Obama sammelt Wähler im Netz

Veröffentlicht am 3. November 2008 um 14:40 Uhr von Anna Friedrich

Es ist schon erstaunlich, dass Barack Obama über eine Internet-Community und -Präsenz verfügt, die viermal so groß ist wie die seines Konkurrenten McCain. Dazu hat der Webstratege Jeremiah Owyang hat folgende Statistik aufgestellt:
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Die Wahlkampf-Kampagne des demokratischen Präsidentschaftskandidaten hat das Mitmach-Web entdeckt und auch den amerikanischen Walhkampf revolutioniert. Eine Mitarbeiterin des Campaign Finance Institutes in Washington betont:

Der eigentliche Kern von Obamas Story ist, dass er das Internet als umfassende Wahlkampfstrategie einsetzt. Er wirbt nicht nur Wahlkampfspenden an, sondern organisiert eine Freiwilligen-Bewegung.

Massenmails von Obama sind ein Teil seines Schneeball-Prinzips. Über kleine Spenden im Web konnte der Kandidat mittlerweile rund 600 Millionen Dollar Spendengelder kassieren. Seine Netzbasis wird in Social Communities organisiert: auf seiner MySpace- und Facebook-Seite sind mittlerweile über 2,7 Millionen Fans registriert. Die eigene Social Community mybarackobama.com hat rund 2 Millionen Mitglieder. Diese Basis nutzt Obama, um seine Fans einzuspannen: für Obama-Partys zum Beispiel oder dafür, Nachbarn zur Stimmabgabe für ihn zu überzeugen.

Angeblich wurde für die Online-Kampagne eigens Facebook-Gründer Mark Zuckerberg als Berater eingestellt. Er unterstützte den Aufbau der Kampagnen-Website und stand mit seinem Know-how um den Boom der Social Networks zur Seite - von E-Mail-Benachrichtigungen über einen personalisierten Bereich auf mybarackobama.com bis zur Diskussion auf dem Blog.

Mit dem intensiven Kontakt zu seinen potentiellen Wählern im Netz schafft Obama einen direkten Weg - er umgeht die Presse und spricht seine Fans direkt an. Gerade junge Amerikaner, die weniger politikaffin sind, fühlen sich angesprochen.

Ein schönes Beispiel für den Online-Rummel um den potentiellen Präsidenten ist das selbst ernannte Obama Girl. Amber Lee Ettinger wurde bekannt durch ihr YouTube Video "I got a Crush... on Obama". Eine virale Kampagne, über die die Medien viel berichteten und die Symbol ist für das amerikanische Volk, das durch sein Engagement im Netz die Begeisterung für den Wunschkandidaten Obama zum Ausdruck bringt. YouTube kann sich vor Obama-Videos kaum noch retten. Auch die bekannte Komödiantin Sarah Silverman will in ihrer Video-Kampagne ihre jüdischen Mitbürger dazu bringen, für Obama zu stimmen.

Falls diese Bewegung aus dem Web Obama ins Weiße Haus bringt, wird das Internet das politische System verändern. Damit hat sich Tobias Moorstedt in seinem Buch "Jeffersons Erben" befasst. Er hat das Phänomen Obama als Demokratisierender im Netz unter die Lupe genommen. In einem Interview mit dem Tagesspiegel erklärt er, was den demokratischen Kandidaten so erfolgreich macht:

Es sind drei Dinge, die Obamas Online-Wahlkampf so erfolgreich machen: Erstens schafft er es, seinen Anhängern das Gefühl einer Gemeinschaft zu geben. Wer sich auf seiner Website registriert hat, erhält beispielsweise direkt nach den TV-Duellen Emails mit „persönlichen" Einschätzungen. Solche exklusiven Informationen verbinden den Präsidentschaftskandidaten mit seinen Anhängern.


Zweitens verbindet er über seine Seite mybarackobama.com Gleichgesinnte. Die technische Infrastruktur, die seine Website mybarackobama.com bietet, ermöglicht unbekannten Menschen zusammen Veranstaltungen, Treffen und Aktionen rund um die Wahl ihres Kandidaten zu organisieren.

Drittens nimmt die Kampagne den so genannten „voter generated content" von der Basis auf und integriert ihn. Das bekannteste Beispiel ist der Videoclip „Yes we can" des Sängers will.i.am von den Black Eyed Peas, der ohne Zutun der Obama-Kampagnen-Manager entstanden sein soll und schließlich vom Wahlkampfteam per Mail herumgeschickt wurde. Obama schafft es sehr gut, von der Kreativität und der Energie seiner Anhänger zu profitieren und sie zugleich auch ernst zu nehmen.

Dies zeugt vom politischen Wandel im Wahlkampf und Obama würde - wenn er gewählt wird - als US-Präsident mit seiner Internet-Datenbank auch ein Gegenelement zur altbewährten Parteipolitik in Washington liefern.

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