fiori ist eine junge, hübsche Frau". Aber das muß man doch nicht DREIMAL auf einer Seite wiederholen. Das ist ja schon manisch!

In diesem Sinne wünsche ich Peter Turi viel Erfolg. Und irgendwann auch mal die Reichweiten, die einen vor sich selbst legitmieren, soviel Zeit (und Geld) in ein Projekt wie dieses zu investieren.

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Skype-TV

Veröffentlicht am 12. Juli 2006 um 11:58 Uhr von Mark Pohlmann

skype_tv.jpg

Dieser Packshot wird noch Karriere machen. Als Killer der IP-TV-Distributionsträume von Providern und Sendern. Der kleine, rund 60 Euro teure USB-Stick überträgt TV via Skype an jeden beliebigen anderen Skype-Nutzer. Weltweit. Kostenlos. (Via engadget.com)

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Wie Verlage denken: Pointoo

Veröffentlicht am 27. Juni 2006 um 10:21 Uhr von Mark Pohlmann

pointoo.gif Wir haben gelernt: Zeitungsverlage sehen ihr Geschäftsmodell durch die Selbstorganisation der Nutzer bedroht. Und sowieso erwartet die Welt nach der MySpace-Murdoch-Aktion eine Springflut aufsehenerregender Übernahmen und Neugründungen in Sachen Web 2.0 Nicht zuletzt deswegen hat die Verlagsgruppe Holtzbrinck ein eigenes E-Lab ins Leben gerufen (über das so gut wie gar nichts in Erfahrung zu bringen ist). Und jetzt purzeln die fertigen Produkte in kurzer Schlagzahl fröhlich ans Licht.

Nach blog.handelsblatt, kiwoo und Germanblogs nun also Pointoo. Was Pointoo sein will, ist im Pointoo-Blog und bei Alexander Hüsing zu lesen - oder bei ElviraZwei:

Pointoo ist ein universelles Tool zur Generierung, Verwaltung und Nutzung von selbsterstellten georeferenzierten Inhalten und stammt aus dem Hause Holtzbrinck eLab. Der Nutzer findet im Webservice Web 2.0-Elemente (Mash-Up Google Map, Empfehlungs- und Austauschfunktionen etc.). Über die Handy-Applikation Pointoo Mobile kann man einen persönlichen Ort Geo-Taggen. Die Ortung via GSM-Zellinfo oder GPS-Empfänger ist kostenlos. Zusätzlich ist eine Umkreissuche im eigenen Account oder über gesamt Pointoo nach Stichworten („Tags“) und / oder Namen möglich. Schnittstellen zu mobilen Navigationsanbietern (TomTom, Navigon, Medion etc.) sind natürlich mit an Bord.

Hmmm. Jetzt mal ehrlich: Versteht das jemand? Vermutlich geht es um einen Mix aus Plazes und Qype und darum, sich persönliche Stadtpläne zu basteln, um sie dann wie Fußballer-Bildchen mit anderen zu tauschen. Eine nette Idee, aber offensichtlich auch kompliziert umzusetzen.

Am wahrscheinlichsten ist, daß Holtzbrinck einfach ausprobiert. Gratulation dazu, das ist sowieso der einzig fruchtbare Weg. Aber glaubt man in Verlagen wie Holtzbrinck wirklich, auf Märkten, auf denen bereits interessante Anwendungen existieren, sinnvolle Alternativen zu schaffen, die sich durchsetzen? Wir erinnern uns hier an das Start-up Mantra: "Mache etwas nur, wenn du überzeugt bist, es zehmal besser als Yahoo und Google zu machen". Und das, mit Verlaub, ist den Verlagen in den ersten zehn Jahren des Internets noch nicht gelungen (ich lasse mich an dieser Stelle gerne eines besseren belehren).

Sehnlichst wartet die Welt warte ich stattdessen auf Antworten auf die ureigenen Verlagsprobleme: Wie löst ihr das Wegbrechen des Kleinanzeigenmarktes durch Ebay? Was ist mit dem oft versprochenen Dialog mit den Lesern? Mit Citizen-Journalism? Wie soll die Effizienz und Meßbarkeit von Offline-Werbung mittelfristig gegen Online-Werbung bestehen? Was ist mit Paid Content? Medienkonvergenz? Interaktivem Fernsehen? Wie sammelt ihr eure atomisierten Zielgruppen ein?

Pointoo löst euer Problem einfach nicht.

