Was StudiVZ teuer macht

Veröffentlicht am 9. Januar 2007 um 9:14 Uhr von Mark Pohlmann

Nochmal FAZ. Heute ist StudiVZ der Aufmacher des Feuilletons. Wer hätte das noch vor vier Wochen gedacht? Der Titel: Was StudiVZ teuer macht.

Nicht nur, daß der Titel online anders ausfällt. Der Artikel erklärt alles, nur nicht, warum Holtzbrinck die kolportierten 85 Mio. Euro bezahlt. Denn, so denkt sich der Feuilletonschreiber, Werbung funktioniert (noch) nicht auf StudiVZ, an Gebühren ist bei Studenten gar nicht zu denken. Sind es also vielleicht doch die Kundendaten, sprich, die Abermillionen privaten Daten über Konsum- und Freizeitinteressen?

Wohl eher nicht. Nach allem, was ich über Webmining bislang im wahren Leben gelernt habe, sind weltweit nur eine Handvoll Unternehmen in der Lage, Datenströme so intelligent zu nutzen, daß sie deswegen tatsächlich mehr Geld verdienen als mit einem schnöden TKP-Modell.

Was also dann? Der Autor Jürgen Kaube gibt seine Ratlosigkeit offen zu, wenn er behauptet: "Es klingt ein bisschen wie Erzählungen vom Neuen Markt um das Jahr 2000 herum: Wir wissen nicht, was das Produkt ist, aber die Preise steigen."

Ganz so schlimm ist es dann wohl doch nicht. Hier mal ein paar Erklärungsversuche, die sich alle auf einen Nenner bringen lassen: Investition. Und die ist immer in die Zukunft gerichtet. Und muß sich nicht immer dem erschließen, der nicht investiert. Sondern am Ende aufgehen. Und das kalkulierte Ende werden wohl eher 5 Jahre als 1 Jahr sein.

1. StudiVZ hat heute schon das Netzwerkmonopol bei den 20-25-Jährigen. Dies läßt sich in alle Richtungen ausbauen - wer sagt, daß aus StudiVZ nicht das OpenBC der nächsten Generation wird? Schließlich sinkt mit jedem neuen Kontakt die Lust, sein Netzwerk woanders nochmal neu aufzubauen. Jetzt, wo den Gründern das Ruder aus der Hand genommen ist, ist auch wieder Platz für fundierte Visionen.

2. Es ist genug Platz für gigantische Zusatzgeschäfte, von StudiVZ-Kreditkarten, StudiVZ-Handykarten bis zur StudiVZ-Berufsunfähigkeitsversicherung. Studenten haben nichts und brauchen alles.

3. Aus der einen Million Studenten rekrutiert sich schlicht die nächste Lesergeneration des Verlages.

4. Auch wenn es noch nicht läuft: Mit der klassischen Bannerwerbung kann es nur besser werden. Schließlich lebt Holtzbrinck heute schon vom Werbemarkt, die verstehen etwas davon - jedenfalls mehr als die Gründer.

5. Neue Werbeformen, sogenannte "Me-Shops" machen schon bald die Nutzer von StudiVZ u.ä. nicht mehr zu den Zielen von Werbung, sondern selbst zu Werbetreibenden. Dann sind es die StudiVZler, die selbst dafür sorgen, daß die Werbeumsätze in die Plattform spülen. Die Studenten werden geldhungrig genug sein.

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Bisherige Kommentare

1 | bertram schrieb am 9.01.07 13:27

zu 1. Es ist wohl fraglich ob sie einen solchen Lock-In erzeugen können. Untersuchungen (bei Teens) zeigen, dass keine wirkliche Loyalität zum Profil und den Freunden besteht. Und wieviel sind 150 "Freunde" schon wert?

2 | Peter Janssen schrieb am 9.01.07 13:33

Och bitte...

1. Kein Monopol: Davon zeugen die zahlreichen Studenten bei OpenBC.
2. Studenten bekommen heute schon viel über studentisch orientere Medien und Organisationen. Wie die StudiVZ-Community auf Werbung reagiert ist vollkommen offen.
3. Eine Million Nutzer ungleich eine Million Menschen (Stichwort Fakes) ungleich eine Million Studenten.
4. siehe 2.
5. Luftige Träumerei: Auch dafür gibt es kein funktionierendes Beispiel.

