Twittern oder nicht Twittern - ist das (noch) eine Frage?

Veröffentlicht am 17. Oktober 2008 um 14:54 Uhr von Anna Friedrich

Twitter, das Zwitscher-Tool, ist und bleibt ein Kommunikations-Phänomen. Zweieinhalb Jahre nach dem Launch des ersten Microblogging-Systems zählen Beobachter gut drei Millionen Nutzer auf Twitter - eine offizielle Zahl gibt es nicht. Mit der 140-Zeichen-Welt sollten sich PRler und Strategen intensiver befassen und sie für ihre Zwecke einsetzen. So zumindest die Meinung von APR-Autor und Medienanalyst Ryan Zuk.

Bei Twitter dreht sich alles um diese Kurznachrichten derer, die sie lesen ("Followers") und derer, denen man selbst folgt ("Following"). Neben der regulären Webseite www.twitter.com gibt es zahlreiche Drittapplikationen, darunter auch netvibes, Twitbin oder Twitteriffic. Natürlich kann man seinen Status auch per Sms oder Messenger aktualisieren. Twitter ist flexibel und ist über alle möglichen Kanäle erreichbar - immer und überall (s. Hyper, Hyper immer weiter???).

Nicht-Twitterer vom Zusatznutzen zu überzeugen, ist schwierig. Nach dem Motto "Barfuß oder Lackschuh" ist man entweder völlig verzaubert und süchtig nach "Gezwitschere" oder man kann diese mitteilungsbedürftigen Menschen, die sich online rumtreiben oder von unterwegs berichten, einfach nicht verstehen.

Zwitschernde präsentieren sich selbst, ihres Marke oder ihren Kunden - nicht umsonst wird Twitter die Plattform der Selbstdarsteller genannt. Nutzer setzten die kurze und prägnante Micro-Nachricht aus unterschiedlichsten Motivationen und für alle möglichen Ziele ein. Von einflussreichen Industriellen, über Journalisten, Analysten, Prominente, Autoren, Politiker, Unternehmen, Konsumenten bis hin zu Kommunikationsprofis sind alle Gruppierungen bei Twitter vertreten. Sie beschäftigen sich mit den Fragen, wie sie sich fühlen und was sie gerade tun oder bringen andere aktuelle Themen in den Newsstream, mit denen sie sich gerade beschäftigen.

Bendikt Köhler, Sozialwissenschaftler an der Universität der Bundeswehr in München, packt den Twitter Mythos in schöne Worte:

Mikro-Blogging ist wie ein dauerhaftes Flurgespräch, bei dem es ständig etwas Neues zu erfahren gibt und in das man sich beliebig ein- und ausklinken kann.
Durch den dialogischen Charakter von Twitter verändert sich das Informationsverhalten. Nachrichten werden nicht mehr bloß rezipiert, sondern diskutiert und weitergegeben. Jeder ist ein Knoten in einem nahezu weltumspannenden Netz von Informationen.

Das wirklich spannende an Twitter ist, dass es zusätzlich zum ursprünglichen Kommunikationsradius weitere Reichweiten schafft. Und gerade das ist es, was dieses unscheinbare, aber phänomenale Tool so wichtig und interessant für PRler macht.

Social Media Experte Paul Greenberg, sieht es nicht mehr als Frage an, ob Twitter relevent ist. Nein, das Microblogging-Wunder ist aus seiner sicht unumgänglich für PRler:

PR professionals not using Twitter really need to get out there. The days of just putting out great press releases are long past, and the 'who you know' aspects of business are now amplified. Twitter emphasizes the 'how,' and much like other social media success stories can lift an individual or client to higher stature.

Die Goldenen Twitter-„Regeln"
- Auch bei Twitter gibt es eine Etiquette. Erst sollte man zuhören, bevor man schreibt. Wie auch bei anderen sozialen Medien der Fall, muss auch bei Twitter die gleiche Kommunikationsstrategie eingehalten werden: wissen, was andere über einen bereits kommuniziert haben - sei es die eigene Firma oder Kunden. Und die Zielgruppen kennen, die sich mit dem Unternehmen, der Marke o.ä. beschäftigen. So kann sich Twitter als wertvolles Kommunikationstool etablieren. Beziehungen im "Knoten" werden gepflegt und der Dialogprozess beschleunigt.

