Die Sache mit der Mundpropaganda und den selbstgenähten Buchstaben
Veröffentlicht am 22. November 2006 um 10:10 Uhr von Mark Pohlmann
DaWanda ist ein ganz frisch gestarteter Social-Commerce-Dienst (übersetzt etwa: "Ein Ort, an dem Handel, Kreativität und Kollaboration zusammenfinden". Zur genaueren Deutung bitte Jochen Krisch von Exciting Commerce bemühen) aus Berlin, der sich eine sehr hübsche, zum Produkt passende Variante der Mundpropaganda ausgedacht hat.
(An dieser Stelle eine neuerliche kurze Exkusion, dieses Mal zu den Worten "Virales Marketing" und "Word of Mouth", die ansonsten gerne bemüht werden. Ich mag beide nicht, ist ersteres doch der Pathologie entlehnt und zweites nur ein schlichter Anglizismus, der auch nicht mehr sagt als das deutsche Mundpropaganda. Kunden hingegen hören das deutsche Wort nicht so gerne, weil sie finden, daß das Wort Nazi-verseucht ist. Ich mag das Wort trotzdem, erstens ist sehr ausdrucksvoll und zweitens ist gerade die Mundpropaganda nichts, womit die Nazis jetzt großartig hantiert haben, im Gegenteil, haben sie doch die Massenpropaganda zur Perfektion getrieben.)
Zurück zum Thema: DaWanda hat Buchstaben selbstgebastelt und an einige Blogger geschickt zwecks Mundpropaganda. Nun mögen sich Gelehrte darüber streiten, ob die freundlich-harmlose Aktion der Gipfel der kommunikativen Kunst ist, kreativ und vor allem: persönlich ist sie allemal. Umso mehr verwundert die irritierte Distanz der Bedachten, die sich bei Robert Basic hier und hier zusammenfindet.
Was läßt sich daraus lernen? Blogger sind als Multiplikatoren nur bedingt instrumentalisierbar, weil Blogger nunmal in erster Linie die Welt aus ihrer Sicht sehen. Das wichtigste Selbstverständnis sog. "A-Blogger" ist, eine Meinung zu haben und Themen nach ihrer eigenen Agenda einzuschätzen. Dagegen ist übrigens auch gar nichts zu sagen, schließlich ist sowohl das Schreiben als auch das Lesen eines Blogs vollkommen kostenfrei und obliegt dementsprechend beidseitig vollkommener Freiwilligkeit, man kann auch Lustfaktor dazu sagen, die nur eben für Dritte schwer berechnebar sind.
In nachhinein ließe sich der Rat aussprechen, sich genauer anzusehen, wen man anschreibt. Reichweitenstarke und schreibaktive A-Blogger haben oft nicht den passenden Zugang zu den eigenen Themen. Werden sie dennoch angesprochen, dräuen schon Irritationen. Wenn die Lust am Thema schon vor der Kontaktaufnahme ersichtlich ist, sind die Aussichten auf positive Resonanzen deutlich erhöht, um es einmal diplomatisch auszudrücken.



Bisherige Kommentare
1 | Kai Müller schrieb am 22.11.06 11:22
Blogger sind zwar nicht instrumatalisierbar, aber meist recht offen. Man sollte aber, bevor man solche Aktionen wie die oben genannte startet, gut recherchieren.
DaWanda scheint ja fast schon beleidigt zu sein, dass nicht alle mit Freudentränen in den Augen über sie berichtet haben.
Wenn man sich das Foto ansieht, fällt auch auf, dass es bisher nur zu einem "DADA" reicht.
Auf alle Fälle haben sie Aufmerksamkeit erreicht, und darum ging es.
2 | Mark Pohlmann schrieb am 22.11.06 11:31
was hätte man denn besser recherchieren sollen?
3 | Kai Müller schrieb am 22.11.06 12:05
z.B. wen man anschreibt. Bei mir hat es zu 100% gepasst. Meine "Zielgruppe" ist auch die von DaWanda. Also blogge ich selbstverständlich gerne darüber.
Bei den anderen Empfängern scheint dem nicht unbedingt so zu sein. Um das noch einmal zu betonen: Ich fand die Aktion gut und ausbaufähig. Alleine der sehr geringe Kostenfaktor spricht für weitere Aktionen dieser Art.
4 | Mark Pohlmann schrieb am 22.11.06 12:35
das ist doch mein reden ;-)
5 | Kai schrieb am 22.11.06 12:57
Na ist doch schön, wenn man bestätigt wird ;)
6 | Claudia Helming schrieb am 22.11.06 14:16
Nein, beleidigt sind wir nicht. Wir fanden durchaus einige Kommmentare und den daraus resultierenden Handel beim Werbeblogger (das ist ja Social Commerce), http://www.werbeblogger.de/2006/11/20/kuschel-rallye-das-kleine-d-sucht-seine-geschwister/#comments ganz witzig und freuen uns auch über die Aufmerksamkeit. Bei der Auswahl der Empfänger haben wir uns schon was gedacht, nur hätten wir so ein paar Dinge optimaler gestalten können.