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Wegners Thesen zum Journalismus

Veröffentlicht am 14. Juni 2006 um 16:38 Uhr von Mark Pohlmann

Peter Turi veröffentlicht die Thesen von Jochen Wegner, Chefredakteur von Focus Online als Warm-up für ein noch zu führendes Interview. (Heute um 18.00 Uhr sagt er. Ob es ein Live-Interview ist? Ob er sich damit gegen die WM wird durchsetzen können?)

1. Die Zukunft des Journalismus wird an seinen Rändern erfunden.
2. Die Grenzen zwischen Mediennutzern und -Produzenten verschwinden.
3. Die Produktionskosten von Medien sind nicht mehr die entscheidende Hürde.
4. Die Menge an Talent ist unendlich.
5. Die Menge an Aufmerksamkeit ist endlich.
6. Was guter Content ist, entzieht sich einer klassischen statischen Definition - Mediennutzer und -Produzenten handeln dies in einem ständigen Dialog aus.
7. Guter Content findet seinen Markt.
8. Medien sind der Kristallisationskeim von Gemeinschaften.
9. Der Bedarf an Qualitätsjournalismus wird wachsen.
10. Qualitätsjournalismus wird zunehmend direkt durch Unternehmen finanziert.

Lesen sich weder visionär noch provokant, sonden ein wenig wie die Einführung zum Proseminar "Gesellschaft. Medien. Mediengesellschaft". Und der Punkt 10 bestätigt einen ganz alten Verdacht von mir: Die wenigsten Journalisten begreifen akzeptieren, daß sie dafür bezahlt werden, die Rückseiten von Werbung vollzuschreiben. Ein passendes Zitat, das ich Ex-RTL-Chef Helmuth Thoma zuschreibe: "Die Werbung ist das Programm". Von daher laufen auch die meisten Erregungsversuche von Journalisten über die Einfllußnahme der PR ins Leere. Sie ist faktisch vorhanden. Es geht jetzt um den richtigen, sprich offenen, Umgang mit ihr.

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Burda und die Blogs II

Veröffentlicht am 31. Mai 2006 um 12:09 Uhr von Mark Pohlmann

Was bisher geschah: Peter Turi hat eine Zusammenfassung der gestrigen Burda-Bilanzpressekonferenz geschrieben und reißerisch mit "Bye-Bye-Blogs" getitelt. Die "Überraschung aus München": sind Blogs nicht mehr das heißeste Thema. Diese Erkenntnis nahm ich zum Anlaß für untenstehenden Artikel (den ich soeben um das Wort "Branchengerücht" erweitert habe).

Was vielleicht besser gewesen wäre: Mal mit Heiko Hebig zu sprechen, der in ebenjener Burda-Einheit wirkt und zu den bekanntesten Bloggern Deutschlands zählt (und Referent der Next10Years war).

Er wies mich darauf hin, daß auf der PK nirgends ein schlechtes Wort über Blogs gefallen sei. Im Gegenteil, an vielen Stellen im Hause Burda seien neue Projekte in Arbeit. "Burda experimentiert mit allen Internettechnologien. Dazu gehören Blogs genauso wie Podcasting oder Internet-TV. Ein weiteres hinzuzunehmen, heißt doch noch lange nicht, bestehende fallenzulassen", so Heiko in unserem Gespräch. Für ihn ist es rätselhaft, wie Turi zu seiner Einschätzung kommt: "Der Titel faßt wunderbar zusammen, was der Text nicht hergibt".

Und dann wies er mich noch auf einen wirklich wichtigen Punkt hin: Daß Experimentieren auch heißt, aus Erfahrungen lernen zu dürfen, Konzepte aktualisieren zu können. Genau das ist es, was den meisten Unternehmen in Deutschland fehlt, und was Burda tatsächlich vorlebt.

Bevor wir bloggenden "Medienexperten" die zarten Pflänzchen wieder totdiskutieren, sollten wir vielleicht wirklich abwarten, was kommt aus dem Hause Burda. Und daß noch einiges kommt, hat Heiko äußerst glaubhaft versichert.

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Branchengerücht: Burda verliert Lust an Blogs

Veröffentlicht am 31. Mai 2006 um 10:31 Uhr von Mark Pohlmann

Burda will Auguren zufolge (meiner in diesem Fall: Turi2. Lesen!) nach ersten Erfahrungen mit den Focus-Blogs wohl doch keine weiteren Hobbyjournalisten-Abenteuer und sich stattdessen auf Internet-TV konzentrieren. "Es komme nicht darauf an, neue, eigene Blogs aufzulegen, sondern den Verlags-Content mit der Community zu vernetzen", zitiert Peter Turi seine ungenannte Burda-Quelle.

