Gruenderszene sucht Start-up des Jahres
Veröffentlicht am 5. Dezember 2007 um 11:16 Uhr von Mark Pohlmann
Jahresendorgien sind ja alltäglich, warum nicht auch in der Start-up-Szene also. Und wie es der Zufall will, bin ich mit rund 30 anderen Menschen auch in der Jury von Lukasz Gadowskis Gründerszene gelandet, was mich sehr gefreut hat.
Welche Start-ups haben also das Jahr bestimmt? Hier die Liste, die ich vorschlagen werde. Sie ist natürlich streng subjektiv und soll einfach nur eine Anregung sein, selbst darüber nachzudenken, welche Dienste in diesem Jahr neu in das eigene digitale Leben eingetaucht sind. Soweit ich das verstehe, sind aber nur deutsche erlaubt.
1. StudiVZ.
Ist das eigentlich noch ein Start-up? Klar, wenn auch nicht in diesem, sondern im vorletzten Jahr gegründet. StudiVZ hat der Welt da draußen gezeigt, wie groß klein werden kann. 3 Mio User und 4 Mrd. Klicks im Monat - das ist schon eine Menge Holz. Alleine dafür, dass StudVZ den seit einem Jahrzehnt amtierenden Reichweiten-Obermufti namens "t-online" vom Thron stoßen konnte, gebührt StudiVZ ganz klar die Gründerkrone. Geschichten, wie die, dass StudiVZ-Manager beim möglichen Verkauf an Facebook genauso viel verdienen wollten wie der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, runden die Wahl auf das allerherrlichste ab. Seit einem Jahr gehört StudiVZ zu Holtzbrinck, die jetzt die Aufgabe haben, die Klickmilliarden in Euro-Millionen zu konvertieren. Viel Spaß dabei ;-)
2. DaWanda
Ein Kunde von uns - aber was für einer. Auf DaWanda verkaufen Designer, Kunsthandwerker, Professionelle und Hobby-Kreative ihre Produkte. Für die meisten von ihnen ist DaWanda der erste professionelle Marktzugang, verbunden mit der Möglichkeit, sich selbst und die eigenen Kreationen in einem hochwertigen Rahmen auszutesten - und damit auch noch Geld zu verdienen. Wie jedes richtige Start-up hat Dawanda mit ein paar befreundeten Designern angefangen. Und - es hat funktioniert. Heute sind hier 6.000 Hersteller mit über 70.000 Produkten vertreten, 70.000 Kunden sind registriert. Täglich werden mehr als 1.000 Produkte verkauft. Jedes ein Unikat. Da DaWanda für beide Seiten so schön funktioniert, also Angebot und Nachfrage bündelt, schaffen es die ersten Anbieter, sich über die DaWanda-Umsätze eine selbständige Existenz aufzubauen. Wer einmal spüren möchte, wie wichtig DaWanda als Schnittstelle für diesen kleinteiligen, kreativen Markt ist, der schaue sich einmal die Glückwünsche zum 1. Geburtstag an.
3. DerWesten
Auch ein Kunde von uns - und auch ein besonderer. DerWesten - und Katharina Borchert - haben bewiesen, dass Medien sich über das Intenet neu erfinden wollen. Und es können. Sogar Lokalzeitungen. Der Dreh: Die Zeitung holt die eigenen Leser mit auf die Bühne. Sie können hier Artikel kommentieren, eigene Beiträge schreiben und sich mit anderen Lesern vernetzen. Das alles in einem sehr hochwertigen und lokal relevanten Umfeld. Das Zusammenspiel zwischen Journalist und Leser führt zu einer neuen Form des Journalismus. Nicht gleich beim Start, aber so langsam. Und nachhaltig.
4. SixGroups
Kein Kunde, ganz neu und letzlich durch einen bestehenden, sehr erfolgreichen Dienst inspiriert: Sixgroups ist das deusche ning.com. Also eine Plattform, auf der jeder mit wenigen Klicks eine eigene Community aufbauen kann. Warum mir SixGroups wichtig ist: Die Organisation von Gruppen und sozialen Umfeldern passiert nicht nur auf den großen Portalen, sondern zukünftig eben auch in kleinsten Nischen. Sixgroups ist ein Hinweis darauf, dass nicht ein Netzwerk alles frisst, sondern, im Gegenteil, jede Nische ihre eigene Existenz führen wird. Sixgroups ist ganz neu und sieht mir dafür schon sehr schön aus, und steht hier eigentlich vor allem stellvertretend für den Trend zur Gruppenkommunikation.
