Das nächste Opfer des Mitmachens: Porno

Veröffentlicht am 14. Januar 2008 um 8:19 Uhr von Mark Pohlmann

Spiegel Online weist zurecht auf die Sorgen der Pornoindustrie hin, die dank Angeboten wie Pornotube.com und Youporn.com Umsatzrückgänge verspüren. Die Angebote sind so einfach wie bestechend: Auf den Mitmachseiten können wie auf Youtube Videos kostenlos hochgeladen und angeschaut werden. Dabei handelt es sich nicht nur um massenhaft raubkopierte Ware. Genauso fürchten die Porno-Anbieter selbstgebastelte Home Videos.

Wer hätte das gedacht? Dass die Zielgruppe der Sex-Filmchen den Anbietern den Garaus machen, indem sie sie selbst drehen? Damit reiht sich diese Sorte Filmindustrie in die Liste der Branchen ein, deren Geschäftsmodelle sich durch das Mitmachen verändern. Hierzu zählen die klassische Musik- und Film-Industrie (Hier bislang eher durch das Peer-to-Peer-Tauschen. Angeblich sind 50 Prozent des gesamten Datenverkehrs im Internet auf illegale Filmdownloads zurückzuführen.) der Tourismus (ohne positive Bewertung voriger Gäste auf Holidaycheck werden auch in Deutschland keine Ferienzimmer mehr gebucht). Und nicht zu vergessen die Verlage, hier vor allem die Tageszeitungen und das Kleinanzeigengeschäft.

Zurück zum Thema. Porno war ja schon immer DAS Geschäftsmodell fürs Web. Mehr als 10.000 Filme werden alleine von Hollywood aus produziert und bescheren den Studios geschätzte zehn Milliarden Dollar Umsatz, schreibt die FAZ. Und nun also haben diejenigen, die rund ein Jahrzehnt diskret und bereitwillig ihre Kreditkarte gezückt haben, das Paradies im Lande Kostenlos gefunden.

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Die Alexa-Grafik zeigt neben den absoluten Zahlen wieder einmal auch, wie intensiv das Wachstum im Mitmachweb ist und damit: wie groß der Bedarf ist. Während klassische Verlagsangebote nur schwach wachsen, oft natürlich auch auf durchaus beeindruckend hohem Niveau, können Dienste, in denen der User sich selbst seinen Inhalt schafft, in wenigen Monate in die Top10 aufstoßen. Youtube, Facebook, SchuelerVZ oder eben diese Pornodienste machen es vor.

Ein großes Problem dieses Erfolges soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden: Ihr Jugendschutz ist so derart einfach zu umgehen, dass man als Eltern sich schon Sorgen machen darf, in welchem Alter ihre Kinder in Kontakt mit diesen Inhalten kommen und welche Konsequenzen das für ihre Erwartungen und Eindrücke von Sexualität hat. Deswegen der schlichte wie hilflose Rat, Adoleszenten niemals alleine surfen zu lassen, wenn man sie diese Schwelle nicht zu früh übertreten wissen will.

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