Kontinentaldrift

Veröffentlicht am 15. November 2007 um 9:11 Uhr von Mark Pohlmann

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Kommunikatoren wandeln zwischen den Welten. Sie vermitteln zwischen Interessengruppen, wecken Verständnis. Und Neugierde. Als ein solcher Mediator bin ich derzeit viel auf Kongressen und sehe anderen beim Ringen um den Sinn partizipativer Medien zu.

Doch die Diskussionen ändern sich. Während wir noch vor 12 Monaten alle vereint am Steg saßen und staunend die Möglichkeiten bewunderten, die sich da dunstig am Horizont bildeten, sind die einen längst in ihren kleinen Booten aufgebrochen. Die anderen blieben zurück und hadern seitdem damit, auf welcher Seite des Ozeans das Gras grüner ist.

Genauso spielen sich auch die Diskussionen auf den Konferenzen ab. Während auf Veranstaltungen wie den Medientagen München vor allem die Rechtfertigung im Vordergrund steht, warum es richtig ist, nicht jetzt schon aufzubrechen, dazu noch in so kleinen Booten und wahrscheinlich ohne Ahnung, in welche Richtung es zu paddeln gilt, beginnen die, die auf Kongressen wie der Sime in Stockholm (auf dem ich derzeit gerade weile) rumschippern, die Zurückgebliebenen zu vergessen. Die Tektonik der Kommunikation verändert sich. Nicht nur für die, die sich auf das Neue einlassen. Es findet ein Kontinentaldrift statt, den die nicht merken, die auf der wegtreibenden Platte stehen.

Die Auswirkungen sind verheerend. Denn wir hören in diesen Tagen auf, die selbe Sprache zu sprechen. Während in den wankenden Booten gestaunt wird, wie gut Wikipedia schon ist, wird an Land vor allem wahrgenommen, wie riskant es ist. Nicht nur die Wirtschaft selbst spaltet sich in digitale und analoge Apologeten. Auch die Kommunikationswirtschaft spaltet sich in zwei Lager: Die einen begreifen die durch die Digitalisierung entstandene Partizipation an der Ressource Aufmerksamkeit als Chance, die anderen als Krise. So einfach ist das. Wir haben Mutige und Ängstliche.

Die Angst führt zu absurden Verweigerungshaltungen, wie die von Agentur-Chef Lars Cords, der seine gesamte Agentur mit einem Denkverbot in Sachen Mitmach-Medien belegt hat ("99,99% des Inhalts im Web 2.0 ist das Ergebnis von egozentrischen Selbstreflektierern und hat das Niveau von Teenager-Tagebüchern" Quelle). Gut, Herr Cords äußert damit nur das, was seine Kunden denken. Die Kunden, die in Reichweite denken und Umsatz von der Kommunikation verlangen.

Diese Menschen übersehen, wie weit die Kunden ihrer Kunden schon sind. Das Mitmachen ist längst Teil des Alltages. Hier ist jeder Kunde Teil der Aufmerksamkeitsökonomie, jeder steht selbst im Mittelpunkt seines eigenen Interesses. Hier sind Menschen die Epizentren, nicht die Unternehmen.

Die Mutigen unter den Kommunikatoren fragen nicht mehr nach dem Nutzen von einzelnen Tools. Die Diskussion dreht sich schon längst nicht mehr um die Frage, ob ein Corporate Blog Sinn macht oder nicht. Wir Kommunikatoren haben heute eine weite Palette unterschiedlichster Technologien zur Verfügung. Jede hat ihre Stärken, ihre Grenzen. Es hängt von den Zielen ab, von der Kultur eines Unternehmens, was wo zum Einsatz kommt. Wir müssen den Kunden folgen, das ist alles. Ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, darf gerne bezweifelt werden. Nur die Alternative bietet sich nicht. Denn dort, wo die Unternehmen ihre Instant-Kommunikation plazieren, sind eben keine - oder nicht mehr ausreichend- Kunden.