Eine schöne, wahre Erkenntnis. Es zeigt sich mal wieder: Senden macht Verlagen einfach mehr Spaß als Dialog. Und das mit dem Vernetzen kriegen sie bei Burda auch noch hin. Irgendwie.

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Die Zukunft der Zeitung

Veröffentlicht am 30. Mai 2006 um 12:27 Uhr von Mark Pohlmann

Zeitungen befinden sich in einem Mehrfrontenkrieg. Die Druckkosten steigen, die Werbeeinnahmen sinken, die Leserschaft altert. Jüngere interessieren sich mehr für Handies und iPOD statt für die Märkische Allgemeine, und das Internet ist aktueller, billiger und vielfältiger. Zudem helfen die Verlage mit ihren Internetauftritten kräftig mit, sich selbst mit kostenlosen Online-Ausgaben zu kannibalisieren, deren Artikel oft genug mit den gedruckten identisch sind. Nicht zu vergessen fällt es der Printanzeige immer schwerer, ihre Wirksamkeit im Vergleich zu digitalen Anzeigen zu beweisen. Kurzum: Die Frage, wie schnell sich Zeitungen vom Trägermedium Papier lösen, ist eine existenzielle.

Im Mittelpunkt steht derzeit die Herausforderung, die Geschäftsmodelle zu transformieren. Derzeit sehen die Verlage ihr Heil vor allem in der Ausdehnung der Marke auf andere Produktsegmente, wie es die SZ Mediathek oder die Volksartikel der Bild vormachen.

Andere diversifizieren, zum Beispiel mit Workshops. Die Washingten Post, berichtete die FAZ gestern, verdient mehr Geld mir ihrer Tochtergesellschaft Kaplan als mit der Zeitung. Kaplan bietet Kurse und Bücher für die Zugangstests zu US-Hochschulen an. Mir kommt der IDG-Verlag in den Sinn, der zu seinem kostenlosen IT-Magazin CIO dutzende Workshops, Kongresse und Events anbietet und so den Leserstamm über Umwege monetarisiert.

Der FAZ-Artikel (bislang nur Print) verweist auf einen amerikanischen Kongress der Zeitungsverleger zu ihrer eigenen Zukunft, bei dem, symptomatisch genug, auch Bill Gates zugegen war, der eine neue Generation Zeitungslesesoftware vorstellte, mit der die Lesbarkeit der Zeitung mit der Interaktivität des Webs verknüpft werden soll. Was allerdings von der Fähigkeit der DRM-Wächter dieser Welt zu halten ist, etwas so sinnvolles wie eine digitale Zeitung zu schaffen, hat Martin Recke plastisch auf Fischmarkt beschrieben.

Alle starren sie auf das Internet. Auf Blogs. Auf Communities. Auf reine Webzeitungen. Sorge machen "disruptive Innovationen" wie das Breitband, die das Leseverhalten ändern und Spezialangebote, die die Leser "pflücken", mit News, Wetterdiensten, Partnervermittlung, Börsenkursen. Jedesmal wird die Substanz der Zeitung erschüttert.

Mit dem Projekt "Newspaper Next" wollen die Zeitungen endlich das Gespräch mit den Lesern suchen. Wie wichtig dieser Dialog ist, zeigt sich nicht zuletzt in Katastrophen wie den Londoner U-Bahn-Anschlägen. Hier wurden aus Lesern "City-Journalism", die per Handy-Videos und Blog-Einträgen ein sehr schnelles und differenziertes Bild von der Situation an den einzelnen Orten der Anschläge liefern konnten. Stoff, der nur allzugerne von den Profi-Journalisten übernommen wurde.

Was Newspaper Next genau sein soll, steht wohl noch in den Sternen. Wichtig an dem Projekt ist, daß sich an diesem Projekt 25 große und kleine Verlage, viele direkte Konkurrenten, beteiligen. "Überall wo ich hinkomme, ist die Situation ähnlich" sagt Steven Gray, Leiter des Projektes. "Sie sagen: Wir müssen etwas tun, und zwar jetzt", schreibt die FAZ.

Gray macht sich keine Illusionen über die kulturellen Probleme, die im Weg liegen. Wegen der Kleinenzeigenerfahrung hätten Verlage beispielsweise etwas wie eBay gründen können. Auf eine kostenlose Zeitung sei auch noch niemand gekommen.

