Das Internet ist der Sauerstoff der Europäer
Veröffentlicht am 21. November 2008 um 10:31 Uhr von Anna Friedrich
Inzwischen sieht ein Großteil der Europäer das Internet als festen Bestandteil ihres Alltags an, ihr Lebensstil orientiert sich mehr und mehr am Web. Dies ist das Fazit der Mediascope Europe 2008 Studie, die sich das Mediennutzungs-Verhalten der europäischen Bevölkerung im Auftrag der European Interactive Advertising Association (EIAA) unter die Lupe genommen hat. Dazu wurden im September diesen Jahres europaweit über 9.000 Internetnutzer interviewt, davon auch gut 1.000 Deutsche.
Innerhalb von einer Woche sind 60 Prozent der Probanden, das entspräche 178 Millionen Europäern, im Netz unterwegs. 55 Prozent der Befragten sind täglich online. Dabei ist die Internet-Nutzung nicht nur beruflich mehr geworden. Auch privat wird mehr gesurft: Während 2007 noch 67 Prozent auch abends im Internet waren, sind es heute bereits drei Viertel der europäischen Studienteilnehmer. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) surft regelmäßig am Wochenende. 2007 waren es gerade einmal 38 Prozent.
Was wird gesurft?
Ein Großteil der Befragten, 83 Prozent finden, dass das Web ihre Lebensqualität steigert. 73 Prozent bleiben über Netzwerke & Co. mit Freunden und Verwandten in Kontakt. 54 Prozent buchen ihre Reisen online. Weiterhin sammeln 51 Prozent Produktinformationen im Internet, die ihre Kaufentscheidungen beeinflussen.
Entscheidend bei der Kaufentscheidung online sind zu 64 Prozent persönliche Empfehlungen. Die Hälfte der Europäer nutzt Online-Preisvergleiche und 49 Prozent nutzen Hersteller-Seiten als Informationsquelle.
Zu 64 Prozent surfen sie auf Seiten, die Kundenbewertungen enthalten - das heißt, Emfephlungen im Netz spielen bei knapp der Hälfte der Käufer eine Rolle, wenn es um die Kaufentscheidung geht! Expertenurteile zu Produkten spielen bei 45 Prozent der Konsumenten eine Rolle. Der Trend scheint also zu sein, dass mehrere Komponenten zur Kaufentscheidung hinzugezogen werden.
Und die Deutschen?
Laut Ergebnissen kaufen 36 Prozent der Deutschen innerhalb von 12 Monaten bis zu fünf Mal im Internet ein. Jeder Zweite gibt an, mehr als sechs Einkäufe zu tätigen sogar mehr als 6 Einkäufe. Beliebtes Kaufobjekt sind mit 69 Prozent Reisetickets. Sie sind dicht gefolgt von Urlaubsangeboten, die von 68 Prozent recherchiert und von 28 auch online gebucht werden. Den dritten Platz belegen mit 55 Prozent Bücher, gefolgt von Elektronikartikeln, Konzertkarten, Kleidung, CDs, Autos und Mobiltelefonen.
Auch ergibt die Untersuchung, dass die Informationen aus dem Internet auch für Offline-Käufe genutzt werden. Immerhin geben 70 Prozent der deutschen Surfer an, für ihre Kaufentscheidungen Suchmaschinen zu Rate zu ziehen. Nur 65 Prozent informieren sich über den "realen" Verkäufer. Erst an dritter Stelle liegen werden von 63 Prozent der Befragten klassische Medien wie Zeitungen und Zeitschriften zur Produktinformation hinzugezogen.
Die "goldene" Jugend
Am stärksten ist die zunehmende Internetnutzung geprägt von der "Generation Online", der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen, die seit der Schulzeit mit dem Web vertraut ist. Von ihnen sind 36 Prozent "Heavy User" und 63 Prozent surfen täglich. Knapp die Hälfte kommuniziert über soziale Netzwerke mit anderen Nutzern - sie haben sich die nutzergenerierten Inhalte zu eigen gemacht.
Alison Fennah, Executive Director der EIAA, fasst das Fazit der Studie so zusammen:
Das Internet hat sich für die Nutzer in den vergangenen fünf Jahren von der reinen Informationsquelle zu einem effektiven Tool entwickelt, mit dem sie ihren gesamten Lifestyle ausleben und ihren Alltag organisieren können - sei es bei der Kommunikation, Unterhaltung, Informationsrecherche oder dem Termin-Management. Vor allem die Generation Internet der 25- bis 34-Jährigen nutzt diese Vorteile bereits aktiv für ihren Alltag. Für werbetreibende Unternehmen und Media-Agenturen in Europa bedeutet dies eine äußerst attraktive Zielgruppe, die sie online effizient erreichen und interaktiv in ihre Markenwelten einbinden können.
Marketiers sollten sich die Ergebnisse genauer anschauen. Die zunehmende Bedeutung des Internets bietet für sie eine große Spielwiese. Nur wer versteht, womit welche Konsumenten ihre Zeit online verbringen, hat auch die Möglichkeit, mit der Zielgruppe in Dialog zu treten.


Bisherige Kommentare
1 | André Luce schrieb am 26.11.08 15:04
schön, wenn heute ein Executive Director die Ideen Castells von 1996 zitiert...