Hören ist zu langsam

Veröffentlicht am 4. Oktober 2008 um 12:10 Uhr von Mark Pohlmann

Kathrin Passig hat recht: Informationen zuzuhören ist viel langsamer, als sie lesen zu können. #Ode_an_den_Text

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Google News verursacht Kurssturz bei United Airlines

Veröffentlicht am 19. September 2008 um 19:04 Uhr von Anna Friedrich

Die Macht des Internetgiganten Google wirkt sich sogar auf die Marktkapitalisierung von Unternehmen aus. Letzte Woche vermeldete der Newsservice "Google News" den Konkurs von United Airlines - dass die Meldung schon sechs Jahre alt war, wusste zu diesem Zeitpunkt Niemand, zumindest nicht der Chicago Tribune.

Als Reaktion auf diese Konkursmeldung veröffentlichte die Onlineausgabe der Tageszeitung Sun Sentinel einen Artikel - mit verheerenden Auswirkungen. Die Aktie der United Airlines fiel innerhalb von 12 Minuten um 75 Prozent von von 12 auf 4,05 US-Dollar, mehr als eine Milliarde Dollar (!) wurden vernichtet. Und das alles wegen einer Falschmeldung. Denn der Airlinebetreiber hatte keineswegs Konkurs angemeldet. Die Meldung von vor sechs Jahren wurde versehentlich von einem Google-Computerprogramm als neu ausgegeben.

Nachdem der Fehler aufgefallen war, entfernte der Chicago Tribune den Artikel sofort von seiner Seite und entschuldigte sich in einem Pressestatement:

A Chicago Tribune story written in December 2002 regarding the United Airlines bankruptcy filing that year was apparently picked up by an investment advisory and research firm and republished as though it was current, (...) The story was located in the archive section of the Web site of the Sun Sentinel in South Florida. The story contains information that would clearly lead a reader to the conclusion that it was related to events in 2002. In addition, the comments posted along with the story are dated 2002.

Bei der Schuldfrage geht es nicht darum, wer versagt hat. Klar war es ein Fehler, die Konkursmitteilung und darauf aufbauend den Kurssturz nicht näher zu analysieren. Zwischen der Tribune-Gruppe und Google ist ein Streit entfacht. Ein Sprecher von Tribune spricht von der "Unfähigkeit des automatischen Google-Systems" spricht und macht Google für das Auftauchen der Falsch-Nachricht verantwortlich. Google wiederum spielt den Ball zurück und behauptet gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass der Artikel eindeutig datiert gewesen sei, da er sonst nicht in das Nachrichtenangebot aufgenommen worden wäre.

Aber, das Problem ist doch ein ganz anderes. Nämlich, wer macht die News? Mensch oder Maschine? Thomas Schuler von der Süddeutschen Zeitung schreibt hierzu:


Niemand kontrollierte und hinterfragte die Aktualisierung. Die Aktie wurde für einige Stunden aus dem Handel genommen. Bis zum Abend war sie stabilisiert, die Börsenaufsicht SEC kündigte eine Untersuchung an. Damit schien das Problem an der Börse geregelt, nicht aber das Problem des Journalismus.

Woher also nehmen wir die News? Wem schenken wir größeres Vertrauen?

Google News ist nicht verlässlich, weil ein mathematischer Suchalgorithmus fehlbar ist. Ausserdem ist das, was Google uns präsentiert, Mainstream. Bloß, weil es die vielgelesenen Artikel zum Thema sind, kann man nicht darauf vertrauen, dass die Informationen richtig oder wahr sind. Oder sollen wir in diesem Fall der Schwarmintelligenz vertrauen?

Journalisten recherchieren häufig nicht gründlich genug. Das liegt sicherlich auch am Zeitdruck - denn Zeitungen müssen Kosten einsparen. Dass Irren menschlich ist, wissen wir bereits seit Homer. Und der Fall von United Airlines hat die Auswirkungen von "blinder" Akzeptanz der klassichen Nachrichtenberichterstattung einmal mehr unter Beweis gestellt.

In einem Interview mit der SZ nahm John Lloyd, Medienexperte und Direktor am Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford Universität Stellung zum Verhältnis von Journalisten zu Google News:

Google News" ist derzeit eher unser Feind als Verbündeter. Und zwar weil dort Nachrichten nicht selbst produziert, sondern einfach Anderen weggenommen werden. Dadurch wird die Anziehungskraft derer geschwächt, die fürs Nachrichtensammeln bezahlen müssen. Die stellen Google unfreiwillig ihre Ressourcen zur Verfügung und bekommen nichts zurück.

Immerhin scheint sogar Google selbst sich Sorgen zu machen - spätestens nach der provkanten Veröffentlichung von Nicolas Carr "Is Google making us Stupid?". Auf einer Konferenz äußerte sich Google-CEO Eric E. Schmidt kürzlich skeptisch gegenüber der Zukunft des Journalismus. Er befürchtet, dass investigativer Journalismus ausstirbt und zwar zusammen mit der Zeitungsindustrie, die einst ihr Verfechter war. Gegenüber der New York Times sagte er, dass Google von qualitativ hochwertigen Inhalten lebt - womit er ja auch recht hat.

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Im Informationsdschungel des Netzes geht die Aufmerksamkeit verloren

Veröffentlicht am 23. Juli 2008 um 14:40 Uhr von Anna Friedrich

Das Internet hat ein Aufmerksamkeitsproblem, so Norbert Bolz gestern in einem Interview mit dem Branchenfernsehen turi2.tv. Deshalb glaubt der Professor der Medienwirtschaft auch nicht daran, dass das Web Printmedien ersetzen wird. Im Gegenteil werden Zeitungen & Co. die Nische für seriöse, anspruchsvolle Medien weiterhin für sich beanspruchen können:

Es wird zu einem Zusammenspiel zwischen internetbasierten Medien und klassischen Printmedien kommen. (...) Der Genuss, den die morgendliche Zeitung bereitet, ist einer, den man nicht gegen Online-Angebote aufrechnen sollte.

