PR ist toll. Reicht aber nicht.

Veröffentlicht am 4. September 2007 um 9:34 Uhr von Mark Pohlmann

Ein spannendes Interview, das Jochen Krisch mit der neuen Vorständin Jana Eggers bei Spreadshirt geführt hat. Sie nahm vor wenigen Wochen den Platz von Lukasz Gadowski ein, der den T-Shirt-Produzenten vor fünf Jahren gegründet hat.

Das Interview ist deswegen so spannend, weil Spreadshirt in einer außergewöhnlichen Situation steckt - die wahrscheinlich auch außergewöhnliche Maßnahmen erfordern wird. Denn kaum ein anderes Internet-Start-up ist in den letzten 24 Monaten derartig öffentlich zelebriert worden. Und gleichzeitig ist die Zukunft des Vorzeigeunternehmens offen. Denn trotz der wohl besten Personen-PR im Web 2.0 ist Spreadshirt kein Selbstläufer.

Die Zutaten für die Gründergeschichte 2.0 sind dabei traumhaft: Lukasz, gebürtiger Pole, ist sehr smart und symphatisch dazu. Und er hat den Osten nach Intershop ein zweites Mal mit dem Internet wachgeküßt. Heute produzieren rund 200 Menschen in Leipzig T-Shirts in Kleinstserien zu günstigen Preisen. Dahinter hängt ein tolles Geschäftsmodell, das jeden Käufer zu einem potentiellen Wiederverkäufer seiner eigenen T-Shirt-Designs macht. Und die Jobs sind endlich mal wieder welche in der Produktion. Er baut einen Ableger in Amiland auf und beliefert dort mit BoingBoing den wichtigsten Kulturblog mit Devotionalien. Wo Gadwoski einsteigt, scheint der Erfolg garantiert - siehe StudiVZ, dessen Startteam er betreute und das für gemunkelte 50 bis 80 Mio. Euro an Holtzbrinck ging.

Zurück zu Jana. Sie sieht Spreadshirt vor dem Abgrund. Dem zwischen Nischen- und Massenmarkt. Jetzt entscheidet sich, wieviel Potential das Unternehmen haben wird.

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Denn Spreadshirt ist so innovativ, dass es den Weg aus der Nische in den Mainstream nicht findet - und aus diesem Grund kaum wächst. In einem insgesamt boomenden Markt ein ernstes Krisenzeichen. In der Internetszene kennt Lukasz und Spreadshirt jeder. Außerhalb zu wenige.

Was lernen wir aus PR-Sicht daraus? Der Ruhm des Gründers strahlt nicht automatisch auf die Umsätze ab. Personen-PR ist toll, reicht aber nicht, wenn sie es nicht schafft, ein Bedürfnis nach dem Produkt zu wecken. Und das scheint - bei tiefem Respekt vor der PR-Leistung von Lukasz, Kolja & Co - in der Kommunikation zu kurz gekommen zu sein.

Ich gebe Start-ups an dieser Stelle folgenden Tipp: Jede Kommunikation sollte aus der Plattform heraus geführt werden. Alles, was ich offline von der Company höre, muss ich online wiederfinden. Dann kitten Gründergeschichten auch Angebot und Kunde zusammen.

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Bisherige Kommentare

1 | olivetti schrieb am 4.09.07 23:38

die naheliegende Alternative wäre, sich in der Nische einzurichten, Innovation und Kreativität zu fördern und trends neu zu definieren und damit seine jetzige Zielgruppe dauerhaft zu binden. Die Sache erinnert mich ein wenig an die "Airwalk" story (nachzulesen in "Tipping Point" von Malcolm Gladwell) die klarmacht wie wichtig es ist eine (die eigene!) Marke zu begreifen und zu pfelgen. Wenn da Wachstum nun mal nicht so ohne weiteres dazupasst, muss man das akzeptieren.
Den Markenkern mir nix Dir nix zu ändern, ist mindestens gewagt, aber vielleicht versteh ich auch die Marke Spreadshirt zu wenig um mir da eine Meinung zu erlauben...

Ob dabei eine Abstimmung von Kommunikationskanälen einen Unterschied mach? Aber vom Start weg sicher die richtige Empfehlung :)

2 | ami schrieb am 5.09.07 22:21

@olivetti: im grunde haben wir unseren markenkern nicht geändert, sondern im gegenteil - uns eher auf die "kleinere nische" fokussiert, und damit besser positioniert (zumindest wenn man jack trout/al ries glaubt) - weg vom bauchladen, bedruckbaren mauspads, wimpeln, wandkalendern, bierkrügen - hin zu dem was wir wirklich sind und können - t-shirts personalisieren.

trotzdem muss man natürlich aufpassen, weil beim kampf um die eyeballs & sidebars werden innovatoren und early adopters nicht ewig einen t-shirt shop cool finden, ganz gleich welche tollen tools und funky stuff man bereit stellt.

unsere ausgangslage ist (hoffentlich) übrigens nicht ganz so dramatisch - wir rechnen mit (zugegeben, ehrgeizigen) 80% wachstum und sind recht zuversichtlich, dass wir die kluft überwinden .. zumal wir ja auch nicht ganz genau wissen, wo wir stehen. aber was wir bei einer reihe von befragungen herausgefunden haben, ist, dass wir die grundlagen mitbringen, die potenzielle käufer bei einem service wie wir ihn anbieten wichtig finden. das manko ist also "nur", dass uns ein großer Teil der potenziellen kunden noch nicht kennt.

die problematik des chasm und der hinweis, dass man als involvierter immer zu viel weiss und deshalb dran bleiben muss, den leuten zu sagen warum man ein gutes produkt hat (z.b. aus angst die innovatoren oder sich selbst zu langweilen), ist auf jeden fall ein guter tipp.

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