Web 2.0 kein Business-Modell?

Veröffentlicht am 28. Mai 2008 um 12:14 Uhr von Mark Pohlmann

„The web 2.0 architecture is not necessarily a revenue opportunity. This is not where the money is."

Wer das (der FAZ gegenüber) sagt, ist kein geringerer als Google-Vorstand Eric Schmidt. Wer sollte besser einschätzen können, womit das Geld im Internet zu verdienen ist. Für ihn ist es nicht das soziale, sondern das mobile Internet. Ihm geht es also um die Übertragung dessen, was wir heute auf den PCs haben, auf einen noch viel kleineren Monitor, was wiederum zu anderen Inhalten und Gewohnheiten führt.

Einerseits möchte ich Schmidt unbedingt recht geben. Ja, das Internet wird mobil. Und ja, Klicks im Social Web lassen sich nur ganz schwer monetarisieren.

Aber: DAS ist genau der Grund, warum Communities & Co so erfolgreich sind! Weil sie hier noch weitestgehend verschont bleiben von der allumfassenden Kommerzialisierung. Das ist auch das ganze Geheimnis hinter StudiVZ: Hier ist unfassbar viel unfassbar irrelevanter Inhalt versammelt, der in der Mehrzahl gerade einmal zwei, drei Personen interessieren sollte. Wie die erste Studentenbude auch ist StudiVZ ein Ort, an dem sich Heranwachsende ohne lästige Kontrolle gehen lassen. (Ob sie sich später mal für den ganzen Schwachsinn schämen werden oder es gar bereuen, steht auf einem anderen Blatt. Das Risiko, später den Tag zu verwünschen, als man sich so schön schräg auf StudiVZ präsentiert hat, ist wiederum sicher auch dem Erfolg der Plattform dienlich. No risk, no fun.)

Zurück zu den Geschäftsmodellen. Die Next08 hat es bei den meisten Startup-Präsentation wieder einmal gezeigt: Das Web 2.0 hat gar keine Geschäftsmodelle, außer vielleicht die vage Hoffnung auf Werbeströme.

Jetzt kommt das Andererseits: Das heißt noch lange nicht, dass sich kein Geschäft mit dem Sozialen Netz betreiben ließe. Die eigentliche Wertschöpfung von Communities, Foren und Blogs ist, dass sie einen digitalen Aufenthaltsraum schafffe, den es vorher nicht gab. Es ist wie eine Strandparty. Sie ist eben auch kein Geschäftsmodell, kann aber sehr wohl geschäftlich genutzt werden. Zum Beispiel, um Getränke zu verkaufen oder gute Kontakte zu knüpfen, die woanders monetarisiert werden. "Klick mich, kauf mich!" will aber eben niemand hören auf einer Party.

Es ist doch eigentlich ganz einfach: Digitale Gruppen bündeln einen großen Teil der Aufmerksamkeit, die Menschen im Internet verbringen. Wer diese Zielgruppen will, muss hierein. Marken folgen ihren Kunden, das war schon immer so. Erst als die Marken die richtigen Formate für das Fernsehen gefunden hatten, und das hat Jahrzehnte gedauert, wurde die Glotze zum Geschäftsmodell, das die Privaten gebar. Auch im Internet haben Marken gar keine andere Chance, als sich mit den Interessen und dem Verhalten ihrer Kunden auseinanderzusetzen und die richtigen Formate zu finden. Nur müssen sie eben endlich auch verstehen, dass ihre Standardwerkzeuge nicht mehr funktionieren. Wenn das Alte nicht geht, aber das Neue noch nicht steht, befindet man sich in einer Phase der Transformation, deren Ausgang noch unsicher ist.

Freuen wir uns darauf, Pioniere einer neuen Epoche zu sein, die vom Mitmachen lebt. Kunden können ab sofort zeigen, dass sie Marken mögen und welche dies sind. Marken gehören zu den am häufigsten gesuchten Worten im Internet, überall sind sie Gesprächsthema. Nur sie selbst nehmen nicht teil!

Dabei ist es ganz einfach, wie Marken wie IBM mit Männern wie Luis Suarez beweisen. Ein IBMer, der in Projektteams arbeitet, aber auf Mails verzichtet? Auf seinem Blog berichtet er darüber. Und auf der Next spricht er darüber. Und ich kann versprechen, dass Luis auf der Next und im Blog mehr für das Image von IBM getan hat als eine große Kampagne jemals vermocht hätte. Weil hier reale Personen für das Ganze, für eine Idee stehen. Weil sie ansprechbar sind, einzigartig und meist auch noch sehr viel sympathischer als diese ganze artifizielle Instant-Information, auf die sich Marken bislang verstehen.

Liebe Marken, wie Mitarbeiter wie Luis Suarez die beste Werbung für euch sind, können dies auch eure Kunden sein: Laßt sie teilhaben, laßt sie für euch stehen, laßt sie für euch sprechen. Und die Sympathien werden auf eurer Seite sein. Eure Aufgabe ist für ein optimales Umfeld zu sorgen, in dem diese Kunden sich und damit euch präsentieren können.

Und wer es schafft, über seine Kunden ins Gespräch mit neuen Kundengruppen zu kommen, für den wird, um auf Schmidt zurückzukommen, das Web 2.0 zum Geschäftsmodell: Markenwert durch Loyalität und Aufmerksamkeit. Vielleicht die härtesten Währungen, die es für ein Unternehmen überhaupt gibt.

in ,

Trackbacks

TrackBack-URL für diesen Eintrag:
http://blog.sinnerschrader.de/mt/mt-tb.cgi/2293

Bisherige Kommentare

Kommentar schreiben





powered by SinnerSchrader

next08 - register