Im Informationsdschungel des Netzes geht die Aufmerksamkeit verloren
Veröffentlicht am 23. Juli 2008 um 14:40 Uhr von Anna Friedrich
Das Internet hat ein Aufmerksamkeitsproblem, so Norbert Bolz gestern in einem Interview mit dem Branchenfernsehen turi2.tv. Deshalb glaubt der Professor der Medienwirtschaft auch nicht daran, dass das Web Printmedien ersetzen wird. Im Gegenteil werden Zeitungen & Co. die Nische für seriöse, anspruchsvolle Medien weiterhin für sich beanspruchen können:
Es wird zu einem Zusammenspiel zwischen internetbasierten Medien und klassischen Printmedien kommen. (...) Der Genuss, den die morgendliche Zeitung bereitet, ist einer, den man nicht gegen Online-Angebote aufrechnen sollte.
Steve Rubel stellt Überlegungen an, die eher gegen rosige Aussichten der Printbranche sprechen: v.a. aus ökologischen Gründen glaubt er, dass sich immer mehr Nutzer sich für Online-Medien entscheiden werden. Nicht umsonst bemühen sich die großen Blätter verstärkt darum, Web 2.0-fähig zu sein.
Trotzdem liefert das Netz zu viele Informationen, die den Nutzer überfordern können. Und sie können die Produktivität senken, wenn man sich als Süchtiger nur noch in Sozialen Netzwerken und Co. "herumtreibt". Das Filtern von relevanten Informationen im Datenjungel ist für die Meisten ein Ding der Unmöglichkeit.
Versucht man, sich auf die Informationsflut voll und ganz einzulassen, so kann man unter Umständen unnötig seine Zeit verbummeln. Nina Simon illustriert treffend, was in einer Web 2.0-Woche realisierbar ist - abhängig davon, wie viel Zeit Einem zur Verfügung steht. Um im Netz "verrückt" zu werden, braucht man demnach lange:
Aus Norbert Bolz' Sicht stehen Printmedien nicht in Konkurrenz mit dem Internet: aufgrund der unterschiedlichen Formate finde kein Kanibalismus statt. Denn Massenmedien, so der Medienwissenschaftler, können keine Aufmerksamkeit produzieren. Er fordert deshalb:
in Medien 1.0, Medien 2.0, Web 2.0



Bisherige Kommentare
1 | mouchine schrieb am 24.07.08 11:24
Vielen Dank für diesen Beitrag - Du sprichst mir aus dem Herzen! Und ich find's gut, dass in diesem gehypten Wettlästern "Beta-Blogger gegen SPIEGEL" endlich mal ein paar unparteiische und sachdienliche Töne zu hören sind.
Die Informationsflut, gepaart mit dem irrsinnigen Tempo und der Gefahr "to get lost in space" halte ich für das wichtigste Argument überhaupt für das Fortbestehen der Printmedien.
Die Zeitleiste trifft ins Schwarze! Ein Blogger mit so einem Timetable jedenfalls scheint mir hauptberuflich zu bloggen. Ich frag mich schon die ganze Zeit, wie die 24-Stunden-Blogger Basic & Co sich wohl finanzieren: dickes Erbe von der Oma, Lottogewinn, Bankraub oder: Sollte der Blog inzwischen auch finanziell was einbringen?
Eine klitzekleine Kritik allerdings auch Dich, Autorin dieses Blogartikels: Du sprichst von Informationsflut und verbummelter Zeit, hast aber selbst Deinen Beitrag mit Links geradezu vollgestopft, die einen per Klick zur nächsten, nächsten und nächsten Website entführen - Wie wär's mit einer kompakten Liste weiterführender Links am Ende des Beitrags? - Bringt Ruhe rein.
Beste Grüße, mouchine