DSL-Wahnsinn im Jahre 2008

Veröffentlicht am 9. Januar 2008 um 11:07 Uhr von Mark Pohlmann

Ich will nicht jammern, ich hätte es besser wissen können. Aber es tatsächlich so gekommen, wie man selbst es normalerweise immer nur aus der Zeitung liest: Wir sitzen hier zu dritt im neuen Büro und sind von einem DSL-Anschluß weiter entfernt denn je. Ja, es ist derzeit sogar unklar, ob es überhaupt funktioniert.

Kurzer Ablauf: An 14. Dezember, der Tag, an dem wir unseren Mietvertrag unterschrieben haben, haben wir den DLS-Anschluß bei Hansenet beantragt. Zwei Tage später kam von der Telekom grünes Licht, dass DSL hier möglich sei. Als Termin versprach man uns etwas um den 27. Dezember, der dann auf den 4. Januar verschoben wurde.

Hierzu muss man wissen, dass die Telekom sich vorbehält, den Anschluss durch einen Techniker vor Ort freischalten zu lassen - aber nur, wenn man diesen bei einem Konkurrenten beantragt. Bei der Telekom selbst wäre angeblich der Anschluss ohne Besuch und innerhalb von drei Tagen möglich gewesen. Aber da wir gehört hatten, dass diese Zeitangaben allenfalls theoretisch sind, und wir diese Form der Wettbewerbsverzerrung nicht auch noch fördern wollten, nahmen wir eine gewisse Verzögerung in Kauf und bleiben Hansenet treu.

Gestern, am 8. Januar 2008, eröffnete uns Hansenet, dass die Telekom kein DSL für unser Büro zur Verfügung stellt, sie somit den Auftrag nicht ausführen kann. Man muss dazu wissen, dass die Telekom mittlerweile verpflichtet ist, wenigstens innerhalb von vier Wochen die Fremdaufträge zu bearbeiten. Diese Frist endet in zwei Tagen. Erstaunlich daran ist, dass eine Internetagentur unser Vormieter war und hier alles mit Ethernet-LAN bestens verkabelt ist. Und jetzt, wo wir die weiße Fahne schwenken und lieber zur Telekom gehen als gar kein Internet zu bekommen, sind die Aussichten prompt auch wieder gestiegen. Man werde sehen, was man tun kann. Dennoch fängt damit aber die vier-Wochen-Frist für die Anschlußfreigabe wieder von vorne an.

Was wir machen, wenn - aus welchen Gründen auch immer - die Telekom der Meinung ist, keinen DSL-Anschluß liefern zu können, mag ich mir in diesem Moment gar nicht ausmalen.

Während meine just gestartete Mitarbeitern Christine Donner also schon in der zweiten Woche zum Home-Office gezwungen ist, wir mehr telefonieren als uns sehen, kralle ich mich hier, langsam vereinsamend, an mein T-Mobile-UMTS über das Handy fest. Auch so hat die Telekom schon prächtig an der Situation verdient: Ich war aus Mangel an Zugangs-Alternativen gezwungen, den Datentarif deutlich zu erhöhen.

Wie um alles in der Welt konnten aber 40 Millionen Menschen in Deutschland, die zu 99,9 Prozent keine Leute vom Fach sind, an einen DSL-Anschluß kommen? Ich stehe vor einem Rätsel.

in

Trackbacks

TrackBack-URL für diesen Eintrag:
http://blog.sinnerschrader.de/mt/mt-tb.cgi/1997

Bisherige Kommentare

1 | Christiane schrieb am 9.01.08 12:01

Gut, mal sowas zu lesen. Also, bedauerlich für Dich natürlich. Aber man bekommt ja als Auswanderer manchmal einen verklärten Blick auf Deutschland, wenn man Monate auf einen Orange-DSL-Anschluss wartet ("Das wäre in Deutschland undenkbar.") BT hat dann beim Wechsel nur noch drei Wochen gedauert, davon eine Woche aufs Paket mit der Hardware warten.

2 | 50hz schrieb am 9.01.08 12:49

Unfassbar. Das wäre doch noch ein Wahlkampfthema für Hamburg. Wer zuerst aufspringt hat Deine Stimme sicher ;-)

Und sei froh, dass zumindest UMTS geht. Als ich hier in BO mit Landau gestartet bin, hatten wir nicht mal ein stabiles Netz. In KEINEM der vier Netze.

3 | Klaus schrieb am 9.01.08 14:31

Habe vor einem Jahr beim Wechsel zu O2DSL genau dieselben Erfahrungen gemacht: Telekom-Techniker, die nicht zu vereinbarten Terminen erscheinen, technische Probleme etcpp. Nach 3 Monaten (!) ohne Netzzugang hats dann funktioniert. Drücke euch die Daumen, dass ihr es bald hinter euch habt.

Kommentar schreiben





powered by SinnerSchrader

next08 - register