Thomas Knüwer erzählte jüngst die Geschichte eines Franchise-Unternehmens, das ein internes Wiki einsetzt, in dem alles niedergeschrieben wird, was für die angeschlossenen Händler von Belang ist. Jeder kann alles ändern, auch die Formulierungen der Konditionen, ja, sogar die Konditionen selbst. Das tat die Auszubildende: Sie vereinfachte kurzerhand das Margensystem, und alle fanden es besser danach. Sicher, eine Geschichte, die sich anhört aus 1001 Nacht. Aber diese Geschichten gibt es tausendfach. Alles wird besser, wenn wir miteinander reden.

Twitter ist so ein Ding, das auch niemand verstehen will, der es nicht kennt. Öffentliche Kurznachrichten in der Länge einer SMS, die jeder abonnieren kann. Seitdem ich Twitter nutze, halte ich einen kleinteiligen und alltäglichen Kontakt zu rund 80 Menschen aus meinem Bekanntenkreis. Jeder kann meine "Tweets" lesen und so mitverfolgen, wo ich bin, was ich mache und was ich denke. Derzeit lesen rund 1.500 Personen regelmäßig diesen Blog, knapp 80 verfolgen meine Twitter-Einträge. Sie alle, darunter Journalisten, Kunden und andere Multiplikatoren, interessieren sich aus eigenem Antrieb für meine Themen. Sie werden nicht gezwungen, sie werden nicht bezahlt. Diese Form der Kommunikation ist längst effizienter geworden als das Verfassen einer Mail oder Pressemitteilung. Nur verstehen das die Menschen auf der wunderbar langsam umherdriftenden Kontinentalplatte nicht mehr. Erst wollten sie es nicht verstehen. Nun können sie nicht mehr.

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Die Auflage der anderen

Veröffentlicht am 19. April 2007 um 20:44 Uhr von Mark Pohlmann

Das Wirtschaftsmagazin"Capital" verkauft offiziell 204.000 Stück. Im Grosso aber war es etwa bei der Ausgabe sieben ein Allzeit-Tief von 6.200 Exemplaren: der Rest sind Abos, sonstige Verkäufe, Bordexemplare. Neugründung "Vanity Fair" lag mit Nummer 13 bei 64.000 Stück im Grosso - 219.000 Exemplare weniger als bei der ersten Ausgabe." Quelle

6.200 Leser im Monat am Kiosk- das sind 200 am Tag. Da hat der Themenblog mehr Leser.

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Corporate Blogging ist tot?

Veröffentlicht am 15. März 2007 um 11:13 Uhr von Mark Pohlmann

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Auf dem Bild: nugg.ad-Gründer Stephan Noller in seinem ersten Leben.

Robert Basic hatte sich vor einigen Wochen bereits mit dem Thema beschäftigt, daß bloggende Unternehmen schnell frustriert davon sind, daß Aufwand und Reichweite in keinem vernünftigen Verhältnis stehen. Wer wochenlang liebevoll Artikel um Artikel schreibt und dabei vielleicht ein, zwei Dutzend Leser am Tag gewinnt, der fragt sich schon, ob er die Zeit nicht sinnvoller investieren kann.

Solange handwerkliche Regeln berücksichtigt werden (die wichtigste: Es bloggen immer Menschen, nie Unternehmen), gibt es aber keine Alternative zum Bloggen. Nirgendwo sonst im Corporate-Publishing-Universum kann eine solche inhaltliche Intensität wie in einem Blog hergestellt werden. Verarbschieden muß man sich allerdings vom Traum einer großen Reichweite. Nicht möglichst viele, sondern genau die Richtigen zu bedienen ist das Ziel eines Blogs. Und wenn das 50 Personen sind, und diese den Blog lesen, ist alles erreicht. Wer es anders sieht, wird nicht lange durchhalten. Oder muß Horst Schlämmer engagieren.

Jetzt findet der Behavorial-Targeting-Dienstleister nugg.ad (Achtung, nugg.ad ist zwar Kunde von uns, aber gerade in dieser Sache vollkommen selbständig agierend) eine adäquate Antwort auf das Problem.

Das neue nugg.ad Blog wird also Abschied nehmen von redaktionellen Prozessen und Publikationsplänen sowie überhaupt von jeglicher Form der Kontrolle. Ein paar nugg.ads werden also in Zukunft über den Alltag in einem spannenden Startup, der Homebase der weltbesten Relevanzmaschine berichten.

