Korruptes Web

Veröffentlicht am 19. Dezember 2006 um 18:14 Uhr von Mark Pohlmann

Lesenswert, aber auch ganz schön reißerisch, was Christian Stöcker von Spiegel Online über das Empfehlungsmarketing im Web 2.0 schreibt.

Nachrichten-Communities gehören zu den heißesten Trends im Netz. Selbst die großen US-Tageszeitungen buhlen bei Surfen um Aufmerksamkeit. Inzwischen werden die Empfehlungs-Seiten zu Marketingplattformen - Korruption hält Einzug im Web 2.0.

Korruption heißt es in diesem Falle: Da empfehlen Menschen auf für alle offenen Plattformen Texte, nicht weil sie selbst diese für lesenswert erachten, sondern weil sie von anderen darum gebeten, nicht aber unbedingt bezahlt wurden. Und wenn das Menschen machen, die auch sonst viel empfehlen, erscheinen diese Empfehlungen dann sehr weit oben. In dem von Spiegel geschilderten Falle hat dies zum sofortigen Ausschluß der Person bei digg.com geführt, nach der Läuterung allerdings wurde er wieder aufgenommen.

Ich will den Fall selbst gar nicht kommentieren, sondern kurz ein paar allgemeingültige Aussagen zum Thema Empfehlungsmarketing machen.

1. Hinter jeder Meinung steckt eine Absicht. Eine Empfehlung ist nur soviel wert, wie die Glaubwürdigkeit der Quelle. War das jemals anders? Was soll sich durch das Web 2.0 daran ändern?

2. Empfehlungsmarketing ist trotz aller Mißbrauchsmöglichkeiten die glaubwürdigste aller Marketingformen. Weil hier Menschen für Produkte einstehen. Menschen, die man darauf ansprechen kann, mit denen man sich auseinandersetzen kann und die es vielleicht sogar interessiert, wenn man anderer Meinung ist. Das sollen Medien oder Werber erstmal nachmachen!

3. Nur weil jeder andere Empfehlungsmarketingkanal schon korrumpiert ist (ich sage nur: Produkttests über Werbekunden) heißt das nicht, daß dies in Empfehlungsportalen nicht passieren darf. An diesem Punkt muß sich die Web-2.0-Bewegung allerdings sehr wohl an die eigene Nase fassen und sich fragen, ob die anarchische Verweigerung handfester Erlösmodelle nicht genau die Unterwanderung befördert.

Ich rate: Nehmt Geld und redet darüber! Wer Geld von Sponsoren bekommt, hat es in der Regel verdient. Und ist damit nicht automatisch verraten und verkauft.

So, und ich gehe jetzt zu unserer Weihnachtsfeier ;-)

in

Trackbacks

TrackBack-URL für diesen Eintrag:
http://blog.sinnerschrader.de/mt/mt-tb.cgi/1318

Bisherige Kommentare

1 | Thorsten Ulmer schrieb am 20.12.06 8:04

Mich nervt bei SpiegelOnline schon lange, dass über Web 2.0 meist mit einem negativen Tenor berichtet wird. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sich hier klassische Journalisten um Ihr Metier sorgen.

2 | as schrieb am 21.12.06 20:45

Kleine drollige Fussnote dazu: im Print "Spiegel" dieser Woche - in einem Artikel über den Champs Elysees osä.- verweist Printredakteur -ohne Namensnennung- auf einen franzöischen Blog-Post. Das richtige Zitieren lernt man an der Uni - aber warhscheinlich muss die Quelle in diesem Fall geschützt werden ;-)

Kommentar schreiben





powered by SinnerSchrader

next08 - register