Die Sache mit dem Geld

Veröffentlicht am 8. August 2006 um 12:20 Uhr von Mark Pohlmann

Über nichts erregt es sich so schön wie über die Frage, womit in der wolkigen Web-2.0-Stratosphäre das Geld zu verdienen sei. (die letzte neuerliche Anregung kommt von Martin Röll und Mario Sixtus). Die bei der Online-Avantgarde oft zu findende Überzeugung ist, daß das Herz des Internets unkommerziell sei - dementsprechend nicht alles, was funktioniet, unbedingt auch mit Geld zu tun haben muß.

Dennoch muß die Frage nach einem Geschäftsmodell gestellt werden. Erst das schnöde Geld deckt die großartige Wertschöpfung, die Effizienz und Qualität des Mediums auf. Und es ist vollkommen legitim, mit dem Medium Geld verdienen zu wollen. Ohne Geld gäbe es entweder gar keine Medien oder nur staatliche.

Was also ist monetarisierbar?

1. Traffic

Wer seinen originären Content nicht verkauft bekommt, verkauft das Gesamterlebnis Website. Oder kurz: Anzeigenplatz. So war es, so wird es immer bleiben. Verlage, "Portale" (das Wort kommt mir so veraltet vor, ich kann es nur noch in Anführungsstriche setzen) und Millionen Special-Interest-Angebote machen es vor.

Vorteil: das Jedermann-Geschäftsmodell spätestens seit Adsense
Nachteil: wie viele Klicks sind es zum Millionär? Milliarden?
Urteil: Banner sind für Schnullies

2. Mehrwert
Schon komplizierter. Ab wann ist etwas soviel wert, daß jemand ein Abo kauft oder seine Kreditkartennummer eingibt, wo doch wahrscheinlich um die Ecke schon wieder all das in kostenlos lauert. Die Verlage jedenfalls, obwohl mit schönstem eigenen Wert ausgestattet, schaffen es nicht. Dafür zieht OpenBC jeden Monat Millionen für eine winzige Suchfunktion ein - diese hier: Wer hat meine Seite aufgerufen?

Vorteil: Skalierbar. Wirklich skalierbar. Ob 1 Euro oder 1 Million am Tag - der Aufwand bleibt ziemlich gleich.
Nachteil: Unerbittlich. Was es nicht schafft, verpufft.
Urteil: Großartige Sache. Meine ganze Hochachtung den Gewinnern (E-Bay, OpenBC, Basecamp, Flickr, Six Apart, etc.)

3. Umsatz
Ganz alte Nummer und nicht weiter erklärungsbedürftig. Umsatzbeteiligung, Affiliate, CPO - am Ende des Tages dürften sich hier jede Menge hoffnungsvoll gestarteter Web-2.0-Modelle wiederfinden. Neu im Angebot ist Empfehlungsmarketing.

Vorteil: Es gibt keine härtere Währung als echten Umsatz
Nachteil: Es geht immer noch billiger.
Urteil: Hidden Champion. Auf den ersten Blick unattraktiv, auf den zweiten grenzenlos.


4. Markenwert

Terra Inkognita. Aber wir werden es erleben: Marken erfinden sich über digitale Dienste neu. Wegweisend beispielsweise NIKE PLUS.

Die zweite Achse beim Thema Markenwert: Die Vernetzung der Kunden untereinander. Im Idealfall werden aus Konsumenten aktive Multiplikatoren der eigenen Botschaft. Nichts ist glaubwürdiger, nichts ist reichweitenstärker. In Zukunft entscheidet nicht nur die Qualität des Produktes, sondern auch die der eigenen Kunden über die Präsenz und damit den Erfolg einer Marke.

Vorteil:digitale Dienste machen austauschbare Produkte einzigartig
Nachteil:Da Vorbilder fehlen, wird neues Denken vorausgesetzt. Ohne Mut zum Risiko geht es also nicht.
Urteil: Hier geht um nichts weniger als eine Revolution im Marketing. Die Schlacht wird geschlagen werden, nur wann das sein wird - man weiß es nicht.

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Bisherige Kommentare

1 | Exciting Commerce schrieb am 8.08.06 17:32

Schöne Retroliste, die natürlich zwei Fragen aufwirft:

a) Aus welchem Jahr stammt die? ;-)

b) Wann kommt der Teil mit den Geschäftsmodellen?

2 | Mark Pohlmann schrieb am 8.08.06 17:41

jochen, du hast recht, teil zwei kommt morgen!

3 | oLIVERg schrieb am 10.08.06 22:21

Morgen wie in 9.8. oder morgen wie in 11.8.?

Aber: vermarktbar ist auch Kompetenz, die man demonstriert.

D.h. man varkauft nicht Inhalte, Klicks, etc, sondern... Dienstleistungen. Vom Autor über den Berater zum Anwalt.

Und wie du schreibst: der direkte Kundenkontakt ist profitabel, wenn ansonsten eine ewige Kette dazwischenhängt üner dei Kommunikation relativ teuer und (mnehrfach) verlustreich ist.

4 | Mark Pohlmann schrieb am 11.08.06 9:27

"morgen" wie: An dem Morgen, an dem ich endlich dazu komme, das zu schreiben, was ich vollmundig angekündigt habe ;-)

5 | Andrea schrieb am 14.08.06 10:05

moin marc,

wenn sinnige modelle in sachen 'monetarisierung' bald stehen, dann geht es schon bald los mit der 'zu schlagenden schlacht'
aber da arbeiiten wir ja dran. erinnerst du dich an unseren diskurs in berlin bzgl. myspace?

6 | medienjunkie schrieb am 14.08.06 12:05

das große geld verdienen wir dann mit schleichwerbung. (http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/23/23016/1.html&words=Schleichwerbung%20Blogs) ;-)

7 | Sandra schrieb am 9.01.07 14:59

Weitere interessante Artikel zum Thema "Wie lässt sich mit Web2.0 Geld verdienen" unter http://tourismus-weblog.fh-heilbronn.de/web2.0/archives/web_20_geschaeftskonzepte/index.html

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