Size does Matter

Veröffentlicht am 25. Januar 2007 um 9:42 Uhr von Mark Pohlmann

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Über den DLD ist ja eigentlich schon alles gesagt. Ich verweise hier gerne und vor allem auf Felix Schwenzel, seine Betrachtungen und alle dortigen Links.

Wir war´s? Nun, ich bin in der Beurteilung befangen. Wir sind mitten in der Vorbeitung unserer Neuauflage der Next10Years, der Next07, mehr Details dazu in wenigen Tagen. Ich bin natürlich sehr beeindruckt von dem DLD-Kongreß als Gesamtinszenierung. Besser kann man das, was Burda erreichen wollte, nicht ausführen. Die Referenten, die Betreuung, die Themen, die Gäste, die Atmosphäre: Alles perfekt. Wirklich. Glückwunsch an alle Macher & Beteiligten.

Deswegen versuche ich hier auch gar nicht das Haar in der Suppe zu finden, sondern auf etwas einzugehen, was ich woanders nicht zufriedenstellend beantwortet bekommen habe: Was sagt die Konferenz über die Internetszene aus, welche Stimmung schwang in den Referaten, Gesprächen und Auftritten mit? Um was ging es eigentlich?

Die einfache Antwort: Um Größe. Heuer zählt nicht mehr die Idee, sondern nur der Erfolg.

Es ist wie folgt: Seit zwei Jahren ist ein cleverer, seismographisch sehr feinfühliger Trupp unterwegs auf der Suche nach den richtigen Geschäftsmodellen für das Web 2.0. Jezt sind die Geschütze positioniert, dutzende vielversprechender Websites gelauncht. Die Großen sind noch nicht online mit ihren Communities oder "User Generated Content", aber sie werden es bald sein. Denn jetzt soll "es" passieren: Her mit der Million! Eine Million Nutzer. Oder Klicks. Vielleicht auch Einträge. Am besten: Umsatz. Sie selbst erwarten es, und das Umfeld auch. Schließlich werden die Success-Stories seit einem Jahr immer wieder erzählt. Jeder, der in dieser Branche etwas werden will, muß sicht jetzt die frisch gemachten und schon zur Ewigkeit verdammten Goldjungs vor Augen halten lassen: Youtube, Flickr, Myspace, StudiVZ, Xing.

Aus mehr als der Sucht nach Millionen scheint die Welt nicht zu bestehen. Denn schon längst geht es nicht mehr um die Idee, etwas wirklich Neues aus der Möglichkeit des Mitmachens entstehen zu lassen, das eigene Geschäft mit den Mitteln des Internets neu zu erfinden. Es geht wieder einmal vor allem darum, die Gründer reich zu machen. Und wenn nicht reich, dann wenigstens berühmt. Diese Haltung fand man auf den Podien wie im Publikum vor.

Es gibt aber ein Problem, das weitestgehend totgeschwiegen wurde: Der Markt ist nur sehr punktuell bereits ein Massenmarkt. Obwohl Abermillionen im Internet sind und einige Millionen Menschen Kontakt zum Web-2.0-haben, wird es noch einige Jahre dauern, bis das digitale Mitmachen so selbstverständlich ist wie das elektronische Einkaufen. Das mag in Amerika schon anders sein. In Deutschland sind wir noch nicht so weit. Es ist traurig anzusehen, wie die Kuh schon wieder gemolken werden soll, obwohl sie noch ein Kälbchen ist.

Das heißt auch: Neue Ideen waren Mangelware auf dem DLD. Das ist auch nicht unbedingt die Funktion dieser Veranstaltung. Überraschend ist es trotzdem. Entgegen des ersten Eindrucks begeistert mich BurdaStyle nicht wie erwartet, das auf dem DLD gelauncht wurde. Es atmet schon den konservativen Geist, der für den Erfolg nichts riskiert, was woanders nicht schon dutzendfach funktioniert. Wagemut, Visionen, Leichtigkeit oder auch Besessenheit: Auch sonst Mangelware auf dem DLD. Nicht, daß es nicht emotional war. Aber die Emotionen gelten nur dem geschäftlichen Erfolg, nicht der Kühnheit der eigenen Idee. Das alles ist legitim und an sich überhaupt nicht kritisierenswert. Aber es ist schon erstaunlich zu beobachten, wie schnell die Faszination fürs Mitmachen in die Sackgasse des Geldverdienens gerät.

Wäre da nicht Craig Newmark gewesen (Craigslist), der den ganzen Jungspunden in einem Satz gezeigt hat, daß es da draußen in der Welt noch mehr gibt als Kohle zu scheffeln: Eine Gesinnung. Gefragt, was seine Verkaufsstrategie ist, antwortete er:

"My exit strategy is basically death."

Yeah.

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