Die von den US-Verlagen angewendete Strategie ist so einfach wie zwingend: Newspaper Next hilft den Verlagen, sich in neuen Märkten und Verfahren auszuprobieren, ohne sich in einem Alleingang zu verzetteln. Einzige Erkenntnis bislang: Ohne das Internet hat es die Zeitung schwer.

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Wahres vom Verleger

Veröffentlicht am 10. Mai 2006 um 17:53 Uhr von Mark Pohlmann

Mal wieder ein "unbedingt lesen" zu einem FAZ-Interview. Diesmal: Bernd Kundrun, Vorstand von Gruner+Jahr.

Es ist doch interessant zu beobachten, daß Internetunternehmen und Website-Betreiber zunehmend darüber nachdenken, selbst eine Zeitschrift herauszugeben. Offensichtlich ersetzt das Internet die Zeitschrift nicht, sondern beide ergänzen sich hervorragend. Ich glaube an diese Symbiose, vorausgesetzt, die Zeitschriftenmacher ändern ihren Modus operandi - weg vom Ex-cathedra-Journalismus, hin zu einem Dialog mit dem Leser.

Und es ist interessant, daß auch die Verleger kein Erkenntnis- sehr wohl aber ein Umsetzungsproblem plagt. Man hört eigentlich viel Intelligentes von den Vordenkenern der Medienwelt. Nur, es ist nichts zu sehen. Und, mit Verlaub, Neon hat das Problem seiner Existenzberechtigung durch ein User-Forum noch nicht gelöst. Zugegen sind sie damit aber Meilen weiter als alle anderen.

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Turis Branchendienst für die digitale Welt

Veröffentlicht am 29. März 2006 um 17:30 Uhr von Mark Pohlmann

Peter Turi, ehemaliger Verleger von Kress Report und NetBusiness (Konkursmasse der Milchstraße) startet am 1. April das Weblog turi2.de. Der "Branchendienst für die digitale Welt" will täglich Unternehmer und Macher über die neuesten Trends informieren.

„Wir wollen, dass die besten Köpfe der Branche ihre Ideen auf diesen offenen Marktplatz tragen und sich via Internet mit der kritischen Öffentlichkeit vernetzen. Gemäß der Web2.0-Philosophie der offenen Schnittstellen sind wir offen für Kooperationen mit Medienunternehmen und anderen Marktteilnehmern"

Aha. Die eigenen Ideen auf den Marktplatz tragen. Also kein Branchendienst, sondern ein "Portal für Selbstdarsteller", oder wie? Zu sehen ist derweil lediglich eine Branchendienstsimulation ohne jegliche News, dafür mit üppigen Einblicken in die Bildsprache des Playboy oder ein Beitrag über Bertelsmann (!). Getreu dem Motto "Journalismus könnte so schön sein, wenn nur die Recherche nicht wäre".

Ja, ich weiß, man soll nicht alles niederschreiben, bevor es begonnen hat. Deswegen lege ich das Turi-Projekt mal auf Wiedervorlage.

Nachtrag vom 31. März 2006
Der Dienst scheint in Gang zu kommen, heute weist Peter Turi auf den dramatischen Auflagenschwund von Capital hin. Dennoch scheint mir irgendwie ein Mißverständnis vorzuliegen. Ein "Branchendienst für die digitale Welt" heißt für mich: hier geht es um die digitale Welt. Die digitale (Medien-)Welt fängt bei Verlagsangeboten wie Bild.T-Online und Spiegel Online & Co. an, geht bei den Speerspitzen der neuen Medienszene, wie Bildblog oder Engadget weiter und kommt irgendwann in den Blogger- und Forendschungel. Hier scheint sich Turi vorerst nicht hineinzutrauen. Turis Leitgedanke für seinen "digitalen Branchendienst" ist wohl eher, eine Plattform für Branchenprofis und Gerüchtegeber aus der alten Medienwelt in der neuen aufzubauen. Das ist nicht minder ehrenwert, aber nicht das, was seine Unterzeile suggeriert. Trotzdem an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Peter Turi für seinen Mut, etwas Neues zu schaffen. Und der Internetwelt drücke ich die Daumen, daß sie tatsächlich bald den ersten Branchendienst bekommt, der hält, was er verspricht.

