Google News verursacht Kurssturz bei United Airlines

Veröffentlicht am 19. September 2008 um 19:04 Uhr von Anna Friedrich

Die Macht des Internetgiganten Google wirkt sich sogar auf die Marktkapitalisierung von Unternehmen aus. Letzte Woche vermeldete der Newsservice "Google News" den Konkurs von United Airlines - dass die Meldung schon sechs Jahre alt war, wusste zu diesem Zeitpunkt Niemand, zumindest nicht der Chicago Tribune.

Als Reaktion auf diese Konkursmeldung veröffentlichte die Onlineausgabe der Tageszeitung Sun Sentinel einen Artikel - mit verheerenden Auswirkungen. Die Aktie der United Airlines fiel innerhalb von 12 Minuten um 75 Prozent von von 12 auf 4,05 US-Dollar, mehr als eine Milliarde Dollar (!) wurden vernichtet. Und das alles wegen einer Falschmeldung. Denn der Airlinebetreiber hatte keineswegs Konkurs angemeldet. Die Meldung von vor sechs Jahren wurde versehentlich von einem Google-Computerprogramm als neu ausgegeben.

Nachdem der Fehler aufgefallen war, entfernte der Chicago Tribune den Artikel sofort von seiner Seite und entschuldigte sich in einem Pressestatement:

A Chicago Tribune story written in December 2002 regarding the United Airlines bankruptcy filing that year was apparently picked up by an investment advisory and research firm and republished as though it was current, (...) The story was located in the archive section of the Web site of the Sun Sentinel in South Florida. The story contains information that would clearly lead a reader to the conclusion that it was related to events in 2002. In addition, the comments posted along with the story are dated 2002.

Bei der Schuldfrage geht es nicht darum, wer versagt hat. Klar war es ein Fehler, die Konkursmitteilung und darauf aufbauend den Kurssturz nicht näher zu analysieren. Zwischen der Tribune-Gruppe und Google ist ein Streit entfacht. Ein Sprecher von Tribune spricht von der "Unfähigkeit des automatischen Google-Systems" spricht und macht Google für das Auftauchen der Falsch-Nachricht verantwortlich. Google wiederum spielt den Ball zurück und behauptet gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass der Artikel eindeutig datiert gewesen sei, da er sonst nicht in das Nachrichtenangebot aufgenommen worden wäre.

Aber, das Problem ist doch ein ganz anderes. Nämlich, wer macht die News? Mensch oder Maschine? Thomas Schuler von der Süddeutschen Zeitung schreibt hierzu:


Niemand kontrollierte und hinterfragte die Aktualisierung. Die Aktie wurde für einige Stunden aus dem Handel genommen. Bis zum Abend war sie stabilisiert, die Börsenaufsicht SEC kündigte eine Untersuchung an. Damit schien das Problem an der Börse geregelt, nicht aber das Problem des Journalismus.

Woher also nehmen wir die News? Wem schenken wir größeres Vertrauen?

Google News ist nicht verlässlich, weil ein mathematischer Suchalgorithmus fehlbar ist. Ausserdem ist das, was Google uns präsentiert, Mainstream. Bloß, weil es die vielgelesenen Artikel zum Thema sind, kann man nicht darauf vertrauen, dass die Informationen richtig oder wahr sind. Oder sollen wir in diesem Fall der Schwarmintelligenz vertrauen?

Journalisten recherchieren häufig nicht gründlich genug. Das liegt sicherlich auch am Zeitdruck - denn Zeitungen müssen Kosten einsparen. Dass Irren menschlich ist, wissen wir bereits seit Homer. Und der Fall von United Airlines hat die Auswirkungen von "blinder" Akzeptanz der klassichen Nachrichtenberichterstattung einmal mehr unter Beweis gestellt.

In einem Interview mit der SZ nahm John Lloyd, Medienexperte und Direktor am Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford Universität Stellung zum Verhältnis von Journalisten zu Google News:

Google News" ist derzeit eher unser Feind als Verbündeter. Und zwar weil dort Nachrichten nicht selbst produziert, sondern einfach Anderen weggenommen werden. Dadurch wird die Anziehungskraft derer geschwächt, die fürs Nachrichtensammeln bezahlen müssen. Die stellen Google unfreiwillig ihre Ressourcen zur Verfügung und bekommen nichts zurück.

