Klickkönige werden schwer Umsatzmillionär

Veröffentlicht am 10. Januar 2008 um 9:29 Uhr von Mark Pohlmann

Das vor knapp einem Jahr gegründete Schülerportal SchuelerVZ (VZ steht wie bei der Mutter StudiVZ für "Verzeichnis") ist im aktuellen iwv-ranking die meistgenutzte Website in Deutschland. Sagenhafte 5,3 Mrd. mal wurde eine Schueler-VZ-Seite im Dezember 2007 angeklickt. StudiVZ folgt mit ein paar Millionen weniger, vor T-Online, mobile.de, Yahoo und Lokalisten. Allerdings werden nicht alle Seiten ivw-überprüft. So werden eBay und Google nicht indiziert. Zum Vergleich: Spiegel Online kommt auf 400 Mio. Klicks. Das ist nicht einmal ein Zehntel von SchuelerVZ.

An dieser Tatsache ist einiges erstaunlich. Erstens, dass zwei technisch quasi identische Systeme die Klicklisten mit so deutlichem Abstand anführen und selbst wiederum ursprünglich ein Klon der US-Website Facebook waren. Der Erfolg basiert also nicht auf einem originären Angebot, sondern schlicht auf der Befriedigung eines grundlegenden Bedürfnisses der Nutzer. Das sollten sich all jene hinter die Ohren schreiben, die von ihrem eigenen Desinteresse an Netzwerken auf die Restbevölkerung schließen.

Beeindruckend ist auch der Abstand zum Rest. Die vier Nächstplazierten erreichen zusammen nicht die Klickmenge einer der beiden Websites. Erstaunlich also, mit welcher Vehemenz die Jugendportale genutzt werden. Pro Besuch fallen bei den Schülern 54 Klicks an, bei StudiVZ sind es noch immer knapp 40. Als gut geklickt gilt ein Portal in der Restwelt, wenn es mehr als 5 Klicks pro Besuch ausweist, normal sind zwei bis drei Klicks.

Eigentlich dürfte Holtzbrinck als Eigner der beiden Systeme vor Lachen nicht in den Schlaf fallen können, leben die beiden Websites doch von Werbung, die in der Regel pro Klick abgerechnet wird. So wird kolportiert, dass Spiege Online pro Klick 0,3 Cent verdient, also einen Tausenderkontaktpreis von 3 Euro einstreicht. Selbst wenn man 1 Euro pro Tausend Klicks zugrunde legt, ein Wert, den jedes mitteldurchschnittliche Portal erreicht, wären satte Umsätze zu erwarten. Bei 10 Mrd. Klicks für beide Anwendungen addiert kämen dann...moment, jetzt nicht mit den Nullen durcheinanderkommen, 10 Mio. Euro Umatz im Monat oder 120 Mio. Jahresumsatz heraus. Bei Spiegel Online Dimensionen wären es sogar 360 Mio. Euro. Stattliche Summen. Der Kaufpreis von kolportierten 60 bis 80 Mio. Euro wäre also in wenigen Monaten wieder drin, denn außergewöhnliche Betriebs- oder Werbekosten fallen nicht an.

Wahrscheinlich aber liegt Holtzbrinck weit, sehr weit von diesen Dimensionen entfernt. Das hat einen einfachen Grund: Der Klick ist viel weniger wert als das, was die Media Planer "Unique Visitor", oder eben: Reichweite nennen. Oder auf deutsch: Es klicken zwar die Leute wie wild auf den Plattformen rum, es sind aber immer dieselben. Die Schüler klickt auf seinem Verzeichnis pro Besuch durchschnittlich 53,79-mal. Wahrscheinlich geht er einmal täglich auf die Site. Das sind summiert 30 Besuche im Monat mit je 54 Klicks, also 1620 Klicks pro User., was bei 5,3 Mrd. Klicks zu 3,2 Mio. Unique Visitors führt.

Das ist selbstverständlich immer noch ein großartiger Wert, aber viel weniger als beispielsweise Spiegel Online mit einem Zehntel der Klicks erreicht. Und ist beispielsweise genau die gleiche Reichweite, die Qype hat. 3 Millionen. Bloß hat Qype gerade einmal 60.000 Mitglieder und einen Bruchteil der Klicks. Hier kommt die Reichweite von außen, über Google-Suchen, und eben nicht aus der Community selbst.