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"Nachricht ist das, was die Leute denken"

Veröffentlicht am 8. März 2006 um 11:22 Uhr von

Ohmynews_3

 

Die FAZ berichtet über ein Londoner Treffen der "Online Publisher Association." Zwei Passagen seien hervorgehoben:

Journalisten, meint Tim Glocer, Geschäftsführer von reuters, behielten ihre angestammte Rolle als „Filter und Herausgeber”, nur seien sie auch „Vermittler von Handwerkszeug” und „Seeder of Clouds” (Regenmacher), was soviel heißen soll, daß sie Licht ins Dunkel oder den Nebel bringen, den das Internet bei aller Primärinformationsleistung verbreitet. Dafür müsse man noch schneller und besser als die User sein.

In dieser Aussage immerhin steckt das, was die Medien unausgesprochen am meisten ängstigt: Daß der kollektive Sinn für ihren Mehrwert verloren gehen könnte, wenn sich erst einmal Peer-to-Peer-Kommunikation durchsetzen sollte. Daß das keine Utopie ist, zeigt der koreanische Dienst OhmyNews.com.

OhmyNews basiert auf den Beiträgen von 40.000 lokalen „Citizen Reporters” und weiteren 600 internationale. Fünfzig festangestellte Reporter sortieren die Infoflut. Bei OhmyNews ist Nachricht das, „was die Leute denken”.

Die Sortierfunktion ist bislang sicher gut in den Händen professioneller Journalisten aufgehoben. Google News aber zeigt, daß Algorithmen ein heute schon brauchbares Substitut sind. Aus medialer Sicht hat Peer-to-Peer fatale Folgen. 40.000 Autoren schreiben nicht tausendfach über dieselben Themen, sondern über die eigenen. Im globalen Internet wird die Welt wieder zum Dorf.

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Hohn und Spott für Premiere

Veröffentlicht am 22. Dezember 2005 um 11:46 Uhr von

Fussi_2 Jaaa, das Bezahlfernsehen allgemein und Premiere ganz direkt sind die Verlierer der Woche. Das Medienurteil ist einstimmig. Gewinner ist "der Fan". Denn er bekommt Fussi im "Free TV". Die journalistische, vor allem gegen den Selbstvermarkter Kofler gerichtete Häme zeigt, a) wie emotional Medien die Materie, die sie nur vermitteln sollen, behandeln und b) eine wirtschaftliche Verweigerungshaltung. Anders als die ARD hat Premiere nach bekunden der DFL das bessere und damit das einzig wirtschaftlich funktionierende Angebot gemacht. Die 100 Mio. Euro, die die ARD jährlich zahlt, werden nur zur Hälfte durch Werbung gegenfinanziert. Den Rest schießen die Gebührenzahler nach, egal, ob sie Bundesliga-Fußball sehen oder nicht. Wir haben also eine Fußball-Flatrate bekommen. Daß staatliche Intervention freie Märkte kaputtmacht, an denen nebenbei bemerkt allein 1.600 Arbeitsplätze bei Premiere hängen, ist der hiesige Regelfall. Und wird, wie gesagt, von den Medien noch zelebriert. Daß hierbei wenigstens gleich die europäische Wettbewerbsfähigkeit flöten geht, merkt immerhin noch Der Spiegel an.

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Kommunikationskongreß: Anmerkungen eines Unbeteiligten

Veröffentlicht am 27. September 2005 um 18:26 Uhr von

Der umtriebige Pressesprecherverband ist derzeit in Sachen Eigenvermarktung von Verbänden das Maß aller Dinge. Nicht nur, daß wohl 1.700 Experten teilnahmen; auf der Referentenliste findet sich die gesamte selbsternannte Kommunikationselite dieses Landes. (Vor allem die Keynote von Paul Kirchhof hätte ein ganz großes Ding werden können, wenn...)

Als Nicht-Teilnehmer am meisten überrascht hat mich a) die bloße Existenz und b) die Qualität der Live-Übertragung im Internet. Da Programm, Ton und Bilder sehr gut waren, habe ich neben meiner Arbeit zwei Tage lang den Kongreß an meinem PC verfolgen können. Gratulation und Dankeschön hierfür - ich habe den Glauben an Live-Streamings über das Internet wiedergefunden.

Zum Inhaltlichen nur kurze Anmerkungen: Die von mir verfolgen Vorträge waren gut, die Diskussionsrunden weniger spannend. Generell lästig war die Selbstreferenatialität der Akteure. Pressesprecher geben sich gegenseitig Auskunft, wie ihr Job so ist. Einige nahmen die Chance wahr, sich selbst in ihrer Virtuosität zu bestätigen. Legende sind eingespielte Interviews von sich selbst mit dem Fernsehen. Toll.