Immerhin scheint sogar Google selbst sich Sorgen zu machen - spätestens nach der provkanten Veröffentlichung von Nicolas Carr "Is Google making us Stupid?". Auf einer Konferenz äußerte sich Google-CEO Eric E. Schmidt kürzlich skeptisch gegenüber der Zukunft des Journalismus. Er befürchtet, dass investigativer Journalismus ausstirbt und zwar zusammen mit der Zeitungsindustrie, die einst ihr Verfechter war. Gegenüber der New York Times sagte er, dass Google von qualitativ hochwertigen Inhalten lebt - womit er ja auch recht hat.

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Wie Blogs und Co. den US-Wahlkampf verändern

Veröffentlicht am 29. August 2008 um 13:59 Uhr von Anna Friedrich

Always on und zwar auf dem gesamten Globus - das sind zur Zeit auch die US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain. Nie waren Diskussionen zu Politikern so präsent in Weblogs, Foren und Netzwerken wie in den aktuellen Wahlen in den Vereinigten Staaten.

Die Wahlkampfmanager setzen eifrigst Web 2.0-Anwendungen als Kommunikationsmöglichkeit mit den Wählern ein. Gleichzeitig sehen sie sich durch die nutzergenerierten Webinhalte konfrontiert mit einer vorher nie da gewesenen Macht von Wählern, die ihre Meinung online in Blogs und Co. kund tun. Digitale Mundpropaganda von Tagebuchschreibern beeinflusst die Stimmung sehr viel stärker als die Berichterstattung - vermeintlich neutraler - klassischer Journalisten. US-Wähler informieren sich bevorzugt über "inoffizielle" Quellen, die Meinung der Anderen im Web. Das ist bei den Wahlkampfstrategen angekommen.

Auf dem Parteitag in Denver beispielsweise wurde eigens für Blogger ein Zentrum errichtet. Ein Symbol für das Ausmaß der Macht der Blogschreiber, aber auch für die Legitimierung des Mediums "Blog" für die Berichterstattung. Einer der ersten und einflussreichsten Blogs in den USA ist POLITICAL WIRE. Weitere politische US-Blogger sind unter anderem Amanda Michel, Mayhill Fowler oder Adam Doster. Auch in Deutschland schenkt man den beiden US-Kandidaten reichlich Beachtung im Netz. Dass das ZDF für den amerikanischen Wahlkampf einen Blog eingerichtet hat, ist nur eines von vielen Beispielen.

Die Marktforscher von Ethority haben das Phänomen "US-Wahlkampf 2.0" in ihrer aktuellen Analyse genauer unter die Lupe genommen. Dazu haben sie etwa 90.000 Nutzermeinungen zu den beiden US-Kandidaten im Web untersucht. Sie wollten wissen, wie Wahlkampfthemen in Blogs, Foren und sozialen Netzwerken wahrgenommen und reflektiert werden und wie hoch das Gesamtgesprächsaufkommen, der Buzz, je Kandidat ist. Auch analysierten sie, ob die Personen Barack und McCain sowie deren Inhalte in diversen Sprachräumen unterschiedlich wahrgenommen werden.

Demokrat Obama wird, so die Ergebnisse der Untersuchung, in Weblogs, Online-Foren und Newssites aus dem deutsch-, englisch- und spanischsprachigen Raum stärker diskutiert als sein Konkurrent, Republikaner John McCain. Was die Tonalität der Gespräche angeht, so liegt McCain unter den Deutsch- und Spanischsprachigen nur geringfügig hinter Obama. Anders bei den Angelsachsen: sie sehen beide potentielle US-Präsidenten positiver.

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Insgesamt finden die digitalen Kommunikationskanäle für politische Diskussionen zur US-Präsidentschaftswahl vor allem in den USA Anklang, doch auch der deutsch- und Spanischsprachige Raum setzt die Web 2.0 Tools intensiv ein. Sicherlich werden deutsche Wahlkampfstrategien sich zukünftig stärker an nutzergenerierten Kommunikationskanälen orientieren müssen, um ihre Zielgruppen zu erreichen. Mehr zu den Ergebnissen berichtet die FTD.