Steve Rubel stellt Überlegungen an, die eher gegen rosige Aussichten der Printbranche sprechen: v.a. aus ökologischen Gründen glaubt er, dass sich immer mehr Nutzer sich für Online-Medien entscheiden werden. Nicht umsonst bemühen sich die großen Blätter verstärkt darum, Web 2.0-fähig zu sein.

Trotzdem liefert das Netz zu viele Informationen, die den Nutzer überfordern können. Und sie können die Produktivität senken, wenn man sich als Süchtiger nur noch in Sozialen Netzwerken und Co. "herumtreibt". Das Filtern von relevanten Informationen im Datenjungel ist für die Meisten ein Ding der Unmöglichkeit.

Versucht man, sich auf die Informationsflut voll und ganz einzulassen, so kann man unter Umständen unnötig seine Zeit verbummeln. Nina Simon illustriert treffend, was in einer Web 2.0-Woche realisierbar ist - abhängig davon, wie viel Zeit Einem zur Verfügung steht. Um im Netz "verrückt" zu werden, braucht man demnach lange:

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Aus Norbert Bolz' Sicht stehen Printmedien nicht in Konkurrenz mit dem Internet: aufgrund der unterschiedlichen Formate finde kein Kanibalismus statt. Denn Massenmedien, so der Medienwissenschaftler, können keine Aufmerksamkeit produzieren. Er fordert deshalb:

Online muss ein Appetizer für die Zeitung sein. (...) Die Bequemlichkeit der Lektüre einer gedruckten Zeitung ist durch nichts zu ersetzen.

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Kollektiv der Rückgratlosen

Veröffentlicht am 11. Juli 2008 um 20:38 Uhr von Mark Pohlmann

Dringende Leseempfehlung! Der Ex-MAX-Chefredakteur Christian Krug rechnet im Spiegel mit dem Modejournalismus ab.

Modejournalismus ist eine absurde Medienart, die mit kritischer Unabhängigkeit so viel gemein hat wie Rudis Reste Rampe mit Prada. Der Zirkus wird dominiert von einer Handvoll Konzerne, die sich der Macht ihrer Werbemillionen durchaus bewusst sind. Weiterlesen....

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Journalisten schreiben voneinander ab

Veröffentlicht am 24. Juni 2008 um 9:46 Uhr von Mark Pohlmann

Wie war das nochmal? Blogger sind keine Journalisten? Stimmt. Aber Journalisten arbeiten zunehmend wie Blogger, denn sie nutzen zu oft Sekundärquellen, sprich: das Internet. Und hier sind es dann wieder die alten Bekannten: Andere Medien. Und Google. Haben wir es nicht immer schon gewußt? Jetzt weiß es auch eine Studie der Landesanstalt für Medien NRW.

Journalisten greifen bei ihrer Recherche im Netz vornehmlich auf andere journalistische Erzeugnisse zurück anstatt auf Primärquellen wie etwa Websites von politischen, wissenschaftlichen oder kulturellen Einrichtungen. Eine Überprüfung von Online-Quellen findet nur selten statt.

Google kanalisiert bei professionellen Kommunikatoren die Aufmerksamkeit.

Das Telefon ist nach wie vor das wichtigste Rechercheinstrument der Journalisten. Doch gerade bei der Ermittlung von Zusatzquellen - wenn Journalisten also das auf ihren Schreibtisch eingehende Material erweitern wollen - kommen die Suchmaschinen im Internet zum Einsatz. Und hier dominiert auch bei den Medienschaffenden eindeutig Google den Markt. Wer bei Google beispielsweise zu einem aktuellen journalistischen Thema als Experte unter den ersten zehn Treffern gelistet wird, hat größte Chancen, wiederum von Journalisten interviewt zu werden.

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Anzeigenkrise in Frankreich

Veröffentlicht am 14. Februar 2008 um 10:45 Uhr von Mark Pohlmann

"Für die Werbung sind Tageszeitungen kein lukratives Medium mehr."
Generaldirektor des Figaro, Francis Morel. Quelle: FR. Gefunden bei Turi2.

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Verlagshumor

Veröffentlicht am 11. Februar 2008 um 12:57 Uhr von Mark Pohlmann

"Wir sind stehend K.O. Aber zum Umfallen sind unsere Renditen zu gut"

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Das Ende eines Experimentes: Drei Monate SZ

Veröffentlicht am 10. Februar 2008 um 21:39 Uhr von Mark Pohlmann

Seitdem es Zeitungen gibt, gibt es empörte Abonnenten, die wegen Anlässen, die anderen auf ewig verborgen bleiben, empört kündigen, nicht ohne vorher nochmal richtig beleidigt durch die Gegend zu wettern. Ich habe vor drei Monaten mit der FAZ gebrochen, als sie mit einem nicht ungeschriebenen, aber vielzitierten Gesetz brach: Keine Bilder auf Seite eins. Damit, und mit ein paar anderen Details, die mit diesem Tabubruch einhergingen, endete für mich eine rund fünfzehnjährige unverbrüchliche Treue zu "Deutschlands führender Tageszeitung" (die sie schon längst nicht mehr ist). Ich schrieb keinen Leserbrief, ich bloggte. Und kündigte.

Es war mehr als dieses dusselige Bild, das mich enttäuschte. Aber schon das: Haben wir nicht genug Bilder, und zwar überall? Und gleich das erste, am ersten Tag des Tabubruchs: ein zehn Jahre altes Portrait des verstorbenen Walter Kempowski. Schlechter hätte man die bebilderte Sinnlosigkeit nicht exekutieren können. Ein Bild eines Lebenden als Erinnerung an einen Toten, so wie jeder bei Google es hätte hundertfach finden können. Es gibt, so sprach das Bild, keinen Grund für den Abdruck, keine Aussage, außer der, dass es auch alle anderen tun. Die Angst vor der sinkenden Auflage. Angst vor Reichweitenverlust war der Motor für den Relaunch. Mutlosigkeit das Ergebnis. Sein Symbol: Das Bild auf Seite 1.

