2008. Was kommt.

Veröffentlicht am 2. Januar 2008 um 0:26 Uhr von Mark Pohlmann

So, nach zwei Wochen Pause hier im Blog geht es mit dem heutigen Tage wieder los. Allen Themenblog-Lesern und Freunden von Mavens Dialog wünsche ich erstmal ein erfolgreiches Jahr 2008!

Das Allerbeste vorweg: Christine Donner, die mich seit einem halben Jahr als Feste Freie unterstützt, ist ab sofort als erste festangestellte Mitarbeiterin in Vollzeit dabei. Sie wird wie bisher in den Projekten der Kunden carmondo und DaWanda arbeiten und sicher an vielen anderen Stellen sichtbar sein - auch hier im Blog. Christine: an dieser Stelle ein herzliches Willkommen und viel Spaß im neuen Job ;-)

Fast genauso wichtig war der Umzug Mitte Dezember in das erste eigene Büro in der Ehrenbergstraße direkt am Bahnhof Altona in Hamburg und damit der gefühlte Schritt vom Freiberufler hin zum richtigen Unternehmen. Der Büroraum gehört zum ehemaligen Vorstandsbereich der Volksbank Hamburg, die vor einiger Zeit dort ihren Hauptsitz hatte, von Glamour ist aber bis auf einen Kamin und ein paar überschwengliche Holzververtäfelungen in einem ansonsten ziemlich gesichtslosen 60er-Jahre Bau nicht viel zu sehen. Dafür haben Christine und ich Platz und Sonne satt, 106qm, den wir uns mit Mathias Mainholz teilen, einem freien NDR-Hörfunk-Reporter, der sich ebenfalls in diesen Tagen mit Podcasts und Radio-PR selbständig macht. Ich hoffe, mit Mathias auch das eine oder andere Projekt machen zu können.

Kommen wir vom Beruflichen zum Inhaltlichen. Das gerade zu Ende gegangene Jahr verbuche ich mal als Zwischenjahr in Sachen Mitmach-Marketing und -Medien. Und ich kann nicht sagen, dass ich überzeugt bin, dass es dieses Jahr wirklich richtig losgeht.

Zwar ist die Offenheit für dialogische Werbeformate so groß wie nie. Das liegt an dem Erfolg von Youtube und StudiVZ, dem iPhone und dem Blackberry, aber auch an Dingen wie WLAN, billigeren Datentarifen und eine Selbstverständlichkeit von mobilen Datengeräten wie Navigationsgeräten oder Spielekonsolen. Wir erleben die Epoche monitorbasierter Kommunikation.

Doch gleichzeitig fehlt es weiter an intelligenten und vor allem erfolgreich getetstenen Vermarktungskonzepten und Erlösquellen. Wie das eben so ist in Zwischenjahren: Reichweitenbasierte Werbung funktioniert zwar nicht mehr so perfekt wie noch vor einigen Jahren, sie ist aber immer noch gut genug, um ordenliches Wachstum und Renditen abzuwerfen. Neue Werbemodelle sind bereits sichtbar, sie sind aber für viele Märkte noch nicht hinreichend attraktiv, als daß es für einen breiten Paradigmenwechsel reichen würde. Vor allem aber sind sie nicht gelernt. Wir sind, was die Individualisierung von Marketing und PR angeht, auf dem Weg, aber noch längst nicht am Ziel. Das Interesse, Neues zu probieren, ist noch nicht umgeschlagen in die Gewißheit, es anders in Zukunft gar nicht zu können.

Symptomatisch hierfür ist die erneute Vormachtstellung der alten Medienverlage im Mitmachweb. Holtzbrinck (allen voran: StudiVZ, SchuelerVZ), Axel Springer (MotorTalk) und Burda (Holidaycheck, Etsy, Sevenload), aber auch ProsiebenSAT1 (lokalisten, myVideo) und sogar Madsack (DocInsider), kaufen sich systematisch in den Web-2.0-Markt ein. Warum eigentlich? Wenn sie ehrlich sind, werden sie meistens zugeben müssen: Um hier Banner zu plazieren. Von Revolution keine Spur.

