DMMK-Wunschzettel

Veröffentlicht am 5. Juli 2006 um 12:46 Uhr von Mark Pohlmann

Ein kurzer Nachklapp auf den Internetkongress DMMK am 28. Juni in Berlin.

Wer oder was ist der DMMK? Der DMMK wird zusammen von der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg und dem BVDW Bundesverband Digitale Wirtschaft veranstaltet.

In der Praxis heißt dies: Knapp 500 Teilnehmer, zwei Slots (Marketing / IT), perfekt organisiert und ein luxuriöses Ambiente in der ständigen Vertretung des beteiligten Landes in Berlin, einem postklassizistischen Bombast-Bunker im Stile des Kanzleramtes, neben dem sogar die angrenzende indische Botschaft klein wirkt.

Ich gehe seit Jahren gerne auf den DMMK, wir sind mit SinnerSchrader im letzen Jahr sogar Hauptsponsor gewesen (und hatten einen Hau-den-Lukas im Garten aufgebaut, an dem man sich einen Job bei den Studios erhauen konnte). Der Grund: Gute Kontakte, Kontinuität auch in schlechten Zeiten. Hier wird Zuversicht verbreitet.

Doch es ist viel passiert in diesem einen Jahr. Dem Medium, der Internetwirtschaft und nicht zuletzt SinnerSchrader geht es viel, viel besser als noch vor 12 Monaten. Neue Themen beflügeln Phantasie und Projekte. Der "Kampf um Talente" fängt von Neuem an. Die nächste Start-up-Generation marschiert. Und dazwischen demonstriert der DMMK stoisch eine Branche, die es zwar noch gibt, der aber nicht mehr die Zukunft gehört: All die Online-Marketing-Erklärer, Shop-Aufbauer, Heim-Vernetzer und Mein-Portal-ist-das-beste-Apologeten. Sie interessieren nicht mehr, weil sie nichts erzählen, was sie nicht schon seit vielen Jahren erzählen.

Macht Platz für die, die keine Antworten haben, sondern die richtigen Fragen stellen! Das ist mein Rat und mein Wunsch an die Veranstalter. Auch solche Referenten gab es. Sören Stamer von CoreMedia beispielsweise. Überraschenderweise. Denn er und seine Software leben DRM. Aber er erklärt, daß DRM viel besser sein kann als derzeit. Dass es dem Konsumenten helfen könnte, Musik wirklich nur einmal zu bezahlen und überall zu hören - ganz gleich, wo und auf welchem Gerät.

Aber darum geht es nicht. Wichtiger ist: Er hat einer insgesamt wirtschaftskonservativen Klientel das Gefühl vermittelt, daß sich viel bewegt, aber niemand weiß, wohin die Reise geht. Daß die Chancen gleichzeitig die Risiken sind. Was passiert mit unserer Online-Biographie? Wie schützen wir uns vor Mißbrauch, vor der digitalen Vernichtung unserer Identität? Wer ist schonmal bei der Google-Bildersuche nach "My Ex-Girlfriend" ganz oben aufgetaucht?

Solche Fragen werden uns stärker und länger beschäftigen als die hundertachtzigste Aussage dazu, was oder wer Myspace und Murdoch nochmal sind. Von Menschen, die noch nichtmal ihre eigenen OpenBC-Kontakte offen zur Schau zu stellen wagen.

Bitte mehr von solchen Fragen. Und bitte mehr Mut bei den Referenten und den Themen. Und: Bis zum nächsten Jahr!

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