Nokia und das Internet

Veröffentlicht am 21. April 2008 um 17:00 Uhr von Mark Pohlmann

Heute am Frühstückstisch habe ich in der FAZ von Holger Schmidt erfahren, dass Nokia am Internet der nächsten Generation arbeitet. Und für sich beansprucht, 2002 das erste Handy gebaut zu haben, das eigentlich ein Computer ist. Und sich quasi als Erfinder des mobilen Web ansieht. Das alles gipfelt in der Aussage, man bringe "das Internet zu den Menschen".

Wenn ich meine eigenen Erfahrungen mit Nokia Handies betrachte, staune ich ein wenig über die Selbstzufriedenheit des Herstellers. Nichts an einem Nokia ist selbsterklärend, was über das reine Speichern und Anrufen von Telefonnummern hinausgeht. Wenn ich wissen will, wie Software-Ingenieure in den 80ern und 90ern gedacht haben, muss ich mir nur die Dateistruktur meines Nokia ansehen. Mein letzter Versuch, Nokias Usability-Versprechen zu glauben, führte mich zum 460 Euro teuren "N810 Internet Tablet", das nun wiederum wirklich mein letzter Versuch war, das mobile Internet einem Handy von Nokia anzuvertrauen. Dass hinter den Nokias eigentlich Symbian als Plattform steckt, die wiederum seit vielen Jahren nicht wirklich weiterentwickelt wird, jedenfalls nicht nutzerfreundlicher wird, verschlimmert die Sache nur. Denn die Fremdsoftware beweist, dass Nokia sich nicht einmal selbst um die eigenen Belange kümmern mag. Für mich ist mein neuestes Nokia erstmal mein letztes. Denn auch das hat das Apple iPhone gezeigt: Wie wenig ein Marktführer an wirklichen Innovationen interessiert ist. Ich sage nur: Wann endlich schafft Nokia es mir vernünftig anzuzeigen, nicht DASS jemand angerufen hat, sondern WER angerufen hat. Sich jetzt zum Anführer einer Revolution zu stilisieren, die man seit Jahren verzögert, ist schon erstaunlich. Ich wünsche mir, Nokia würde das Web 2.0 wenigstens unfallfrei liefern können, bevor es von seiner Abschaffung und Auflösung in virtuellen Kartenwelten phantasiert.

Aber das nur nebenbei. Interessanter ist das Zitat, dass auch Nokia mit Mavens arbeitet. Also, jedenfalls weiß, wer ihre Mavens sind.

"Die Hälfte der Menschheit nutzt Mobiltelefone. Aber nur 200 Mio. Menschen, die so genannten Technologieführer, entscheiden, wie die Mobiltelefone der Zukunft aussehen. Was diese machen, werden in 5 Jahren alle machen", wird Nokia-Manager Anssi Vanjoki zitiert: "Wir kennen diese Technologieführer sehr gut. 100.000 davon haben uns die Erlaubnis gegeben, eine Software zu installieren, die uns Online-Zugriff gibt, was die Menschen mit ihren Telefonen machen."

Das Ergebnis der Betrachtungen lautet übrigens - laut Nokia: Die Menschen suchen Kontextinformationen. Frage: Und wie machen sie das aber nun mit einem Nokia?

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