Verändert wurde mehr als das Bild auf Seite eins. Die neue FAZ hat nun einen lichteren Satzspiegel, größeren Zeilenabstand und bekämpft die unterstellte Bleischwere des alten Blattes insgesamt sehr erfolgreich. Ja super, sowas wie die Welt gibt es schon, die muß man nicht nochmal neu erfinden, erst recht nicht von Frankfurt aus. Der Relaunch gibt gefühlte 20 Prozent des Inhalts zugunsten der Ästhetik des Zeitgeistes auf. Ein schlechter Deal.

Jetzt also die SZ. Wenigstens drei Monate, denn solange ging das Probeabo, das ich nicht verlängern werde. Wie waren die 90 Tage also in der süddeutschen Diaspora?

Um es kurz zu machen: Ich kann nichts schlechtes sagen. Begeistert hat es mich trotzdem nicht, was aber wohl eher mir als der Zeitung zuzuschreiben ist.

Neben dem sichtbar chaotischeren, wahrscheinlich liebenswerten Layout der Zeitung (alleine vier Schrifttypen im Kopf) am auffallendsten ist der sprachliche Unterschied. Die SZ hat einen sehr schönen Sprachstil und ist dazu orthographisch fehlerfreier als die FAZ. Nicht umsonst steht das Streiflicht an erster Stelle. Es setzt die rhetorische Messlatte des ganzen Blattes. Die SZ ist heiter-reflektiert mit menschlich- wie umsichtig verantwortungsvollem Unterton. Man hat studiert bei der SZ. Unglücke aller Art werden gerne und umfassend beschrieben, aber niemals ohne Hinweis auf ihre Ungerechtigkeit. Die SZ kümmert sich gerne um Menschen aus der zweiten Reihe. Gefallene Helden. Menschen, die nicht klagen, sondern machen. Toll sind das SZ-Magazin am Freitag und die New-York-Times-Kurzausgabe am Montag. Während die Themenauswahl des Feuilletons insgesamt erfrischte, kann der Wirtschaftsteil nur schwer als solcher bezeichnet werden. Angeblich hat die SZ diesen gerade überarbeitet, was ich aber nicht gemerkt habe. Zu stark wendet man sich hier an den privaten Konsumenten statt an die Wirtschaftswelt.

Als Hamburger erschwerend für den Genuß der SZ kommt die regionale Einfärbung der Münchner Lokalzeitung hinzu. Geradezu Sünde ist es, die SZ auch hier oben mit dem dortigen Lokalteil auszuliefern. Und nach drei Monaten SZ glaube auch ich, dass es nur einen Fußballverein mit Bedeutung gibt. Bayern München. Wen sonst.

Wahrscheinlich bin ich aber nur ungerecht und von der FAZ falsch erzogen. Ich werde trotzdem zurück. Nicht weil sie die bessere Zeitung ist. Sondern die vertrautere. Ich habe es nicht besser verdient.

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Der Kampf gegen die eigenen Leser

Veröffentlicht am 12. Dezember 2007 um 13:53 Uhr von Mark Pohlmann

Interessant, wie sich Süddeutsche und FAZ die Bälle gegenseitig zuspielen, um sich gegen den Meinungsmob aus dem Internet zu positionieren. Nachdem Schirrmacher sich zuende aufgeregt hatte, kam am Wochenende Bernd Graff um die Ecke gebogen, in dem er sich Sorgen um das Medium an sich und die Menschheit im allgemeinen machte, weil das Internet zu einem "Debattierclub" verkomme. Er kann argumentieren, wie er will, mir zeigt er nur sein Unverständnis für die sich verändernde Medienlandschaft, die aus einer vermeintlichen Position der Stärke daherkommt, weil die SZ in letzter Zeit an Auflage gewinnt. So schnell am Ende sind wir noch lange nicht! höre ich da aus seiner stolzgeschwellten Brust. Egal, lest den Artikel, ich kann mich nicht mehr ausreichend aufregen, sondern an dieser Stelle nur beschließen, das SZ Probeabo nach drei Monaten nicht zu verlängen.

Die Verlage sollten beginnen darüber nachzudenken, dass sie mehr Leser online als offline haben. Zwei von drei in Deutschland angesteuerten Webseiten bieten mittlerweile die Möglichkeit zur Partizipation, jeder gottverdammte Online-Nachrichtendienst bietet Kommentare an. Wer diese Form der Anteilnahme nicht möchte, soll sie schließen, aber nicht, wie FAZ und SZ, es anbieten und selbst öffentlich darüber zetern. Diese Verlage wünschen sich wahrscheinlich genauso andere Leser wie Politiker bessere Wähler.

Zurück zur FAZ. Die antwortet auf die Graffschen Attacken ambitioniert, wie ich finde:

In Blogs mag jeder meinen, denken, toben, lästern, so wie am Tresen oder zu Hause. Mit den Massenmedien selber ist aber ein ganzes System entstanden, das beanspruchte, die öffentliche Meinung selbst zu pflegen. Und die Journalisten wurden zur ersten Berufsgruppe, die beanspruchte, aus der Rolle des Publikums selber einen Beruf zu machen. Zuvor bestand das Publikum aus Laien, jetzt sollte es professionelle Laien geben. Kein Wunder, dass daran sofort Kritik geübt wurde, vor allem die, der Journalist ermittle und verdichte die öffentliche Meinung weniger, als dass er sie selber mache.

Dennoch macht auch Jürgen Kaube wie noch alle anderen Journalisten den fundamentalen Fehler, zu denken, dass alle Meinungsaktiven sich als Gegenentwurf zum Journalismus sehen. Dies kennzeichnet die medieneigene Paranoia vor den Mitmachmedien auf das vortrefflichste: Dass es gegen sie geht, nur weil sie nicht davon profitieren. In Wirklichkeit habe ich noch nicht einen getroffen, der denkt, dass mit seinem Blog, mit seinen Kommentaren die Medienöffentlichkeit in Gefahr steht. Niemand will das, niemand behauptet das. Nur von Journalisten selbst wird dieses Feindbild gepflegt. Hören wir auf mit solchen Albernheiten.