Herzlichen Glückwunsch von meiner Seite. Genau DAS ist Corporate Blogging.

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DLD 07

Veröffentlicht am 20. Oktober 2006 um 11:46 Uhr von Mark Pohlmann

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Wo ich gerade im Kongreß-Modus bin: Ziemlich beeindruckend, wen Burda Ende Januar auf seinem "Digital Lifestyle Day" zusammentrommelt.

Es sprechen u.a.:

Marissa Mayer (VP Google)
Nicklas Zennström (Founder Skype)
Martin Varsavsky (Founder FON)
Chris Bangle (Chief Designer BMW)
Craig Newmark (Founder Craigslist)
Rolf Sachs (Designer & Artist)
Christiane zu Salm and Oliver Samwer (Entrepreneurs) and
Thierry Antinori (CMO Lufthansa).

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Ein Tag in der Coca-Cola-WG

Veröffentlicht am 30. Juni 2006 um 12:49 Uhr von Mark Pohlmann

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hier lesen, wie´s war.

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Interview mit Felix Schwenzel zum Astra-Test: „Aufregen ist eine Triebfeder des Bloggens“

Veröffentlicht am 14. Juni 2006 um 10:01 Uhr von Mark Pohlmann

Mark Pohlmann: Felix, vielen Dank für die Möglichkeit, mit Dir über das Astra.Blogg zu sprechen. Du und drei weitere Blogger haben vier Wochen jeweils einen Opel Astra zum Testen bekommen. Als Gegenleistung habt Ihr über Eure Erfahrungen gebloggt. Wie Du den Wagen findest, kann man hier ausführlich nachlesen. Wie zufrieden bist Du selbst mit dem Autotest?
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Felix Schwenzel: Insgesamt bin ich zufrieden, denn ich habe ein Auto und Sprit kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen und ein Thema zum Schreiben. Andererseits hasse ich das Autofahren. Don Dahlmann hat das schön zusammengefaßt: Lauter gehetzte Irre auf den Autobahnen. Ich habe die Gelegenheit genutzt und bin an Orte gefahren, an denen ich schon lange nicht mehr war und wo ich schon länger mal wieder hin wollte. Das war befriedigend. Der Alltag mit dem Auto in Berlin und Hamburg war weniger befriedigend.

Wie zufrieden ist Opel mit dem Test?

Keine Ahnung. Ich habe mir auch von Anfang an vorgenommen, mir darüber keine Gedanken zu machen. Auch wenn das hier und da steif und fest behauptet wird - ich blogge nicht für Opel, sondern, so wie immer, für irgendwen, irgendwelche Leute die ich zum großen Teil nicht kenne und die mein Blog lesen. Offensichtlich ist also noch Raum für weitere Interviews: mit Orangemedia, mit UniversalMcCann und Opel.

Viele Blogger und Leser haben sehr emotional auf euer Engagement reagiert. Kritisiert wurde, wie schnell Ihr als unabhängige Blogger zu käuflichen Werbeträgern mutiert seid. Du und Deine schreibenden Co-Tester mußten sich als "korrumpierte Rosettenlutscher" beschimpfen lassen. War Euch bewußt, wie stark ihr mit eurer Aktion polarisiert? Oder war dies Teil des Konzeptes?

Das Wort „Rosettenlecker“ kam ursprünglich von der Schwadroneuse. Ich habe die Beschreibung dankbar aufgegriffen für Leute, die sich ohne den geringsten originellen Gedanken an die Polemik von Herrn Poodle dranhängen. Den Poodle-Text habe ich übrigens eher sportlich gesehen. Abgesehen davon habe ich Verständnis für solche Wut-Postings, in denen man etwas, was einen richtig aufregt, kräftig runtermacht. Mir ist ein ordentlicher, ehrlicher Wutausbruch sehr viel lieber als kryptisches Rumformulieren oder dieses ewige Hinterhergelaufe hinter irgendwelchen vermeintlichen Vorbildern, in der Hoffnung, etwas von deren Karma oder deren Fähigkeit zu denken abzubekommen und sich so die eigenen Gedanken zu sparen.