Verwunderlich ist dieser Eifer, weil Verlage mit ihren auf Reichweite ausgerichteten Werbemodellen und kleinteilige, betreuungsintensive und schwer monetarisierbare Web 2.0-Spielereien auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassen. Denn ein Klick auf ein klassisches Medienangebot wie Spiegel Online oder Zeit.de ist weiter viel mehr wert als auf StudiVZ oder Lokalisten. Oder umgekehrt: Aus den Klickmilliarden im Mitmach-Web ist kaum zu Geld zu machen, weil es an Werbeformaten fehlt, die dieses Werbeumfeld intelligent ausnutzen.

Und dennoch: Es zieht den Kunden in diese Formate. Und Medien und Werbung ziehen eben nach und gehen dorthin, wo der Kunde seine Zeit verbringt. Im Internet heißt dies zunehmend: Foren und Communities und sonstigen kollaborativen Systemen - also Wikis, Blogs, Netzwerken - involvieren die Nutzer immer stärker, immer intelligenter, immer reichweiten- und umsatzrelevanter. Nur, wie diese Aufmerksamkeit zu monetarisieren ist, da herrscht noch allgemeine Ratlosigkeit.

In diesem Sinne prophezeie ich für das Jahr 2008 den Durchbruch von intelligenten Werbeformaten, die nicht mehr lästig am Rand der Website blinken, sondern den Nutzer gezielt einbeziehen. In Zukunft gilt: Nur wenn WIR Werbung machen, wird noch eine Werbewirkung zu erzielen sein. Facebook ist dabei, mit Beacon solche nutzergenerierten Werbefformate zu etablieren. Auch wenn der erste Schuss zum Privacy-Desaster geriet: Hier sehen wir die Zukunft der Werbung. Und hoffentlich auch schon in diesem Jahr.

Sollte allerdings die Monetarisierung des Mitmach-Webs weiter so mühsam bleiben, wird wohl 2008 in der gleichen Warteschleife drehen wie 2007. Und wenn das passiert, dürfen wir uns jetzt schon Sorgen um 2009 machen - als letzte Chance auf ein profitables Web 2.0, bevor die Ernüchtungen in Frust umschwenkt und alles in den Strudel der Enttäuschung zieht. Hoffen wir also nicht nur das Beste, sondern machen wir uns an die Arbeit, endlich die Werbeformate zu etablieren, die der Nutzer schon seit langem verdient: Intelligente, relevante - eben individuelle Werbung.

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Bisherige Kommentare

1 | Martin Oetting schrieb am 6.01.08 14:14

Vielleicht kurz die Sicht bei trnd auf diese Dinge: 2005 dachte Rob Nikowitsch, dass es das große Jahr für Mundpropaganda im Marketing wird. Es war ein schwieriges erstes Jahr. 2006 dachten wir alle, dass es richtig losgeht. Es passierte an einigen Stellen etwas. 2007 waren wir überzeugt, dass es nun endlich durchstartet - und es war tatsächlich was zu merken: Wrigley hat die erste wirklich große Kampagne mit uns gemacht, auch andere Kampagnen wurden größer, und wir sind auf einen ansehnlichen Mitarbeiterstamm angewachsen. Wenn 2008 nicht noch deutlich mehr passiert, müssten wir uns sehr wundern. Also Mark: richtiger Weg, richtiger Markt, die richtige Zeit - auf eine gute Zusammenarbeit! :-)

2 | Mark Pohlmann schrieb am 7.01.08 9:26

hallo martin,
schöner kommentar, schöne aussichten - ich freue mich auf gute trnd-kampagnen, die die marketing-wände zum wackeln bringen!

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