Dies ist umso absurder, als dass die Blogosphere in Deutschland so unterentwickelt ist wie kaum in einem anderen Land. Das hat auch seinen Grund darin, dass es hier eine starke Medienlandschaft gibt. Die Notwendigkeit zur Gegenöffentlichkeit ist da, aber nicht so drängend wie in vielen anderen, medial viel ärmeren Regionen.

Die Wahrheit ist, dass Meinungen um ihrer selbst Willen publiziert werden. Weil die eigene Sicht der Dinge nunmal nicht unbedingt ein Korrektiv, aber eine Ergänzung zum bestehenden Meinungsbild ist. Es ist ganz trivial. Wer eine Meinung hat, geht ins Internet und publiziert sie da. Warum? Weil wir es hier können.

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FAZ Relaunch

Veröffentlicht am 21. November 2007 um 12:53 Uhr von Mark Pohlmann

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In kurzen Worten: FAZ.net findet Gefallen am derzeitigen Zeitgeschmack, wie ihn Spiegel Online prägt und an dem sich auch Focus, Stern, sueddeutsche sowie DerWesten orientieren. Und mir gefällt er auch, weil Ästhetik UND Funktionalität damit auf der Höhe der Zeit sind. Wer allerdings Erwartungen in Richtung Web 2.0 und Partizipation hatte, wird enttäuscht. Die FAZ bleibt online das, was sie auch im Print ist: Ein Nachrichten- und kein Kommuniktionsmedium. Aber der Reihe nach.

Strukturell hat sich viel verbessert. Das Wichtigste: Die Site ist jetzt 1.000 Pixel breit und zweispaltig. Die alte Version, die lange Zeit sehr modern war, war es durch ihre Dreispaltigkeit und 800 Pixelbreite aber dann irgendwann doch nicht mehr. Weil jetzt mehr Platz ist, sind die Weißräume schöner aufgeteilt. Noch besser als die Home gefallen mir dabei die Unterseiten. Klar ist aber auch - wie im Print: Mehr weiß heißt weniger Inhalt pro Quadratzentimeter. FAZ.net wird wie das Printprodukt schon immer feuilletonistischer, gefälliger. Seiten für Newsjunkies sehen anders aus.

Die obere Navigation ist jetzt zweizeilig, die vier wichtigen Ressorts oben und die weniger wichtigen eine Zeile darunter. Das finde ich keine wirkliche Verbesserung, aber da braucht man vielleicht auch nur ein paar Takte, um reinzukommen. Es gibt jetzt rechts wie im Blatt immer einen Kommentar, ja, richtig, auch hier ohne Fraktur. Alle Artikel und Ressorts werden über die volle redaktionelle Breite angeteasert, aufgelockert durch mehrspaltige Teaser für Videos und Bilderstrecken. Das ist Standard, aber ein schöner. Scrollen gehört zum Nachrichtengeschäft. Die Zeiten, in denen sich alles auf 800x600 Pixeln abspielen sollte, sind längst vorbei.

Funktional hat sich nicht allzuviel getan. Durch die Rubrikenüberschriften kann man sich schon auf der Home durchklicken. Das ist eine nette Idee. Und man kann die Nachrichtenfolge wohl personalisieren, mir ist intuitiv jedoch nicht klar geworden, wie. Deswegen habe ich es auch nicht gemacht. Personalisierung ist ja ein ganz altes 90er-Jahre-Thema von Nachrichtenportalen, bislang hat sich aber noch nichts durchsetzen können. Und auch die FAZ wirkt mir jetzt nicht so, als wenn sie da neue Standards setzen würde. Personalisierung muss man wohl vorerst Anbietern wie iGoogle oder Pageflakes überlassen. Angeblich sind da jetzt auch Leserkommentare auf der Homepage, ich konnte keine finden. Ok, da ist ein Kasten links. Aber hey, da gehören sie eben nicht hin, sondern direkt unter den entsprechenden Artikel. Und es gibt einen Nachrichtenticker, der aber unsinnigerweise erst nach Scrollen sichtbar wird.

Die Dauerumfragen auf der rechten Seite wurden behalten: Erst kommt ein riesiger Eigenwerbebanner und dann eine Frage wie: "Edeka will die ganze Nacht lang öffnen. Wie finden Sie das?" Ich finde schon die Frage doof.

Wirklich lästig: die FAZ ist die einzige Site, die es schafft, regelmäßig meinen Pop-up-Blocker zu überwinden. Wer seinen Leser zwingt, seinen Schreibtisch nach dem Besuch der Website von Bannern für Zeitschriftenabos aufzuräumen, verbessert die Leserbindung nicht zwingend. Klar ist aber auch: Es muss Geld verdient werden. Warum dann allerdings so wenig Werbung zu sehen ist? Bei meinem letzten Besuch war kein einziger Banner auf der Homepge zu sehen. Verdächtig. Dass da Usability-Gründe eine Rolle gespielt haben können, mag ich ja nicht so richtig glauben.

Insgesamt eine grundsolide Erneuerung in die richtige Richtung. So sieht klassischer Journalismus heute eben aus. An Sachen wie Leserpartizipation oder neue Angriffe in Sachen Diskursqualität hat man aber nicht gedacht und gedenkt es auch nicht zu tun:

Perspektivisch
Mit neuen Formaten, mehr Multimedia-Anwendungen und einer deutlich verstärkten Internetredaktion bieten wir den Nutzern künftig eine noch bessere Orientierung in der anschwellenden Nachrichtenflut.