Die USA liefern ein gutes Exempel für den Anbruch einer neuen Ära: der Einsatz von Weblogs, Online-Foren und Newssites schafft neue, vorher nicht da gewesene Partizipationsmöglichkeiten. Neutrale Berichterstattung wird zum Beiwerk bei politischen Diskussionen. Die "neue" Art Wahlkampf und die Einstellung der Wähler wird getrieben von nutzergenierten Meinungenn und Inhalten im Netz. Ethority-Sprecher David Nelles erklärt weiter:

Internetnutzer bewegen sich heute jenseits der Reichweitengrenzen klassischer Medien wie Print oder TV. War es in der Zeit vor dieser digitalen Kommunikation nur sehr schwer außerhalb klassischen Medien, Familie und Freundeskreis seine politische Meinung zu bilden, erweitert sich das willensbildende Forum durch YouTube & Co. exponentiell.

Diese Verschiebung in der Medienlandschaft, das Wichtigerwerden von nutzergenerierten Inhalten, könnte einen Wandel in der Demokratie bewirken. Die Leiterin des Instituts für Politik, Demokratie und Internet an der George-Washington-Universität, Julie Germany unterstreicht gegenüber dem ZDF:


Viele Spezialisten glauben, dass das Internet den politischen Prozess weiter demokratisiert, indem es den Wählern erlaubt, mit den Kandidaten zu kommunizieren, sich selbst einzubinden und ohne Mittelsmänner an Informationen zu kommen.

An diese Veränderung müssen sich die Wahlkampfstrategien und die Kandidaten - auch in Deutschland - anpassen, um bei ihren Wählern anzukommen. Allem voran geht SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der im Namen seiner Partei für neue Standards im Online-Wahlkampf sorgen will. Deshalb ist er eigens zum Parteitag nach Denver angereist, um über Twitter seine ganz persönliche Berichterstattung abzuliefern. Innerhalb der letzten vier Tage stieg die Anzahl seiner Follower von 12 auf 927! Daran zeigt sich doch, dass wir sie auch höeren wollen, diese indiskreten Kommentare von den Großen der Politik.

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Kollektiv der Rückgratlosen

Veröffentlicht am 11. Juli 2008 um 20:38 Uhr von Mark Pohlmann

Dringende Leseempfehlung! Der Ex-MAX-Chefredakteur Christian Krug rechnet im Spiegel mit dem Modejournalismus ab.

Modejournalismus ist eine absurde Medienart, die mit kritischer Unabhängigkeit so viel gemein hat wie Rudis Reste Rampe mit Prada. Der Zirkus wird dominiert von einer Handvoll Konzerne, die sich der Macht ihrer Werbemillionen durchaus bewusst sind. Weiterlesen....

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Endert verlässt Handelsblatt

Veröffentlicht am 27. Juni 2008 um 12:43 Uhr von Mark Pohlmann

Gestern hat Julius Endert als Online-Chefredakteur handelsblatt.de relauncht und heute nun in seinem Blog seinen Weggang verkündet. Das Spannende an der Personalie ist das Wohin: Er entwickelt Formate für Videojournalismus.

Ich habe quasi einen persönlichen Relaunch vor mir, jedenfalls aus beruflicher Sicht. Ab dem 1. August werde ich für das meiner Meinung nach erfolgversprechendste Startup in diesem Universum als freier Journalist, Formatentwickler und Projektmanager arbeiten. Es ist die von Mario Sixtus alias Elektrischer Reporter gegründete Videoproduktionsfirma Blinkenlichten, die sich nicht weniger vorgenommen hat, „als die deutsche Medienbranche durcheinanderzuwirbeln, den Weltfrieden zu erfinden und die Klimaerwärmung auf den Mars zu verbannen." Das halte ich für eine sehr reizvolle und spannende Aufgabe und gemeinsam mit Mario für durchhaus machbar. Also, bleiben Sie dran! Oder auch: Yes, we can!

Von dieser Stelle allen Mitarbeitern von Blinkenlichten viel Erfolg! (Gründen ist das letzte Abenteuer dieser Zeit!)

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Traumberuf PR

Veröffentlicht am 15. Mai 2007 um 14:11 Uhr von Mark Pohlmann

Gastblogger. Mein erstes Mal. Bei der Axel Springer Journalistenakademie.

