Wie Verlage denken: Pointoo

Veröffentlicht am 27. Juni 2006 um 10:21 Uhr von Mark Pohlmann

pointoo.gif Wir haben gelernt: Zeitungsverlage sehen ihr Geschäftsmodell durch die Selbstorganisation der Nutzer bedroht. Und sowieso erwartet die Welt nach der MySpace-Murdoch-Aktion eine Springflut aufsehenerregender Übernahmen und Neugründungen in Sachen Web 2.0 Nicht zuletzt deswegen hat die Verlagsgruppe Holtzbrinck ein eigenes E-Lab ins Leben gerufen (über das so gut wie gar nichts in Erfahrung zu bringen ist). Und jetzt purzeln die fertigen Produkte in kurzer Schlagzahl fröhlich ans Licht.

Nach blog.handelsblatt, kiwoo und Germanblogs nun also Pointoo. Was Pointoo sein will, ist im Pointoo-Blog und bei Alexander Hüsing zu lesen - oder bei ElviraZwei:

Pointoo ist ein universelles Tool zur Generierung, Verwaltung und Nutzung von selbsterstellten georeferenzierten Inhalten und stammt aus dem Hause Holtzbrinck eLab. Der Nutzer findet im Webservice Web 2.0-Elemente (Mash-Up Google Map, Empfehlungs- und Austauschfunktionen etc.). Über die Handy-Applikation Pointoo Mobile kann man einen persönlichen Ort Geo-Taggen. Die Ortung via GSM-Zellinfo oder GPS-Empfänger ist kostenlos. Zusätzlich ist eine Umkreissuche im eigenen Account oder über gesamt Pointoo nach Stichworten („Tags“) und / oder Namen möglich. Schnittstellen zu mobilen Navigationsanbietern (TomTom, Navigon, Medion etc.) sind natürlich mit an Bord.

Hmmm. Jetzt mal ehrlich: Versteht das jemand? Vermutlich geht es um einen Mix aus Plazes und Qype und darum, sich persönliche Stadtpläne zu basteln, um sie dann wie Fußballer-Bildchen mit anderen zu tauschen. Eine nette Idee, aber offensichtlich auch kompliziert umzusetzen.

Am wahrscheinlichsten ist, daß Holtzbrinck einfach ausprobiert. Gratulation dazu, das ist sowieso der einzig fruchtbare Weg. Aber glaubt man in Verlagen wie Holtzbrinck wirklich, auf Märkten, auf denen bereits interessante Anwendungen existieren, sinnvolle Alternativen zu schaffen, die sich durchsetzen? Wir erinnern uns hier an das Start-up Mantra: "Mache etwas nur, wenn du überzeugt bist, es zehmal besser als Yahoo und Google zu machen". Und das, mit Verlaub, ist den Verlagen in den ersten zehn Jahren des Internets noch nicht gelungen (ich lasse mich an dieser Stelle gerne eines besseren belehren).

Sehnlichst wartet die Welt warte ich stattdessen auf Antworten auf die ureigenen Verlagsprobleme: Wie löst ihr das Wegbrechen des Kleinanzeigenmarktes durch Ebay? Was ist mit dem oft versprochenen Dialog mit den Lesern? Mit Citizen-Journalism? Wie soll die Effizienz und Meßbarkeit von Offline-Werbung mittelfristig gegen Online-Werbung bestehen? Was ist mit Paid Content? Medienkonvergenz? Interaktivem Fernsehen? Wie sammelt ihr eure atomisierten Zielgruppen ein?

Pointoo löst euer Problem einfach nicht.

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Bisherige Kommentare

1 | Hugo E. Martin schrieb am 27.06.06 16:35

Wer ist "die Welt", die auf die neuen Produkte der Verlage wartet? Kenne ich nicht! Und schon gar niemand "wartet" (sehnlich) auf Produkte, die die (ureigenen) Problem Anderer lösen sollen...

(es sei denn, damit das Jammern aufhört).

2 | till schrieb am 27.06.06 22:04

Schade um Pointoo. Ich meine irgendwo gelernt zu haben, dass nur weil eine Idee schon da war, man es trotzdem nochmal machen darf. ;-)

Aber Web2.0 allgemein heisst m.E. eben nicht "Insel sein", und die Benutzer auf Krampf auf eigenen Portalen/Produkten/Websites festzuhalten. Sie taggen Ihr Kaffee nur bei uns, lesen nur unsere Blogs und lesen nur unser Magazin.

Vielleicht waere integrieren besser, oder sogar der Mut zur Nische?

Denke genau das sehen "die" bei den Verlagen noch gar nicht. Da geht es eher um die Dominanz, die Marktanteile und "Zielgruppen" (die offenbar keiner kennt).

3 | Mark Pohlmann schrieb am 28.06.06 12:35

"dürfen" darf man immer alles. warum aber probleme lösen, die man bis dato noch gar nicht hatte, statt sich an die eigentlichen hausaufgaben machen?

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