Thesen für Netzstimmen-Interview

Veröffentlicht am 28. Juli 2006 um 12:51 Uhr von Mark Pohlmann

Oliver Gassner hat mal wieder ein neues Blog: Netzstimmen. Die ersten Stimmen gehören Lyssa und Ibrahim Evsan von Sevenload, genannt Ibo). Oliver hat mich ebenfalls zu einem Interview eingeladen, und ich habe ihm versprochen, vorab ein paar steile Thesen zu proklamieren, über die sich dann hoffentlich trefflich streiten läßt.

Nun muß ich mir natürlich vorher nochmal überlegen, worüber eigentlich. In meiner Brust schlagen viele Herzen. Man könnte über E-Commerce, PR, Web 2.0 im Allgemeinen oder die Blogger im Speziellen parlieren.

Am meisten treibt mich aber aktuell die Frage um, warum Web 2.0 sich so schwer tut in Deutschland. Und wie Unternehmen auf die Herausforderung, dem Wunsch ihrer Kunden nach Partizipation, reagieren können. Ich denke, mit diesem Fragenkomplex wird Oliver sehr einverstanden sein.

Wohlan, hier sind sie:


Web 2.0 wird erst eine Massenbewegung, wenn das Internet auf das Handy überspringt.


Bei uns ist der Computer immer noch Arbeits- und kein Freizeitgerät. Nicht ohne Grund ist Deutschland E-Commerce-Weltmeister, aber Web-2.0-Anfänger. Beispiel: Trotz des ganzen Hypes um Blogs gibt es nur ein einziges mit Reichweite (Bildblog. Das ist aber gar kein Blog im Sinne eines Dialogangebotes, sondern nur zufällig ein Blog, weil Blogs eben auch ein gutes CMS sind.)

Kommunikation (im Sinne von Aufmerksamkeit für eine Marke, für einen Absender) wird in Zukunft derart kleinteilig werden, daß die heutigen Major Player das Spiel unter ihren bestehenden Regeln gar nicht gewinnen können. Sony, Bertelsmann, Adidas oder BMW - sie alle leben von Reichweite.

Das Ergebnis: Vielfalt. Und ein dramatischer Bedeutungsverlust großer Marken.

Marken und Medien werden sich in Folge stärker solidarisieren, journalistische Unabhängigkeit immer seltener. "Branded Content" heißt die letzte mögliche Ausbaustufe der aktuellen Mediengesellschaft.

Was dann kommt, ist ein tiefgreifender Paradigmenwechsel, der das Instant-Marketing, das wir heute kennen, hinfortspült. Und mit ihm wahrscheinlich auch seine Protagonisten. Man darf nicht vergessen, daß hinter dem Kulturkampf um Web 2.0 auch ein Kampf der Biographien steht!

Empfehlungsmarketing ist das Marketing der Zukunft. Wir werden es noch erleben: Konsumenten werben für Firmen. Die Marke fällt tatsächlich in die Hände derer, die ihre Existenz überhaupt ermöglichen.

Welche Form der Werbung bleibt den Herstellern selbst? Ihre Konsumenten und Multiplikatoren zu vermarkten. Das Ergebnis: E-Commerce wird Personenmarketing.

Wer heute Web 2.0 im Sinn hat, sollte sich auf zwei Zielgruppen konzentrieren: Teens und Geeks.

Oliver, ich freue mich auf das Interview - und Kommentare, Ergänzungen und Interviewanweisungen sind natürlich herzlich willkommen!

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Bisherige Kommentare

1 | oliverg schrieb am 1.08.06 14:10

Das wird nett ich hab mir zu jeder These ne Gegenthese ausgedacht. ;)

2 | Philip schrieb am 4.03.07 10:44

Naja bis Web 2.0 sich etabliert hat, werden noch einige Jahre vergehen!

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