Daß wir „korrumpiert“, „instrumentalisiert“ und „unglaubwürdig“ seien, haben wir uns eine Weile anhören müssen. Allerdings hat das, nachdem auch ein paar Texte zur Aktion online standen, ziemlich stark nachgelassen. Daß die Aktion polarisiert, war zu erwarten. Allerdings hat niemand mit dieser Heftigkeit gerechnet. Davon war im übrigen auch der Herr Poodle überrascht. Ich war aber auch wieder überrascht, wie wenig Resonanz die bekannten Trittbrettfahrer und Selbstdarsteller bekommen haben.

Was würdest Du Opel und der Agentur fürs nächste Mal empfehlen?

Ich würde MC Winkel keinen 250-PS-Renner versprechen, um ihm dann `nen Diesel-Kombi hinzustellen. Mir wurden auch 30 PS weniger als versprochen geliefert. Blogger reagieren auf zurückgezogene Versprechen bekanntlich schnell pampig. Andererseits habe ich Verständnis für die vielfältigen Schwierigkeiten beim Organisieren einer solchen Aktion. Nur eins sollte jedem klar sein, der sich mit Bloggern einläßt: die schreiben (fast) alles sofort auf. Da öffnen sich ganz schnell ungeschützte Flanken, in denen dann von Außen mit Zahnstochern rumgebohrt wird. Nichts gegen freundschaftlichen, kumpelhaften Umgang. Aber das, was kommuniziert wird, sollte wasserdicht sein.

Nochmal zurück zu den Reaktionen aus dem Blog-Umfeld. Kann man sagen, daß viele so reagiert haben, wie sie immer reagieren? Sie regen sich auf? Dieses mal halt vor dem Hintergrund eines Autotestes?

Aufregen ist eine Triebfeder des Bloggens. Man darf das emotionale Moment nicht unterschätzen. Aber im Gegenteil zu mancher Theorie des aufgepeitschten blinden Blogmobs, der Unschuldige niedermacht, glaube ich daran, daß die meisten ganz gut merken, ob ihre Aufregung Substanz hat oder nicht. Viele halten die Blogger ja für blöde Herdentiere, was aber mit Ausnahme einiger "Rosettenlutscher / Applausheinis" vorne und hinten nicht stimmt.


Kraftausdrücke scheinen Dir zu liegen, Du benutzt sie oft und gerne. Es war absehbar, daß Opel durch Dich und Deine Leser mittenrein kommen würde in den Strudel der Wortkraftmeierei. Hätte man Opel nicht warnen müssen? Hättest Du selbst Opel nicht vor Dir schützen müssen?

Wie bereits gesagt: mich interessiert es nicht, wo für Opel der Nutzen liegt. Ich verstehe nicht, wie solche Unternehmen ticken. Sonst wäre ich wohl Werbefuzzi oder PR-Tante geworden. Wenn man mir gesagt hätte, was man gerne für Texte von mir hätte, was ich tun und was ich lassen sollte, hätte ich nicht mitgemacht oder wäre nur das Auto gefahren und hätte nix geschrieben. Offenbar ist man bereit, nicht nur Journalisten Autos zum Testen zu geben, ohne zu wissen, was dabei herauskommt. Sondern man ist auch bereit, dieses Risiko bei Bloggern einzugehen. Das finde ich erstmal gut. Und das Risiko sehe ich bei Opel und den beteiligten Agenturen. Ich hatte ja nichts zu verlieren.

Was glaubst Du: wo war für Opel der Nutzen, Dir, Deinen Lesern und der Blogosphäre diesen Test zuzumuten?

Zumuten muß sich mein Weblog wirklich niemand. Mir hat das Bloggen schon Spaß gemacht, als ich nur 100 Leser hatte und niemand meinte mir Glaubwürdigkeit, Moral oder Mangel daran attestieren zu müssen. Hinter meinem Blog steht nur eine kleine Idee, auf die ich sogar ein bißchen stolz bin: Ich schreibe, was ich will. Daß ich ein paar Leser gefunden habe, obwohl ich gegen alle gutgemeinten Ratschläge und Regeln des guten Geschmacks, der Verdaulichkeit, der Rechtschreibung und Zeichensetzung verstoße, freut mich ungemein.