Soso. Leser sind also Nutzer im dauernden Kampf mit der Nachrichtenflut. Wenn das die selbst auferlegte Kernverpflichtung der FAZ für ihr Internetengagement umschreibt, dann darf ich mir an dieser Stelle Sorgen machen, dass die inhaltliche Konzeption der FAZ schneller veralten wird als ihr Layout.

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Meine Krise mit den Zeitungen III

Veröffentlicht am 16. Oktober 2007 um 10:21 Uhr von Mark Pohlmann

.. das ist vielleicht der bessere Titel. Da ich mein FAZ-Abo gekündigt habe, aber selbstverständlich weiter Zeitungsleser bleiben will, werde ich mich mal anderen zuwenden. Andere Mütter haben auch schöne Töchter, wie wir wissen. Dementsprechend werde ich ab 1. November die SZ abonnieren und an dieser Stelle darüber berichten, wie Frühstückszeitungstauglich die Süddeutsche in Hamburg ist.

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Die Krise der Zeitungen II

Veröffentlicht am 16. Oktober 2007 um 9:42 Uhr von Mark Pohlmann

Kurze Korrektur zu gestern: Die FAZ hat entgegen meiner Aussage online gar nichts geändert. Wäre eigentlich auch verwunderlich gewesen, aber ich war mir sicher, dass der rechte Werbekanal gestern noch mit Beiträgen gespickt war. Ok, mein Fehler!

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Die Krise der Zeitungen

Veröffentlicht am 15. Oktober 2007 um 9:37 Uhr von Mark Pohlmann

Hier mal etwas ganz persönliches. Ich habe nach 15 Jahren mein FAZ-Abonnement gekündigt. Auslöser, nicht Grund, war das aktuelle Redesign der Print-Ausgabe..

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In kurzen Worten hier die Begründung: Zeitungen sind im besten Falle eine intellektuelle Heimat. Wer mit bunten Bildern, weichgespülter Frakturschrift und immer poppigeren Themen zu verstehen gibt, dass er seiner eigenen Klientel nicht mehr traut, macht sich austauschbar. Genau dies passiert der FAZ. Manch einer mag jetzt einwenden: "Ja, aber es doch nur das Layout". Das ist so richtig wie falsch. Denn erstens verschiebt sich der Schwerpunkt der Berichterstattung Richtung Bild. Für Bilder brauche ich nicht die FAZ, das können andere auch ganz gut. Zweitens: Für jedes schnell reingeschwurbelte Bild (und gleich das erste am ersten Tag war so eines: zum Tod von Walter Kempowski ein altes Portraitbild von ihm, so, wie es seit Jahrzehnten überall auf Buchrücken prangt) muss ein Artikel weichen. Dazu gibt es mehr Weißflächen. Es ist einfach weniger Text pro Seite in der Zeitung. Wer die neue FAZ mit einer vor sagen wir, fünf Jahren, vergleicht, wird den Unterschied bemerken. Drittens: ist das Design die äußere Form einer inneren Haltung. Und die gibt die FAZ nicht nur stückweise, sondern entschlossen auf.

Der Auslöser für das Redesign ist nicht trivial. Die Zeitung verliert Auflage, besonders gegenüber der Süddeutschen. Das schmerzt. Deswegen hat sich die FAZ wohl entschieden, lieber potentiellen Neulesern hinterherzulaufen als denen gegenüber loyal zu sein, die bislang die Zeche zahlen. Das, liebe FAZ, ist der falsche Weg. Dann, liebe FAZ, müßt ihr mit den Konsequenzen leben. Wer austauschbar sein will, weil er den Erfolg von anderen kopieren will, wird selbst ausgetauscht. Ich werde mal ein bisschen vagabundieren, mir mal die Süddeutsche abonnieren, vielleicht auch die FTD oder den Tagesspiegel. Mal schauen.

Klar ist aber auch, dass bei aller digitalen Boheme ich nicht auf die Zeitung in gedruckter Form verzichten werde.

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Die Zehn-Prozent-Regel

Veröffentlicht am 15. Mai 2007 um 15:43 Uhr von Mark Pohlmann

Und da wundere sich noch jemand, warum sich Verlage schwer tun mit dem digitalen Zeitalter.

Print-Zeitungen setzen pro Abonnent und Jahr zwischen 500 und 900 Dollar um.
Online-Zeitungen setzen pro Unique Visitor und Jahr zwischen 5 und 10 Dollar um.
Quelle: WSJ
, gefunden bei Blogrolle.

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Medien als religiöse Tragödie

Veröffentlicht am 12. Februar 2007 um 18:37 Uhr von Mark Pohlmann

Der französische Philosoph Michel Serres, in der FAZ zitiert aus dem Magazin Médias.

"Das Wesen der Show ist die Tragödie, wir wissen das seit Aristoteles." Das Fernsehen inszeniert das ewige "Erschrecken und Erbarmen". Leichen beleben den Bildschirm. "Wenn man sich an Millionen von Menschen wendet, kann es nur um Gewalt gehen." Serres meint die sakrifizielle Gewalt der primitiven Gesellschaften: "Die Medien schaffen den Monotheismus ab und werden zu einer polytheistischen, heidnischen Religion. Diese beruht auf dem Menschenopfer." Menschen werden - meist auch noch freiwillig - geopfert und verehrt.

"Dieses Ritual bringt die Einschaltquoten", es wird von der Talkshow und dem Reality-TV gepflegt. Und "die Tagesschau ist das Gebet des Abendlandes. Die Menschen halten inne und versammeln sich vor einem Altar. Unsere Gesellschaft ist durch und durch religiös - so, wie es die Antike war: Mit unserer Spitzentechnologie reproduzieren wir primitive - ursprüngliche - Inhalte, die drei- bis viertausend Jahre alt sind."

