Reboot: Das Internet ist größer als wir

Veröffentlicht am 7. Juni 2006 um 18:26 Uhr von Mark Pohlmann

Thomas Madsen-Mygdal raubte mir schon nach zwei Minuten alle Illusionen: This is no Web-2.0-Event!

Ok, dann also nicht - wobei die für die Reboot gesetzten Tags eigentlich eine andere Sprache sprachen.

reboot8_tagwolke.gif

Was dann? Die Reboot-Macher wollen dazu anstoßen, Technik als Ausdruck sozialer Verantwortung einzusetzen. Das ist natürlich auch ein schöner, inspirierender Ansatz, dem sich für zwei Tage herrlich folgen ließ. Und so ließ ich alle geschäftsgerechte Aufmerksamkeit dahinfließen, öffnete Herz und Verstand für eine ganze Reihe soziologischer Proseminare, die mich flugs in meine Studentenzeit zurückversetzten, und gab mich vielen interessanten Menschen und Gesprächen vor Ort hin. Happening trifft es wohl am besten.

Dennoch: In erster Linie war die Reboot ein sehr gut organisierter Kongress. Untergebracht in einer tollen ehemaligen Fabrikhalle (heute Sporthalle), beherrschte die Notebook-auf-dem-Schoß-Fraktion (Live-Bloggen! Chatten mit dem Nachbarn! Mails! Arbeiten!) die Reihen. (Sobald die Videos online sind, werde ich an dieser Stelle noch einmal die sehenswerten Vortrage nachtragen.)

Was bei der Reboot rumkam. Eine kleine Gedankensammlung

- Die Reboot, das sind 450 Internet-Geeks. Im Umkehrschluß hieß das: Unternehmen haben die Reboot noch nicht als Thinktank entdeckt. Sünde!

- Die Reboot ist ein Beweis dafür, daß Europa eine eigene Webkultur hat. Schon alleine, um die kulturellen Unterschiede aufzuspüren (Vielfalt! Verantwortung! Reflexion! Wurzeln!), ist sie einen Besuch wert.

- Große Namen verkörpern selten große Themen. Das gilt auch für die Reboot. Die Zahl der Referenten, die ihr Thema nicht gestemmt bekamen, war ungefähr genauso hoch wie auf unserer Veranstaltung. Gut wurde es immer, wenn es wild wurde (von allen in den Himmel gehoben: Ben Hammersley (leider noch kein Link), der Mann im Kilt und der Frage "How to be a Renaissance Man")

- Welcher Gedanke eint 450 Social Software-Avantgardisten? Vielleicht dieser: Das Herz des Internets ist unkommerziell. Wir haben gerade erst angefangen, mit Technik das zu machen, was nur Technik vermag: Jedem Individuum da draußen eine Stimme, seine Stimme zu geben.

- Web 2.0 mangelt es als Gegenentwurf des Web 1.0 aktuell noch erheblich an wirtschaftlicher Substanz. Die Frage, wie sich der gemeinsame Austausch monetarisieren läßt, widerspricht dem Versprechen freien Austauschs. Hier half auch Marx nicht weiter, der laut Adam Arvidsson
ermahnt, die Gemeinschaft als monetären Wert wiederzuentdecken.

- Das Leitthema hieß "Renaissance" und kulminierte für mich in dem schönen, abschließenden Vortrag: There's something going on here that is bigger than any of us. Für die Gäste der Reboot bleibt es wohl vorerst - das Internet.

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