Das war´s: LeWeb3 (3)

Veröffentlicht am 13. Dezember 2006 um 9:23 Uhr von Mark Pohlmann

Wieder zurück am heimischen Schreibtisch ein kurzes Resumée:

- Das war kein Kongress, sondern eine Loic Le Meur Selbstinszenierung für seine politischen Ambitionen. Als ich gestern reinkam, sprach Perez schon, obwohl er nicht auf der Agenda stand. Ok, das war am Tag zuvor angekündigt worden, warum auch immer. Und es war nicht uninteressant von ihm zu hören, was er über Technik und Zukunft dachte. Als mich Loic Le Meur dann allerdings im Anschluß mit den 1.000 anderen Gästen als Teil einer Bewegung (welcher? seiner?) vereinnahmte, regte sich in mir der erste Unwille.

Dann aber fing der Wahlkampf erst richtig an. Zuerst Parteichef Bayrou, dann Innenminister Sarkozy. Auf französisch, ohne Bezug zum Kongreß. Dem, was Dieter Rappold schreibt, ist inhaltlich nichts hinzufügen. Wir alle wurden gegen unseren Willen instrumentalisiert für politische Ambitionen. Das ist unakzeptabel, und ich hoffe, daß der Veranstalter diesen Unwillen von möglichst vielen Seiten zu spüren bekommt.

- Der zweite Tag war inhaltlich erheblich schwächer als der erste, es schwingt schon ein gehöriges Stück Selbstzufriedenheit durch die Branche. Nicht gut, das erinnert stark an Web 1.0. Vorteil des schwachen zweiten Tages: es war genug Zeit für viele gute Gespräche.

- In Paris war das bislang hochrangigste Publikum in Sachen Web 2.0 präsent. Vielen Dank dafür.

- Die Zeit des Entdeckens scheint vorbei. Offenbar liegen alle wesentlichen Geschäftsmodelle erstmal auf dem Tisch. Jetzt geht es darum, den Kuchen groß zu machen und zu verteilen. Geld wird wichtiger als Rock´n Roll.

- Es macht einen Unterschied, in Frankreich zu sein. Einfach das beste Veranstaltungsessen überhaupt.

- Die Start-ups wurden in ihrem Parallel-Panel unter Wert verkauft. Wahrscheinlich war es hier viel interessanter, leider ließen die Rahmenbedingungen eine vernünftige Teilnahme an diesem Panel nicht zu.

- Es gibt internationale Stars, aber wo bleiben die deutschen? An Loic LeMeur kann man sich schon ein Beispiel nennen, so kritikwürdig die Programmänderungen auch sind. Ich sehe in Deutschland niemanden, der als Grenzgänger zwischen Internetszene, Wirtschaft und Politik taugt. Das ist ein ernster Nachteil.

- Die spannendste Diskussion für mich war die Frage, wie die Europäer sich international besser gegen die amerikanische Dominanz behaupten können. Auch um diese Frage zu diskutieren, muß man wohl nach Frankreich fahren.

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Bisherige Kommentare

1 | Björn Hornemann schrieb am 13.12.06 12:23

Ich sehe in Deutschland niemanden, der als Grenzgänger zwischen Internetszene, Wirtschaft und Politik taugt. Das ist ein ernster Nachteil.

stimme dir da prinzipiell zu. schätze aber, daß klein-bloggersdorf schon von sich aus jede entwicklung in diese richtung torpedieren würde ;)

2 | Sascha Schmidt schrieb am 13.12.06 12:33

Hi,

ich war letztes Jahr auf Le Blog 2 - das hatte kleinen feinen Event Charakter und ein Thema "Das Bloggen". Le Web 3 war für mich eine große Enttäuschung. Es ging um alles und nichts - plus eine Erkenntnis: Web 2.0 ist erwachsen geworden, d.h. die Companies, die Umsätze machen und Strategien haben, agieren wir Firmen aus der Web 1.0-Welt, d.h. mit Stealth Modus etc. - Verständlich, denn bei aller Euphorie bleiben die Regeln der kaufmännischen Unternehmensführung bestehen.

Den zweiten Tag habe ich bewußt verpaßt und mir statt dessen Rodin-Skulpturen angetahn ...

3 | 50hz schrieb am 13.12.06 16:33

"Ich sehe in Deutschland niemanden, der als Grenzgänger zwischen Internetszene, Wirtschaft und Politik taugt. Das ist ein ernster Nachteil."

Wer sagt denn, dass Politik nur von Langweilern gemacht werden muss. Schlechter als der Ole siehst Du auch nicht aus ;-)

4 | 50hz schrieb am 13.12.06 16:35

Habe von den Eskapaden des Loic schon heute morgen von Lyssa gehört. Dein Text ist aber insgesamt kaum geeignet, ihm einen Dämpfer zu versetzen. Wenn Du in die Politik willst, musst Du das gute auch mal weglassen können.

5 | Mark Pohlmann schrieb am 13.12.06 17:11

@ djure. eine zu große ausgewogenheit hat mir noch niemand vorgeworfen, das nehme ich jetzt mal als kompliment ;-) im ernst: es war eine sehr gute, an einigen stellen aber eben auch sehr schlechte veranstaltung. die wlan-probleme und anderes will ich jetzt gar nicht mit aufführen.

danke für die anregung, selbst in den ring zu steigen. zu einem guten politiker gehört erstmal, in die politik zu wollen. ich bin zwar sehr gerne politisch, aber fühle mich nicht zum politiker berufen... das können gerne andere machen.

6 | Mirko schrieb am 14.12.06 8:41

Das möchte ich auch mal gerne wissen, wie wir uns gegen die Amerikaner durchsetzen wollen.
Aber ich glaube, das die Europäer viel zu viel Respekt haben.
Bin mal gespannt , was das in der Zukunft noch mit sich bringt.

7 | PR Blogger Klaus Eck schrieb am 15.12.06 1:29

Internet-Politiker hat es in Deutschland ohnehin schon einige gegeben. Interessanterweise spielen sie in dieser Hinsicht heute keine Rolle mehr. Aber deshalb würde ich noch lange nicht das Klein-Bloggersdorf hochhalten, ein negativer Begriff, der das Szenische hochhält und sich in Selbstironie ergeht, ohne sich wirklich ernst zu nehmen. So schlecht sind die deutschen Blogs nun wirklich nicht.

Und inzwischen bewegt sich auch die politsche Szenarie ein wenig und erschöpft sich nicht allein im Bundeskanzlerin-Podcast von Frau Merkel. Ich habe selbst vor vielen Jahren Politik in einer kleinen Partei gemacht und glaube, dass die Politiker nach dem französischen Wahlkampf ebenfalls aufs Bloggen setzen werden, weit mehr als bisher. Und hoffentlich ohne derlei französische Kapriolen, wie ihr sie auf Le Web 3 erlebt habt. Meine Stimme hättest Du jedenfalls, Mark.

8 | Mark Pohlmann schrieb am 15.12.06 10:18

Klaus, ich werde auf dich zurückkommen ,-)

9 | walter schrieb am 29.07.07 19:15

Ja, die Bereiche Internet, Wirtschaft und Politik zu verbinden ist sicher nicht einfach, wenn nicht sogar unmöglich.
Meiner Meinung nach ist nur wichtig, dass es auch weiterhin eine entsprechende Überwachung gibt, so dass keinem Nachteile entstehen.

Gruß

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