Hat die Aktion Dein Bild von Opel verändert?

Der letzte Opel, den ich fuhr, zitterte am ganzen Leib, wenn ich schneller als 140 fuhr. Der Opel heute fährt dagegen wie auf Schienen, auch bei 210. Das Bild der Autos wurde sozusagen geupdated. Um zu sagen, ob mein Bild von Opel verändert wurde, müßte ich mich fragen, was ich vorher für ein Bild hatte. Und ich stelle erschreckt fest: fast gar keins. Jetzt habe ich zumindest ein kleines Bild von Opel.

Felix, Danke für das Gespräch.
(Per E-Mail aufgezeichnet)

Siehe auch: Blogger vorm Werbekarren

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PDF -Publishing: Revenues Getting Real

Veröffentlicht am 24. Mai 2006 um 16:59 Uhr von Mark Pohlmann

37Signals, Meister des Eigenmarketings, geben Einblicke in die Umsatzerlöse ihres ausschließlich online vertriebenen PDF-Buches "Getting Real". 175.000 Dollar in 75 Tagen.

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Pentax macht Lust aufs Lesen

Veröffentlicht am 8. Mai 2006 um 10:01 Uhr von Mark Pohlmann

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Sprachregeln

Veröffentlicht am 28. April 2006 um 14:28 Uhr von Mark Pohlmann

In der PR - und im Rest der Welt

  • Das Wichtigste nach vorne
  • Wenige Adjektive, kräftige Substantive
  • Kein Nominalstil sondern Verben
  • Viel Aktiv, wenig Passiv
  • Hauptsachen in Hauptsätze, Nebensachen in Nebensätze
  • Überflüssiges und Belangloses weglassen
  • Konkret formulieren statt abstrakt erzählen
  • Positive Begriffe statt Verneinungen
  • Keine Fremdwörter, keine Abkürzungen 
Quelle: PR-Report (Print)

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Haltung zeigen

Veröffentlicht am 2. November 2005 um 15:47 Uhr von

Ashampoo_3 Herzlichen Glückwunsch, Ashampoo: Rückgrat beweisen und Stellung beziehen fördert das eigene unternehmerische Profil - auch wenn das eine mit dem anderen eigentlich nichts zu tun hat. Denn von Unternehmern, die nicht schnacken, sondern anfassen, lebt das Land - so jedenfalls will diese ganzseitige Anzeige aus der heutigen FAZ uns Glauben machen. Und authentisch ist es auch noch - kurzum: beste PR für ein mittelstandändisches Unternehmen. Mehr dazu auf Spiegel.

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Was Microsoft anders macht als S&J

Veröffentlicht am 21. September 2005 um 15:03 Uhr von

Microsoft und Springer & Jacoby. Zwei Unternehmen, die nichts als der Zwang zur Restrukturierung verbindet. Was mir bei der heute kommunizierten Repositionierung von Microsoft besser gefällt als bei der S&J-Meldung vor wenigen Tagen: MS benennt den Feind. "Grund für die Umstrukturierung ist die wachsende Konkurrenz von Internetunternehmen wie Google und der zunehmende Erfolg des Linux-Betriebssystems", so die Meldung im Wall Street Journal, über die heute u.a. das Handelsblatt berichtet.

Was bewegt S&J? Zu geringe Umsätze, zu teure Honorarmodelle, zu aufwendige Awards. Wo ist der Unterschied? Der eine blickt nach vorne, der andere nach hinten. Für den einen steht der Feind außen, für den anderen innen.

Lesenswert zu S&J auch die Betrachtungen von Werbewunderland.

Nachtrag: Meldung auf horizont.net

Mercedes-Benz stellt Springer & Jacoby ein Ultimatum
Schlechte Nachricht für die Hamburger Agentur Springer & Jacoby: Stammkunde Mercedes-Benz ist offenbar nicht einverstanden mit dem Umbau bei seinem langjährigen Etathalter und stellt der Agentur ein Ultimatum.