Traumberuf PR

Als Gastblogger möchte man ja den Ruhm des Mutterblogs mehren helfen. Nur: Was kann ich da tun? Schließlich habe ich nie eine Journalistenschule von innen gesehen. Ich gehöre noch zur Generation Autodidakt, der gesagt wurde, dass man alles studieren könne, bloß keinen Journalismus. Und dann studierte ich halt was anderes, nur um Journalist zu werden, was ich dann auch prompt nicht geworden bin. So war das damals. Weiterlesen

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Vertrauen

Veröffentlicht am 5. April 2007 um 9:54 Uhr von Mark Pohlmann

Gerade in einer alten Präsentation von mir gefunden. Ist aber immer noch schön:

36 Prozent aller Pressesprecher glauben, daß Journalisten PR-Praktikern vertrauen. Dies bestätigen 3 Prozent der Journalisten. (Quelle: BdP 2005)

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Feindselig

Veröffentlicht am 19. April 2006 um 12:25 Uhr von Mark Pohlmann

Verlage werden das Internet und seine Bewohner wohl nie mögen. Zitat heise.de zu "10 Jahre heise-Newsticker":

Blogger, das sind Personen, die 5 Minuten googlen und dann ihre Wahrheit verkünden.

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Kontrolle und Autorität

Veröffentlicht am 8. März 2006 um 14:04 Uhr von

Mir aus der Seele spricht Stefan Niggemeier, Medienredakteur der FAZ-Sonntagszeitung (das Original schnell lesen, ist schon sechs Wochen alt):

Es wird nicht damit getan sein, die neuen Kommunikationstechnologien als schöne Attrappen in das eigene Angebot zu stellen. Einige Versuche von Zeitungen, den Hype um Blogs nicht zu verpassen, sind Zeugen eines großes Mißverständnisses. Das Neue an dieser Technik ist nicht, daß Journalisten nun auch unter der modischen Rubrik „Blog” Artikel schreiben können, die dann statt in der Zeitung im Internet erscheinen. Neu ist die Möglichkeit, ungefiltert, mutig und schnell zu schreiben, Nicht-Journalisten eine Stimme zu geben, in einen echten Dialog mit Lesern einzutreten, auf andere Seiten zu verlinken und zu reagieren. Die „Süddeutsche Zeitung” (um nur ein Beispiel zu nennen) nutzt diese Möglichkeiten ungefähr so gut wie jemand, der in ein Flugzeug steigt, um damit schön über die Autobahn zu rollen. Vierzehn Blogs hat die „SZ”, die meisten Autoren schreiben einmal im Monat etwas rein und ignorieren dann, was andere dazu schreiben. Das Medium, das dafür besser geeignet wäre, ist schon erfunden und heißt „Buch”.

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Erfolg ist, wenn der richtige Name drauf steht

Veröffentlicht am 20. Dezember 2005 um 11:37 Uhr von

Aldi_logoJahresenddepression, anders kann ich es mir nicht erklären, warum hunderte Medien, auch FAZ, FTD oder Stern, so begeistert wie unreflektiert die vermeintliche Erfolgsmeldung übernehmen, Aldi habe in der ersten Woche "schon" 60.000 Mobilfunkverträge verkauft. Ein Erfolg? Vielleicht. Kein Medium jedoch stellt die Vertriebsmacht von Aldi in Relation: über 4.000 Läden haben die Karte im Sortiment. Das macht also ganze 15 Karten pro Laden, bei sechs verkaufsoffenen Tagen sind es 2,5 pro Filiale und Tag. Der Wahnsinn. Der nur zu erklären ist mit dem Reflex, daß alles, was von Aldi kommt, ein Abräumer zu sein hat. Hierfür wiederum gebührt dem Unternehmen voller Respekt.

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Workshop Wirtschaftspresse, Erkenntnisse I

Veröffentlicht am 13. Dezember 2005 um 15:32 Uhr von

Am vergangenen Freitag fand zum ersten Mal der Workshop Wirtschaftspresse statt. Vielen Dank nochmal an die Teilnehmer, vielen Dank an die Referenten Christian Rickens (Manager Magazin) und Volker Müller (Financial Times Deutschland). Wir planen für das kommende Jahr neue Veranstaltungen, die an dieser Stelle natürlich rechtzeitig bekanntgegeben werden. 

Von heute an werde ich in unregelmäßigen Abständen über die im Workshop gewonnenen Erkenntnisse berichten.

