Xing oder Marge versus Wachstum

Veröffentlicht am 21. November 2007 um 15:12 Uhr von Mark Pohlmann

Schöne Geschäftszahlen liefert heute Xing, ehemals OpenBC. Knapp 5 Mio. Euro Umsatz im letzten Quartel, gut 13 Mio. Euro für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahrens. Derzeit nutzen 4,25 Mio. Nutzer Xing, davon 325.000 zahlende mit Pro-Account, also jeder 13. oder sieben Prozent. Die sieben Prozent sorgen für ein dickes Plus auf dem Konto. Das operative Ergebnis EBITDA (böse formuliert: Gewinn vor Kosten, also vor Steuern und Abschreibungen) beträgt 2 Mio. Euro im 3. Quartal 2007 oder 40 Prozent vom Umsatz. Das ist ... phantastisch.

Gleichzeitig reicht das dem Gründer Lars Hinrichs nicht, denn er bietet ab sofort auch Werbung an. Hört sich ein bisschen an wie die Öffentlich-Rechtlichen, die ja viel Geld von ihren Nutzern bekommen und dennoch auf Werbung pochen. (kleiner Scherz, Xing ist zwar auch Monopolist in Deutschland, aber eben einer aus eigener Kraft und kein staatlich geförderter. Ein großer Unterschied.)

Es wird wohl eher so sein, dass Xing seinem eigenen Geschäftsmodell nicht mehr so recht traut auf lange Sicht. Das finde ich sehr weise. Denn die Konkurrenz ist leistungsstärker, hipper und, vor allem: billiger. Aber Xing hat ein großes Plus: Vor allem in Deutschland sind sie alle auf Xing. Und nicht auf Facebook. Xing wird auch von außen als DAS europäische Netzwerk gesehen. Wer in Asien oder Amerika Kontakte nach Zentraleuropa sucht, gründet einen Xing-Account.

Umgekehrt verläßt niemand sein Heimatnetzwerk, um sich auf Facebook oder anderen neu zu formieren. Vielfalt ist der Faktor. Erst wird der Pro-Account in einen kostenlosen umgewandelt, dann die Nutzung langsam verlagert. Ich beispielsweise bekomme in der Woche etwa fünf Anfragen auf Facebook von Kontakten, die bereits über Xing bestehen. Das eine tun und das andere nicht lassen lautet die Devise. Die Kündigungen der Pro-Accouns wird Xing heute schon spüren, nur sind sie in den Wachstumszahlen nicht so leicht zu sehen, oder besser: leichter zu verstecken.

Es ist gut für Xing, dass sie sich um ihre Vermarktungsfähigkeit kümmern. Dies sichert ihre Wettbewerbsfähigkeit mittelfristig stärker als eine Marge von 40 Prozent. Geld ist schön. Die Währung für Xing sind aber lebendige Kontakte. Wenn jetzt noch die Kostenpflicht für Trivialitäten wie eine vernünftige Suche fällt, hat Xing das Zeug, gegen Facebook und alle anderen zu bestehen.

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Bisherige Kommentare

1 | 50hz schrieb am 22.11.07 10:05

Glaub ich nicht. Wenn Facebook ne deutsche Oberfläche bekommt gibt es kein Halten mehr. Schon jetzt tauchen dort Leute auf, mit denen ich vorerst nicht gerechnet hätte. Und Facebook hat einen riesigen Vorteil. Sie fangen die Leute schon im Studium oder gar vorher ein. Live Long Network ;-)
Vieleicht sollte sich Xing mal mit StudiVZ zusammen tun.

2 | Martin Recke schrieb am 23.11.07 10:07

Stimmt. Xing und StudiVZ wären in Deutschland eine unschlagbare Kombination. Allerdings auch nur in Deutschland. Das reicht vermutlich nicht.

3 | Xing schrieb am 4.01.08 23:42

Hier bin ich für jeden Kommentar dankbar!

http://blog.openbc.com/2008/01/statement.html#comments

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