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"Die goldenen Zeiten sind vorbei" oder: Wir erfinden uns neu

Veröffentlicht am 15. September 2005 um 18:49 Uhr von

Die Hamburger Werber Springer & Jacoby sortieren sich neu. Probleme machen zunehmend diversifizierte Werbekanäle mit geringerer Reichweite (vulgo: mehr Arbeit für weniger Geld) und ein fortschreitender Preisverfall, oder: lästiger Wettbewerb.

Als Reaktion wird das Projektgeschäft fortan in "klassische Dienstleistung" und einen "Effizienztarif" unterteilt. Letzterer bietet weniger Arbeitsstufen, straffere Abläufe und standardisierte Briefings und soll deutlich günstiger sein. Kurz: Wer sich auf einen festen Projektablauf einläßt, zahlt weniger. Wer das volle Programm alltäglichen Agenturwahnsinns will, bekommt die dementsprechende Rechnung. Dazu kommen eine neue interne Struktur, neue Geschäftsführer, der Verzicht auf imageträchtige, aber kostspielige Teilnahme an Awards.

Klingt doch irgendwie vernünftig. Wurde aber schlecht aufgenommen. Der Höhepunkt war heute die FAZ, die "Springer & Jacoby ist auf Abwegen" titelt und urteilt: "Auf eine gesunde Entwicklung deutet das nicht hin."

Warum die Ablehnung? Einige vage Erklärungsversuche aus der Außenperspektive. 

1. In dem Pressegespräch wurde offenbar die aktuelle wirtschaftliche Situation nicht wirklich ausformuliert dargestellt - jedenfalls fehlen jegliche Fakten in der Berichterstattung. Keine Zahlen, keine Herleitungen, das läßt Raum für Spekulation und Zweifel. Der Verweis auf die Börsenregeln für den Haupteigner Interpublic zeigt nur, daß dieses Kommunikationsproblem zwar gesehen, aber nicht gelöst wurde.

2. Reorganisationen werden immer als Krisenzeichen wahrgenommen. Warum hat man nicht früher reagiert? Woher kommt die Gewißheit, daß die bedienten Hebel die richtigen sind? Am Ende richtet sich das Timing immer gegen den Akteur, der beweisen muß, daß jetzt die richtige Zeit zum Handeln ist. Hier scheint es bis auf die Kündigungen keinen plausiblen Anker gegeben zu haben. Zitate wie "Die goldenen Zeiten sind vorbei" (laut FAZ) sorgen da eher für Endzeitstimmung.

3. Konsequenz der PR-Aktion: die Fachgazetten sind voll, aber auf www.sj.com ist kein Sterbenswörtchen zu lesen. Die letzte News im Pressebereich ist von Mai 2005. Das wirkt nicht vorbereitet. Was ist mit Kunden, Mitarbeitern, Partnern, Ehemaligen, Assoziierten, Freunden & Bekannten? Wurden alle vorab informiert, so daß jegliche allgemeine Information überflüssig ist? Oder haben sie es aus der Presse erfahren? Dann werden sie sich jedenfalls nicht bevorzugt behandelt fühlen. Journalisten zuerst zu informieren heißt, Prioritäten gegen die zu setzen, von denen das Unternehmen lebt.

4. Ein Dienstleister soll sich um den Kunden kümmern, nicht um sich. Wer über die eigene Effizienz redet und Awardeinreichungen abschafft, bestraft den Kunden. Beides sind nicht die richtigen Ausgangspunkte für ein Gefühl des Aufschwungs.

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Corporate Branding gibt es gar nicht

Veröffentlicht am 25. Juli 2005 um 14:47 Uhr von

So ist das mit dem Buzzword-Bingo: Am Ende weiß man wenigstens, daß es das heiß umtanzte Phänomen gar nicht gibt. So geht es dem Schlag- und Modewort "Corporate Branding". Das ist nur ein Mittel zum Zweck, entdeckte die Strategieberatung Monitorgroup.

Nur 42 Prozent der befragten Top-Manager in Europa geht es [bei Corporate Branding] um die Vermittlung von Werten. Mehr als doppelt so viele wollen vor allem Kunden und Geschäftsaussichten beeinflussen.

Wer hätte das gedacht: Manager fühlen sich mehr dem Umsatz als der Kulturvermittlung verpflichtet.

