FAZ Relaunch

Veröffentlicht am 21. November 2007 um 12:53 Uhr von Mark Pohlmann

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In kurzen Worten: FAZ.net findet Gefallen am derzeitigen Zeitgeschmack, wie ihn Spiegel Online prägt und an dem sich auch Focus, Stern, sueddeutsche sowie DerWesten orientieren. Und mir gefällt er auch, weil Ästhetik UND Funktionalität damit auf der Höhe der Zeit sind. Wer allerdings Erwartungen in Richtung Web 2.0 und Partizipation hatte, wird enttäuscht. Die FAZ bleibt online das, was sie auch im Print ist: Ein Nachrichten- und kein Kommuniktionsmedium. Aber der Reihe nach.

Strukturell hat sich viel verbessert. Das Wichtigste: Die Site ist jetzt 1.000 Pixel breit und zweispaltig. Die alte Version, die lange Zeit sehr modern war, war es durch ihre Dreispaltigkeit und 800 Pixelbreite aber dann irgendwann doch nicht mehr. Weil jetzt mehr Platz ist, sind die Weißräume schöner aufgeteilt. Noch besser als die Home gefallen mir dabei die Unterseiten. Klar ist aber auch - wie im Print: Mehr weiß heißt weniger Inhalt pro Quadratzentimeter. FAZ.net wird wie das Printprodukt schon immer feuilletonistischer, gefälliger. Seiten für Newsjunkies sehen anders aus.

Die obere Navigation ist jetzt zweizeilig, die vier wichtigen Ressorts oben und die weniger wichtigen eine Zeile darunter. Das finde ich keine wirkliche Verbesserung, aber da braucht man vielleicht auch nur ein paar Takte, um reinzukommen. Es gibt jetzt rechts wie im Blatt immer einen Kommentar, ja, richtig, auch hier ohne Fraktur. Alle Artikel und Ressorts werden über die volle redaktionelle Breite angeteasert, aufgelockert durch mehrspaltige Teaser für Videos und Bilderstrecken. Das ist Standard, aber ein schöner. Scrollen gehört zum Nachrichtengeschäft. Die Zeiten, in denen sich alles auf 800x600 Pixeln abspielen sollte, sind längst vorbei.

Funktional hat sich nicht allzuviel getan. Durch die Rubrikenüberschriften kann man sich schon auf der Home durchklicken. Das ist eine nette Idee. Und man kann die Nachrichtenfolge wohl personalisieren, mir ist intuitiv jedoch nicht klar geworden, wie. Deswegen habe ich es auch nicht gemacht. Personalisierung ist ja ein ganz altes 90er-Jahre-Thema von Nachrichtenportalen, bislang hat sich aber noch nichts durchsetzen können. Und auch die FAZ wirkt mir jetzt nicht so, als wenn sie da neue Standards setzen würde. Personalisierung muss man wohl vorerst Anbietern wie iGoogle oder Pageflakes überlassen. Angeblich sind da jetzt auch Leserkommentare auf der Homepage, ich konnte keine finden. Ok, da ist ein Kasten links. Aber hey, da gehören sie eben nicht hin, sondern direkt unter den entsprechenden Artikel. Und es gibt einen Nachrichtenticker, der aber unsinnigerweise erst nach Scrollen sichtbar wird.

Die Dauerumfragen auf der rechten Seite wurden behalten: Erst kommt ein riesiger Eigenwerbebanner und dann eine Frage wie: "Edeka will die ganze Nacht lang öffnen. Wie finden Sie das?" Ich finde schon die Frage doof.

Wirklich lästig: die FAZ ist die einzige Site, die es schafft, regelmäßig meinen Pop-up-Blocker zu überwinden. Wer seinen Leser zwingt, seinen Schreibtisch nach dem Besuch der Website von Bannern für Zeitschriftenabos aufzuräumen, verbessert die Leserbindung nicht zwingend. Klar ist aber auch: Es muss Geld verdient werden. Warum dann allerdings so wenig Werbung zu sehen ist? Bei meinem letzten Besuch war kein einziger Banner auf der Homepge zu sehen. Verdächtig. Dass da Usability-Gründe eine Rolle gespielt haben können, mag ich ja nicht so richtig glauben.

Insgesamt eine grundsolide Erneuerung in die richtige Richtung. So sieht klassischer Journalismus heute eben aus. An Sachen wie Leserpartizipation oder neue Angriffe in Sachen Diskursqualität hat man aber nicht gedacht und gedenkt es auch nicht zu tun:

Perspektivisch
Mit neuen Formaten, mehr Multimedia-Anwendungen und einer deutlich verstärkten Internetredaktion bieten wir den Nutzern künftig eine noch bessere Orientierung in der anschwellenden Nachrichtenflut.

Soso. Leser sind also Nutzer im dauernden Kampf mit der Nachrichtenflut. Wenn das die selbst auferlegte Kernverpflichtung der FAZ für ihr Internetengagement umschreibt, dann darf ich mir an dieser Stelle Sorgen machen, dass die inhaltliche Konzeption der FAZ schneller veralten wird als ihr Layout.

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