Facebook-Zensur in Italiens Firmen

Veröffentlicht am 19. November 2008 um 18:25 Uhr von Anna Friedrich

Kein Zugang zu Facebook am Arbeitsplatz - das ist in Italien ab sofort eher die Regel als die Ausnahme. Von mehr Effizienz am Arbeitsplatz durch soziale Netzwerke wollen italienische Unternehmen anscheinend nichts wissen.

Wie die Poste Italiane verbieten viele Unternehmen ihren Mitarbeitern ab sofort, Facebook zu nutzen. Sie vergeuden, so die Begründung, nur ihre Arbeitszeit. Die Stadt Neapel erlaubt eine eingeschränkte Facebook-Benutzung von einer Stunde pro Tag - sechs "Rationen" à zehn Minuten. Da fragt man sich, ob die Stadtverwaltung auch die Toiletten-Pausen regelt?

Anders ist die Einstellung beim Automobilproduzenten Fiat. Hier wird der Netzwerk-Gigant für Online-Marketingzwecke eingesetzt - alle Fiat-Modelle sind auch auf Facebook.

Von den 120 Millionen registrierten Benutzern weltweit zählt Facebook allein in Italien 4,2 Millionen (Stand: September). Dabei ist das Wachstum gigantisch: Die Nutzerzahlen haben sich von Mai bis September 2008 mehr als vervierfacht!

Warum sind Verbote schlecht? Netwerke verbessern die interne Kommunikation, die Arbeitsorganisation und geben ein Gefühl der Zugehörigkeit. Warum darauf verzichten? (s. Blogeintrag Soziale Netzwerke machen das Arbeiten effizienter)

Und, was noch viel wichtiger ist: werden Web 2.0-Anwendungen wie Facebook intern verwehrt, dann können sie auch schlecht für die Kommunikation nach außen mit der Zielgruppe genutzt werden. Die Videobotschaft von Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner, in der er seinen Angestellten die Umstellung der Betriebs-IT auf Mac erklärt, ist doch ein schöner Anfang. Oder die Telekom-Kampagne "Die neue Telekom", in dem Vorstand René Obermann Stellung zum Umbau im Unternehmen nimmt. Wenngleich bei der Telekom-Seite die Kritik laut wurde, dass keine Kommentar-Funktionen vorhanden sind.

Glaubt man einer Studie der Sales-Firma Xenagos, dann verpassen Vertriebsfirmen große Verkaufschancen in sozialen Netzwerken. Denn im Internet stecke, "großes Potential für die Geschäftsanbahnung - hierzulande bleibt es jedoch weitgehend ungenutzt." Mehr dazu im Whitepaper „Social Networks im Vertrieb - Nutzung und Perspektiven". Darin rät Xing-Evangelist Joachim Rumohr jedoch davon ab, Konten auf sozialen Netzwerken ausschließlich für Firmenzwecke einzurichten:

Ein Soziales Netzwerk besteht aus einzelnen Personen mit persönlicher Geschichte, Erfahrungen und auch persönlichen Zielen. Privates und Berufliches ist kaum zu trennen. Persönliches und die Ansprüche des Unternehmens können im Widerspruch stehen. Corporate Accounts halte ich daher in der Ausgestaltung für schwierig.

Tatsächlich sind doch die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben im Web 2.0 fließend. Von Xing über Twitter bis hin zu Facebook - gibt es Accounts die wir tatsächlich nur für "das Eine" benutzen?

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Bisherige Kommentare

1 | Christian Hoffmann schrieb am 21.11.08 9:05

Coole Meldung, doch welchen arbeitsbezogenen Aktivitäten geht eigentlich ein städtische Angestellter auf Facebook nach? Was machen die anderen Angestellten stundenlang in sozialen Netzwerken, dass man sich zu derartigen Maßnahmen gezwungen sieht? Hat da jemand etwas mehr Hintergrundinfos?

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