Querbeat

Veröffentlicht am 25. Juni 2007 um 11:11 Uhr von Mark Pohlmann

Was gibt es Neues im Web? Der Frage begegnet man natürlich ständig, wenn man seine Brötchen damit verdient. Und in der Tat, es tut sich was. Was bei mir hängengeblieben ist aus der letzten Woche, hier in der Kurzübersicht.

1. Dove "Evolution" gewinnt Cannes.
Ein viraler Film gewinnt einen der wichtigsten Preise der Werbeindustrie, den Cannes Film Lion, nachdem er wenige Tage zuvor schon den Cyber Lion gewonnen hat. Warum das so erwähnenswert ist, beschreibt Adage:


Cannes is changing. And if "Evolution" isn't indication enough, consider that for most of the week there was more excitement among delegates about the cyber, integrated and titanium categories than there was about film.

Nicht nur gewinnt ein viral konzipierter Spot einen Preis für den besten Werbefilm (er lief allerdings auch im TV), sondern im Prinzip gewinnt auch nicht die Marke, sondern die Dove-Stiftung gegen Magersucht.

Mehr Infos zu Spot und Mechanismus hier.


2. Facebook verändert Web-Strategien
Die Entscheidung vom Netzwerkportal Facebook, die eigene Website für die Dienste Dritter zu öffnen, hat innerhalb der Web 2.0-Szene bereits zum Umdenken geführt. Was wir in den kommenden 12-24 Monaten erleben werden, ist nichts weniger als die zweite Welle im Web 2.0 (nein,nein, dadurch wird es nicht zum 3.0). Was heute meist noch als Start-up mit einer zentralen Gründungsidee daherkommt (im Sinne von: wir bieten Videos, Kontaktmanagment, Bewertungen, Geschenke), wird sich zu komplexen Infrastrukturanbietern entwickeln.

Zu abstrakt? Dann vielleicht so: Facebook muß nicht mehr alles selbst entwickeln und auf Relevanz testen, sondern es läßt andere an der eigenen Markenbekanntheit und Reichweite partizipieren. Im Umfeld des großen Bruders können sich kleinere, innovativere und vielleicht auch intelligentere Dienste beweisen. Schon jetzt sind es über 1.000. (Mehr zur Zukunft von Facebook drüben auf dem Fischmarkt). Es ist für die Facebook-Macher eine Art Emanzipation von sich selbst. Spannend. Linked-in, der zweite Riesenanbieter auf diesem Markt, hat schon angekündigt, dem Trend zu folgen. Ich weiß von mehreren hiesigen Gründern, die an solchen Konzepten arbeiten. In Deutschland versucht sich gerade Xing mit einem für alle offenen Marktplatz (wird aber selbstredend bezeichnet als "Marketplace"), der aber wohl noch verbesserungswürdig ist, wie Robert Basic schreibt.

Vorläufer dieser Idee sind wieder mal die Großen, Ebay und Google, die ihre Gründungsidee (Handel / Information) soweit ausgedehnt haben, daß sie zunehmend Qualitätsprobleme bekommen. Größe ist eben doch nicht alles.

3. Was kommt nach Ebay?
Diese Frage bewegte die FAS am Wochenende unter dem Titel: "Ebay verliert seine Freunde". Die Arbeitsthese lautet, dass der Handelsgigang zu groß, unpersönlich und schlecht geworden ist und so viel Freiraum für die Entwicklung kleinerer und hochwertiger Dienste bietet, wie dies beispielsweise Dawanda ist.

4. Apple iPhone: Kein Buzz
Auch wenn die FAZ ganze Seiten mit Null Inhalt dazu schreibt, das Ding ab Freitag in den Staaten zu haben sein wird und alle ganz aufgeregt sind. Mich läßt das Ding kalt. Erstens hat es keine Tastatur, worüber ich mich hier schonmal beschwerte. Zweitens ist es wahrscheinlich in der Bedienung sehr innovativ, in der Art der Dienste aber überhaupt nicht - man kann telefonieren, Musikhören und hat zwar einen Internetzugang, aber kein UMTS. Na, und? Einige werden jetzt sagen, jaaa, das war ja beim iPod genauso! Stimmt, antworte ich dann, aber auch der iPod haut mich nicht annähernd so vom Hocker wie die dazugehörende Software, iTunes. DAS ist für mich die Innovation. Wo ist also das Softwareäquivalent zu iTunes, vielleicht iEar?


5. Spreadshirts handelt mit Designs

Ist vielleicht noch ein paar Takte älter als aus der letzten Woche, sollte aber auf jeden Fall eine Erwähnung finden: Der T-Shirt-Hersteller produziert ausschließlich Individualdesigns ab Auflage 1. Die Designs selbst können jetzt auf einem eigenen Marktplatz (schon wieder einer. E-Commerce boomt, scheint´s) verkauft werden. Gute Idee!

6. Life is beta, so why not business?
Die schönste Verteidigungsrede hielt Edelman-Blogger Steve Rubel auf den Apple-Browser Safari, der jetzt erstmals auch für den PC verfügbar ist. Leider ist er in der ersten Version so fehlerbehaftet, dass der Start als Flop bezeichnet werden kann. Steve greift tief in die Lebensphilosophiekiste und findet eine ergreifend einfache Erklärung: Wenn das Leben beta ist, ist es auch der Rest. Und erklärt, warum die Geschäftswelt deswegen umso mehr von etwas anderem braucht: PR

Business, however, is evolving. In the new Web 2.0 landscape where everyone is connected, more and more companies will open kimono start to talk about their products and services before they even ship - and collaborate with their audiences in the process.

As business opens their communications, they will learn as will consumers that it's ok not to be constantly perfect - though certain things (like planes that fly) will remain non-negotiable.

Web 2.0 will facilitate openness and collaboration with consumers and hopefully soon business too will be able to operate in beta mode to a certain degree, just like humans and technology. PR will play a valuable role here.

7. Blogs werden professionelle Branchendienste
Wer bestreitet, dass Blogs sich professionalisieren? Nun haben wir schon zwei wirklich gute Branchendienste. Deutsche-Startups.de, verantwortet von Alexander Hüsing, und - endlich wieder einmal neu erfunden - Peter Turis turi2.de.

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Bisherige Kommentare

1 | Hans-Günther Pohl schrieb am 25.06.07 13:15

... und auch www.burmariders.com gibt es seit letzter Woche neu im Web. Am 19. Juni startete die reale wie auch virtuelle Fahrradtour für Menschenrechte. Neu im Charity- bzw. Non-Profit-Bereich ist der Ansatz, einige Web 2.0 Konzepte für den guten Zweck einzusetzen - konzipiert und umgesetzt von Weitclick aus Stuttgart. Täglich Videos, Berichte, Fotos von der 1.200 Kilometer langen Tour entlang der Thai-Burma Grenze, dank des Zeitunterschieds und Satellitentelefon praktisch live.

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