Soziale Netzwerke sind sexy

Veröffentlicht am 19. September 2008 um 9:26 Uhr von Anna Friedrich

Sex sells? Im Internet stimmt das wohl nicht mehr so ganz. Anstatt auf Pornoseiten zu surfen, sind Internetnutzer viel lieber in sozialen Netzwerken unterwegs. Dies will Bill Tancer, Manager beim Researchunternehmen Hitwise und selbsternannter Datenfreak herausgefunden haben. Er analysierte über 10 Millionen Internetnutzer mit dem Fazit, dass das Online-Nutzerverhalten widerspiegelt, wie wir (auch offline) kommunizieren und wie sich die Gesellschaft verändert. Anhand seiner Ergebnisse betrachtet er daher in seiner neuesten Veröffentlichung "Click: What Millions of People are Doing Online and Why It Matters" die Veränderung des gesellschaftlichen Verhaltens.

Auffällig bei der Datenanalyse ist laut Tancer vor allem das gesunkene Interesse an pornographischen oder sonstigen Unterhaltungsseiten für Erwachsende. Insbesondere die Altersgruppe zwischen 18 und 24 sucht weniger nach Pornos. Insgesamt fallen nur rund 10 Prozent auf Suchen nach Pornos. Vor 10 Jahren ging es noch bei jeder fünften Internetrecherche um "das Eine". Dagegen surfen Nutzer heute nun stark nach sozialen Netzwerkseiten. Diesen Wandel führt Tancer auf die steigenden Userzahlen zurück:

As social networking traffic has increased, visits to porn sites have decreased. (...) My theory is that young users spend so much time on social networks that they don't have time to look at adult sites.
Interessant ist, dass Tancer hierin ein Zeichen für den Wandel der Gesellschaft in den letzten fünf Jahren sieht. Vor allem Marketiers sollten dem Beachtung schenken...

Die Daten ergaben auch, womit sich Menschen beschäftigen - je nach aktuellen Ereignissen. So stieg die Suchanzahl nach tropischen Stürmen seit Katrina rasant in die Höhe. Ausserdem scheinen sich viele Internetnutzer für Hollywood-Berühmtheiten und deren Lebensstil zu interessieren. Diese "Celebrity-Mentalität" habe sich auch im aktuellen Wahlkampf stark gezeigt - die Suchen nach den Präsidentschaftskandidaten und VizepräsedentschaftskandidatInnen haben stark zugenommen. In der Regel ginge es den Suchenden vor allem um bildliche Darstellungen, optische Aspekte und familiäre Hintergründe der Kandidaten.

Wichtig aus meiner Sicht ist Tancer's Feststellung, dass vor allem die Nutzer es sind, die innerhalb von kurzer Zeit Informationen im Netz verbreiten. Die Rolle der Medien ist es dann, diese - bereits zirkulierten - News zu dokumentieren und Fakten zu liefern. Eine Art offizielle Berichterstattung zu dem, was wir bereits erfahren haben? Oder eher eine Richtigstellung dessen?

Tancer warnt vor der Verbreitung von Falschinformationen im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten:

With the explosion of this type of false information on the Internet I think we will see someone come forward and develop a new type of software that can filter for the most accurate information. (...) Maybe accuracy is the next thing we will all search for.

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Bisherige Kommentare

1 | clemens schrieb am 21.09.08 17:45

Bild.de titel noch am 10/2007: "Deutsche suchen nach Viagra, Türken nach Sex" http://is.gd/2V1B

nicht dass das eine tolle quelle ist, aber: weniger porno, mehr sex? ;-) so ganz traue ich der aussage der studie nicht.

2 | Mirjam schrieb am 22.09.08 12:25

Sex sells. Ich glaube, das gilt immer noch. Trotzdem: ich persönliche suche lieber nach netten Kneipen, in die ich mit meinen Freunden gehe auf www.frag-titus.de oder lese gut geschriebene Nachrichten beim Spiegel. Irgendwie muss man sich ja beschäftigen.

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