Chrysler hört zu

Veröffentlicht am 26. März 2008 um 12:39 Uhr von Mark Pohlmann

Mit einem (hoffentlich) bahnbrechendem Konzept geht Chrysler an die Öffentlichkeit: Der US-Autohersteller gründet ein "Advisory Board" mit 2.000 Menschen, die Lust haben, ein bis zweimal in der Woche an Projektgesprächen der Marke teilzunehmen. In einem geschlossenen Online-Bereich sollen faktisch alle Themen behandelt werden, die für den späteren Autokäufer von Relevanz sein können: Die Produktentwicklung, das Marketing, Ausstattungen und Motoren. So nah hat wohl noch nie ein Hersteller öffentlich seine Kunden an das Produkt gelassen.

Die Marke nennt das Verfahren etwas sperrig "On-Demand-Customer-Collaboration" und sieht darin einen vollkommen neuen Weg, seinen Kunden nahe zu stehen, so jedenfalls zitiert Advertising Age die Marketing-Vizepräsidentin Deborah Wahl Meyer.

Selbstverständlich wird das Verfahren nicht nur zu Marktforschungszwecken benutzt, sondern auch medial umfangreich begleitet. Die passende Website "chryslerlistens.com" wird in der nächsten Woche, also Anfang April, online gehen. Dort kann man sich auch um eine Teilnahme an dem Projekt bewerben, muss aber selbstverständlich mindestens 18 Jahre und im Besitz eines Führerscheins sein. Ebenfalls sind TV-Spots und Online-Werbungen geplant.

Hinter dem Konzept, erst Kunden zum Bestandteil der Marke und dann Werbung mit dem Projekt zu machen, steckt die Agentur "Passenger" aus Los Angeles.

Ich hoffe, dass wir ähnlich mutige Unternehmen auch bald hier in Deutschland sehen. Chrysler hat begriffen, dass eine Marke von den Kunden gemacht wird. Sie müssen hinter der Marke stehen, sonst ist sie nichts wert.

Besonders interessant an dem Chrysler-Projekt ist, dass es
a) so viele Kunden sind, die partizipieren können - 2.000 Personen sind sicher nicht so ohne weiteres zu händeln. Und
b) diese Zusammenarbeit in eine für Chrysler harte Zeit fällt. Ich bin mir sicher, dass die Mitglieder des Advisory-Board nicht mit Kritik geizen werden. Dass das Unternehmen nicht nur bereit dazu ist, diese Kritik so nah an sich heranzulassen, sondern auch entschlossen scheint, diese Kritik in den empfindlichsten Bereichen - Produkt und Marketing - zuzulassen, verdient erst einmal Respekt.

Man darf gespannt sein, was die neue Allianz auf die Beine stellt. Was mir aber nicht zu vermeiden scheint, ist, dass sich für Chrysler hieraus ein Füllhorn an neuen Themen und Ideen ergeben wird, was Kunden eigentlich wirklich umtreibt. Und umgekehrt natürlich sind die 2.000 Personen eine fantastische Keimzelle für eine neue Generation an Evangelisten für die Marke, oder wie wir sie nennen: Mavens.

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