3 | Dr. Frank Huber schrieb am 10.01.07 10:36

Ich dachte Hamburger Kaufleute können rechnen. Im Fall StudiVZ haben aber eher zugekokste Agenturfuzzis mit viiieeeeeeeel Phantasie den Preis bestimmt. Meine Rechnung ist hier zu finden: http://blog.firstmedia.de/?p=168

4 | Tim schrieb am 10.01.07 10:37

Ich denke Punkt 2&3 sollte man im Auge behalten, viele Unternehmen gerade aus den angesprochenen Branchen zahlen hohe Provisionen für vermittelte Kunden und Studenten mit im Durchschnitt besser verdienenden Eltern und guten Berufschancen später sind eben genau zukünftige Kunden des Holtzbrinck Verlages. Ob das jedoch einen so hohen Kaufpreis rechtfertigt?

5 | Martin Seibert schrieb am 10.01.07 20:41

Das ist alles ziemlich dünn. Mit seriösen Bewertungsverfahren kann man keine Gewinne erwirtschaften, die diese Investition rechtfertigen. Nur mal so zum Rechnen: Wer in eine riskante Anlage investiert will sicher 15% Rendite (eher mehr). 15% auf 85 Millionen Euro sind 12,75 Millionen Euro Gewinn nur für die Zinslast!

Man sehe sich mal zum Vergleich die Umsätze (nicht Gewinne) von Xing an. Ich würde gerne mal wissen, mit welchen Taschenrechnern man bei Holtzbrink rechnet. *kopfschüttel*

6 | hennig schrieb am 11.01.07 0:04

kauft holzbrink über den markt MY-HAMMER.de ein?

jetzt haben die 31 % und bei einer übernahme ist es sicherlich vorteilhafter über die börse die stücke abzusammeln um auf eine höhere % zahl zu kommen.
drücken wir die daumen .Mit Auktionen kann man horendale Gewinne erwirtschaften


Da könnte man auch ein paar eute mit den Aktien mitverdienen.....!!!!

7 | Andi schrieb am 12.01.07 15:20

Ich finde diese Ausführungen endlich mal gelungen. Ich bin der festen Überzeugung, dass viele Menschen im Netz es sich wesentlich zu einfach vorstellen, eine derart grosse und sehr fein gliederbare Zielgruppe direkt zu erreichen. Hier fallen keine Vermittlungsgebühren, keine Agenturhonorare, nichts mehr an. Die Angebote - egal welcher Form - können den Studenten auf direktem Wege präsentiert werden.

StudiVZ ermöglicht es auch Werbetreibenden mit sehr spezifischen Zielgruppen, ihre Werbung gezielt zu platzieren. Ich möchte gerne wissen, wie viel es kosten mag, ausschliesslich Pädagogikstudenten mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaften und Interesse am Golfsport in bestimmten geografischen Regionen direkt zu erreichen.

8 | Chicago schrieb am 13.01.07 20:10

@Andi

Endlich erreicht der private Bildungsträger in Frankfurt/Oder seine eng umrissene Zielgruppe mittels hochwirksamer Bannerwerbung:

"Existenzgründerseminare für arbeitslose Sozialarbeiter zum selbständigen Anti-Aggressionstrainer. Spezialisierung: Konfliktlösender Umgang mit Golf- und Baseballschläger"

9 | Stefan schrieb am 24.01.07 0:14

Selbst die Summe aller Punkte bringt die Lösung nicht!

1. Niemals gibt es eine Million echte Nutzer. In wieviel Netzwerken bin ich angemeldet und wievielnutze ich so, dass irgendjemand einen Nutzen hat der ca. 50 EURO Wert ist? Antwort 0

2. Me shops sind ja tolle Entwicklungen und Überlegungen, bis diese aber marktreif und umsatzreif und nutzungsreif sind? Antwort Jahre

3. Bis Studenten Geld verdienen um es richtig auszugeben vergeht Zeit, wer ist dann noch bei studi? Antwort Niemand

4. Das Netz ist so vielschichtig geworden, dass ein kurzer Hype noch kein Netzwerkmonopol ist - da unterschätzt man ein wenig die user. ich renne doch auch ncht gleich mit einem vollen Geldbeutel durchs Netz und shoop bis zum umfallen. Ganz im Gegenteil: zuerst kommt die Produktinfo, dann die Preisinfo. Dies passier nicht bei studi

Also bliebt nur der Werbemarkt und hier scheienen die holtzbrincker eine starke Prognose aufgemacht zu haben! Sie wollen trafficstarek Seiten haben wie auflagenstarke Titel. Da man dies nicht mehr selber machen kann, laufen die Incubatoren irgendwo herum und werden aufgesaugt.

10 | Harry schrieb am 2.02.07 9:40

Da StudiVZ ein reiner Facebook Klon ist, halten sich auch die Internationalisierungsmöglichkeiten, die jedes Business langfristig erst richtig interessant machen, in Grenzen. Der anglophone Markt ist bereits gesättigt.

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