Japanerinnen daten Avatare

Veröffentlicht am 24. September 2008 um 10:21 Uhr von Anna Friedrich

Skurril ist der neueste Hype: auf Webkare erobern Japannerinnen digitale Herzen. Das Internetportal kombiniert eine Dating-Simulation mit einem sozialen Netzwerk. Übersetzt heißt Webkare soviel wie "Internetfreund". Sensationell sind die Userzahlen - bereits fünf Tage, nachdem die Site live ging, nutzen 10.000 Mädchen und junge Frauen das kostenlose Netzwerk. Im gleichen Zeitraum werden 3,5 Millionen Page Views gezählt. Die Hälfte der Nutzerinnen ist zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Ziel des Dating-"Spiels" ist es, bei den digitalen Partnern so gut anzukommen, dass sie eine Beziehung mit ihnen eingehen. Virtuell. Hierzu reden sie mit den vier zur Auswahl stehenden Charakteren. Sie versuchen, einen der vier Typen, den Sportlichen, Intellektuellen, Frauenschwarm oder den Softie zu treffen. Dabei arbeiten sie auch mit anderen Mitgliedern zusammen, um dann optimalerweise das Herz des Schwarms zu erobern. Die Erfinder von Webkare haben eine Highschool zum Ort der Geschehnisse gemacht. Dort findet der erste Kontakt statt.

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Allerdings sind die Möglichkeiten, mit den Wunschdates zu interagieren, beschränkt. Die jungen Damen können keinen Text eingeben oder tatsächlich mit den Comicfiguren sprechen. Webkare spielt einen kurzen Cartoon ab, sobald man auf den Jungen klickt, den man mag. Von da an nimmt die prätentiöse Liebesgeschichte ihren Lauf. Wichtige Erlebnisse in der Entwicklung der "Beziehung" kann man dann in einer Art Poesiealbum speichern. Insgesamt ist die Plattform einfach gestrickt.

Ähnlich einem regulären Netzwerk haben die Webkare-Fans ein eigenes Profil. Dort können sie Nachrichten verschicken, in Foren diskutieren und Kurznachrichten veröffentlichen (à la Twitter). Selbstverständlich wird auf der Profilseite der jeweilige digitale Freund angezeigt.

TechCrunch lobt die Geschäftsidee von Webkare:

It's pretty weird but clever. Dating simulations have been popular in Japan for quite a while now, but Webkare marks the first time the concept has been brought online and combined with social networking functionality.

Clever deshalb, weil Webcare sich mit Online-Werbung finanziert. Und je mehr Klicks die Nutzerinnen produzieren, desto mehr Geld lässt sich mit der - bisher - für Frauen kostenlosen Plattform machen. Webkare bietet nach Einschätzung von TechCrunch vielfältige Möglichkeiten: etwa durch virales Merchandising oder den Verkauf virtueller Ware (z.B: Klamotten, um den Schwarm zu beeindrucken). Ausserdem könnte bald eine gebührenpflichtige mobile Version mit mehr Funktionen angeboten werden.

Dass Webkare auch in Amerika, Europa oder Deutschland einschlagen könnte, wie eine Bombe, wage ich zu bezweifeln. Eine Seite für simuliertes Dating würde hierzulande sicherlich sehr viel mehr moralische Kritik erzeugen.

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