Karriere 2.0 - keine Schere im Kopf

Veröffentlicht am 12. Januar 2007 um 12:51 Uhr von Janina Dobrzynski

Martin Langkau schreibt in der letzten W&V über digitale Reputation und Karriereaussichten:

Im Interesse der eigenen beruflichen Laufbahn werden die meisten Nutzer nur noch unverfängliche Inhalte veröffentlichen, die der Karriere nicht schaden. Gerade die heutigen Aushängeschilder des Web 2.0 wie MySpace, MyVideo oder YouTube leben von den recht freizügigen Beiträgen ihrer Mitglieder. Deren künftige Selbstzensur droht nun aber gerade diesen USP des neuen Internets zunichte zu machen

Lieber Herr Langkau: Falls Sie jemanden wie mich damit meinen, internetaffin, Berufseinsteiger und Mitte Zwanzig, dann haben Sie ein Phänomen zwar als Problem verstanden, nicht aber als Kraft, die dem Problem entgegensteht. Für Menschen auf dem Weg vom Privat- zum Berufsleben ist das Web 2.0 ein Instrument zur eigenen Identität. Es erlaubt ein freies und selbstbestimmtes Leben ohne Kontrolle von Außen. Freiheit ist, wie wir seit dem Gemeinschaftskundeunterricht wissen, mit Verantwortung verbunden. Das ist etwas, was sie mit dem Erwachsenwerden gemeinsam hat.

Was hilft´s also, das Web? Mit seiner Hilfe stellen wir uns dar, wir zeigen, wie wir sein wollen, und wir finden einfacher diejenigen, die unsere Werte und Interessen teilen und uns stärken in unserem Denken und Handeln. Das ist dann unser erstes nicht ortsgebundenes Netzwerk.

Mit Unseresgleichen unterhalten wir uns, wir lernen und arbeiten zusammen, und wir verfolgen gemeinsame Ziele. Wir bestärken uns gegenseitig, uns nicht verbiegen zu lassen und suchen Wege, ernst genommen zu werden. Gleichgesinnte finden wir am besten, wenn wir uns artikulieren, wenn wir Selbstbewußtsein zeigen. Deshalb darf und soll auch unser Arbeitgeber wissen wer wir sind. Und deshalb faken wir nicht.

Im Zuge einer neuen Orientierung an den Bedürfnissen ihrer Kunden werden Unternehmen diese Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt schätzen lernen. Sie werden verstärkt nach selbstbewussten, authentischen Mitarbeitern suchen, denn diese sind das Bindeglied zum Kunden, der Menschlichkeit und eine individuelle Betreuung erwartet.

Die von Ihnen prophezeite Selbstzensur hingegen weckt in mir Assoziationen mit den 50er-Jahren: Hauptsache, der Schein stimmt. Das wollen wir nicht mehr.

Janina Dobrzynski

Ergänzung: Auch die FAZ beschäftigt sich mit dem Thema

Karrieresprung: Googledigoo - und raus bist du
Auch Arbeitgeber und Personalberater haben Internetanschluss - und nutzen es zunehmend, um sich über Stellenbewerber zu informieren. Daher ist bei allen Online-Aktivitäten, gerade auch auf Businessplattformen, Vorsicht geboten. Es gilt, Angriffspunkte zu vermeiden.

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Bisherige Kommentare

1 | Andy schrieb am 12.01.07 13:38

Wer nicht in der Medienbranche arbeitet, sondern vielleicht im Maschinenbau, Bauwesen, Handwerk oder Automobilbau wird sicher noch lange bei Bewerbungen den konservativen Kriterien der Personaler stellen müssen. Ob diese aber die Zeit haben nach den einzelnen Bewerbern zu googeln oder gar bei myspace sich die Profile anzuschauen, das bezweifel ich auch.
Ansonsten weiter so, und viel Erfolg!

2 | Frank Hamm schrieb am 13.01.07 11:40

Der Schein zählt, denn die Scheine sollen rollen?
Und nach der ersten gemeinsamen Zeit scheint der Mitarbeiter / Kunde / Auftraggeber anders zu sein, als es dem Unternehmen erschien. Und das Unternehmen scheint ebenfalls irgendwie anders zu sein, als es dem anderen erschien. Dann geht es eben wieder auf die Suche nach dem nächsten Schein.

Da ist es mir doch lieber, ich zu sein.

Frank - Mitte Vierzig :-)

3 | Frank Hamm schrieb am 13.01.07 11:42

P.S.: Viel Spaß und Erfolg im Team!

4 | Janina Dobrzynski schrieb am 15.01.07 9:17

Herzlichen Dank! Freut mich, dass das wir jungen Hüpfer Unterstützung aus den erfahrenen Reihen haben. ;-)

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