5. Mavens Dialog.
Ist es vermessen, sich selbst vorzuschlagen? Ich hoffe doch nicht. Mavens Dialog ist mein Schritt in die Selbständigkeit, mein Start-up. Wir glauben an das Gespräch als das Marketing der Zukunft. Längst vertrauen Konsumenten einem persönlichen Rat mehr als einer kommerziellen Botschaft. Nichts ist überzeugender, nichts zielgruppengenauer als eine direkte Empfehlung. Deswegen muss die Marke dorthin, wo die Gespräche stattfinden. Mavens Dialog bringt sie hin. Wir sorgen dafür, dass eine Marke von denen wahrgenommen wird, auf die es ankommt: Den Mavens. Mavens sind die Meinungsmacher im Internet, in ihren Themenfeldern Vorbild für viele tausend Menschen. Schon die Zusammenarbeit mit 10 bis 20 Mavens kann die Wahrnehmung und Glaubwürdigkeit einer Marke in der anvisierten Zielgruppe signifikant erhöhen.
An dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben sollen die anderen Start-up Kunden von uns, die noch auf dem Sprung sind - oder es auch schon geschafft haben, wie Qype. Dazu zählen die Sixt-Community carmondo.de, das Patientenportal DocInsider und Burda Social Brands. Ihre große Zeit kommt im nächsten Jahr!
So, jetzt mal die Vorschläge in eine Mail gepackt und Lukasz geschickt ;-)
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Bisherige Kommentare
1 | Oliver schrieb am 6.12.07 17:12
Hallo Mark,
Ich finde es schön, dass Du einen Micro Social Networking Dienst in Deiner führst. Allerdings würde ich Dich in diesem Zusammenhang auch ganz gerne auf mixxt aufmerksam machen.
Nicht nur weil es sich auch in besonders aktiven und anspruchsvollen Zielgruppen wie Barcamps bewiesen hat, sondern auch aufgrund des Funktionsumfangs und der bereits aktiven und vorzeigbaren Netzwerke. Ganz abgesehen dass mixxt auch schon länger dran ist.
2 | Mark Pohlmann schrieb am 8.12.07 15:21
hallo oliver,
du hast recht, mixxt hätte es genauso verdient. nur, ich finde die homepage von sixgroups verständlicher, besser auf den punkt als eure: hier sehe ich menschen, die kann ich kennenlernen. die sind zudem ein hamburger start-up, ich kenne einen der gründer schon seit vielen jahren. die auswahl ist wie gesagt streng subjektiv. nächstes jahr werde ich euch nominieren, falls ihr bis dahin sixgroups abgehängt habt ;-)
3 | Torsten schrieb am 10.12.07 13:17
Natürlich gehört Mark Pohlmann an die erste Stelle gerückt. Er ist zwar selbst kein Kunde von Mark Pohlmann - aber was für einer!
4 | 50hz schrieb am 10.12.07 14:44
Puuh. Mark?! Ich finde es absolut in Ordnung, dass Du Kunden und Dich selbst ins Spiel bringst.
Im Falle von DerWesten wäre aber ein wenig mehr kritische Distanz angebracht. Das Projekt hat so ziemlich jede Erwartung enttäuscht, die wir hier vor Ort hatten.
Design (okay lass uns streiten), technische Stabilität (uiui), Usability (unterirdisch), Mut zu Offenheit (nicht vorhanden), Kommentarfunktion (alter Hut), Geotagging (falscher Partner, wenig Nutzen), Heben lokaler Schätze (scheitert an bornierten Lokalredaktionen), Community (die Zahlen sprechen für sich).
Was ist daran StartUp? Wo ist da der Erfolg?
Ach ja: Einbindung von Mavens? Statt welche einzubinden wird deren Berechtigte Kritik fleißig ignoriert.
Und bislang kann ich nicht wirklich entdecken, wie man dort in der Nachbarstadt aus der Krise herauskommen will.
Aber vielleicht weist Du ja mehr?