Corporate Branding ist also der Aufbau von Fassade. Mogeln ist erlaubt, solange man nicht erwischt wird. Reputation hingegen ist "geprägt dadurch, wie wir handeln - nicht, was wir behaupten zu tun", wird der Aufsichtsratsvorsitzende eines Ölkonzerns zitiert. Tatsächlich bestätigt die Studie, dass die Diskrepanz zwischen Sagen und Tun sich negativ auf die Reputation auswirkt.

Ja, weh tut es immer erst, wenn man erwischt wird. Eigentlich. By the way: Wer fährt jetzt noch VW, hat ein Konto bei der Commerzbank oder guckt ARD? Und läßt sich vom Klingeltonkauf bei Jamba abhalten? Brent Spar und Shell, das ist lange her.

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Imageschaden bei Ebay?

Veröffentlicht am 29. Juni 2005 um 18:07 Uhr von

Ebay hat einen Markenrechtsstreit um den Slogan "3..2..1..meins" gegen einen nicht weiter genannten "Unternemensberater aus Willich" verloren, der den Spruch eine Woche früher als Ebay hat schützen lassen. Das kann man hier und detaillierter hier nachlesen. Nun, das ist sicher ärgerlich für Ebay, schließlich geht der Claim seit seiner Einführung wie geschnitten Brot und alle Beteiligten sind - zu recht - sehr stolz auf ihn. Der handwerkliche Fehler, den Eintrag schlichtweg versäumt zu haben, sei hier nur am Rande erwähnt und mag vor allem brancheninterne Gemüter erwärmen.

"Selbst die großen Agenturen, ausgestattet mit viel Geld und beraten durch spezialisierte Anwälte, machen Fehler. Über vier Monate wurde eine Werbekampagne gefahren, obwohl es keine Markenanmeldung gab. Ein solcher flankierender Markenschutz ist aber absolut üblich."

Viel interessanter aber ist die Frage, ob Ebay durch das Verfahren einen Imageschaden erleidet, wie die Tageszeitung Die Welt behauptet. Hier laufen zwei Stränge zusammen, die nicht zusammengehören. Zum einen ein für Nichtbetroffene vollkommen irrelevanter Rechsstreit. Zum anderen das Lauern der Öffentlichkeit auf einen Fehler des Giganten. Wann kommt er? Wo kommt er? Wie groß wird er sein? DASS er kommt, scheint allen sicher zu sein. Zu groß das Unternehmen, zu strahlend der Erfolg, zu lang andauernd der Jubel. Langsam, still und heimlich scheint Ebay sich als Idol schlechthin (die Gründerin, die Vorständin, die Kunden, die Powerseller, die Jobmaschine, der Kampfjet, der Papstgolf usw.) abzunutzen. Was jetzt kommt, wird hart für Ebay, das zeichnet sich ab: Häme über jedes Mißgeschick, sei es auch so unbedeutend wie in diesem Fall. Die Meute scheint bereit, über das Unternehmen, das sie selbst groß gemacht hat, herzufallen.

Was Ebay derzeit bei aller professionellen Kommunikation hierzulande vielleicht besonders fehlt, ist das, was man gemeinhin mit "Human Touch" tituliert. Sicher, es gibt CEO Mag Whitman. Und sie ist eine geradezu perfekt menschelnde Konzernchefin - in Amerika. Hier bei uns ist sie nicht greifbar, ja geradezu fiktiv. Ebay hat in Deutschland versäumt, in den guten Jahren eine prominente und präsente Vertrauensperson aufzubauen, die alles, was Whitman tut und sagt, für den weltweit zweitwichtigsten Markt übersetzt. So gibt es folgerichtig auch nur sehr indirekte Informationen über die Reaktionen von Ebay zu dem Gerichtsurteil. Jetzt fehlt der Vorstand, der mal eben schnell vor die Mikros tritt und erklärt, daß das Urteil ärgerlich, aber ziemlich folgenlos ist. Erschwerend kommt hinzu, daß amerikanische Unternehmen dezentrale Kommunikation prinzipiell nicht mögen. Das könnte jetzt Konsequenzen haben.

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