Meinungen sind Tatsachen

Veröffentlicht am 7. November 2006 um 11:51 Uhr von Mark Pohlmann

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"Dreißig Prozent der deutschen Internetnutzer haben bereits ein Produkt nicht gekauft, weil sie negative Kommentare von anderen Nutzern im Internet gelesen haben. Im Gegenzug geben 56 Prozent an, sich von positven Kommentaren beeinflussen zu lassen." Robert Kerschensteiner, Hotwire in FAZ vom 6.11.2006

Man kann es auf eine einfache Formel bringen: Käufer sind in der Selbstorganisation den Anbietern um Lichtjahre voraus. Während hüben noch darüber sinniert wird, was das alles bedeuten könnte, vernetzen sich die Konsumenten munter drauflos.

Worauf ich an dieser Stelle kurz hinweisen möchte (weil ich ein längeres Pamphlet dazu bereits in Arbeit habe): Blogs sind es nicht (unbedingt). Ja, Blogger beeinflussen Meinungen, sind bestens vernetzt und sehr gut recherchierbar. Aber hier werden selten bis gar nicht Kaufentscheidungen über Autos, Fotoapparate, Kinderwagen, Restaurants oder Kosmetikartikel gefällt. Das passiert eher in den hunderten Foren, die einem erfahrenen Marketier Augenkrebs schon vom Hinschauen verursachen. Doch es hilft nichts: Hier erhält jeder, der eine echte Meinung oder tatsächliche Erfahrung zu einem Produkt sucht, meist innerhalb weniger Minuten (und immer kostenlos), und das auch am Sonntagabend, eine fundierte, ehrliche Antwort. Über die sich diskutieren läßt, was dann auch meistens geschieht. Am Ende sind alle klüger - klüger vor allem als der von seinem Hersteller meist vollkommen falsch geschulte Verkäufer, der einem ob der oft exzellent informierten Kaufinteressenten schon fast leid tun kann.

Kurzum: Wer es bislang noch nicht wahrhaben wollte, wie stark das Web 2.0 bereits in den elitären Trotzburgen des Marketings marodiert, für den sollte die der Aussage zugrundeliegende Hotwire-Studie ein Weckruf sein. Die Freiheit der Selbstinformation ist gerade im Konsumumfeld ein so wertvolles Gut, daß niemand, der davon genossen, dies freiwillig wieder aus der Hand gibt.

Passend dazu ein Erfahrungsbericht zu Hotlines
"Die Angst des Kunden vor der Hotline ist allgegenwärtig. Selten gibt es hilfreiche Antworten, häufig kostet ein Anruf mehr als ein Euro pro Minute."

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» Mediennutzungsverhalten nochmal: Verändert das Web unsere Einkaufsgewohnheiten? von vongwinner.twoday.net
Langsam finde ich den Hype die Debatte um den Einfluss von Meinungen in Blogs, Foren etc. ja reichlich übertrieben, aber der vielzitierte Trend kann davon nicht lassen, denn: Käufer lassen sich nunmal von Meinungen anderer beeinflussen. Und M... [Weiter lesen]

Bisherige Kommentare

1 | e-commerce-blog.de schrieb am 8.11.06 8:50

Vergessen darf man aber nicht, das der gemeine user ehr geneigt ist etwas schlechtes zu schreiben als etwas gutes. ich kenne z.B. niemanden, der sich die mühe macht und eine positive meinung zu seiner kaffeemaschine, die seid einem jahr brav ihren dienst verrichtet im netz zu posten.

die user wissen das aber nicht, lesen nur schlechtes, finden nichts gutes und schon ist der ruf ruiniert. und das obwohl das produkt nicht schlecht ist, es hat einfach nur niemand was gutes drüber geschrieben...

2 | Carsten Büttemeier schrieb am 13.11.06 6:32

Sehr geehrtes e-commerce-blog,

dazu ein klares "Nö". Ich bin seit fünf Jahren einer derjenigen, die sich bei allen Arten von Anschaffungen im Internet auf diese Art und Weise hervorragend den Kopf ob der Kaufentscheidung zerbrechen können. Meine Erfahrung ist, dass Käufer, die mit ihrem Kauf weitestgehend zufrieden sind, dieses auch durchaus kundtun. Denn ein Netzwerk, aus welchen Gründen es auch immer aufgebaut ist, ist auch dazu da, sich selber zu positionieren. Sei es aus Idealismus (den Musiker/die Firma/das Produkt möchte ich unterstützen, weil er/sie/es mir gefällt, übliche Plattformkriege), oder auch aus einem Verpflichtungsgefühl gegenüber der restlichen Community.

Nicht umsonst sind z.B. Bestbewertungen bei Amazon eigentlich Standard, drei anstatt fünf Sterne rufen schon nach Vorsicht. Natürlich spielt da auch der Stellenwert des Produktes eine große Rolle. Ein Heftplaster ist ein Heftpflaster, ein Senseo-Automat kann aber schon wieder "mehr" als eine Kaffeemaschine sein. User möchten sich gerne in ihrer Kaufentscheidung bestätigt sehen und das positive Bewerten ist eine gute Möglichkeit dafür.

Produktmängel fallen natürlich umso gnadenloser durch..

3 | Kathrin schrieb am 30.04.08 15:01

Hi,

also ich finde man lääst sich schon häufig von den Meinngen anderer beeinflussen. Gerade vor einer größeren Anschaffung, aber auch bei einer CD oder ähnlichem. Wenn ich bei Amazon was kaufe achte ich schon von Vorneherein auf die Bewertungen. Die oftmals vielversprechenden Werbeslogans sind eben meist nicht so ehrlich wie die Nutzererfahrungen und ich greife häufig auf Blog, Foren u.ä. zurück.
Auch sehr gut finde ich beispielsweise das Expertenportal www.experto.de. Hier hole ich mir oft Tipps und Infos wenn ich irgendwas wissen will. Man kann hier eben auch zu bestimmten Themenbereichen Experten fragen, was einem bei Kaufentscheidungen nützlich sein kann.

Gruß,

K.

Gruß, K.

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