Wo endet die digitale Revolution dieses Mal?

Veröffentlicht am 10. April 2007 um 12:25 Uhr von Mark Pohlmann

Komme gerade von einem ziemlich inspirierenden Gespräch zurück, in dem ungefähr folgender Dialog vorkam:

"Ich bin mal gespannt, wie die Blase dieses Mal zuende geht"

"Dieses Mal wird es mehr wehtun als beim ersten Mal. Eine dritte Chance gibt es für uns wohl kaum..."

"Ich will aber nicht als mein eigener Avatar durch die Gegend laufen. Das habe ich nicht gewollt, als wir die digitale Revolution ausgerufen haben!"

Ja - was haben wir denn gewollt? Wo sollte die Reise eigentlich hingehen. Und haben wir eine Alternative zur Cyber-World? Und wovor haben wir Angst? Wenn ich in die glühenden Augen der Matrix-, World of Warcraft und Second-Life-Verfechter schaue, wenn ich mir die fassungslose Leistungsfähigkeit der Spielekonsolen anschaue, fühle ich mich geradezu altväterlich. Schon fast offline.

Meine Motivation für das, was ich mache; mein Ziel für die Zukunft: Das Internet als ubiquitäre (also allgegenwärtige, aber eigentlich großartige) Gleichgesinnte-Find-Maschine zu etablieren. Da draußen sind noch so viel mehr Menschen, die mich inspirieren könnten und die ich schaffen möchte zu inspirieren. Individuen können Unternehmen inspirieren, Kunden Produkte. Das hat wenig mit Technologie und Oberflächen, aber sehr viel aber mit der Faszination für die Vielfalt der Gesellschaft, für Menschen und ihre Ideen zu tun. Was kann es schöneres geben in einer Industriegesellschaft als kleinteilige Vielfalt?

Derzeit wird allerdings die positive Energie, die in den Machern des Mediums steckt, versaut durch eine Faszination für sich selbst und eine Geilheit darauf, den Moment möglichst ereignisreich zu verdichten. Alles soll jetzt schon dasein. Diese mangelhafte Mischung aus Selbstzufriedenheit und Selbstüberschätzung ist in seiner ganzen Destruktion in der Blogosphere zu beobachten. Noch keine Professionalisierung durchlaufen, noch keine Nachhaltigkeit bewiesen, sich aber schon für den Nabel der Bewegung halten - da kann nichts dabei rumkommen. Die digitale Kultur, der "digtal Lifestyle", läßt sich mal wieder selbst nicht die Zeit, die sie braucht, um mehr als sich selbst zu faszinieren. Me first. Money first.

Liebe Freunde des Internets und Leser des Themenblogs: Was treibt euch an, mit dabei zu sein? Wo steht ihr in fünf Jahren?

in

Trackbacks

TrackBack-URL für diesen Eintrag:
http://blog.sinnerschrader.de/mt/mt-tb.cgi/1542

Bisherige Kommentare

1 | Tina Pickhardt schrieb am 11.04.07 14:33

Die digitale Kultur ist beim letzten Zerplatzen der Blase nicht auf den Nullpunkt gefallen, und sie wird es auch beim nächsten Mal nicht. Chancen gibt es jeden Tag, haufenweise.

Ich möchte mich in 5 Jahren mit 5 Avataren zwischen 5 virtuellen Welten (und einer realen) bewegen und dabei authentisch sein und nicht in eine "Spielfigur" schlüpfen. Und mich austauschen. Über Sprache, nicht über die Tastatur. Businessmeetings die ich dort abhalte, sollen über eine Speech-to-Text Engine automatisch protokolliert werden. (wenn es denn sein muss)

Ich will interaktiv sein und nicht eine Finde-Maschine bedienen. Ich will bewegt werden und mich bewegen lassen. Ich will auf Knopfdruck personalisieren und es mit dem gleichen Knopf wieder abstellen können. Ich will die Hoheit über alle meine persönlichen Daten für die Erfassung und Verwendung und zwar in völliger Transparenz.

Ich möchte in 5 Jahren mit einem Datenstaubsauger den ganzen undatierten, irrelevanten Schrott aus dem Netz saugen und die Mülltüte bei Google in den Schrank stellen (für nimmermüde Müllsortierer).

Und ich hoffe sehr, das es in den nächsten 5 Jahren genug Menschen gibt, die sich für den Nabel neuer Bewegungen halten und mit glühenden Augen und voller Leidenschaft ihre Ideen verfolgen und verteidigen.
Und ich wünsche ihnen, das sie Gleichgesinnte finden, die Ihnen mit Professionlität helfen, wenn sie sie selbst nicht mitbringen und das sie Abstand halten zu allen, die Nachhaltigkeit bewiesen sehen wollen wo es noch keine geben kann.

Und das viele Ideen auf dem Weg sind und es einen Haufen "Leidenschafter" gibt, treibt mich an dabei zu sein. Real und virtuell.



2 | Mark Pohlmann schrieb am 12.04.07 10:48

guter input, danke tina. das mit dem finden ist ein guter punkt. da kann es nicht stehenbleiben. aber ich möchte weiter das internet als werkzeug nutzen, nicht als lebensraum. das ist mir zuviel. derzeit jedenfalls.

Kommentar schreiben





powered by SinnerSchrader

next08 - register