Dieses Twitterdings...

Veröffentlicht am 9. Mai 2008 um 13:05 Uhr von Mark Pohlmann

Nachdem wohl fast alles erfunden ist, was man mit gedruckten Buchstaben machen kann, sind jetzt die digitalen dran. Im kurzen Takt poppen ständig neue Formate auf. Nach Pager, SMS, Mail, Instant Messanger, Website, Forum, Chat, Skype und Community ist jetzt die öffentliche SMS dran, kurz: Twitter. Dank mühseliger Überredungen versuchen jetzt sogar meine beiden Kolleginnen als Yetine und AnnaSophie, sich für dieses wahrscheinlich vollkommen sinnlose Tool zu begeistern. Diese hält sich aber noch in erkennbar engen Grenzen.

Warum aber dann nutzen täglich mehrere Millionen Menschen diese auf 140 Zeichen begrenzten Signale an die Außenwelt? Man versteht es nicht, wenn man nur von draußen draufschaut. Aber vielleicht lohnt es sich ja, sie verstehen zu lernen. Eine Hand reicht jetzt Nico Lumma in seinen "Twitterdings", einem Blog, der sich intensiv mit dem Phänomen beschäftigt und wahrscheinlich gleichzeitig auch als Liebeserklärung gilt (Unterzeile: "140 Zeichen für ein Halleluja!")

Warum ich twittere und es anderen auch rate? Weil es ein schöner Weg ist, täglich neu fast 200 Menschen auf unkomplizierte wie unaufdringliche Weise zu erklären, was mich bewegt. Weil es zeigt, wie Gruppen funktionieren. Weil ich auf viele interessante, kurzweilige oder auch unsinnige Gedanken, Links oder Fakten stoße. Weil meine Peer-Group twittert. Weil ich nur durchs Selbstprobieren erspüren kann, warum es andere fasziniert.

Wenn ich aber ehrlich bin: Dieser Blog bedeutet mir mehr als meinTwitterfeed. Es macht zwar Spaß, bei dem ein oder anderen Trend mitzumachen, gerade, wenn er so schön kurzweilig ist. Aber wenn es fundiert sein soll, wenn ich reflektieren will (so wie jetzt), greife ich zum Blogbeitrag. Das würde ich mir übrigens auch von dem ein oder anderen Twitter-Fan wünschen, der ob seiner Schwärmerei seinen oft viel substantielleren Blog sträflich vernachlässigt. (Wie begrüßen sich zwei Twitter-Fans? "Ich will wieder mehr bloggen")

Wer kurzlebige Trends lieber an sich vorbeiziehen lassen möchte und darauf wartet, dass sich Formate verfestigen, darf gerne zögern, auf den Twitter-Zug aufzusteigen. Noch ist es nur ein harter Kern von Echtzeit-Enthusiasten, der mitfährt. Aber was hat denn schon Bestand? Ich glaube auch nicht mehr an die E-Mail. Diesen Abgesang hatte ich aber schon mal gesungen, und zwar hier.

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Bisherige Kommentare

1 | Dirk Sidney Jansen schrieb am 9.05.08 14:06

Zwar hält sich mein knapp formuliertes Mitteilungsbedürfnis in Grenzen, doch halte ich Micro-Blogging Sites wie Twitter oder Pownce in Hinblick auf "citizen journalism" (Bürger-Journalismus) für besonders wertvoll.
Gerade während der ersten Vorwahlen im Rennen um die amerikanische Präsidentschaft konnte man Dank einiger "Echzeit-Enthusiasten" an interessante Informationen kommen, die den immer engmaschiger werdenden Filter der Massenmedien nicht mehr passieren.
Wenn auch die blosse Spass-Mitteilung auf solchen Plattformen überwiegen mag, so ist die Ortsunabhängigkeit und Unmittelbarkeit die sie bieten ein wichtiges Instrument für die Demokratisierung von Berichterstattung.
Pownce sieht übrigens viel netter aus als Twitter!

2 | Mark Pohlmann schrieb am 9.05.08 14:39

guter input, danke dirk. in der tat gibt es sehr viele sinnvolle inhalte - auch ich habe von den vorwahlergebnissen zuerst in twitter gelesen. aber man muss schon sehr kontinuierlich dabei sein, um dann auch bei den plätzlichen sternstunden direkt davon zu profitieren.

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