Ein Redakteur eines Marketing-Fachblattes erzählte von einem Panel mit dem Sprecher eines Touristentransportunternehmens, der süffisant seine PR-Praktiken ausbreitete: Dieser bringe das Anzeigenvolumen seines Unternehmens in die Gespräche mit der Redaktion ein und rühme sich, Chefredakteure von dieser Argumentation überzeugt zu haben. Das Publikum feixte angeblich. Warum wurde mit solchen Taten geprahlt, statt sie auf die Agenda zu setzen? Stattdessen durften die Teilnehmer über die Frage "Dürfen Pressesprecher lügen" sinnieren. Großer Tenor: Nein, aber...

Interessanter waren da die Ergebnisse der Studie über das Wesen des Pressesprechers. Vor allem zwei Zahlen haben es mir angetan: 93 Prozent sagen von sich selbst, sie hätten ein gutes Verhältnis zu Journalisten. Dies konnten in einer früheren Studie aber nur 5 Prozent der Redakteure bestätigen. Und auch das kam heraus: PRler leiden am meisten unter der mangelnden Fachkompetenzder Journalisten. Daß in der Besserung dieses Zustandes eine ihrer Hauptaufgaben liegen könnte, wurde offenbar nicht thematisiert.

Womit wir bei der kleinen Bilanz des Unbeteiligten angelangt sind. Zu sehen war ein Berufsstand in seine vollen Reife, vielleicht schön späten Blüte. Wie die kommenden Probleme und Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeiter zu meistern sind, habe ich hier nicht erfahren. Aber das wäre wohl auch ein bißchen viel verlangt - schließlich sind Kongresse wie dieser vor allem zum Networken da.

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Leitmedium

Veröffentlicht am 18. August 2005 um 21:02 Uhr von

Die Vorstellung, daß das Fernsehen als Leitmedium verbraucht ist, gefällt mir zunehmend.

Ich schließe mich an.

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Schmidts Antwort auf Jamba heißt iTunes

Veröffentlicht am 16. August 2005 um 10:56 Uhr von

Itunes_schmidtWas dem Halbwüchsigen das Handybimmeln, ist dem Papi sein Harald Schmidt: heilig. Ab heute gibt es jede Woche exklusiv im iTunes Music Store einen aktuellen Kommentar zum Download - elf Minuten für 99 Cent.

Damit ist Schmidt der erste Promi, der einen Online-Shop zum Arbeitgeber hat. Ist Podcasting jetzt wirklich die Zukunft - nur weil mit ihm Dinge kostenpflichtig werden, die es woanders frei verfügbar gibt? Mal sehen, ob seine Fans genauso ticken wie die Generation Klingelton.

Vielleicht entsteht mit Podcasting ja eine neue Generation Promi. Die "Selbstvermarkteten", die bei myspace.com ihre Fan-Site betreiben und bei Erfolg von iTunes verlegt werden. Es wäre großartig, denn das würde das Ende bedeuten vom oligarchischen "Wir senden, bis es euch gefällt" und die Wiederentdeckung der Mediendemokratie mit den Mitteln des Internets. Insofern: Danke, Harald Schmidt.

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Fernsehen von unten

Veröffentlicht am 3. August 2005 um 14:51 Uhr von

Currenttv

Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore hat ein interessentes Medienexperiment gestartet: Der Kabelsender Current.tv sendet zu einem guten Teil von Zuschauern eingeschickte Beiträge Videoclips. Der Rest ist eine Mischung zwischen MTV und CNN. Warum nicht im Internet? Current.tv erklärt die Medienwahl bestechend überzeugend: Zum heutigen Zeitpunkt ist das Fernsehen einfach das größte Massenmedium. Große Hoffnung auf eine Medienrevolution indes kann man sich wohl nicht machen. "In Deutschland startete bereits 2002 ein TV-Sender, der auf Interaktivität mit den Nutzern und Videokorrespondenten mit Digitalkameras setzte - heute ist "VivaPlus" vor allem eine Plattform für Chats und Spiele per SMS", schreibt tagesthemen.de zum Thema.

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Die ewige Werbepause

Veröffentlicht am 25. Juli 2005 um 17:00 Uhr von

Mercedes_aguileraZur freundlichen Kenntnisnahme die Zeit-gerechte Aufarbeitung eines der spannendsten Medienthemen unserer Zeit: Globale Unternehmen verschmelzen ihre Marken mit der Popkultur. Sie revolutionieren die Werbung, die Medienindustrie - und das Kulturschaffen selbst. Mit einem Zitat meinerseits irgendwo in den Weiten dieses Textes.

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