Mobile Marketing: Das Spiel ist eröffnet

Veröffentlicht am 19. Juni 2008 um 9:14 Uhr von Mark Pohlmann

Die Online-Ausgabe von Ad-Age widmet sich dem Phänomen Apple iPhone und der Frage: Wie verändert das mobile Internet die Werbung?

Apples Gerät kann als wegweisend betrachtet werden, weil die Konkurrenzhersteller auch über ein Jahr nach Vorstellung des iPhone noch nicht einmal im Ankündigungsstadium eines vergleichbaren Gerätes sind. Der einzige derzeit überhaupt ernsthafte Konkurrent ist das von Google federführend betreute, für alle Hersteller offene Betriebssystem "Android", das gegen Ende des Jahres eingeführt wird und so richtig wohl erst ein Jahr später im Massenmarkt ankommt.

Tatsache ist: das iPhone bringt nicht nur das Internet auf das Handy, sondern eine neue Generation vernetzer Kleinstapplikationen, die lokal installiert werden und ihre Informationen online abrufen. So wie iTunes auch keine Website, sondern ein Programm ist, das aber Musik aus dem Internet laden kann. Das Kleinst-Programm-Prinzip hat einen Namen: Widgets.

Und jetzt aufgepasst: iPhone-Nutzer machen vier Prozent des sog. Smart-Phone-Marktes aus, produzieren aber 70 Prozent des gesamten mobilen Datenverkehrs. Der Grund ist, dass diese Widgets viel einfacher zu bedienen sind als Internetseiten und somit mehr Spaß machen. Das bedeutet auch, dass sobald mehr moderne mobile Geräte der "Generation Widget" verfügbar sind, sich die Nutzung völlig ändern wird. Nokia & Co. hatten technologisch mal einen riesigen Vorsprung, den sie leichtfertig hingegeben haben.

Viel wichtiger als die Frage, welches System und welcher Hersteller nun das Rennen macht, ist die Frage, was das Widget-Prinzip für die Werbung heißt. Die erste Antwort lautet: Bannerwerbung funktioniert wohl nicht. Die zweite:

People will solve real problems with apps. ... The more you can add value to that experience, the better. Once you interpret the role of the brand in the medium, developing applications or sponsoring applications is a different kind of connection or emotional attachment than just running advertising.

Werbetreibende werden im mobilen digitalen Raum noch stärker über ihren Service-Aspekt wahrgenommen. Und sie müssen sich wohl von der Idee verabschieden, als Anzeige im Umfeld von Informations- und Unterhaltungsformaten stehen zu können. Stattdessen werden sie über eigene Widgets zum Content-Anbieter. Die gute Nachricht für den Nutzer: So bleibt Inhalt auch mobil kostenlos. Die schlechte für die Marke: Sie steht in einem intensiven Wettbewerb um die Nutzung ihrer Applikationen und profitiert vom mobilen Konsumenten nur dann, wenn diese ihre Applikationen auch benutzen. Es wird zudem noch schwerer, sich als Partner auf Drittanbieterportalen einzunisten. In der Konsequenz dürften die besten Madonna-Videos morgen also nicht auf einem werbefinanzierten mobilen YouTube laufen, sondern im Widget von Coca-Cola.

Coca-Cola mobile gegen YouTube mobile. Das wird ein hartes Rennen. Aber es wird stattfinden.

in

Trackbacks

TrackBack-URL für diesen Eintrag:
http://blog.sinnerschrader.de/mt/mt-tb.cgi/2329

Bisherige Kommentare

Kommentar schreiben

(Wenn Du auf dieser Site noch nie kommentiert hast, wird Dein Kommentar eventuell erst zeitverzögert freigeschaltet werden. Danke für Deine Geduld.)





powered by SinnerSchrader

next08 - register