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Die 1-Euro-Elite

Veröffentlicht am 8. Februar 2007 um 14:06 Uhr von Mark Pohlmann

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Ich muß hier kurz mal meinen Frust mit der deutschen Verlagskultur loswerden. Bernd Runges Interview mit der FAZ zum Launch der deutschen Vanity Fair ist von einer solchen inhaltsleeren Arroganz durchzogen, daß durchaus Zweifel an der Zukunftsfähigkeit von Magazinen aufkommen können. Und mir mal wieder beweist, wie gerne sich diese in der Rolle als Gesellschaftsversteher gefallen - und damit durchfallen. Bernd Runge ist übrigens "Vizechef des internationalen Zweigs des amerikanischen Verlags Condé Nast" und führt die Geschäfte in Deutschland. Und ist verantwortlich für den Launch des Lifestyle-Magazins Vanity Fair in Deutschland.

Steigen wir ein ins Interview. Runge will sich mit dem Blatt an Eliten wenden. Klar, deswegen ist ja auch Til Schweiger auf dem Titel!

Frage: Aber gibt es diese „Elite“ überhaupt?

Runge: "Man kann diese Elite nicht eng fassen. Unsere Untersuchungen zeigen, dass es diese Menschen, die wir ansprechen wollen, gibt. Und, dass sie oftmals keine regelmäßigen, im besten Fall eher gelegentliche Nutzer von Wochenzeitschriften sind. Das liegt aber nicht an mangelndem Interesse, sondern an der Darbietung."

Eine Elite, die "man nicht zu eng faßt", ist keine mehr. Und wie schön, daß er Eliten über die Marktforschung sucht, die keine Magazine lesen. Das könnte Gründe haben, lieber Herr R.

Sie hatten einen Werbespruch, der handelte von einem Magazin für ein „neues Deutschland“. Das klang wie das alte „Neue Deutschland“.

"Unser Spruch, oder besser - Anspruch - lautet, das neue Magazin für Deutschland zu sein."

Eliten mögen diese Art der Unverbindlichkeit. Das Etikett "neu für Deutschland" ist so ziemlich das inhaltsloseste, was man zum Launch eines deutschen Blattes in deutscher Sprache sagen kann.

Gibt es denn Figuren, die dieses „neue Deutschland“ repräsentieren?

"Prinzipiell ist „Vanity Fair“ ein General-Interest-Magazin. Wir sind nicht festgelegt, auf das, was man „People“- oder „Celebrity-Journalismus“ nennt. Wir wollen interessante Menschen und Prozesse über Menschen zeigen. Nehmen Sie zum Beispiel die sogenannte „Green Issue“ von „Vanity Fair“ in Amerika. Da geht es um Ökologie und Klimawandel, um Al Gore und Julia Roberts. Mit einer solchen Mischung gelingt es „Vanity Fair“ bei der handelnden Gesellschaftsschicht Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wir haben jetzt die Möglichkeit, das in Berlin zu kreieren. Es gibt das Streben, sich zu orientieren und sich zu engagieren. Ganz verschiedene Individuen nehmen plötzlich zentrale Rollen ein, die sogenannten „role models“. Die tauchen bei uns auf."

"Prinzipiell" hat der Herr also keine Prinzipien, und wenn, dann finden die sich beim "Engagieren", "Kreieren" und in der Nähe von "Role Models". Soviel Wollen macht schon Eindruck auf die Elite. Ich sehe sie schon dichtgedrängt am Kiosk stehen. Und - wem ist es aufgefallen? Er hat die Frage nach deutschen Vorbildern mit amerikanischen beantwortet!! Und bringt dann - man kann es nicht oft genug wiederholen TIL SCHWEIGER als Vorbild für die deutsche ELITE auf den Titel.

Was hier noch folgt, sind vollkommen überflüssige Schmähungen des ebenfalls vor wenigen Tagen frisch gelaunchten Titels "Park Avenue". Ob wir wirklich immer die Magazine bekommen, die wir verdienen? Ich hoffe nicht.

Schlußendlich bleibt das Bild eines großen Trauerspiels. Zu einem Abverkaufspreis von 1 Euro will Condé Nast mit Till Schweiger die neue Elite des neuen Deutschland erreichen. Viel Erfolg dabei!

Den Konkurrenten Park Avenue übrigens kann man gegen einen 60-Euro-Gutschein für 60 Euro im Jahr abonnieren. Magazinjournalismus braucht sich nicht länger mit kostenlosem Content im Internet selbst zu kannibalisieren. Die verschenken ihr Produkt jetzt auch in Blattform.

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FAZ: neue alte Geschäftsmodelle dringend gesucht

Veröffentlicht am 7. August 2006 um 10:21 Uhr von Mark Pohlmann

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Ganzseitige Eigenanzeige für Content-Kooperationen in der FAZ

Prolog
Neue, andere, bessere Geschäftsmodelle sind der Treibstoff des Internets. Viele haben gute Ideen aber kaum jemand eine Ahnung, wie sie monetarisieren. Umso größer sind Neid und Mißgunst für den Fall, daß einer a) eine tolle Idee hatte, sie b) gut umgesetzt hat und c) stinkreich wird. (Das Intro ist eine Art Vorwarnung, daß ich hierzu gerade ein kleineres Pamphlet vorbereite. Mehr dazu die Tage.)
...
Verlage haben ein Geschäftsmodell, das theoretisch voll online-kompatibel ist. Nur dummerweise haben sie sich bei dem ersten lauen Lüftchen, das ihnen aus der Internetwelt entgegenblies, dazu entschieden, weite Teile ihrer Wertschöpfung, die Berichterstattung, im Web kostenlos abzugeben. Das war im letzten Jahrtausend, vor der Währungsreform und gar kein Problem, weil damals nur eine Minderheit willens war, hochwertige Artikel auf minderwertigen Bildschirmen anzuschauen.

Heute ist das anders. Heute haben viele Redaktionen online eine höhere Reichweite als im Print. Und auch wenn sicher etwas dran ist an der Überzeugug, daß der Webauftritt eine Rampe zum Print-Abo ist: Einen einmal auf kostenlosen Inhalt konditionierten Konsumenten konvertiert man schwer zum 31-Euro-Zahler (so teuer ist beispielsweise das FAZ-Abo im Monat.)

