Wegners Thesen zum Journalismus

Veröffentlicht am 14. Juni 2006 um 16:38 Uhr von Mark Pohlmann

Peter Turi veröffentlicht die Thesen von Jochen Wegner, Chefredakteur von Focus Online als Warm-up für ein noch zu führendes Interview. (Heute um 18.00 Uhr sagt er. Ob es ein Live-Interview ist? Ob er sich damit gegen die WM wird durchsetzen können?)

1. Die Zukunft des Journalismus wird an seinen Rändern erfunden.
2. Die Grenzen zwischen Mediennutzern und -Produzenten verschwinden.
3. Die Produktionskosten von Medien sind nicht mehr die entscheidende Hürde.
4. Die Menge an Talent ist unendlich.
5. Die Menge an Aufmerksamkeit ist endlich.
6. Was guter Content ist, entzieht sich einer klassischen statischen Definition - Mediennutzer und -Produzenten handeln dies in einem ständigen Dialog aus.
7. Guter Content findet seinen Markt.
8. Medien sind der Kristallisationskeim von Gemeinschaften.
9. Der Bedarf an Qualitätsjournalismus wird wachsen.
10. Qualitätsjournalismus wird zunehmend direkt durch Unternehmen finanziert.

Lesen sich weder visionär noch provokant, sonden ein wenig wie die Einführung zum Proseminar "Gesellschaft. Medien. Mediengesellschaft". Und der Punkt 10 bestätigt einen ganz alten Verdacht von mir: Die wenigsten Journalisten begreifen akzeptieren, daß sie dafür bezahlt werden, die Rückseiten von Werbung vollzuschreiben. Ein passendes Zitat, das ich Ex-RTL-Chef Helmuth Thoma zuschreibe: "Die Werbung ist das Programm". Von daher laufen auch die meisten Erregungsversuche von Journalisten über die Einfllußnahme der PR ins Leere. Sie ist faktisch vorhanden. Es geht jetzt um den richtigen, sprich offenen, Umgang mit ihr.

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Bisherige Kommentare

1 | Ralph Möcklinghoff schrieb am 15.06.06 22:28

Als ich die 10 Thesen las, kam mir sofort ein Zitat aus einem Bericht zum 20- jährigen Bestehen der Page in der Welt in den Sinn.


... Die Geschichte begann 1986, als ein neuer Begriff die Runde machte: Desktop-Publishing (DTP). Mit dem Apple Macintosh, den ersten Laserdruckern und dem ersten DTP-Programm Aldus PageMaker konnte plötzlich jedermann ohne schwere Technik Druckerzeugnisse gestalten und notfalls selbst vervielfältigen. Medien-Profis rümpften die Nase und lächelten über "Hausfrauen-Design". "Ich hasse alles, was nach DTP aussieht", gab Designer Neville Brody noch 1989 in "Page" zu Protokoll. ...


Ja, man konnte auch vor Atari und Mac Zeitschriften und Prospekte produzieren, aber eben nur mit einem enormen finanziellen und technischen Aufwand. Und es war auch vor den Content erzeugenden Web Anwendungen, nennen wir sie mal Web 2.0, möglich, Inhalte zu publizieren.
Interessant wurde das Ganze immer dann, wenn die zugrunde liegende Technik zum einen so günstig wurde, dass sie praktisch jedermann bezahlen konnte, und zum anderen so einfach zu bedienen war, dass sie jedermann anwenden konnte.
Das galt damals für das DTP genauso wie heute für das Online-Publishing.


Also nur mal so aus Spaß knapp 2 Jahrzehnte zurück:

1. Die Zukunft des Mediendesigns wird an seinen Rändern erfunden.
2. Die Grenzen zwischen Mediennutzern und -Produzenten verschwinden.
3. Die Produktionskosten für Mediendesign sind nicht mehr die entscheidende Hürde.
4. Die Menge an Talent ist unendlich.
5. Die Menge an Aufmerksamkeit ist endlich.
6. Was gutes Mediendesign ist, entzieht sich einer klassischen statischen Definition - Mediennutzer und -Produzenten handeln dieses in einem ständigen Dialog aus.
7. Gutes Mediendesign findet seinen Markt.
8. Medien sind der Kristallisationskeim von Gemeinschaften.
9. Der Bedarf an Qualitätsmediendesign wird wachsen.
10. Qualitätsmediendesign wird zunehmend direkt durch Unternehmen finanziert.

2 | Thomas Hofmann schrieb am 6.07.06 9:44

Klasse! Aber versteht das auch jeder?

Gruß, Thomas

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