Banker sind verzweifelt - Finanzkrise lässt Social Networks boomen
Veröffentlicht am 7. Oktober 2008 um 14:59 Uhr von Anna Friedrich
Fallende Firmenbewertungen und kein Ende in Sicht. Das ist aber nicht der einzige aktuelle Trend der Finanzszene. Er scheint den neuen Boom der Social Networks unter Bankern zu bewirken. So uninteressant die Web 2.0-Szene für Kapitalmarkt auch war - urplötzlich ist es "hipp", sich online mit Gleichgesinnten zu vernetzen.
Pure Verzweiflung? Einsamkeit? Angst um den Job oder die abrupte Entdeckung der Nächstenliebe? Fakt ist, dass sich die Anzahl neuer Nutzer aus der Finanzbranche innerhalb der vergangenen sieben Wochen um 100 Prozent gewachsen ist, zumindest beim Social Networking-Dienst LinkedIn. Dort gibt es rund 500 Gruppen, die sich rund um das Thema "Bank" austauschen.
Bereits Börsenaltmeister André Kostolany wusste, dass Aktienmärkte „zu 90 Prozent aus Psychologie bestehen". Dass Psychologie ein entscheidender Faktor am Kapitalmarkt ist, macht sich nicht nur bei den Anlegern bemerkbar, sondern - in Krisenzeiten wie diesen - gerade bei den sonst so kühlen Finanziers. In dieser ungewissen Phase suchen die panischen Finanzjongleure neue Kontakte - auch virtuell. Sicherlich spielt da die Hoffnung eine Rolle, über das Netzwerk notfalls einen neuen Finanzjob zu ergattern, der krisensicher(er) ist.
Angesichts der Bankencrashs weltweit ist klar, dass Millionen Menschen in der Bankenszene ihre Anstellung verlieren werden (müssen) bzw. bereits verloren haben. Laut Wirtschaftswoche entließen die Finanzinstitute bereits im letzten Jahr 140000 Leute. Wer noch vor eineinhalb Jahren eifrig dabei war, die steile Karriereleiter zu erklimmen, der steht heute häufig mit Leeren Händen vor einem Trümmerhaufen und bangt um seine Zukunft.
Eine Befragung von 28.000 LinkedIn Mitgliedern untermauert die Zukunftsängste, die sich aus der aktuellen wirtschaftlichen Lage ergeben. 42 Prozent der Studienteilnehmer fürchten angesichts der Kapitalmarktkrise um ihren Job. Unter den Führungspersonen sind es sogar mehr als 44 Prozent.
Dies bestätigt Kevin Eyres, European Managing Director von LinkedIn. Ob die Finanzmanager tatsächlich über soziale Netzwerke ihre Karriere vorantreiben können, ist ungewiss. Sicherlich sind virtuelle Welten erst einmal eine gute Möglichkeit, um die Fühler auszustrecken. Immerhin sucht sogar der britische Geheimdienst MI6 neue Angestellte über Facebook.
Um von den Kontakten online zu profitieren, empfiehlt der LinkedIn-Manager eine langfristig ausgerichtete die Netzwerkpflege:
Gleichzeitig glaubt er aber auch, dass die zahlreichen Experten in den Social Netoworks kurzfristig spezielle Informationen für andere Nutzer bieten können - z.B. für die Recherche vor Bewerbungsgesprächen oder anderen geschäftlichen Treffen.
Aus Sicht des Headhunters Jan Bohlken ist es durchaus sinnvoll, in den Businessnetzwerken präsent zu sein. Allerdings betont er, wie wichtig persönliche Begegnungen und langfristige Beziehungen sind:
Unabhängig davon bieten die meisten Sozialen Netzwerke, darunter auch Xing, bieten Online-Jobbörsen an. Doch Bankenjobs gibt es da wohl kaum!



Bisherige Kommentare
1 | Kanzler Schroeder schrieb am 7.10.08 19:24
S o geht's nicht weiter.
2 | Nadja schrieb am 13.10.08 17:32
Sicher kostet die Krise Jobs, aber es werden die Karten auch neu gemischt und wenn die Banken teilverstaatlich werden, kann sich keine Regierung erlauben Shareholder Value zu betreiben, nicht bei den kommenden Wahlen. Wichtig finde ich das Investoren wieder vertrauen gewinnen und ihr kapital nicht frühzeitig abziehen bzw. weiterhin Start Ups und Co. unterstützen.
MFG
Nadja