Wo also das Geld hernehmen, das im Verlag dank der teuren Erstellung und kostenlosen Abgabe verbrannt wird und kaum duch minderwertige Bannerwerbung zu kompensieren ist? Die FAZ bietet, durchaus logisch, ihren Content Unternehmen für die Zweitverwertung an. So die ganzseitige Eigenanzeige der FAZ von heute. Und in der Tat: Warum sollen nicht andere dafür zahlen, was man selbst kostenlos abgibt? Aus verlegerischer Sicht sicher eine gute Idee. Und so sieht das Angebot auch aus

Themen und Formen nach Wahl
Wir bieten Ihnen unterschiedliche Bezugsformen:
Content Feed - zielgruppengerechte Auswahl von Beiträgen aus dem gesamten Spektrum, wie Sozialpolitik, Unternehmensberichte, Buchrezensionen, Sportreportagen.
Themendossiers - Strukturierte Hintergrundinformationen zu ausgewählten Themen.
Terminvorschau - wöchentliche Übersicht wichtiger Ereignisse in Politik und Wirtschaft.
RSS-Feed für Profis - ständig frische News per RSS auf Ihre Website.
Themenarchive - automatisch aktualisierte Artikelauslese zu Schwerpunktthemen mit direkter Einbindung
Quelle: FAZ Archiv

Nur, es wird nicht funktionieren. Weil a) Internetnutzer originäre Inhalte suchen, gerade bei Unternehmen. Weil b) es keinen Mangel an redaktionellen Inhalten im Web gibt, auch nicht an hochwertigen, auch nicht bei den kostenlosen. Und weil c) FAZ-Artikel zu keinem mir bekannten "Portal" kompatibel sind, die mir als Anwender noch am ehesten in den Sinn kommen. Eigentlich sind jetzt schon alle relevanten Portale in der Hand der Verlage. Verlagsunabhängige betreiben nur noch Telcos. Und die, vielmehr ihre Nutzer, dürften schwerlich mit FAZ-Content zu ködern sein.

Viel spannender für die Zweitverwertung wären Long-Tail-Modelle, bei denen sich Unternehmen das Recht an der tatsächlichen Nutzung von Clippings kaufen, beispielsweise für jene, in denen sie selbst erwähnt sind. So würde man jeden interessanten FAZ-Artikel auf die eigene Website stellen und danach bezahlen, wie oft die eigenen User diesen aufrufen.

Doch noch kauft man die Rechte so, als übernähme man hiermit auch die Rentenzahlungen an den Autor.

So hat SinnerSchrader der FAZ unlängst knapp 1.000 Euro für vier (!) online-publizierte Artikel überwiesen - und das war schon mit Rabatt. Solche Summen kommen schnell zusammen, schließlich liegt die kleinste von der FAZ vorgesehene Abnahmeeinheit bei rund 20.000 Nutzern, für Artikel wohlgemerkt, die in Wahrheit und im besten Falle ein paar Dutzend Mal im Jahr angesehen werden - so oft eben, wie sich Nutzer in das Archiv der Presseabteilung unserer Website verlaufen. Und dann sind die Rechte an der Nutzung natürlich weiter zeitlich limitiert. Das Ergebnis: Wir haben keine FAZ-Artikel mehr in unserem Archiv = nie wieder Geld für die FAZ.

Sollten Verlage von diesem selbstherrlichen Gebaren abrücken, könnten sie zu der Überzeugung kommen, mit CPC-Modellen mehr zu verdienen als mit der Rasenmähermethode. Allein, der Glaube fehlt mir, daß diese Einsicht schon stattgefunden hat.

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Des Menschen Wille ist sein Himmelreich

Veröffentlicht am 19. April 2006 um 18:52 Uhr von Mark Pohlmann

„Das Publikum sagt: Ich will es, und ich will es jetzt. Die Sender sagen: Nein, es gehört dir nicht, es gehört mir, du bekommst es, wann und wie ich es will.“

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Zerreiß mich, kopier mich - der Untergang der Medienindustrie durch Web 2.0-Mash-ups

Veröffentlicht am 13. April 2006 um 12:49 Uhr von Mark Pohlmann

Wer zuviel Auswahl hat, hat am Ende überhaupt keine Auswahl mehr - und darin liegt dann auch wieder ein Stückchen Hoffnung für die alten Medien, die sich von der neuen Copy-und-Paste-Kultur bedroht fühlen.
Quelle: Spiegel Online

Warum hat die Medienindustrie nicht mehr Arsch in der Hose und vertraut einfach mal ihren Primärtugenden als sich von jedem Web-2.0-Buzz verwirren zu lassen?

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Web-Analyse im Zeitungsjournalismus

Veröffentlicht am 4. April 2006 um 17:24 Uhr von Mark Pohlmann

Die Faz (genauer: Stefan Niggemeier) schreibt (mal wieder) sehr ausführlich und erhellend, dieses Mal über Zeitungsjournalismus und die Frage, wie man das Leseverhalten analysiert ("ReaderScan").

Schon die Existenz der Zahlen ist brisant. Sie lassen sich als Machtinstrument gegen vermeintliche Luxus-Angebote einsetzen. Man kann mit ihnen Kosten-Nutzen-Rechnungen anstellen, in denen die gesellschaftliche Funktion der Tageszeitungen keine Größe ist. Ist ein Ressort als Quotenkiller ausgemacht, kann es unter erheblichen Rechtfertigungsdruck geraten - auch wenn Verleger großer Regionalzeitungen sich beeilen, sich zum Wert solcher Minderheitenangebote zu bekennen

Das nennt man im Internet übrigens Web-Mining, liebe Zeitungsmacher und ist das tägliche Brot aller im Internet schreibenden, nicht nur der Journalisten.