1. Teil: Was Journalisten wirklich brauchen

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Nun ist es ja nicht so, daß ein prinzipieller Erkenntnismangel herrscht. Bloß die Dringlichkeit einiger fundamentaler Gesetze des Redaktionsalltages ist nicht immer klar. Dies gilt beispielsweise für das Themenraster einer Zeitung. Wenn die FTD keine Produktvorstellungen macht ("Noch nie"), dann kann man sich jede Meldung in diese Richtung fortan sparen. Eigentlich. Denn noch immer herrscht eine Art Vollkaskomentalität bei den Aussendern nach dem Motto "Könnte ja doch irgendwie interessant sein". Volker Müller sagt, das Gegenteil sei der Fall. Ein jahrelang penetrierter Journalist ist unzugänglicher für wirklich relevante Meldungen: "Ich zucke dann schon zusammen, sobald ich Ihren Firmennamen lese". Der Ausweg lautet: Mut zum kleinen Verteiler, manchmal sogar der komplette Verzicht auf einen Presseaussand.

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FAZ greift Stern-Kampagne auf

Veröffentlicht am 11. November 2005 um 17:18 Uhr von

Faz_stern_hm3Gestern im Themenblog, und heute schon auf FAZ.net. Das ist Themenmanagement ;-)

"Politikredakteur in Damenbluse"
Daß sich die Stella-Kollektion zu einem „Hype” entwickeln werde, sei Grund genug für „Stern.de”, in dieser Weise auf das „Ereignis” einzugehen. Aus rein „journalistischem Antrieb heraus”, so Plümer. Die Redaktion habe die Kleider selbst erworben und sehe sich durch „zahlreiche positive Resonanzen” in ihrer Arbeit bestätigt. Zudem trage man damit der „Tatsache Rechnung, daß im Online-Bereich eine größere und direktere persönliche Auseinandersetzung mit den jeweiligen Redakteuren als in der Print-Welt stattfindet”. Ganzer Artikel hier.

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stern findet H&M fabelhaft

Veröffentlicht am 10. November 2005 um 16:28 Uhr von

Von Bild.de lernen heißt siegen lernen? Gruner+Jahr läßt sich scheinbar gerne inspirieren und stellt eine neue Qualitätsstufe in der Verbandelung von Berichterstattung und Marketing vor: Stern.de-Redakteure finden die Mode von H&M "fabelhaft", lassen sich als H&M-Model ablichten und werden so selbst zum Kampagnen-Element des Bekleidungshauses. Für einen Verlag, der die journalistische Unabhängigkeit betont wie kaum ein anderer, ist dieser harmlos daherkommende Beitrag ein Paradigmenwechsel, oder irre ich mich? Am Ende wird die Redaktion auch noch beteuern, aus lauter Begeisterung vor die Linse gesprungen zu sein...

Stern_hm_2 "Die Teile sind ja fabelhaft." Das Urteil der stern.de-Redakteurinnen über die neue Stella McCartney-Kollektion von H&M war eindeutig. Beim exklusiven Foto-Shooting präsentiert jede ihr Lieblings-Teil."


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Nachtrag vom 15.11.2005. Der Stern hat seine Kampagne mittlerweile vom Netz genommen. Deswegen verlinkt das Bild nicht mehr auf stern.de, sondern zeigt das Original in groß.


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Wo ist Stoiber? Wir gucken Kanzlerin!

Veröffentlicht am 10. Oktober 2005 um 16:49 Uhr von

Großes Tennis & ein schönes Beispiel, wie sogar ein einzelner sich per Themenmanagement in die Weltpolitik einklinken kann. Einziges Problem: Schreiben muß man schon können. Hier die aktuelle Referenz aus Süddeutsche Online: "Wo ist Stoiber? Wir gucken Kanzlerin!" (Unten ist der Anfang.)

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In eigener Sache: Die Sache mit der Qualität der Medienarbeit

Veröffentlicht am 20. September 2005 um 11:53 Uhr von

Einladung

Wirtschaftsjournalisten diskutieren einen Tag lang mit Unternehmen neue Wege der PR

"Anspruch und Wirklichkeit in der Pressearbeit" lautet das Thema einer neuen Seminarreihe, die der Interactive-Dienstleister SinnerSchrader in Kooperation mit dem Bundesverband Digitale Wirtschaft veranstaltet. Zwei Wirtschaftsjournalisten, Christian Rickens vom Manager Magazin und Volker Müller von der Financial Times Deutschland (FTD), stellen sich in drei Städten jeweils einen Tag der Diskussion mit Führungskräften und PR-Profis.

