Kann ich mir direkten Dialog leisten?

Veröffentlicht am 22. September 2006 um 12:40 Uhr von Mark Pohlmann

Zu "Cords-Gate" ist eigentlich alles schon gesagt. Nur noch nicht von jedem.

Abseits aller Polemik ist ein Punkt wirklich essentiell: Kann ich mir direkten Dialog leisten, oder: wie bekomme ich die Atomisierung der Zielgruppen in den Griff, ohne mir Heerscharen von Bloggern, Call-Center-Agents und Öffentlichkeitsarbeitern in die eigenen Reihen zu stellen?

Wo ich vorher über die Vermittlung über die Werbung oder über die Journalisten in der Lage war, eine 1:n Kommunikation zu betreiben, kann ich das Dialogangebot der Variante 2 nur durchhalten, wenn ich das Potential n:n biete. Also eine erhebliche Vergrößerung der Anzahl der handelnden Personen.
(Zitat Lars Cords, GF der PR-Agentur FischerAppelt, in den Kommentaren von basicthinking.de)

Was Cords umtreibt, entspricht dem Geist des klassischen Marketings. Werbung und PR basiert auf gesicherter Reichweite zu präzisen berechenbaren TKPs, kampagnengerecht auf einen fest definierten Zeitraum ausgelegt. Für diese Sicherheit wird Geld gezahlt.

Sie ist teuer erkauft: Durch die Unsicherheit, ob der Konsument tatsächlich diese Werbebotschaften wahr- und aufnimmt. Nicht nur viele Blogs sind irrelevant, verehrter Herr Cords, die meisten Werbebotschaften und Pressemitteilungen sind es auch.

Blogs & Co. funktionieren anders. Ihre Inhalte sind Gesprächsangebote, die nicht nur gelesen, sondern auch aufgenommen und weitergetragen werden. Die interaktive, kleinteilig vernetzte Internetwelt ist für ein Unternehmen, das Millionen Menschen erreichen will, nach wie vor kein Hauptkanal zum Konsumenten. Da gebe ich Ihnen recht. Aber es ist ein Multiplikatorenmedium.

Multiplikatoren, die werbliche Botschaften weitertragen, gibt es seit eh und je. Dazu reicht ein Stichwort: Apple.

Mit Blogs & Co. werden diese Multiplikatoren jetzt sichtbar. Und ansprechbar. Diese Chance des Dialoges zu vertun, heißt, auf den Einfluß und die Reichweite zufriedener Kunden sträflich zu verzichten. Ich finde es mutig von Ihnen, dies Ihren Kunden zu empfehlen.

Lieber Herr Cords, lange Rede kurzer Sinn: Das Internet ist kein Sack Flöhe, sondern eine Chance, mit den 50 wichtigsten Multiplikatoren unter den Kunden ihrer Kunden zu kommunzieren. 1:n=50. Darum geht es.

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Bisherige Kommentare

1 | 50hz schrieb am 22.09.06 14:11

Oder mal anders gefragt: "Kann ich mir leisten, mir direkten Dialog nicht zu leisten."
btw: Wenn alle möglicherweise notwendigen "handelnden Person" Lars Christian heißen, wird es bestimmt teuer. Aber vielleicht kann ich ja auch Erna, Hein und Fiete für die Sache des Unternehmens gewinnen. Die schnippeln im echten Leben Böhnchen, zerlegen Fisch und fegen die Halle. Mit ein bisschen Coaching geben die uns ein menschliches Gesicht.
Auch das wäre PR 2.0.

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