Twitter-Verbot im Kapitol?

Veröffentlicht am 14. Juli 2008 um 18:38 Uhr von Anna Friedrich

Michael E. Capuano, Demokrat und US-Abgeordneter, verlangt, dass US-Kongressmitglieder, die in sozialen Netzwerken wie Twitter aktiv sind, vor jeder Veröffentlichung die Erlaubnis des Kongresses einholen müssen. Das berichtet die New York Times.

Genau das will der US-Kongressabgeordnete John Culberson aus der Opposition verhindern. Der durch seine Online-Aktivitäten auf Twitter und Qik bekannte Politiker lässt sich seine Meinung nicht verbieten. Mit seinem Lieblingstool Twitter moblisiert er die Community, gegen den Entwurf der Demokraten vorzugehen. Seine Micronachricht zum Thema löst eine (Macro)Lavine los:

They are trying to ban my Twitters & every [web communication] from all Congressmen unless each communication has been preapproved/edited/censored.

Culberson und seine Follower starten die virale Gegenkampagne "Let Our Congress Tweet" initiiert von ihrer sog. Sunlight Foundation, die sich als "Transparency Movement" versteht. Der Claim "Tweet on Dear Friends tweet on" bringt es auf den Punkt.

Auf seiner Website und im Brief an den Kongress ruft Culberson zu Transparenz und Offenheit gegenüber den neuen sozialen Medien auf:

The new media on the Internet is instantaneous and transparent, and it is a truly distributed network of free people using their own judgment to make decisions and to communicate. New media can open up our government to public scrutiny and participation in ways we cannot yet fathom. I am committed to using these new media outlets to communicate and to bring my constituents into the room with me as I represent them in Congress. I want to be a real time representative, and I want to shine sunlight into every corner of Congress. It is very hard for someone to steal money in broad daylight, and unfortunately, there are too many people in Congress today that want to put their hand in your pocket. If We the People can see and hear what our representatives and senators are doing, and communicate with them in a wide variety of ways in real time, the people of America will have tremendous new power over our elected officials.

Zahlreiche Blogger, darunter Samuel Liles, unterstützen, wo sie können. Culberson's Twitterfeed hierzu:

Awesome - social media users can stop this but we need to move fast - the House leadership can do this w a simple Committee vote.

Seine Meinung frei äußern zu können und dazu einen beliebigen Kanal zu wählen - das ist Grundrecht eines jeden Menschen, auch eines Politikers. Eine Grundsatzdiskussion, die nicht nur unverständlich ist. Es geht doch um vielmehr, als "nur" politische Rechthaberei zwischen Demokraten und Republikanern. Haben die Amerikaner schlichtweg Angst vor der Macht der Sozialen Medien, wie sie Culbersons Kampagne einmal mehr unterstreicht?

Fragt sich, wann deutsche Abgeordnete (endlich?) Twitter für sich entdecken. Zwar haben deutsche Parteien größten Teils ein Account. Aber einer Kurzstudie einer Berliner Agentur zufolge sind die meisten Twitter-Konten, wie das der Grünen und der SPD NRW "eingeschlafen". Leider ist die Twitter-Seite von Angela Merkel ein Fake mit nur 15 Abonnenten. Barack Obama erreicht mit seinen regelmäßigen Tweets und fast 47.000 Followern deutlich mehr Zuhörer.

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