Der Dialog ist dringend nötig, denn PR schadet nach Einschätzung der Journalisten oft mehr, als sie nützt. Während Kommunikationschefs und Agenturen gerne ihren strategischen Anspruch unterstreichen, leiden die Redaktionen täglich unter einer Flut irrelevanter Unternehmensinformationen. Die Folge: Das Interesse an PR-Themen ist so gering wie nie zuvor. Den Schaden haben die Auftraggeber. Diese Beobachtung trifft nicht nur auf kleine Agenturen oder dem vermeintlich medienunerfahrenen Mittelstand zu. Selbst DAX-30-Unternehmen werden im alltäglichen Umgang nicht unbedingt den Anforderungen der Journalisten gerecht.

Volker Müller kennt als Redakteur der FTD und ehemaliger Bitkom-Sprecher beide Seiten des Schreibtisches. Vieles scheitere schon an handwerklichen Fehlern. "Kommunikatoren kommen oft nicht auf den Punkt", urteilt Müller. Er fordert auch von marktführenden Unternehmen, sich stärker mit dem Wettbewerb auseinanderzusetzen und die Unterschiede zu akzentuieren. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, findet auch Christian Rickens vom Manager Magazin: "Öffentlichkeitsarbeiter müssen lernen, sich in die Denkweise von Journalisten hineinzuversetzen.“ Die Unternehmen betreiben seiner Ansicht nach zu viel Nabelschau und sind oft nicht in der Lage, verwertbare Fakten zusammenzustellen.

Die Seminarreihe will den Unternehmen helfen, ihre Pressearbeit auf inhaltlicher und handwerklicher Ebene kritisch zu überprüfen. Die Referenten geben detaillierte Einblicke in Arbeitsweise, Ansprüche und Zwänge großer Wirtschaftsredaktionen. Fallbeispiele vermitteln pragmatische Tipps, wie die Pressearbeit mit einfachen Mitteln zu verbessern ist. Moderiert wird das Seminar von Mark Pohlmann, Unternehmenssprecher SinnerSchrader Aktiengesellschaft.

Veranstalter ist SinnerSchrader in Kooperation mit dem Bundesverband Digitale Wirtschaft, dem rund 1.000 Unternehmen aus IT und Medien angehören.

Die Termine:
28. Oktober in Hamburg
11. November in Frankfurt
25. November in München
Jeweils 10:00 bis 18:00 Uhr.

Die Teilnahmekosten betragen 375 Euro inkl. Verpflegung. Mehr Informationen hier oder über Mark Pohlmann, 040/398855-180

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Google hat Deutungshoheit

Veröffentlicht am 25. April 2005 um 13:59 Uhr von

Google_adwordsNur Google kann die gängigsten Formate der Webwelt als neu verkaufen. Um es kurz zu machen: Google kann jetzt auch nach Tausenderkontaktpreis abrechnen und Banner plazieren. Interessant daran ist, daß die FTD, heise.de & Co. die Google-Sprachregelung unreflektiert übernehmen. Deutungshoheit über Begriffe zu haben, das ist wahre Macht.

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Politik statt Sex

Veröffentlicht am 19. Februar 2005 um 14:23 Uhr von

Einen interessanten Trend hat der gerade geschaßte RTL-Geschäftsführer Marc Conrad in einem Interview mit dem Medieninformationsdienst epd beschrieben:

"Früher hat RTL den Zuschauern "das Korsett geöffnet". Heute ist ,Politik der neue Sex', damit meine ich alles, was unsere Gesellschaft betrifft."

Dieser Gedanke ist mehrfach interessant. Erstens. Sex ist wichtig, aber für einen Sender wie RTL nicht massenkompatibel genug. Zweitens. Conrad dokumentiert, wie weit die Uminterpretation des Politischen fortgeschritten ist. Politik ist eben nicht das, was uns angeht, sondern was uns aufregt. Der Quotendruck serviert wohltemperierte Erregungshäppchen, die sich beliebig an- und abschalten lassen. Wirkliche gesellschaftliche Relevanz läßt sich schwer auf die gängigen Quotenformate übertragen. Und wo traut sich ein Programmchef an wirkliche Reizthemen ran, gar welche, die Werbekunden beunruhigt? Drittens. Da hat RTL aber noch einen weiten Weg vor sich, wenn es Politik als Sex behandeln will. Das Programm sieht nämlich anders aus - siehe die "Neustarts" des Senders. Ich behaupte mal, daß Conrad auch gehen mußte, weil der Sender mit den Konsequenzen dieser Diagnose (derzeit?) überfordert ist.

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