- Es ist ein Geben und Nehmen im Twitter-Netzwerk: die Community davon, dass man auf die geteilten An- und Einsichten das Feedback der anderen bekommt oder auch Nachrichten von anderen „retweetet", wenn man sie für wichtig hält. Richtig akzeptiert wird man erst, wenn an mit de Community in Dialog tritt, glaubt Greenberg. Mit Twitter etabliere ich mich als "Marke", mein Ratschlag wird wertvoll und ich mache eine Vielzahl von Nutzern auf meien Themen aufmerksam.

- Einige Nutzer halten es für sinnvoll, auch persönliche Nachrichten zu tweeten - damit kann auch der Business-Kontakt etwas privater werden. So auch Scott Nelson von Gartner:

So Twitter creates a middle ground where I can learn more about them on a personal level which nurtures our business along the way.

Natürlich sollten persönliche Nachrichten gewählt sein. Im Hinterkopf sollten Twitterer haben, wen oder was sie repräsentieren. Nelson berichtet, dass viele seiner Kontakte, CIOs und Unternehmen nun sehr viel häufiger mit ihm in Kontakt treten, da seine Tweets eine art Komfortlevel geschaffen haben.

Twitter als Netzwerkpflege
Mit Twitter kann man sich profilieren und dabei Kontakte pflegen und vorantreiben.
Diese Art des „Microsharing" macht es auch möglich, Neuigkeiten sehr viel früher anzukündigen und schneller in Kontakt mit der Zielgruppe zu treten. Dies bestätigt auch Laura Fitton von Pistachio Consulting:

Twitter became the quickest way to get the word out and direct people to more details.

Leiter von Ubiquity Public Relations Aly Saxe ist ebenfalls davon überzeugt, dass Twitter Beziehungen stärkt:

I've come to rely on Twitter to help form and strengthen relationships with the press and bloggers. It's much easier to start conversations with them based on what they tweet, as opposed to leading with my clients' products. When I do have a story to share with them, they already know who I am and are open to listening. This approach has helped me land briefings for my clients with some of the most influential technology bloggers.

Twitternachrichten schaffen unmittelbare Wahrnehmung
Mit Twitter ist es so einfach, die öffentliche Meinung einzuholen. Ein Tweet mit einer Frage ermöglicht es, sich mit anderen auszutauschen. Gerade in Krisensituationen, sei es das Erdbeben in China oder der Hurricane Gustav finden sich innerhalb von wenigen Sekunden Menschen, dir vor Ort sind und berichten. Daher auch die Kategorisierung mit den "Hashtags" (#).

Ähnlich ist das Microblog-Wunder auch für Marken und Unternehmen. So könnte es sein, dass eine Firma ihr Produkt zurückrufen muss. Oder ein Journalist schreibt, dass er mit dem Vorstand XY ein Interview führen wird und will von der Community wissen, was sie von ihm gerne wissen würden. Von der kurzen Meinungsumfrage profitiert der Journalist genauso wie die Community. Und mit Twitter erreicht er großen Radius an Menschen, für die diese Nachricht oder Frage relevant ist. Stowe Boyd hat auf der next08 sehr treffend gesagt: "The news will find you".

Manche schreiben ständig jeden Gedanken auf und nutzen Twitter, um mit bestimmten Menschen zu kommunizieren. Aus Fitton's Sicht ist Twitter das beste Tool für PRler, um mit Führungskräften aus dem Bereich der sozialen Medien in Kontakt zu treten:

You might have someone who isn't a great speaker or writer, yet Twitter's micro aspect may be just the thing for them. A short tweet a few times a week suits the executive lifestyle well.

Auch während Konferenzen können Teilnehmer über Twitter einfach kommunizieren und in Kontakt bleiben. Auf den Twitter-Walls der Konferenzen kann man die Online-Kommunikatin dann verfolgen, sofern die Autoren Hashtags benutzen. So auch auf dem BarCamp München letzten Samstag: ich hatte mein Ladegerät vergessen und erhielt über Twitter innerhalb von wenigen Minuten eine Antwort darauf, wer ein Sony Ericsson Ladekabel dabei hat.

Um erst einmal mit dem twittern anzufangen, macht es Sinn, so Ryan Zuk, den führenden PRlern der "Szene" auf Twitter zu folgen. So bekommen Twitterneulinge ein gutes Gefühl für die Anwendung. Vielleicht sollte man aber die Punkte betrachten, die laut Klaus Eck gegen Twitter sprechen.

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Bisherige Kommentare

1 | clemens lerche schrieb am 28.11.08 1:08

durch die ereignisse von Mumbai bekommt twitter sogar eine weitere rolle: als nachrichtenquelle. wo soll das enden? ;-) kurz was dazu bei mir gebloggt.

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