Leuchttürme beim Abendbrot

Veröffentlicht am 23. Januar 2008 um 10:57 Uhr von Mark Pohlmann

Die Kunst des Marketings ist es, Botschaften in die Sprach- und Gefühlswelt des Kunden zu übersetzen. Mavens sind deswegen so wertvoll, weil sie mit ihrer Empfehlung nicht nur ihre eigene Repuation auf die Marke übertragen, sondern weil sie auch die richtigen Worte finden. Kurzum: Der Adressat versteht, was ihm sein Gesprächspartner erzählt. Wenn Marken sprechen, ist das selten der Fall.

Zu meinem Erstaunen las ich vor zwei Tage in der FAZ, dass die Mavens auch bei der CDU angekommen sind. Nur heißen sie dort natürlich nicht Mavens, sondern: Leuchttürme. Gemeint ist aber dasselbe. So ist's recht.

"Da 43 Prozent der Wahberechtigten (in Hessen) laut Umfrage noch nicht wüßten, wo sie ihr Kreuz machen werden, ruft Roland Koch die Zuhörer auf, sich zu ihrer Zuhörerschaft zu bekennen und mit Nachbarn und Kollegen darüber zu sprechen. Koch nennt es "Leuchtturm-Theorie": Die Leute sollen also Signale setzen, wo sie stehen und wohin es gehen soll. Auf die Berichterstattung der Medien will der CDU-Politiker, so scheint es, nicht angewiesen sein. Die Meinungsführer im Bekanntenkreis oder in der Familie sollen einer drohenden Schweigespirale entgegenwirken."

Soweit, so gut. Und nun solle man sich in den Parteizentralen doch bitte einmal vorstellen, wenn diese Leuchttürme nicht nur in den eigenen Familien am Abendbrottisch strahlten, sondern im Internet. Dort, wo Meinungsführer locker drei-, vierstellige Leserzahlen erreichen. Dazu müßten die Parteien ihre Mavens erkennen, motivieren und incentivieren. Eine Ahnung davon, wie wichtig das wäre, scheinen sie aber tatsächlich mittlerweile zu haben. Immerhin.

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Bisherige Kommentare

1 | Arno Klein schrieb am 23.01.08 11:38

Das mit den Mavens haben die Parteien glaube ich schon vor Jahrzehnten verstanden. Dass die Parteimitglieder in ihrem persönlichen Umfeld für die Parteien "missionieren", ist in meinen Augen schon immer eine der wichtigsten Aufgaben - wenn nicht die wichtigste.

Was die Parteien noch nicht verstanden haben, und da hast Du völlig Recht, ist, das Internet dafür richtig zu nutzen.

2 | herr_schaft schrieb am 23.01.08 12:56

Sehr gesunde Richtigstellung Arno. Nur weil man (oder eine kleine gesellschaftliche Gruppe) solche Leute heute Mavens nennt, heißt das noch lange nicht, dass es diese Menschen, ihre Rolle und die Nutzung der Rolle nicht schon lange gibt.
Mit anderem Medium wird lediglich die Nutzungsform anders. Das ist nicht schlecht, aber auch keine Revolution.

3 | Mark Pohlmann schrieb am 23.01.08 15:54

klar ist die richtigstellung richtig. aber wenn sie es denn schon seit langem verstanden haben, warum handeln sie nicht danach? denn dann würden sie politik so kommunizieren, dass jeder dieser leuchttürme *seine* eigene geschichte daraus formen könnte. denn diese form des story-telling nimmt rücksicht auf den erzählenden, sie nimmt diesen in die mitte und nicht einfach als billigen transmitter. wo, bitteschön, ist DAS denn schon einmal geschehen? ich bitte um erleuchtung.

4 | ajl schrieb am 24.01.08 22:15

Also Politikern, wenn Sie dann leuchten, könnte und wollte ich sogar noch folgen, besetzen Sie doch - im Idealfall- wichtige soziale Positionen und artikulieren sich dazu, so dass ich mich daran reiben kann. Parteien sind aber historisch gewachsenene Institutionen, denen nicht notwendiger Weise der Duft des Kommerzes anhaftet.
Steht plötzlich ein Maven vor mir und berichtet in seinen Worten über das Erleben seines tollen Turnschuhs von XL in seinem Urlaub mit PFUI Fly, in seinem Hotel RENATA... dreht sich mir der Magen um und ich sehne mich nach der Zeit, als Journalismus noch nicht PR-verseucht, und Werbung noch als solche zu erkennen war. Die Versuche der "Generation Webbrowser" Geld zu verdienen sind in meinen Augen eine verkrampfte Farce, die für den mündigen-- Wähler--- ehmm Konsumenten genau so schwer zu ertragen sind, wie Plumpheiten in manchen Wahlkampf. Irgendwann weiß man wie es funktioniert - und es funktioniert immer auf die gleiche Art.

5 | Mark Pohlmann schrieb am 28.01.08 16:44

@ajl: und du hast noch nie etwas empfohlen, weil es dir so gut gefallen hast, dass du auf diesem wege dem hersteller / anbieter einen gefallen machen wolltest - einfach, weil es ein ehrliches empfinden war? hier geht es nicht um simulation oder fakes. hört sich vielleicht unglaublich an. ist aber so.

6 | ajl schrieb am 31.01.08 20:31

Nee, ganz ehrlich Mark. Da sind vielleicht auch ein paar Semester BWL Schuld - in dunklen offline-Jahren - aber ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Ein Produkt empfehle ich höchstens im Familien- und Freundeskreis. Dort aber auch immer mit größtmöglichen Anführungszeichen. Erstens: bei Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf und zweitens: wenn ich meinen Autowerkstattgeheimtipp weitergebe, dann fahren da alle hin. Mein Schrauber hat keine Zeit mehr für mich, muss Leute einstellen, expandieren und dann die Nachfrage über höhere Preise regulieren - kann er machen, wenn ich Prozente bekäme ;-) Und wenn ich da in die Geschichte unseres Hochzeitscaterer denke, den ich reinsten Gewissens an eine Dir auch bekannte (Ex-)Kollegin empfohlen habe, die nun aber mit dem Mann vor dem Kadi steht... nee nee... das geht ja fast schon in den Bereich der Mithaftung.
Drittens: an meiner Empfehlung, so kritisch die auch formuliert sein mag, hängt ja auch mein guter Name. Wenn morgen in der Schokolade, die ich gestern noch auf dem Kindergartenfest vollmundig empfohlen habe, Glasscherben drin sind dann heisse ich ab sofort nur noch Scherben-Lichte. Das kriegt man schlecht wieder weg.

Doch gerne mal weiter diskutieren ;-)

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