Wie sag ich's meinem Randalierer?

Veröffentlicht am 17. März 2008 um 12:55 Uhr von Mark Pohlmann

Wunderbarerweise behandelt Stefan Niggemeier für die FAS in seinem Stück "Wie sag ich's meinem Randalierer?" das Problem der mangelnden Qualität von Kommentaren.

Das Problem ausufernder und nicht zu kontrollierender Anteilnahme seitens der Leser haben aber nicht nur Redaktionen. Auch Unternehmen, die sich eigene Communities anschaffen oder in Portalen wie Youtube oder Myspace selbst aktiv sind, müssen sich mit einer zentralen Frage auseinandersetzen: Wie sichert man die Qualität im eigenen redaktionellen Umfeld? Wie hält man Störenfriede außen vor, ohne gleich alle Nutzer in Aufruhr zu versetzen?

Klar, es gibt Spielregen für jede Community. Erlaubt ist nur, was nicht beleidigt oder strafbar ist. Aber selbst wenn eine Diskussion auszuufern droht - was ist schlimmer? Einen wenig akzeptablen Kommentur zu dulden oder ihn zu löschen und dann eine Diskussion über "Zensur" anzuzetteln? Zudem jede Community andere Schmerzgrenzen hat, was noch innerhalb des Erlaubten ist und was nicht

Wie immer heißt die Losung: Qualität kostet. Auch bei der Betreuung einer Community sind Zeit und damit Geld die qualitätssichernden Faktoren. Und beides ist wie immer knapp, gerade im Internet, wo die Redaktionen rund 3 Cent pro Klick verdienen, ein Nutzer also gerade einmal einen 6-10 Cent an Werbeeinnahmen bringt.

Klar wird bei der kleinen Umfrage von Stefan Niggemeier unter Deutschlands Online-Chefredakteuren: In den eigenen Kommentarspalten geht nichts ohne Aussieben. In jeder Online-Redaktion wird gelöscht, korrigiert, ermahnt, erzogen. In der Hoffnung, diese Form der Kanalisierung könne langfristig so etwas wie Qualität erzeugen.

Das eigentliche Problem ist aber ein anderes: Das Verhältnis zwischen Autor und Leser hängt noch irgendwo zwischen der neuen und alten Welt. Die Kanzel steht nicht mehr im leeren Raum, sondern dort unten, am Fuße des Predigers, hat sich ein Eigenleben entwickelt. Wie gerne die Redaktionen Diskussionen um ihre Artikel mögen, kann man schon daran erkennen, wie schwer sie es ihren Lesern machen, überhaupt einen Kommentar abzugeben. Meist muss man sich weit vom ursprünglichen Text entfernen, in die Tiefen der Community, um einen Kommentar loszuwerden. Je mehr Energie notwendig ist, um wahrgenommen zu werden, um so energiegeladener wird auch derjenige sein, der diesen Weg auch wirklich gehen mag.

Niggemeier schreibt hierzu:

Es ist ein höchst fragiles Verhältnis zwischen Lesern und Journalisten, das durch die plötzliche öffentliche und unmittelbare Auseinandersetzung entsteht, mit beiderseitigem Erstaunen über die Impertinenz der jeweils anderen Seite. Und während sich viele Online-Chefs wünschen, dass die Autoren sich häufiger in eine Diskussion einschalten, hat Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur von sueddeutsche.de, schlechte Erfahrungen gemacht: Das sei nicht empfehlenswert, weil die User dann erst recht auf den Redakteur einschlügen.

Aber auch auf anderen großen Medienseiten im Internet scheint es eher die Ausnahme zu sein, dass Nutzer überhaupt eine Reaktion auf Kritik und berechtigte Anmerkungen bekommen. Dabei profitieren die Medien von der Beteiligung der Leser, wenn sie sie nur wahrnehmen. Beim „WAZ"-Ableger „Der Westen" und neuerdings auch bei Focus Online berichten die Community-Leute in den Redaktionskonferenzen, welche Themen auf welches Echo stoßen. Das Wissen der Leser ist ein Schatz, der nur gehoben werden will:

Und genau hier liegt auch der Hinweis versteckt, was Unternehmen mit des Kunden Meinung machen sollten: Inhalt. So einfach ist das.

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