Netzwerke: Es wird nicht nur eines geben

Veröffentlicht am 10. März 2008 um 15:31 Uhr von Mark Pohlmann

Die Nutzungsdauer nimmt in den großen Netzwerken weltweit ab. Das berichtet Holger Schmidt heute in der FAZ unter Berufung auf die neuesten Nielsen-Zahlen. In Deutschland liegt die monatliche Nutzung bei SchülerVZ bei 111 Minuten, dann folgen StudiVZ (100 Minuten), Lokalisten (63 Minuten), Xing (40 Minuten) und MySpace (31 Minuten). In Amerika ist die durchschnittliche Verweildauer beispielsweise auf MySpace im vergangenen Jahr ebenfalls kräftig von 230 auf 180 Minuten im Monat gefallen. Das, mit Verlaub, ist eine gute Nachricht.

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um Netzwerk-Müdigikeit, sondern um Diversifizierung. Endlich, kann ich nur sagen. Nicht, dass es sich endlich diversifziert, sondern dass dieses Phänomen endlich wahrgenommen wird. Denn vor lauter Fan-Hysterie um die großen Player und den Kampf um die Weltherrschaft der Mega-Netzwerke ging in den letzten 24 Monaten ein ganz fundamentaler Aspekt vollkommen verloren: Netzwerke sind keine Schicksalsgemeinschaften, sondern Aufenthaltsräume. Und ihre Nutzung ist keine Lebensentscheidung, sondern eine tagtägliche. Und die Attraktivität eines Netzwerkes hängt nicht von seinen Features ab, sondern Anwesenden.

Es ist eben so, dass immer die Gruppen am interessantesten sind, die die coolsten Typen beherbergen. Das war schon immer so. Aber in den Millionen-Molochen Facebook & Co. kann man schlecht besonders sein. Das ist wie mit dem Robbie Williams Konzert oder am Samstagabend bei Wetten dass: Was alle machen, ist langweilig. Deswegen beginnen diejenigen, die die aktuellen Netzwerke groß gemacht haben, weiterzuziehen. Dorthin, wo sie wieder das sein können, was sie sein wollen: Erster. Avantgarde.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jemand seinen Facebook-Account löscht. Es kommen halt nur neue dazu, die Verweildauer und Aufmerksamkeit wandert. Seien wir doch froh. Im Erfolg liegt eben immer auch der Keim für den Misserfolg: Masse ist nur für die Nachzügler wichtig. Die, die vorgehen, schreckt es ab.

Und so wird es kommen: Nachdem wir die Phase der kritiklosen Begeisterung für Netzwerke bereits hinter uns haben und uns mitten in die Epoche der Monokulturen befinden, taucht am Ende des Tunnels bereits das Licht der (Achtung, jetzt kommt eines meiner Lieblingsworte!!) MIKROMARKTSEGMENTIERUNG auf.

Oder auf Web-2.0-ish: Der Long Tail. Wir alle werden über kurz oder lang in dutzenden großer und kleiner Communities leben, je nachdem, was uns gerade bewegt. Open Social wird uns dabei helfen.

Facebook als zentrales Betriebssystem für jedes und alles? Pfff. Denkste.

Es lebe die Vielfalt.

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Bisherige Kommentare

1 | Jochen Hoff schrieb am 10.03.08 18:19

Die Grüppchenbildungen in den Netzwerken zeigten von Anfang den Weg auf. Die Verbindung von einer Gruppe zur anderen Gruppe wird häufig nur durch eine Person dargestellt. Es existiert kein echtes Netzwerk. Gruppen mit ihren speziellen Bedürfnissen lassen sich und ihre Interessen aber besser auf dem Long Tail realisieren.

Tatsächlich wird es so etwas wie Open Social sein. Ein Netz der Netze ist aber wahrscheinlicher. Ich sage mal vorsichtig Skype plus Facebook.

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