DLD08

Veröffentlicht am 22. Januar 2008 um 22:56 Uhr von Mark Pohlmann

Nun bin auch ich wieder in Hamburg angekommen. Es ist spät geworden, weil ich intelligenterweise einen viel zu späten Flug gebucht habe. Anyway, hier ein kurzes Resumee des DLD, dem jährlichen Internetkongress aus dem Hause Burda, der zum dritten Mal ausgerichtet worden ist.

Mir wurde im Vorfeld zugeraunt, dass rund 300 Personen weniger eingeladen worden seien als im letzten Jahr. Das, soviel ist klar, kann nicht wahr gewesen sein. Das HVB-Forum quoll noch stärker aus allen Ecken, drei Tage sah man auf jedem Quadratmeter ins Gespräch vertiefte Menschenmassen, wohin man auch blickte. Ich schätze, dass insgesamt rund 1.500 Personen über die Tage vor Ort waren.

Und damit kommen wir gleich zum stärksten Pluspunkt der Veranstaltung: Die Gäste. Glückwunsch den Machern dafür, dass sie wieder wie in den Vorjahren (fast) alle nach München bekommen haben, die man auf so einer Veranstaltung gerne sehen möchte. Dabei geht es gar nicht um die Celebrities, sondern die ganzen Menschen, die mit ihren Themen und Projekten diesem Medium wirklich sein Gesicht geben. Auffallend war, dass nicht ganz so viele internationale Gäste da waren (bei den Referenten hingegen war es genau andersum) und nicht ganz so viele VCs. Dafür war mehr echtes Unternehmertum vertreten, was auch sehr schön war. Die Kontaktdichte und -Qualität macht den DLD zur derzeit hochwertigsten und vielfältigsten Veranstaltung für dieses Thema in Deutschland. Herzlichen Glückwunsch nach München dafür. Wir arbeiten mit der Next daran, diese Krone bald nach Hamburg zu holen ;-)

Nicht in gleichem Maße begeistert hat mich das Programm. Das lag wahrscheinlich daran, dass ich es kaum wahrgenommen habe. Sicher, mit Marissa Meyer, Martin Varsavsky, Esther Dyson, Jimmy Wales und vielen anderen waren wieder die bekannten internationalen Top-Größen vertreten. Leider haben sie nicht die Top-Themen mitgebracht, so wie dies in den letzten Jahren der Fall war. Das brauchen sie eigentlich auch nicht, schließlich ist auch das ein Zeichen für einen reifenden Markt - dass er sich nicht immer neu erfinden muss. Eine echte Ausnahme bildete das Projekt "23andme", das jedem sein eigenes Genom entschlüsselt und beispielsweise Verwandschaftsgrade oder Genrisiken aufdeckt. Und bei dem man nie vergessen wird zu erwähnen, dass es das Projekt der Frau des Google-Gründers ist. Wie hieß er nochmal? Und sie? Egal.

Aber es gibt ja "Issues" zuhauf da draußen. Unter anderem die Media-Krise im Web-2.0, die weiter drängende Frage der Geschäftsmodelle für Netzwerke und die Zukunft des Datenschutzes. Die Themen wurden zwar immer wieder angerissen, ein echtes Agenda-Setting fand hierzu aber nicht statt. Dazu kam, dass die Vorträge im Programm nicht angeteasert wurden. Sie hießen "getting social" oder "surfing risks". Den Rest musste man sich denken. Die Referenten waren das Programm. Vermehrt tauchten Themen auf, die mit dem Internet oder digitalen Medien nichts zu tun haben. Wie beispielweise ein Vortrag über die Lust am Fliegen von Karina Hollekim.

Aber es gab auch Highlights, die ich verpaßt habe. Den Auftritt von WPP-Chef Martin Sorell am Sonntag. Die Moderation von Marc Samwer, der seine Runde offenbar quälend treffende Fragen zu den ausbleibenden Geschäftsmodellen stellte. Die Ratlosigkeit der TV-Runde, wie Fernsehen wirklich im Internet neu zu erfinden sei. Die Coolness von Morten Lund.

Kurzum: Ich habe den DLD08, die perfekte Organistion, die Kontakte und Gespräche rundum genossen. Danke an Burda und das DLD-Team für drei fantastische Tage in München.

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Bisherige Kommentare

1 | oliver gassner schrieb am 23.01.08 11:05

Also die anwesenden waren von Marc S. nicht hingerissen.

Spannend war da eher die Ankündigung von Facebook ihre Internationalisierung sozusagen Crowdzusourcen, via Application auf FB natürlich.... was grade in der private Beta ist.

2 | Mark Pohlmann schrieb am 23.01.08 11:12

bingo, also nochwas verpasst. aber jetzt mal im ernst und mit verlaub: eine crowdgesourcte internationalisierung ist so ziemlich das unsinnigste, was ich seit langem gehört habe. das heißt ja nichts anderes, als dass sie es nicht nötig haben. ob das die krone im community-building sichert? ich befürchte eher, dass es die ganz pragmatische antwort auf überforderung bei der aufgabe ist, auf allen märkten gleichzeitig zu expandieren.

3 | Verenice schrieb am 24.01.08 23:15

Also, ich als Neu-Bloggerin fand die Mischung der Gäste auf dem DLD auch wirklich gelungen. Hatte die Möglchkeit, sowohl nette Blogger "von nebenan", aufstrebende Web Video Leader wie Dina Kaplan, als auch echte Berühmtheiten wie Paulo Coelho und Jimmy Wales persönlich kennenzulernen und zudem viele alte Bekannte wiederzutreffen - zu sehen in meinem DLD Video Blog Special: http://vereniceblog.wordpress.com/2008/01/24/dld-special-verenice-v-blog-6/.
Leider konnte ich kaum ein Panel verfolgen. Das werde ich aber per Vodcast auf http://www.dld-conference.com nachholen - wie auch schon im letzten Jahr! ;)

4 | oliver schrieb am 25.01.08 10:08

@mp:
Der Gerechtigkeit halber muss man erwähnen, dass sie auch Profis einsetzen.

Wie sie das genau machen wäre nun spannend. Da das Plugin noch in der private Beta ist, kann man das schlecht sagen.

'Echte' Überstzeungsunterstützungsssoftware ('across' bei Karlsruhe, eine Abspaltung von Nero (CD-Brennerzeugs)) arbeitet mit der Übersetzung von "Phrasen", also Textstücken. Das könnte, so man es als Facebookapp amcht HALBWEGS was taugfen, wenn man dahinter eine gute auswertzungssoftware und Experten flanscht.

D.h. was die machen ist abhängig vom Verfahren entweder supercoole Wikinomics oder vollkommen blöde ;)

"Normal" zu verfahren kann man bei zig- der 100-tausenden Apps wohl eh (wie der Südbadener sagt) "den Hasen geben."

Nur das Framework zu übersetzen bringt ja extrem wenig ;)

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