Will heißen: Große Netzwerke haben zwar viele Klicks, aber eine im Vergleich geringe Reichweite. Ehrlich gesagt, sind sie meist autistische Zirkel, in denen sich die User immer wieder nur mit sich selbst und ihrem direkten Freundeskreis befassen. Dagegen ist inhaltlich überhaupt nichts zu sagen. Nur der Werbeindustrie hilft es wenig, ständig wieder denselben Menschen die gleiche Werbung zu präsentieren. Ihre Wirksamkeit nimmt mit jeder Wiederholung rapide ab. Und genauso schnell gehen die TKP-Preise in den Keller. Sie liegen bei den großen Portalen im niedrigen zweistelligen Centbereich. Viel wichtiger als die Klicks ist also die Reichweite.

Ist es nicht tröstlich? Auch Milliardäre haben es schwer, Millionär zu werden.

p.s.: ich hoffe, ich habe mich nirgends verrechnet. Eventuelle Korrekturen sind herzlich willkommen!

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Bisherige Kommentare

1 | oliver gassner schrieb am 10.01.08 10:52

Interessanter Vergleich (Qype/schülerVZ) Mich interessiert an s/sVZ ja eher folgendes:
* Facebook hat es von der stuzdcommunity ja schon zum Para-Intranet geschafft, also: sich auch dem Business geöffnet.
* damit hat es das 'problem', dass die Zhal der Schüler/Studenierenden ja im wesentlichen einen Konstante ist um immer

Jeeedenfalls:
s/sVZ werden sowas allein wegen der Benamsung kaum schaffen.
D.h. entweder basteln sie ihr eigene ssSocial und bauen als Drittes ein LifeVZ/BusienssVZ auf, ODER die dienen lediglich dazu, die eute vür Facebook".de" bzw. XING oder wer-kennt-wen oder was immer anzufixen.

Da s/sVZ bisher nicht so arg durch Innovation aufgefallen ist (hätte das Ding das Zeug zum 'deutschen Google'? Managementttechnisch, mein ich?) würd ich eher auf LifeVZ oder die Grubenhundfunktion für XING tippen.

Oder eben: Die Leute wollen wirklich "ihre Daten überall" haben, dann sind Metacommunities gefragt, die Interfaces zu APIs bieten, denn die ständige Umzieherei der Kontaktnetze bzw. ihre Trennung (langsam ja ein prob bei Facebook) werden die User arg ermüden. (Robert basic hat da kürzlich ne netet rechnung aufgemacht angesichts der neuen Offenheitsini von Google/Facebnook etc.

Anders: Social Networking und Content Generating Communities blieben spannend ;)

2 | Stefan schrieb am 10.01.08 12:41

Mich verwundert, dass die geringe Werbetauglichkeit von Dingern wie Facebook oder xyzVZ immer noch ein Thema ist. Soziale Netzwerke sind doch nur eine simple Weiterentwicklung der guten alten Foren, die es seit ewigen Zeiten im Web gibt. Und wer einmal ein solches Forum betrieben hat, der weiß, dass mit Werbung dort kein Blumentopf zu gewinnen ist. Warum sollte das nun anders sein?

3 | Markus Kämmerer schrieb am 10.01.08 16:27

Vor ein paar Wochen hatte ich das ganze auch schon mal ähnlich durchgerechnet: http://blog.happyarts.de/2007/11/28/1046/der-preis-der-werbung-im-studivz Fazit ist, das bei StudiVZ und SchuelerVZ offensichtlich sehr viel weniger hängen bleibt, als die beeindruckenden Zahlen auf den ersten Blick vermuten lassen. Das reine Klick/Visits/Visitors-Verhältnis allein reicht als Erklärung jedoch nicht.

4 | Mark Pohlmann schrieb am 10.01.08 17:36

@markus: in der tat, da haben wir wohl viel gleich nachgedacht. du betrachtest noch die klickraten der banner. die cpc (cost per click) kann man natürlich auch in einen tkp umrechnen, was ich einfach schon gemacht habe.

5 | Roland Kühl v. Puttkamer schrieb am 10.01.08 18:01

Ich hab mich auch vor kurzem dran versucht, mit nicht ganz den gleichen Ergebnissen, aber die Tendenzen stimmen und vor allem das Fazit ;-)
http://www.werbeblogger.de/2007/11/12/100000-page-impressions-pro-minute/

6 | lasti schrieb am 2.05.08 0:45

Das zeigt mal wieder: Von Klickzahlen allein kann man eben nicht ausgehen. Social Networks haben außerdem immer den Nachteil, dass sich dort immer die selben Personen aufhalten - und regelmäßige Nutzer klicken seltener auf Werbung als Leute, die eine Seite zufällig finden.

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