Jeder, der sich dafür interessiert, erhält mit wenigen Minuten Verzug eine präzise Analyse des Userverhaltens als Feedback auf die Attraktivität des Contents. Bei journalistischen Formaten führt das, liebe Zeitungsmacher, übrigens dazu, daß Headlines, die nicht laufen, nach 15 Minunten aktualisiert werden - zur Not so lange, bis die Geschichte läuft. Denn nur geklickte (und gelesene) Artikel bringen dem Leser mit Anzeigen vollgestopfte Seiten zu Gesicht - mithin hilft Webmining, den eigenen Job (in diesem Falle: als Online-Redakteur) zu sichern - jedenfalls dann, wenn man schreibt, was andere interessiert. 

Viele Schlußfolgerungen, die sich aus den Zahlen ziehen lassen, entsprechen klassischen Journalistenregeln: Gute Texte werden mehr gelesen als schlechte, es hilft, wenn Text und Bild nicht auseinanderklaffen, wenn überhaupt ein Bild da ist. Um das zu wissen, müßte man natürlich nicht einem Schweizer Geschäftsmann einen sechsstelligen Betrag für das aufwendige ReaderScan-Verfahren zahlen. Aber es scheint einen Unterschied zu machen, diese Regeln theoretisch vorgebetet zu bekommen oder ihre Auswirkungen täglich in der Praxis zu sehen.
Ganzen Artikel auf FAZ.net lesen

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Wer etwas wichtiges zu sagen hat, macht keine langen Sätze

Veröffentlicht am 28. März 2006 um 9:42 Uhr von Mark Pohlmann

Aus der Arena-Pressekonferenz.
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Interview Kai Dieckmann über Kampaigning

Veröffentlicht am 14. September 2005 um 18:17 Uhr von

Wenn alle großen Sender dasselbe Programm zeigen, ist das Fernsehen für einen Moment tatsächlich wieder Massenmedium. Aber diese nordkoreanische Programmvielfalt ist nicht der Normalfall.

Noch was zum unter die Bettdecke legen. Quelle: FAZ.net

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Von wegen technikfeindlich

Veröffentlicht am 29. August 2005 um 11:48 Uhr von

Ein sehr interessantes Zitat hat Sony-Marketingchef Oliver Kaltner der FTD für ihre heutige IFA-Berichterstattung mitgegeben: 

"Der Konsument möchte Technik nicht unbedingt verstehen, sondern sie vor allem nutzen."

Nun mal ehrlich: Wie kommt der Mann darauf? Zum Glück darf hierzulande schon lange niemand mehr Auto fahren, der die Steuerelektronik von ABS, ESP und DPF nicht selbst reparieren kann. Ich finde es schon aus Sicherheitsgründen richtig, daß dieses Fachwissen zum Führerscheinerwerb zwingend dazugehört. Nicht notwendig, aber bereichernd empfand ich die technische Prüfung zum Besitz eines Mobiltelefons. Ich freue mich, daß ich meinem Sohn erklären kann, wie Data Packaging bei UMTS funktioniert und wo die Unterschiede zum alten Standard liegen. Derzeit bereite ich mich auf den Kauf eines Navis vor. Noch fallen mir vor allem die händischen Berechnungen zu den Satellitenpositionen schwer. Das muß ich aber können, falls das Gerät mal ausfällt - da komme ich wohl nicht drumherum. Ich melde mich wieder, sobald ich hier weitergekommen bin!

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Wer hat Angst vor Hedge Fonds?

Veröffentlicht am 26. August 2005 um 9:31 Uhr von

Die tägliche Lektüre über mögliche Hedge-Fonds-Attacken verrät derzeit einiges über die Psyche des Journalisten. Als Leser werde ich mit immer neuen Nachrichten darüber aufgeschreckt, welcher Investor wo einzusteigen gedenkt. Weil die Motive der Investoren offensichtlich auf der gleichen kulturellen Stufe mit Clash of Culture, J.R. Ewing und Blitzkrieg stehen, lesen sich die Artikel so, als stünde das Ende des Abendlandes bevor. Gleichzeitig werden die Investoren in Portraits verklärt wie Geheimagenten, die mit kühlem Verstand jeden Laden aufräumen können. Liege ich falsch, wenn ich hier ein kleines Minderwertigkeitsproblem vermute?

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Fernsehzuschauer Opfer oder Mitwisser?

Veröffentlicht am 27. Juli 2005 um 15:35 Uhr von

Wurde einmal der Zuschauer gefragt, ob ihm die Produkt Placements bereits aufgefallen sind? Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, daß man auf den Wohnzimmer-Coaches dieser Republik seit langer Zeit mehr über den vermeintlichen Skandal weiß als in den Führungsgremien der betroffenen Rundfunkanstalten.

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PR im TV. Und so geht´s bei RTL.

Veröffentlicht am 9. Juli 2005 um 23:00 Uhr von

Für 890 Euro (zzgl. Mehrwertsteuer) gaben RTL und die dpa-Tochter newsaktuell letzte Woche einen zweitägigen Einblick (Programm, S.28) in die Mechanismen der "Pressearbeit mit Fernsehsendern. So gelingt der Sprung ins Programm". Seminare wie diese zeigen, was private TV-Sender von gewöhnlicher Pressearbeit halten: gar nichts. Das heißt nicht, daß sie nicht tolle Möglichkeiten der Zusammenarbeit anbieten.

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Medienhysterie: Immer das gleiche Muster

Veröffentlicht am 4. April 2005 um 9:46 Uhr von

Spiegel_titel_feinstaub"Das hysterische Muster ist immer das gleiche. Die Aufregung über die Umwelt bietet seit vielen Jahren dafür beste Anschauung. Als Themen wie Waldsterben und Smog aus heiterem Himmel zur öffentlichen Aufmerksamkeit kamen, wurden sie stets lautstark erörtert. Stets wurde auch davor gewarnt, ja nicht hysterisch zu werden. Und nach einiger Zeit verschwand alles wieder sang- und klanglos. Als wäre nichts gewesen."
Quelle: FAZ.net

 

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