FAZ und Spiegel streiten um das Internet

Veröffentlicht am 31. Oktober 2007 um 19:07 Uhr von Mark Pohlmann

Dass ich das noch erleben darf: Frank Schirrmacher, seines Zeichens Mitherausgeber der FAZ, hält eine Rede, in der er sich als Zeitungsmacher, nunja, sagen wir, kritisch, mit dem Digitalen im allgemeinen, und dem Internet im besonderen auseinandersetzt.

Wer sich mit Fragen des Schreibens und Lesens befasst, redet auch von Abc-Schützen, die möglicherweise einmal die Welt aus den Angeln heben könnten. Das Problem ist nur: Es gibt kaum noch Abc-Schützen und das, was die Stifte einst leisteten, tun nun die Laptops. Beide Parameter zusammen beschreiben exakt, was wir die Krise der Medien nennen. Weiterlesen.

Christian Stöcker, seines Zeichens Netzwelt- und Wissenschafts-Redakteur von Spiegel Online, antwortet mit einer gezielten Geraden: "Das Internet ist an allem Schuld" .

Ob online oder gedruckt: Eine starke Medienmarke kann auf Dauer eben nur bestehen, wenn sie Qualitätsstandards setzt und hält. Die Vorstellung, dass Online-Journalisten zwangsläufig schlechter arbeiten, nur weil sie sehen können, was den Leser interessiert und was weniger, ist absurd. Was nicht heißt, dass sie nicht gelegentlich schneller schreiben, als der Sache gut tut. Weiterlesen.

Was Schirrmacher glücklicherweise nicht unbeantwortet lassen möchte. Das Ergebnis: Eine brillante Diskussion, toller Lesestoff - und das zur Primetime, live & kostenlos (und noch nicht mal gebührenfinanziert). Komme ich etwa meinem Wunschtraum näher, dass das Internet sich zur milieuübergreifenden Schaubühne für gesellschaftlich relevante Diskurse entwickelt?

Wie auch immer: Lesen! Hier der erste Absatz der Schirrmacherschen Replik-Replik:

Das nenne ich Eskalation: Aus einer Rede, die für die Koexistenz von Tageszeitung und Internet plädiert, macht der Internetredakteur kurzerhand eine Kriegserklärung (mehr...). Nur indem er Formeln reaktionärer Kulturkritik bemüht, geht seine Rechnung auf: "Das Internet ist an allem schuld". Das ist eine Formel der Moral, es folgt eine der Zeit und des Ortes: "Nur Druckerpressen können das Abendland noch retten". Das sind zwei Überschriften, die nichts mit der Rede zu tun haben. Sie stammen aus dem Kopf des Internetredakteurs, nicht aus dem Mund des Redners. Weiterlesen.

p.s. Das FAZ-Print-Abo habe ich zu 31.10. gekündigt, ich werde es mal für 3 Monate mit der SZ probieren. Schirrmacher vermisse ich jetzt schon!

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